Hoch über der Moldau, auf einem Felsen, liegt der Vyšehrad in Prag. Er ist ein frühmitterlalterlicher Burgwall, ist die zweite Prager Burg und ein Nationales Kulturdenkmal.

Dieser Tag heute, bei unserem Langzeitaufenthalt in Prag im Oktober 2021, war nur dem Vyšehrad vorbehalten. Wie die meisten Touristen in der „Goldenen Stadt“, war bei unserem ersten Besuch im Juni 2020 glasklar, dass wir zur Prager Burg und dem Veitsdom hinauf müssen. Ja, wo legt man bei sechs Tagen (zum ersten Mal) in dieser, mit Sehenswürdigkeiten gespickten, Stadt seine Besichtigungsschwerpunkte? Da geriet bei uns die Prager Neustadt, und damit auch der Vyšehrad, ganz klar ins Abseits. Aus diesem Abseits wollten wir diesen Prager Stadtteil herausholen, denn eins war uns bei unseren vier Wochen in Prag sicher – alles das, was wir im Vorjahr schon einmal besucht hatten, stand dieses Jahr nicht auf dem Plan. Und war es auch noch so schön dort. Denn, wie ihr sicher in meinen vielen Berichten schon gelesen habt, wir sind sehr sehr selten ‚Wiederholungstäter‘. Dazu gibt es – vor allem auch in Prag – einfach zuviel anderes zu sehen.

Der Vyšehrad wird aber mit Sicherheit auf unsere Wiederholungsliste kommen, denn nach über fünf Stunden auf dem alten Burgwall, haben wir vom südlichen Teil der großen Parkanlage noch nichts gesehen. Deshalb schreib ich auch nicht weiter drumrum, kommt mit zu

meiner Besichtigung des Vyšehrad, der alten Burg, in Prag

Die Metro brachte uns zur Haltestelle gleichen Namens, und nach knapp 10 Minuten gemütlichen Fußmarsches kamen wir am ersten Tor des Vyšehrad an.

Durch das

Taborer Tor auf dem Vyšehrad in Prag

geht es in die weitläufige Parkanlage. Und wie ihr auf dem Foto erkennen könnte – da gibt es schon richtig viel zu entdecken, da oben auf dem Fels. Ihr könnt (zumindest die Hälfte) jetzt ganz bequem von daheim aus mitgehen.

Dieses Tor, eines von den beiden, wo man mit dem Auto in den großen Park-Komplex kommt, wurde so um 1640 errichtet. Den Namen erhielt die damalige Polizeiwache, weil es die Zufahrtsstraße nach Prag überwachte, die u.a. auch von Tábor herführte.

uebersichtsplan vysehrad prag 6931

Man kann schon vor dem Tor mit den dicken Mauern erahnen, wie stark dieser Festungswall ist. Durch ein großes Parkgelände geht es weiter. Direkt an dieser Straße bekommt ihr in in den Überresten eines gotischen Tors, aus der Zeit von Karl IV., einen Übersichtsplan – und wenn ihr möchtet auch Souveniers vom Vyšehrad. Dort befindet sich nämlich das Informationszentrum. Weiter geht es zum

Leopoldstor auf dem Vyšehrad

das zu Ehren des damaligen Herrschers Kaiser Leopold I. 1672 als Haupteingang zur Burg gebaut wurde. Ich hab mich mal kurz in die Vita von Leopold I., einem Sohn von Ferdinand III., eingelesen. Eigentlich kam der Habsburger ja eher ‚durch Zufall‘ auf den Thron. Zwar einem Traurigen, da er die Nachfolge seines verstorbenen Bruders antrat. Und weil er in der Politik wenig Ahnung hatte, ließ er lange Zeit regieren. Man hat ja schließlich einen guten Mitarbeiterstab. 65-jährig starb er in Wien. Während ich über seine Aktivitäten in Prag doch recht wenig fand, konnte ich aber groß über seine Bestattung was finden. DAS war mir bis dato neu. Leopold erfuhr mit seinem Leichnam eine „Getrennte Bestattung“ – d.h. innere Organe wurden entnommen, konserviert, und getrennt vom Körper bekam er mit diesen, drei Begräbnisstätten in Wien. Hmm …

Übrigens geht der Name der Leopoldina, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, auf Kaiser Leopold I. zurück. Er stand ehrenhalber an der Spitze dieser, heute ältesten naturforschenden Akademie der Welt. Auch wenn er Anfangs vom Regieren nicht viel Ahnung hatte, dafür war er eben wissenschaftlich, literarisch und historisch umso mehr interessiert.

