Die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg, rund 530 Meter über Ellwangen, ist ein Schmuckstückchen der barocken Kirchenkunst in Ostwürttemberg.

Die Wallfahrtskirche „Zu unserer lieben Frau“ auf dem Schönenberg, wie sie auch bezeichnet wird, war das Ziel unserer zweiten Fahrt nach Ellwangen. Die kleine Stadt im östlichen Zipfel meines Heimatlandkreises Ostalbkreis war einige Tage zuvor bereits schon einmal unser Ziel. Ein kurzer Bummel durch die kleine Innenstadt, der Besuch von den wirklich sehenswerten Kirchen in der Innenstadt (Basilika St. Vitus, evangelische Stadtkirche und die Marienkirche) und ein ausführlicher Besuch im Schloss ob Ellwangen. Durch die Führung durch die Schlosskapelle im Schloss blieb uns anschließend nicht mehr viel Zeit für auch noch einen Besuch der Wallfahrtskirche. Deshalb – wollt ihr die prächtigen Kirchen UND das Schloss besuchen – und vielleicht noch das Kleinod Kapellchen in Schrezheim – DANN plant euch einiges an Zeit ein, um all diesen Schätzen gerecht zu werden.

Ellwangen stand ja lange Zeit so gar nicht auf meinem Besichtigungsplan. So schnell kann sich dieser Plan innerhalb von ein paar Tagen ändern, denn im Rahmen meines selbstauferlegten ‚Bildungsauftrags‘ „Heimatkunde“ rückte Ellwangen an die Spitze dieses Plans. Und wer Kirchenbesichtigungen liebt, ist in Ellwangen sowieso gut aufgehoben. Denn Kirchen kann die kleine Stadt einige bieten. Dazu gehört auch die hoch über Ellwangen liegende Wallfahrtskirche.

Ihr habt mehrere Möglichkeiten zur Kirche zu gelangen: So wie wir, direkt hoch auf den Berg gefahren, Fridolin wurde auf dem großen Parkplatz abgestellt und in wenigen Schritten ist man bei der Kirche. Die zweite Möglichkeit ist zu Fuß des Schönenbergs parken, und den Weg, der von den Rosenkranzkapellen gesäumt wird nach oben zu laufen. Eine weitere Möglichkeit ist, die Wallfahrtskirche auf dem Jakobsweg zu erreichen – eben so richtig Pilgerentsprechend.

Damit ihr die Wallfahrtskirche nicht verfehlen könnt, beginnt mein

Rundgang durch die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

mit dem

Gesamtblick der Wallfahrtskirche von außen

den man auch schön vom Schloss ob Ellwangen genießen kann.

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Beim Weg vom Parkplatz zur Kirche kann man dieses heilige Trio nicht übersehen –

der Hl. Nepomuk, die Immaculata und der Erzengel Michael bei der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

‚Mein‘ Hl. Nepomuk, auch hier bei Wallfahrtskirche? Ich durfte ihn in Ellwangen bereits zweimal in der Schlosskapelle des Schlosses antreffen. Der Fürstpropst, der ihn in Stuck an der Decke der Fürstenloge hat anbringen lassen, hat ihn wohl genauso ins Herz geschlossen wie ich seit unserem Pragbesuch im Juni 2020. Im Veitsdom, in dem er in den Anfängen als Prediger tätig war, hat er sein wunderschönes, großes silbernes Grab. Auf der Karlsbrücke steht er unter den 30 Brückenheiligen und seine Statue ist etwas ganz Besonderes auf der Karlsbrücke. Reibt man mit dem Daumen an dem Relief, soll es Glück bringen. Der Märtyrer gilt als Patron des Beichtgeheimnisses, denn – so wird es berichtet, soll der neugierige König Wenzel von ihm die Beichtgeheimnisse seiner Ehefrau gefordert haben. Nepomuk hatte sich bis zu seinem gewaltsamen Tod standhaft geweigert, diese Preis zu geben. Er wird deshalb meist mit dem Kranz der fünf Sterne dargestellt, was bedeutet: ich habe geschwiegen.

