Als eines der bedeutendsten Bauwerke in Schwäbisch Hall erhebt sich die Kirche St. Michael hoch über der Stadt.

Nachdem uns (mal wieder) Corona einen Strich durch unsere Urlaubsplanung gemacht hat, haben wir kurzerhand beschlossen, ein bisschen rund um meine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd auszuschwirren, und diese Umgebung im Detail zu erkunden. Logisch, dass Schwäbisch Hall da ganz vorne mit dabei war. Schließlich verbindet uns ja das „Schwäbisch“ im Stadtnamen, aber nicht nur das. Auch die Staufer sind es, die gefühlt an allen Ecken und Enden im Ländle sichtbar sind.

Ich war bereits in früheren Zeiten schon in Schwäbisch Hall. Aber mit einem Reise- und Fotoblog ändert sich halt auch der Fokus und ich gehe nochmal mit ganz anderen Augen auf unsere Erkundungen. Unübersehbar steht die Kirche St. Michael auf dem Marktplatz. Sie war Teil unserer ausgiebigen Stadtbesichtigung. Und vielleicht kennt der eine oder andere diesen herrlichen Platz von den Freilichtspielen auf der großen Treppe vor St. Michael. Unsere

Besichtigung der evangelischen Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall

beginnt am Fuß der vielen vielen Treppen, die hinauf zur Kirche führen. 53 sind es, um genau zu sein. Und während ich die Treppen nach oben ging, dachte ich mir immer wieder, die Schauspieler der Freilichtspiele müssen aber auch schwindelfrei sein. Wer sich diesen Gang ersparen will, der geht ganz einfach auf dem Marktplatz um die Kirche herum und wählt den Eingang ebenen Fußes von oben. Und der Ausblick von oben über den Marktplatz und auf das Rathaus lässt sich so auch genießen.

Der Erzengel Michael, der der Kirche den Namen gegeben hat, überblickt von oben ob auf dem Marktplatz auch alles gerecht zugeht. Leider hatte er an unserem Besuchstag so gar keinen Überblick, und ich keinen Blick auf ihn. Er war im Zuge von Bau- oder Renovierungsarbeiten eingerüstet. Freie Sicht dagegen gibt es auf die Astronomische Uhr am Kirchenturm. Sie erinnerte mich spontan an unseren Aufenthalt in Prag Ende Juni. Am Altstädter Rathaus in der Altstadt von Prag ist auch eine angebracht. Die ist aber halt schon noch ein bisschen aufwändiger gestaltet 🙂

Bevor es in diese wunderschöne Kirche geht, von der der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Eugen Gradmann  in der Reihe „der schwäbisch-fränkischen Hallenkirchen“ sagt, dass die Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall gleich hinter unserem Hl.-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd kommt, gibt es

ein bisschen Baugeschichte zur Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall

Bereits im Mittelalter soll im Zuge der Salzgewinnung eine Siedlung entstanden sein, die zunächst zu den Grafen von Comburg-Rothenburg gehörte (ihr kennt vielleicht die Comburg bei Schwäbisch Hall und Rothenburg ob der Tauber?). Nachdem 1116 das Adelsgeschlechts ausstarb, ging deren Besitz an die Staufer über. Konrad III. war zu dieser Zeit König im römisch-deutschen Reich.

Die kleine Siedlung sollte Stadtrechte bekommen, und damit einhergehend eine ordentliche Stadtbefestigung und natürlich auch Kirchen. Sonst wird das ja nix mit den Stadtrechten. So baute man auf dem höchsten Punkt der Siedlung auf einem Grundstück des Klosters Comburg diese Kirche. Wann angefangen wurde und wie lange die Bauzeit war? Keine Ahnung, Tante Google hat mir keine Informationen diesbezüglich freigegeben. Fakt ist aber, dass die St. Michaelskirche 1156 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Durch den Bischof von Würzburg wurde sie eingeweiht, und ganz klar waren auch die Staufer mit dabei. Konrad III. lebte zu dieser Zeit nicht mehr. Auf seinem Sterbebett hat er aber nicht seinen Sohn Friedrich zu seinem Nachfolger des Reiches bestimmt, sondern Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Friedrich I. Barbarossa wurde ein Jahr zuvor zum Kaiser gekrönt. Beide waren bei den Einweihungsfeierlichkeiten der Kirche mit dabei.