Wie bei einer Burg so üblich, gab es einen ersten und zweiten Ring um die Kernfestung. Das Leopoldstor war der zweite Ring und war bis 1842 durch eine Zugbrücke mit dem Taborer Tor verbunden. Die heutige Strasse kam erst danach.

Tja, und jetzt musste ein Plan her, wie wir was in dem weitläufigen Gelände abarbeiten. Wir haben uns für eine nördliche Erkundung der Festung entschieden. Auch aus dem Grund, weil der Vyšehrad von dieser Seite her einen wunderschönen Blick auf die Prager Neustadt bis hinüber zur Prager Burg und den Berg Petrin bietet. Auf diesen Rundgang, der bei der

St. Martins Rotunde auf dem Vyšehrad in Prag

beginnt, nehme ich euch jetzt mit. Wie wir, verstärkt in Prag, aber oft auch bei unseren anderen Besichtigungen, erfahren durften – nicht immer sind die Türen bei unseren Besuchen geöffnet. So war auch die älteste Rotunde in Prag für uns geschlossen. (Besichtigung nur nach vorheriger Absprache möglich). Sie ist aber nicht nur die Älteste, sondern ist auch das einzige, vollständig erhaltene Gebäude im romanischen Stil, vermutlich aus dem letzten Drittel des 11. Jahrhunderts. So genau weiß man das nicht, denn schriftlich wurde sie zum erstenmal 1396 erwähnt.

Ich sage bei so alten Gemäuern ja gerne „wenn Steine reden könnten“, denn die könnten mit Sicherheit einiges aus ihrer Lebenszeit erzählen. So bot die Rotunde im 12. und 13. Jahrhundert um sich herum die letzte Ruhestätte für viele Menschen. Die Hussitenkriege, die von 1419 bis 1436 tobten, scheinen einen großen Bogen um die Rotunde gemacht zu haben, sie wurde verschont. Wenn ihr mehr über die Hussitenkriege, die nach dem Tod von Jan Hus Fahrt aufgenommen haben, wissen möchtet, dann könnt ihr dazu mehr in meinen Berichten zu Jan Hus und beim Neustädter Rathaus nachlesen.

Vermutlich war die katholische Kapelle auch noch zufrieden damit, dass man sie als städtisches Gefängnis der kleinen Burgstadt über der Moldau benutzt hat. Brenzliger wurde es dann allerdings im Dreißigjährigen Krieg, der ja mit dem Zweiten Fenstersturz aus dem Königspalast auf der Prager Burg begann, – die Rotunde diente dann als Schießpulverlager. Und noch schlimmer sollte es kommen, als die Zugbrücke zwischen den Eingangtoren einer Straße durch den Vyšehrad weichen musste. Denn da war die kleine runde Kapelle am Hang diesem Bau im Weg. Sie sollte weg. Der Hofkanzler Karl Chotek von Chotkows wusste dies jedoch zu verhindern.

Jetzt, da sie bleiben durfte, wurde sie dann 1875 renoviert und aufgehübscht. Ihr Eingang wurde von West nach Süd verlegt. Man kann sagen – klein, aber oho. Im Durchmesser ist sie nämlich nur 6,5 Meter, die Apsis hat nur eine Tiefe von 2,20 Meter – aber sie hat eine dicke Hülle. Die Mauern um diese Kostbarkeit sind so rund 96 cm dick.