Das ist eine Version wie er zu Tode gekommen sein soll, eine weitere könnt ihr bei meinem Bericht zur Schlosskapelle nachlesen. Und wie kommt jetzt der Hl. Nepomuk hier auf den Schönenberg? Genau im Weihejahr der Wallfahrtskirche wurde Nepomuk heilig gesprochen. Dann auch noch Patron des Beichtgeheimnisses? 1733 fand er seinen Platz hier vor der Kirche.

Die Immaculata kam ein bisschen später ihm gegenüber. Es bezeichnet mit diesem Begriff nichts anderes als die Unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria.

1738 macht der Schutzengel Michael, an der Außennische des Gewölbes, das Trio komplett. Meist wird der Erzengel Michael, so wie hier an der Wallfahrtskirche auch, mit einem Schwert dargestellt. Der Kampf gegen Dämonen, dunkle Energien und gegen unsere Ängste. Rechts und links von ihm sind die Wappen der Fürstpropste aufgezeigt, die bis 1738 für Ellwangen zuständig waren.

Bevor es in die Kirche geht,

ein bisschen Geschichte zur Entstehung der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

Die beginnt schon einige Jährchen bevor 1682 der Grundstein für den Bau der Wallfahrtskirche gelegt wurde. Der Jesuitenorden hatte bereits eine Ordensstation in Ellwangen und träumte davon, auf dem Schönenberg ein Abbild des ‚Hl. Hauses von Loreto‘ zu errichten. Schließlich hatte der Orden in Loreto einen ‚Ableger‘ und war mit dem Loreto-Kult vertraut. Dieser Kult, der sich in ganz Europa verbreitet hat, stellt einen Teil der Marienverehrung dar. Einer Legende nach, soll das Haus der Hl. Familie in Nazareth – dieser Ort der Verkündung, dass Maria den Sohn Gottes empfangen habe – von Engeln nach Loreto getragen worden sein. Loreto, einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt.

Vermutlich hat es dem Orden an dem nötigen Geld gefehlt, das Hl. Haus von Loreto aus Stein zu errichten. Sehr kreativ haben die Patres aus einem Tannenbäumchen ein Kreuz errichtet und in einer Aushöhlung ein kleines Marienbild eingelegt. Mit Tannenreisig wurde ein Grundriß gemäß dem Vorbild des Hauses von Nazareth abgesteckt, das Kreuz darin. Aber in der ganzen Einfachheit hielt es die Gläubigen nicht ab, zu diesem Grundriß zu kommen und das Kreuz mit dem Marienbild zu verehren. Zu Zustrom wurde größer, so daß 1639 ein kleines Bretterhäuschen über dem Grundriß entsteht. Der Baum mit dem Kreuz immer noch in der Mitte. Im gleichen Jahr feiert der damalige Fürstpropst Gottesdienst in der kleinen Kirche.
Fürstpropsten hatten in Ellwangen zum einen als Fürsten den weltlichen Bereich in ihrer Regentschaft unter sich, zum Anderen als Propst den kirchenlichen Bereich.

Mich fasziniert jedes Mal aufs Neue von Wundern zu lesen, die auf solche kleine Wallfahrtsorte zurückgehen. In Prag z.B. wird in einer Kirche auf der Kleinseite das Prager Jesulein verehrt, eine wunderschön gekleidete kleine Figur. Auch in Ellwangen sollen wohl solche Wunderheilungen passiert sein. Seit 1639 kommen die Gläubigen aus dem nahegelegenen Dinkelsbühl zur Wallfahrt nach Ellwangen auf den Schönenberg.