Als dreischiffige Basilika wurde die Kirche im romanischen Stil erbaut.  Von 1427-1456 wurde das Langhaus von drei Baumeistern, u.a. auch einer aus der Parlerfamilie aus Schwäbisch Gmünd, zur gotischen Hallenkirche umgebaut. 33 Meter lang, 25 Meter breit und stattliche über 13 Meter Höhe wurde es groß. Damit war die Umgestaltung aber noch nicht abgeschlossen. Hans von Urach und Konrad Schaller bauten von 1495-1516 am Chor, der dann noch einmal über 30 Meter Länge und 20 Meter Breite zu bieten hat. In die Höhe ging er sogar noch höher als das Langhaus.
Die Türme ragten über 40 Meter in die Höhe. Heute steht von den beiden Türmen nur noch der Westturm, der 1573 noch um zwei Stockwerke erhöht wurde.

Die kirchliche Entwicklung der Kirche St. Michael

stand stand wie so oft unter dem Stern von  ‚Dollarzeichen in den Augen‘. St. Michael stand unter dem Patronat der Comburg, die zu einer der reichsten in der Gegend zählte. Und ganz klar unterstützten sie die staufische Herrschaft in der Hoffnung, dann auch finanziell etwas abzubekommen.

Ich war ja wirklich nun schon in sehr vielen Kirchen, und St. Michael erinnert mich mit den Chorkapellen sehr an unser Hl.-Kreuz-Münster und auch an den Veitsdom in Prag. Aber diese Anzahl an Altären und Altärchen, an Grabdenkmalen und Epitaphen ist schon eine Erwähnung in Zahlen wert: 10 Chorkapellen, 31 Grabmale und über 50 Epitaphen (also Erinnerungsmale für Verstorbene). Die große Anzahl ist dem geschuldet, dass im 14. Jahrhundert eine große Frömmigkeit und Sorge um das Seelenheil von Verstorbenen vorherrschte. Und so bekam eben jeder seine Ehrung in der Kirche. 1462 waren 12 Priester an der Kirche, die vorwiegend predigten.

1523 leitete dann der Theologe Johannes Brenz den Übergang zur Reformation ein. Erstmals wurde 1526 in St. Michael das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert. Ihm war es auch zu verdanken, dass die vielen wertvollen Kunstwerke in den Kirchen nicht dem Raub zum Opfer fielen und damit weitgehendst erhalten geblieben sind. Natürlich hat auch er ein Denkmal in der Kirche.

So, genug mit ‚trockener‘ Geschichte. Wie ihr es aus meinen Kirchenberichten kennt, kommen die obligatorischen

Gesamtblicke im Inneren von St. Michael

Wir hatten wieder das Glück, dass an einem Wochentag nur ganz wenig andere Besucher in der Kirche waren. Der Blick war also meistens frei.

Bei der

Innenausstattung der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall

weiß ich nicht so recht, wo anfangen und aufhören. Und ‚erschlagen‘ möchte ich euch ja nicht wirklich mit all den Infos zu den herrlichen Schätzen. Aber ein bisschen was muss dann schon sein 🙂

Im Langhaus ist unübersehbar das Hl. Grab von 1455/56 und 1510 und in der Michaelskapelle (Sakristei) der Michaelsaltar von 1520. Der Kanzel und dem vordere Altar mit seinem Lesepult sollte man auch einen Blick schenken. Kommt einfach mit mir durch die Kirche …