Da wir an der St. Martins Rotunde den Weg hinauf zum Weg auf der Bastei sind, von rückwärts blieb mir ein

Blick auf die Kapelle der Jungfrau Maria auf den Schanzen auf dem Vyšehrad

Die Wallfahrtsstätte (Kaple Panny Marie v hradbách) beherbergte eine Skulptur der Jungfrau Maria von Loreto, die man heute in der Basilika St. Peter und Paul auf dem Vyšehrad sehen kann. Joseph II. befand die Kirche 1784 für unnötig, was jedoch so 100 Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Prag bietet eine riesige Anzahl an Kirchen, keine Ahnung, ob es wirklich nur 60 Kirchen sein sollen, wie Google sagt. Da kann man den Schwund einer Kirche eventuell dann verkraften? Denn hinter der Kapelle stand vor den Hussitenkriegen noch eine zweischiffige Hallenkirche, die Kirche Enthauptung des hl. Johannes. Die wurde jedoch bei diesen Auseinandersetzungen verwüstet und anschließend nicht wieder aufgebaut, denn zu dieser Zeit stand der Festungsausbau an erster Stelle.

Blick auf die Kapelle der Jungfrau Maria auf den Schanzen auf dem Vyšehrad 7024

Bevor meine Blicke über die Dächer der Prager Neustadt schweifen, schweif ich mit

ein bisschen Geschichte zur Entstehung des Vyšehrad in Prag

ganz weit zurück. Zu der Zeit, als es noch kein Herrschergeschlecht in Tschechien gab. Denn das beginnt mit der Stammmutter Libussa. Um sie rankt sich eine schöne Legende, die ich euch nicht vorenthalten möchte.
Es war einmal ein weiser, reicher Mann, der im ganzen Land als Richter hoch angesehen war. Krok war sein Name, dieser Gestalt aus der böhmischen Mythologie. Er soll nach dem Urvater von Tschechien Čech, der zweite Herrscher gewesen sein. Dieser weise Mann hatte drei Töchter: eine war Ärztin mit Heilkräutern, die Zweite eine Priesterin, die den heidnischen Kult im Land bekannt machte, und die Dritte, Libussa (Libuše) war eine Wahrsagerin und wie ihr Vater Richterin.

Zu dieser Zeit gab es in der Stadt weder Gesetze noch Regeln. Und eine Frau als Richterin? Die auch noch den Kriegern zu sagen hatte, was Sache ist? Never! Geht gar nicht. Also musste ein Herrscher her. Leichtes Spiel für eine Seherin, Boten den genauen Platz sagte, wo sie diesen finden würden. Und tatsächlich fanden sie einen Mann mit dem Namen Přemysl, der dabei war seine Felder zu bestellen. Das Happy-End dieser Geschichte: Přemysl und Libuše feierten Hochzeit. Libuše hatte eine Vision wo sie zukünftig leben sollten – in Prag auf dem Vyšehrad, auf dem ihre Burg entstehen sollte. Das Herrschergeschlecht der Přemysliden war geboren, und Libussa war die Stammmutter dieses Geschlechts. Und wenn sie nicht gestorben sind ….

Die einen glauben, diese Version ist ein Märchen und war doch alles gar nicht so. Und die erste Prager Burg wäre auf dem Hradschin gestanden. Die Beteiligten sind aber leider nun gestorben und können nichts mehr dazu sagen. Übrigens gibt es noch eine weitere Legende um Libussa mit dem Mägdekrieg. Über die könnt ihr in meinem Bericht zur Wilden Sarka lesen.

Historisch belegt ist deshalb erst die Zeit ab 930, und als unter Boleslav II. (der Mensch, der seinen Bruder Wenzel ermordet hat um an die Macht zu kommen) eine Münzstätte auf dem Vyšehrad nachgewiesen ist. Unter Vratislav II. wurde der Vyšehrad dann zum Königssitz. Befestigungen wurden verstärkt und eine kleine Stadt entstand da auf dem Felsen über der Moldau. Aber dieser Herrschersitz war nicht für die Ewigkeit. Die Prager Burg gab es bereits und 1140 befanden die Přemysliden-Herrscher, dass sie doch lieber von dort oben regieren würden. Um die kleine Stadt kümmerte sich niemand mehr, bis Kaiser Karl IV. das Sagen hatte. Er glänzte den verblassten Herrschersitz wieder auf, und legte auch fest, dass der neue König von hier zum Veitsdom zur Krönung zu gehen hat. Er war der erste der diesen Weg ging – aber auch der Letzte.