Beim besten Wohlwollen zur Bescheidenheit, irgendwann war wohl das kleine Holzkirchchen viel zu klein geworden. Aber womit bauen, wenn kein Geld da ist? Als dem Fürstpropst bekannt wurde, dass die Jesuitenpatres Geld für eine größere Kapelle sammelten, unterstützte er das Vorhaben mit seinem eigenen Beitrag und gönnerhaften Spendergeldern. Im Juni 1639 konnte der Fürstpropst den Grundstein zur neuen Kapelle legen, die bereits im gleichen Jahr geweiht werden konnte. Nun hatte der Schönenberg seine kleine eigene Loreto-Kapelle. Einige Jahre später wurde sie vergrößert, bekam von einem Maler aus Schwäbisch Gmünd Gemälde an die Decke und in Anlehnung der Verkündung des Engels, durften auch diese in der neuen Kirche nicht fehlen.

Mittlerweile wurde der Zustrom der Menschen immer größer – und die Kirche immer kleiner. Und der Fürstpropst einem größeren Bau nicht wohlgesonnen. Vielleicht kann man von einer Fügung unglücklicher und glücklicher Umstände sprechen – als eines Abends der Missionar, der sich die größere Kirche wünschte, beim Propst auf dem Schloss weilte, zog ein heftiges Gewitter auf. Mit einem Blitzschlag wurde in der Stadt ein Haus in Brand gesetzt. Da die Stadt aus Holzhäusern bestand, kann man sich die Gedanken der beiden Männer lebhaft vorstellen. Wie alles abgelaufen ist, darüber kann man spekulieren. Fakt ist aber, dass der Fürstpropst angesichts dieser Gefahr verspricht: bleibt die Stadt von einem Brand verschont, wird auf dem Schönenberg eine große Kirche gebaut. Ihr ahnt es? 1682 wurde der Grundstein für die Kirche als Dank dafür, dass die Stadt vom Brand verschont blieb, gelegt.

1685 wurde die Kirche, die als eine der ersten Kirchen nach dem Vorarlberger Münsterschema im Barockstil erstellt wurde, geweiht. Nach einem Blitzschlag 1709 brannte die Kirche jedoch vollständig aus. Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der bis 1729 dauerte. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, der damalige Fürstpropst erwies sich als großer Sponsor für den Kirchenneubau.

So, erstmal genug trockene Geschichte, kommt mit in die Wallfahrtskirche, die wir nicht etwa über ein Hauptportal betreten haben, sondern quasi so fast durch die ‚Hintertüre‘. Nein, es hat schon seinen Grund, warum man über diese Türe die Kirche betritt, denn dies ist der nächste Weg zur Loreto-Kapelle. Zu der aber später mehr, erstmal stehen wir

in einer der beiden Seitenkapellen der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

Und DA war ich zunächst mal etwas geflasht, um nicht zu sagen ein bisschen erschlagen. Im ersten Moment habe ich mir gedacht ‚weniger wäre da bestimmt auch mehr‘. Ich wusste tatsächlich nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Aber seht selber …

Ich liebe ja die kleinen Himmelsboten mit ihren lieblichen Gesichtchen, und egal in welcher Bauepoche, sie sind meistens in Kirchen anzutreffen. Aber in sooooo reicher Zahl habe ich sie noch nie gesehen. Macht ihr euch die Freude und zählt sie? Ihr werdet auf weit über 30 größere und kleinere Engelchen kommen. Wenn ihr mit der ‚Engelzählung‘ fertig seid, schickt mir gerne die  genaue Zahl per Mail, ob ihr richtig liegt?

Durch die offene Tür bin ich, zugegeben etwas zaghaft, weiter. Ich bin solche Wege noch nie in einer Kirche gegangen, und ich kam in allen unseren vielen Kirchenbesuchen noch nie direkt am Hochaltar raus. Normalerweise ein Bereich, der in Kirchen nicht zu betreten ist. Und da ist er –

der Gesamtblick im Inneren der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