Der Hochaltar in St. Michael

im Chor stammt von 1460 und ist etwas ganz Besonderes. Er zeigt die Passion und Auferstehung Jesu. Wir hatten Glück und der Flügelaltar, der von einem niederländischen Künstler stammen soll, war geöffnet. Der Altarschrein zeigt in geschnitzten Figurengruppen Szenen aus der Kreuzigung.
Das übergroße Kruzifix stammt aus der Werkstatt des Ulmer Bildhauers Michel Erhardt und stammt von 1494. Dieses gotische Kreuz ist das wertvollste Ausstattungsstück der St. Michael Kirche.
Auch die Rückseite des Hochaltars ließ mich eine Weile davor verweilen.

Ein weiteres Schmuckstückchen ist neben dem Hochaltar

das Sakramentshäuschen

das um 1515 erstellt wurde. Filigran und kunstvoll ist das 15 Meter hohe Kunstwerk gearbeitet. In ihm werden die gesegneten, aber nicht verbrauchten Hostien aufbewahrt.

Die Seitenkapellen im Chor von St. Michael

zeigen in meist barocker Ausstattung Altäre und Grabmale wohlhabender oder verdienter Bürger.

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So gedenkt man mit einem wunderschönen

Grabmal der Familie Bonhoeffer

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag ….

Den Heiligen Kosmas, Damian und Wolfgang

ist ein spätgotischer Flügelaltar von Ende des 15. Jh. gewidmet. Alle drei Skulpturen sind noch im Original erhalten. Der hl. Wolfgang von Regensburg, als Bischof dargestellt, gilt seit dem 15. Jahrhundert als allgemeiner Nothelfer bei vielen Krankheiten. In den Altarflügeln werden Szenen aus seinem Leben dargestellt.
Damian (rechts) und Kosmas, das Zwillingspaar aus Aleppo, wirkten im 3. Jahrhundert als Ärzte in Syrien. Durch ihr Wirken, Kranke ohne Gegenleistung zu behandeln, wurden sie zu den Schutzpatronen einer Vielzahl medizinischer Berufe.
Ich durfte die beiden auch als Brückenfiguren auf der Karlsbrücke in Prag ‚kennenlernen‘.

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Ich überlasse euch jetzt wortlos dem Rundgang mit den Eindrücken aus den Seitenkapellen im Chor. Mittendrin im Boden eingelassen – die mittelalterliche Beinkammer mit den Funden von 1495.

Beeindruckend, auch in seiner Farbenpracht ist das um 1524 fertiggestellte

Netzgewölbe im Chor der St. Michael Kirche in Schwäbisch Hall

Miteinander verschlungen und mit farbenfrohen Schlußsteinen, schaut mal …

Hab ich euch Lust gemacht, die Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall zu besuchen und noch weiter zu entdecken? Es lohnt sich wirklich!

Als Anreiz habe ich noch ein kleines

Gewinnspiel mit Inge’s Reise- und Fotoblog

Und das funktioniert so:
Ihr geht mit wachsamen Augen durch die St. Michael Kirche und haltet von Anfang an ein bisschen die Augen offen. Ihr müsst nicht kreuz und quer durch die Kirche ‚rennen‘. Entdeckt ihr ein Detailbild von mir, dann macht ein Foto von diesem Ausschnitt. Schickt mir bis zum 01. April 2021 mindestens 10 Fotos von den nachfolgenden Detailaufnahmen per Mail an info@inges-reiseblog.de. Falls ihr Probleme mit dem Versand habt, schreibt mich an.

Tja, und wenn ich eure Mails habe, dann bekommt ihr nach eurer Wahl eines meiner Geschenke. Die seht ihr hier.

Nach dem Rundgang im Inneren der St. Michael Kirche steht jetzt noch

der Rundgang um die Kirche St. Michael an

bevor wir unsere Stadterkundung fortsetzen.
Ich war wirklich sehr angenehm überrascht, über die Schätze die diese Kirche in Schwäb. Hall zu bieten hat.

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