So, das wars mal fürs Erste mit Geschichte. Mehr könnt ihr in den einzelnen Berichten lesen. Genießen wir jetzt

die Blicke vom Vyšehrad auf Prag

Und die beginnen mit

dem Blick vom Vyšehrad ins Nusle-Tal in Prag

Bei diesem Blick hinüber zur Brücke übers Nusle-Tal kam der fragende Blick zu meinem Mann: Dort rechts von der Brücke sind wir doch von der Metro ausgestiegen? Dort beim Kongresszentrum von Prag. Beim genauen Blick stellten wir fest, dass die Metro unterhalb der Brücke fährt. 485 Meter ist die Nuselský-Brücke lang, und ist eine der größten Brücken in Tschechien. 1975 wurde mit dem Bau begonnen. Nach 14 Jahren Bauzeit verbindet sie jetzt Prag 2 mit Prag 4 (die großen Stadtteile in Prag sind nur durchnummeriert).

Auch dieser Blick auf die Dächer bietet vom Vysehrad eine interessante Perspektive. Ob sich da noch jemand auskennt mit den vielen Kaminen und Abluftrohren?

Der Blick vom Vyšehrad zu Prager Neustadt

dazu ging es auf dem Rundweg auf der Festung entlang. Der Bau der Festung Vyšehrad begann ab 1653, und hatte den Grundriss eines unregelmäßigen Fünfecks. An allen Ecken standen Bastionen hervor, die aber erst 1727 fertig waren. Auf so einer Ecke standen wir beim Blick hinüber zur Neustadt.

Rechts von dem weißen großen Gebäude erkennt ihr das Neustädter Rathaus. Und wenn ihr einen Bummel durch die ganze Neustadt machen möchtet, dann klickt auf den nachfolgenden Link zu allen meinen Berichten.

blick vom vysehrad zur prager neustadt 7086

Blick vom Vyšehrad aufs Emmaus Kloster und die Kirche St. Johannes Nepomuk am Felsen in Prag

Das Emmaus-Kloster erkennt ihr sofort an den beiden auffallenden Kirchtürmen. Nachdem Kaiser Karl IV. die Prager Neustadt aufgebaut hat, brauchte er zu seinem Ziel -Prag zu dem wichtigsten geistigen Zentrum zu machen- noch ein paar Kirchen und Klöster. 1347 wurde mit dem Bau des Klosters begonnen. Dabei hat der Kaiser den Plan verfolgt, die slawische Liturgie nach Prag zu bringen, damit die Beziehungen zwischen Ost- und Westkirche zu einigen, und die Beziehungen zu stärken. Gleichzeitig wäre es das einzige slawische Kloster im Westen gewesen. Wie das alles mit dem Kloster weiterging, könnt ihr in meinem ausführlichen Bericht lesen.

Gegenüber dem Kloster steht die Kirche zu Ehren des Hl. Johannes Nepomuk auf einem Felsen. Damit man nicht klettern musste, bekam die Kirche eine wunderschöne Freitreppe, die wirklich sehenswert ist. Auch zu dieser Kirche gibt es einen ausführlichen Bericht auf meinem Reise- und Fotoblog.

Und auf der Aussichtsplattform bekommt ihr noch einen kleinen Überblick über das Who is Who der vielen Kirchtürme, die ihr von dort seht.

Über diese beiden Gebäude habe ich lange gerätselt, bis endlich Licht ins Dunkel kam –

Blick vom Vyšehrad auf die Landesentbindungsanstalt und das zentrale Abfertigungszentrum für den öffentlichen Verkehr in Prag

Der große dunkle ‚Klotz‘ von Hausbau fällt euch von mehreren Standorten mit Blicken über die Stadt auf. Jetzt wisst ihr, dass es die zentrale Dienststelle für den öffentlichen Verkehr ist. In sechs Jahren Bauzeit wurde es ab 1972 errichtet und klotzt mit zehn oberirdischen und vier unterirdischen Stockwerken. Für diesen Bau mussten fünf Häuser weichen, die zuvor ihren Platz an dieser Stelle hatten. Und ganz sicher ist, dass dieses Gebäude, das irgendwie so brutal in die Stadt gesetzt wurde, auf dem Besichtigungszettel bei unserem nächsten Besuch in Prag steht.