Hell wirkt die Kirche, die ja im Vorarlberger Münsterschema erbaut wurde. Diese Bauform ist vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz zu dieser Zeit weit verbreitet. Das Langhaus wird als ein Kirchenschiff erbaut. Zu den Außenmauern hin wurden Pfeilerreihen eingebaut, die die Empore tragen, und in diesen Nischen befinden sich Kapellen. Barockkirchen, so wie auch die Wallfahrtskirche, müssen bei mir erst einmal ‚wirken‘. Meistens gefallen sie mir erst auf den zweiten, den Detailblick. Denn ich finde, obwohl diese Stilepoche auch so etwas wie Leichtigkeit ausstrahlt, sind viele Kirchen mit dieser Pracht überladen.
Und da platzt dann oft meine persönliche Meinung nach oben. Zwar ist es in vielen Kirchen anderer Baustile auch, aber vor allem bei so einer Pracht sieht man, dass es Kirche, auch schon zu dieser Zeit, nicht an Geld gemangelt hat. Ellwangen war mit diesem Reichtum an vorderen Stellen mit dabei, man sieht es auch bei den Ausstattungen der anderen Kirchen. Könnte es manchmal nicht ein bisschen weniger sein, und man besinnt sich in den Gotteshäuser auf den eigentlichen Sinn ihrer Erbauung? Ach ja, da könnte man sicher stundenlang darüber diskutieren, deshalb ganz schnell der Blick zum Ganzen ….

Wenn ich schon so direkt davor stehe, dann schaue ich mir

den Hochaltar der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

doch gleich etwas genauer an.
Ich sehe in der Verwirklichung des Altars gewisse Ähnlichkeiten mit mir 😀 denn in vielen Dingen (vor allem was meine Reiseblog-Webseite betrifft) bin ich auch so ein kleiner ‚i-Tüpfeles-Scheißer‘ bei der Umsetzung. Kennt ihr den Begriff? Bis aufs i-Tüpfele muss es passen 🙂 So gingen jahrelang die Vorstellungen zwischen Bauherr und Ausführendem beim Entwurf des neuen Altars auseinander. 1714 wurden dann aber doch die letzten Arbeiten am Hochaltar abgeschlossen.

Das Altarbild, die „Anbetung der Hirten“ wurde 1719 von dem italienischen Meister Antonio Belucci fertiggestellt. Schaut mal, ausschließlich im Fokus ist das kleine Jesuskind. Ganz groß ist über dem Hochaltar das Wappen des Fürstpropstes Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg.

Mein nächster Blick geht zur

Kanzel in der Wallfahrtskirche Schönenberg

die ich in den meisten Kirchen in ihrer Umsetzung und Gestaltung richtig faszinierend finde. Weitgehendst wurde bei der Neuerbauung der Kirche nach dem großen Brand, die alte Kanzel rekonstruiert. Scheinbar lässig sitzen die vier Evangelisten auf der Brüstung. Wie so oft, werden sie auch hier mit ihren Attributen dargestellt – Markus mit dem Löwe, Lukas mit dem Stier, der Adler steht für Johannes und der Mensch (oft auch als Engel) für Matthäus.
Das Kreuz wird von zwei Engel gehalten, ganz oben Jesus mit der Weltkugel.
Auch hier darf das Wappen des Fürstpropstes nicht fehlen. Und ihr merkt spätestens jetzt mal wieder, dass mein Reiseblog auch ein Fotoblog ist 😀

Die Deckenfresken in der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

haben lange meine Aufmerksamkeit bekommen. Kein Wunder, wir brauchen für unsere Besichtigungen immer so lange. Aber sie nur mit einem kurzen Blick zu würdigen wäre jammerschade. Denn der Künstler, der Österreicher Melchior Steidl hat in die insgesamt 22 Deckenfresken seine ganze Hingabe hineingelegt. Man könnte wohl ohne eine tiefe Gläubigkeit nicht so ausdrucksstark malen.

Neben vielen Stuckarbeiten, sind die Deckengemälde über die 49 Meter lange und 23 Meter breite Kirche verteilt. Die größeren Fresken über dem Mittelgang, ganz zentral in der Mitte die Aufnahme Mariens in den Himmel mit dem geöffneten Grab, verteilt. Über dem Hochaltar wird die Krönung Mariens dargestellt. Wie an einer Schnur reihen sich die kleineren Medaillons um die Hauptfresken. Über den Seitengalerien sind die Formen unterschiedlich gestaltet und zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und seiner Mutter Maria. Ich denke, mehr Worte braucht es für diese Pracht nicht ….

Die Feinheiten in diesen Freskenmalereien habe ich euch mit dem Teleobjektiv ein bisschen näher geholt …

Ihr ahnt es bereits – möchte man die Wallfahrtskirche wirklich mit all ihren Schönheiten im Detail entdecken, braucht man Zeit. Ich glaube, wir waren gut 1,5 Stunden in der Kirche und haben die wenigen Besucher die währenddessen noch in die Kirche kamen, alle ‚überlebt‘.

Mein nächster Blick galt den

acht Seitenkapellen in der Wallfahrtskirche Schönenberg

bei deren Gestaltung ebenfalls (so wie beim Hochaltar) der Fürstpropst das letzte Wort hatte. Und die sind wirklich reichhaltig ausgestattet. Nix nur ein Altar mit Altarbild und fertig. Man darf sich in den Kapellen zu allen drei Seiten drehen und bei manchen auch den Kopf in den Nacken legen und die Deckenfresken bewundern.

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Zwei der Seitenaltäre muss ich euch aber doch genauer vorstellen –

der Franziskus- und der Johannesaltar in der Wallfahrtskirche Schönenberg

1712 wurden sie fertiggestellt, der Franziskusaltar ein paar Monate später. Ich denke die beiden Heiligen sind bekannt? Johannes der Täufer, er erinnert mich an meinen verstorbenen Paps, der immer großen Wert darauf gelegt hat, welchem Johannes er seinen Namen verdankt hatte. In Abbildungen wird Johannes d. Täufer meist mit einem Lamm und dem Kreuzstab abgebildet.
In dieser Seitenkapelle werft einen Blick auf Maria Lauretana an der Nordwand. Die Mutter Gottes, auf ihren Händen stehend ihr Kind wurde bei der Einweihung der kleinen Kapelle vom Augsburger Bischof (zu deren Bistum Ellwangen damals noch gehörte) gestiftet. Sie ist in Anlehnung der Marien-Statue gestaltet, die vermutlich bei der Überführung des heiligen Hauses nach Loreto mit überführt wurde. Nach 200 Jahren prachtvoll in Gewändern gekleidet, die sie in der Kapelle stand, hat sie nun ihren Platz im ersten Seitenaltar links, beim Johannes dem Täufer.

Zu Franz von Assisi, der zu den Vögel predigte, habe ich im Naumburger Dom einen wunderschönen Handlauf am Ostlettner im Dom gesehen, wirklich einmalig.

Jetzt der Blick zurück, zur

Orgel in der Wallfahrtskirche Schönenberg

wo ich auch wieder nicht wusste, wo zuerst hinschauen. 1713 wurde dieses Schmuckstück fertig, üppig mit Figurenschmuck gestaltet. Über der Orgel „Maria mit dem Kind“ um ihr musizierende Engel und Putten. Rechts und links begleitend sind die hl. Cäcilia und der König David. Das Deckenfresko zeigt den Tempelgang Mariens.

Mit einem letzten Blick zurück und noch vielen kleinen Detailaufnahmen verabschiede ich mich aus dem unteren Bereich der Wallfahrtskirche. Nein, nein, damit ist die Besichtigung aber noch lange nicht beendet. Da kommen noch ein paar Highlights.

Vermutlich habe ich beim Verlassen des Kirchenbereichs, und als ich von der ersten Seitenkapelle aus weitergegangen bin, die Erklärung bekommen, warum dieser Eingang? Man kommt so direkt zum Herzstück mit dem alles begann –

die Loreto-Kapelle in der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

Es ist der schlichteste Raum der ganzen Kirche, das absolute Besinnen auf das Wesentliche kann hier in der kleinen, dunklen Kapelle stattfinden. Viele Kerzen erhellen den sonst fensterlosen Raum. Denn, ihr erinnert euch an den mit Tannenreisig gesteckten Grundriß, als noch keine Mittel für einen Kapellenbau vorhanden waren? Genau dieser kleine Grundriss, auf dem dann später die kleine Holzkapelle errichtet wurde, sollte in den Bau der großen Kirche miteingebunden werden.