landesentbindungsanstalt prag 7004

Genauso wie die Landesentbindungsanstalt, die auch heute noch Babys beim Start ins Leben hilft. 1867 wurde sie als die damals größte europäische Entbindungsklinik gebaut. Mit ihrer Bauart fällt sie insgesamt ein bisschen aus dem Rahmen der Prager Baustile, ich fühlte mich eher nach Hamburg versetzt mit dieser Klinkerbauweise. Der Architekt war aber ein Cleverle und weitdenkend – er plante einzelne Häuser auf dem Areal. Mit dem Hintergedanken, dass sich so eine Infektion nicht großartig übertragen könnte.

Die nächsten

Blicke vom Vyšehrad zum Fernsehturm Žižkov und der Kirche Kirche Mariä Himmelfahrt und Karl der Große in Prag

Auch wenn es auf den Fotos den Anschein hat, da ist doch alles ganz eng beieinander – bei unserem Ausflug zum Prager Fernsehturm und anschließend noch zur Kirche Mariä Himmelfahrt wurden wir doch eines anderen belehrt. Hmm ja, ich musste davor noch den Wunsch meiner Tochter erfüllen: sie wollte ein Foto von Kafkas Grab. Ich sag euch, wir sind an diesem Tag wie die Hasen im Viereck gesprungen 😀 😀

Sehr sehenswert ist der Ausflug zum Fernsehturm, für 10 Euro könnt ihr euch von dort oben die Blicke über die Stadt gönnen. Insgesamt ist der Turm 216 Meter hoch. Und wenn ihr den Eindruck habt, da krabbelt doch an den Säulen was nach oben? Richtig, im Jahr 2000 ‚besetzten‘ krabbelnde Babies die drei Betonsäulen.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt und Karl der Große war bei unserem Besuch geschlossen. Unser großes Los bei so vielen Kirchenbesichtigungen. Dabei hätte ich mir die Kirche mit der großen Kuppel so gerne von innen angeschaut. Schließlich soll da unser Schwäble Peter Parler (der aus meiner Heimatstadt stammt) im Auftrag von Kaiser Karl IV. auch mitgemischt haben. Sehr spontan haben wir in Prag entschieden, wo es von Peter Parler so viele Bauten gibt, dass ich fortan nicht nur auf den Spuren der Staufer, sondern auch auf den Spuren von Peter Parler wandle.

Auf einigen Fotos seht ihr links von der Kirche mit der Kuppel im Hintergrund zwei schwarze Türme. Das ist der Zwilling von der Kirche auf dem Vyšehrad, die Kirche St. Ludmilla.

Ihr könnt jetzt schon ahnen, warum wir uns da so lange auf dem Vyšehrad aufgehalten haben, und doch nicht fertig geworden sind 🙂
Aber ich wollte euch doch unbedingt diese Blicke über Prag einfangen. Wir sind mittlerweile ein Stücken weiter gelaufen und vor ‚Emma‘ liegt jetzt die erste Prager Burg.

Blicke vom Vyšehrad zur Prager Burg und dem Veitsdom und zur Prager Kleinseite

Unübersehbar der Veitsdom, den wir im Juni 2020 bereits ausführlich besichtigt haben. Auch ein Werk von Peter Parler übrigens. Und man könnte sagen, der größere Bruder von meinem Heimatmünster, das Hl. Kreuz Münster in meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd. Unverkennbar sein Stil.

Alle meine Berichte zum Burgstadtteil Hradschin und der darunter liegenden Prager Kleinseite bekommt ihr auf den jeweiligen Seiten.

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Mit den nachfolgenden Klicks kommt ihr bequem zum Hradschin und der Prager Burg, sowie auf die Prager Kleinseite.

Mit einer kleinen Drehung nach links gibt es noch

die Blicke auf den Berg Petřín und das Strahov Stadion

Wer bei diesem Blick seinen Augen nicht trauen mag, ihr seht schon richtig. Auf dem Berg Petřín steht der Nachbau des Eifelturms von Paris. 327 Meter erhebt sich der bewaldete Hügel über Prag, der neben dem Aussichtsturm einen wunderschönen Park bietet.

Das Strahov-Stadion liegt auf der Anhöhe unweit des Petřín-Parks und zählt als das größte Stadion aller Zeiten. Zu seinen Glanzzeiten, die aber schon lange vorbei sind, fasste es bei Veranstaltungen locker bis zu 250.000 Zuschauer. Heute ist es ziemlich heruntergekommen und baufällig, kann aber trotzdem in Teilen noch bis zu gut 50.000 Zuschauern bei Fußballspielen von Sparta Prag Platz bieten. Ihr erkennt die Lage die Stadions sofort am Strahov-Tower. Die zwei hohen Türme sind die Ventilations Türme des Strahow Straßentunnels, der unter dem Berg durchführt.

blick vom vysehrad zum berg petrin und strahov stadion 0262
blick vom vysehrad zum strahov stadion und strahov tower 0270
blick vom vysehrad zum Aussichtsturm auf dem berg petrin 7122

So, das wars erstmal mit den Blicken auf Prag. Übrigens könnt ihr (kostenlos) noch von folgenden Punkten herrliche Blicke über die Stadt einfangen: vom Letná-Park habt ihr die legendären Blicke auf die Moldaubrücken und die Blicke über die Altstadt bis hin zum Fernsehturm. Von den Burggärten direkt unterhalb der Prager Burg überblickt ihr herrlich die Stadt Prag bis hinunter zum Vyšehrad. Und auch vom Berg Petřín habt ihr einen tollen Fernblick, vom (kostenpflichtigen) Aussichtsturm sowieso.

Wir schlendern jetzt durch den herrlichen

Park auf dem Vyšehrad in Prag

weiter. Nachdem das Areal als Festung seine Bedeutung verloren hatte, ging man an die Umgestaltung des Parks so wie man ihn heute sieht. Hänge wurden eingesät und bepflanzt, Wege und Straßen wurden angelegt. Mehrere kleine ‚Parkinseln‘ setzen sich zu einem wunderschönen Ganzen zusammen.

Natürlich hatte auch Herren aus dem Domkapitel bei der Gestaltung des Parks etwas zu sagen. Ihnen wurde zu Ehren jeweils ein Plätzchen im Park gewidmet.

Der Štulcovy Park auf dem Vyšehrad

ist nach dem Propst Václav Štulc benannt. Im Dezember 1814 geboren, wurde er nach Schule und Studium 1839 in Prag zum Priester geweiht. 1860 ernannte man ihn dann zum Dekan von Vyšehrad. Er war wohl nicht auf der Seite der Habsburger Herrscher. Dafür ‚durfte‘ er sogar mal zwei Monate Gefängnisluft atmen. 1870 stieg er dann auf, und wurde Propst auf dem Felsenberg. Ein Propst braucht auch ein würdiges Unterkommen – in seinem Auftrag wurde die neue Propstei im neugotischen Stil erbaut. Vor dem Haus liegt der kleine Park, der ihm zu Ehren seinen Namen bekam. Seine letzte Ruhestätte hat der 1887 verstorbene Propst gleich nebenan auf dem Friedhof bekommen.

Im gleichen Park befindet sich

das St. Wenzels-Denkmal auf dem Vyšehrad in Prag

Wenn ihr euch jetzt fragt, kann das denn sein? Das steht doch auf dem Wenzelsplatz in der Prager Neustadt? Ja, da steht auch ein St. Wenzels-Denkmal, es ist aber von 1894.

Das erste, eben dieses vom Vyšehrad, wurde 1680 errichtet und hatte seinen Platz auf dem Rossmarkt. So hieß der Wenzelsplatz zur damaligen Zeit. 1879 durfte das barocke Denkmal dann aber auf den Felsenberg umziehen. Mittlerweile wurde es in dem kleinen Park durch eine Kopie ersetzt, das Original steht im Nationalmuseum.

Der Hl. Wenzel wird als böhmischer Landespatron genauso verehrt wie seine Großmutter, die Hl. Ludmilla. Den beiden werdet ihr später in meinem Bericht nochmal begegnen.

Von diesem kleinen Park aus waren wir in wenigen Schritten

auf dem Ehrenfriedhof im Vyšehrad in Prag

auf dem rund 600 Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es klingt ja schon ein bisschen komisch, wenn man von einem Friedhof sagt ‚er ist sehenswert‘. Denn für viele (auch für meinen Mann) sind solche Besuche auf Friedhöfen (egal aus welchen Gründen) beklemmend. Mir zuliebe geht er auf solchen Besichtigungen mit, denn mich faszinieren und bewegen alte Gräber, an denen man oft, so wie auf dem großen Ohlsdorfer Parkfriedhof in Hamburg, das Leben der jeweiligen Personen schon im Grabdenkmal erkennen kann.

So wie eben auch bei den vielen Epitaphien in den Kirchen. Wobei sich diese insgesamt in Prag in den Kirchen sehr in Grenzen halten. Vielleicht ist es auch nur im Schwäbischen und Bayerischen so Brauch, dass man den Verstorbenen in Kirchen teilweise gigantische Denkmale setzt, so wie in der Kirche in Schwäbisch Hall.

Mehr über diesen sehr sehenswerten Friedhof mit der Gruft, dem Slavin, könnt ihr in meinem Bericht lesen.

Direkt neben dem Friedhof seht ihr

die Basilika St. Peter und Paul auf dem Vyšehrad in Prag

Meine ‚Emma‘ hatte an diesem Tag richtig gut zu tun. Ich glaube, die war an diesem Abend genauso platt wie meine Füße. Falls ihr es aus meinen anderen Berichten noch nicht wisst, meine treuen Weggefährten bekommen bei mir Namen: Emma meine Kamera, Fridolin ist unser Autole und Lotte seine Freundin, das Navi 😀 Jetzt seid ihr da auch auf dem Laufenden 😉

1070 gab König Vratislav II. den Auftrag zum Kirchenbau auf dem Vyšehrad. Nachdem die Hoheiten ihre Residenz wieder auf der Prager Burg aufgeschlagen haben, verwaiste der Felsenberg. Erst unter Karl IV. bekam er wieder Glanz. Er ließ die Kirche als dreischiffige Kirche umgestalten, und mit 110 Meter Länge war sie eine der längsten Kirchen in Prag. Vielleicht lag ihm die alte Prager Burg auch deshalb am Herzen, weil es der letzte Wohnsitz seiner Mutter, Königin Elisabeth war. Diese hatte keine schöne Kindheit und war psychisch belastet. Aber auch launisch. Und über mangelndem Selbstbewusstsein konnte sie auch nicht klagen. Aber man musste sie schon etwas überreden, dass sie sich endlich nach einem Mann umschaute. Am 1. September 1310 heiratete sie im Dom zu Speyer den 14-jährigen Johann von Luxemburg. Sie selber war bei der Hochzeit 18. Sie verstarb mit 38 Jahren auf dem Vyšehrad.

Ganz ehrlich, SO eine Kirche habe ich bis dato weder in Prag noch anderswo gesehen. Das müsst ihr euch anschauen wenn ihr in Prag seid. Da ist kein Fleckchen an Decke oder Wand unbemalt. Im ersten Moment fühlte ich mich tatsächlich mit den ganzen Malereien etwas erschlagen. Nachdem sich meine Auge dran gewöhnt hatte, fand ich die einzelnen Malereien wunderschön – so wie die gesamte Ausstattung der Kirche.

Eine Kirche kommt nicht allein daher. Es gibt in Prag einen Zwilling der Kirche, mit einer ebenso üppigen Malerei und auch zwei Doppeltürmen – die Kirche der Hl. Ludmilla im Stadtteil Vinohrady.
Ihr bekommt hier einen kleinen Vorgeschmack auf die Basilika St. Peter und Paul, und so kleine Details um die Kirche. Hier findet ihr übrigens die Großmutter von Wenzel als Statue, die Hl. Ludmilla, eine der wichtigsten Landespatrone von Böhmen.

Nach einer kurzen Kaffeepause sind wir dann in den Untergrund. Auf dem Weg dahin erzähl ich euch noch ein bisschen was zur

Bergstadt auf dem Vyšehrad in Prag

Die Hussiten machten ja bei den Hussitenkriegen kurzen Prozess mit Kirchen und allem was nicht ihren Lehren um Jan Hus entsprach. Da machten sie auch mit dem Vyšehrad keine Ausnahme. Das Kapitel kam wieder zurück auf den Vyšehrad, aber natürlich nicht mehr mit soviel Reichtum und Besitz wie zuvor. Es entstand eine kleine Stadt auf dem Felsen über der Moldau, denn ab 1450 siedelten sich dort oben Handwerker an, die froh waren aus dem zerstörten Gebiet eine Bleibe aufzubauen. Die Oberstadt entstand. Und wenn es eine Oberstadt gab, so gab es auch den Gegenpol, die Unterstadt, dazu. Die war unten bei dem kleinen Flüsschen Botič angesiedelt.

Die kleine Oberstadt gab es allerdings auch nur solange, bis man 1650 eine neue Befestigungsanlage brauchte. Die alte hatte durch den Dreißigjährigen Krieg doch sehr gelitten. Damit wars dann vorbei mit der kleinen Stadt auf dem Felsenberg.

So, jetzt sind wir an der Türe zur Unterwelt angekommen, wir gehen in

die Kasematten auf dem Vyšehrad

Beim Ziegeltor, dem zweiten befahrbaren Durchgang, ist der Eingang zu diesem unterirdischen Gang. Insgesamt sind gut ein Kilometer Weg in den Kasematten auf dem Vyšehrad begehbar, in drei verschiedenen Wegen. Nur diesen hier, kann man allein (nach einer kleinen Eintrittsgebühr) begehen. Dieser Gang führt in einen riesigen Saal – den Gorlice – in dem sechs Originalstatuen von der Karlsbrücke stehen. Wahnsinn! Allein die Statuen und die Höhe des Saals. Ganz klar haben die Kasematten auch ihren eigenen Beitrag bekommen. Zudem kommt ihr mit zweiten Link zu den 30 Brückenheiligen auf der Karlsbrücke, die aber allesamt Nachbildungen sind.

Hier trefft ihr auch wieder auf die Hl. Ludmilla und den Hl. Wenzel, deren Originalstatue dort sicher aufbewahrt ist.

So langsam ist mein Aufnahmespeicher schon gut gefüllt, und meine Füße waren kurz davor in den Streik zu treten, würden mir noch weitere Rundgänge auf dem Vysehrad einfallen. Nein, auf diesen Konflikt wollte ich mich dann doch nicht einlassen, das hat mir bei einem Besichtigungsmarathon in Hamburg gereicht. Die können nämlich richtig biestig werden. Also machten wir uns auf den Weg nach unten, Richtung Moldau. Aber soooo schnell ging das dann auch wieder nicht.

Auf dem Weg vom Vyšehrad hinunter an die Moldau

gab es natürlich auch noch das eine oder andere zu entdecken. So auch das Amphitheater, die Sommerbühne Vyšehrad. Ursprünglich war diese Position Teil der Festung. Es gibt mehrere Wege die hier am Felsenhang nach unten führen. Wir haben allerdings keinen Weg gesehen, der ohne Treppen auskam. Richtig hart im Nehmen waren da zwei Mamas mit Kinderwagen, die abwechselnd ihre Kleinen im Wagen nach unten getragen haben. Ohne Treppen kommt ihr aber durch das Ziegeltor nach unten.

Übrigens habt ihr hier auf auf der Westseite die Möglichkeit wunderschöne Sonnenuntergänge zu erleben. Achja …. ich hab mich nur für das Foto auf der Treppe nach oben gedreht 😀 Wir sind diese Treppe nach unten.

Bei diesen

Blicke auf die Moldau

könnt ihr euch vorstellen, dass ich als ‚Wasserkind‘ da noch einige Zeit verweilen musste, bevor uns die S-Bahn wieder zurück zu unterer Ferienwohnung brachte. Ich freue mich jetzt schon auf Teil 2 auf dem Vyšehrad.

moldau vom vysehrad 8142
moldau vom vysehrad 8151

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