Ich habe die Besonderheit in der Wallfahrtskirche bisher nur noch bei drei weiteren Kirchen erlebt – die Empore ist begehbar. Ein Teil der Empore war in der herrlichen St. Nikolaus Kirche auf der Prager Kleinseite begehbar. Übrigens der bedeutendste Kirchenbau des Barocks in Europa mit einem riesigen durchgehenden Deckenfresko. Die Genehmigung für das Betreten der Empore erhielten wir im Dom St. Peter und Paul in Zeitz als wir den Bauer Käselieb gesucht haben, und in der Stadtkirche in Göppingen ist das Betreten der Empore auch gestattet. Mit dieser Sicht von oben eröffnet es eben eine ganz andere Betrachtungsweise.

Auf dem Weg nach oben berichte ich euch aber noch kurz

wie ging es mit der Wallfahrtskirche nach der Einweihung weiter?

Denn wie jedes Gebäude kann auch die Wallfahrtskirche (wenn sie denn reden könnte) viel erzählen. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben und das Desaster begann 1803 als die Fürstpropstei aufgelöst wurde, das Gebiet zum Königreich Württemberg kam und vor der Säkularisation stand. Wozu braucht es dann noch eine Wallfahrtskirche? Die kann doch weg, wie es mit vielen anderen Wallfahrtskirchen auch passiert ist.

Die württembergische Königin setzte sich jedoch dafür ein, dass sie 1819 von der Liste der Zerstörung gestrichen wurde. Das nächste Unheil drohte dann im Zweiten Weltkrieg. Ellwangen wollte sich nicht freiwillig beugen und die Stadt stand kurz vor der Zerstörung durch die alliierten Truppen. Es wäre keine Wallfahrtskirche, und es wäre ja auch nicht das erste Wunder welches die Kirche bewirkt hätte – ein mehrstündiges heftiges Gewitter über der Stadt machte eine Bombardierung unmöglich, die Kirche blieb verschont. Dieser Rettung wird übrigens noch jedes Jahr gedacht.

Hoch oben hinter dem Hochaltar befindet sich

die Ignatiuskapelle in der Wallfahrtskirche Schönenberg

Als Pater Philipp Jeningen (genau jener, der bei dem heftigen Gewitter beim Fürstpropst war und sein Traum mit der Kirche dann in Erfüllung ging) 1680 nach Ellwangen kam, war schon Ignatius sein großes Vorbild. Es verwundert deshalb nicht, dass zu Ehren des Ignatius von Loyola diese wunderschöne Kapelle entstanden ist. 1491 wurde dieser in eine baskische Adelsfamilie hineingeboren. Nach vielen Jahren der Frömmigkeit, folgte er 1538 einer Vision Gottes, er gründete die Gemeinschaft der Jesuiten (denen auch Pater Philipp Jeningen zugehörig war). 1541 wurde er zum Generaloberst des Ordens gewählt. Nachdem er zunächst selig gesprochen wurde, erhielt er 1622 auch die Heiligsprechung. Das Altarbild zeigt ihn in der Mitte, geborgen in der Dreieinigkeit.

Gegenüber der Ignatiuskapelle findet sich ein weiteres Highlight in der Kirche

die ganzjährige Krippe in der Wallfahrtskirche Schönenberg

die seit 1911 über dem Hochaltar zu bewundern ist. Ich würde euch jetzt hier in diesem Bericht mit all den vielen herrlichen Fotos und Infos zur Krippe erschlagen. Deshalb hab ich ihr, und Sieger Köder, der an der Gestaltung der Krippe maßgeblich beteiligt war, einen eigenen Beitrag gewidmet.

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Hier von oben, ergeben sich herrliche Blicke auf die Apostelfiguren, die die Besucher von oben im Blick haben. Den

Impressionen von den Emporen in der Wallfahrtskirche Schönenberg

überlasse ich euch wortlos ….

Die letzten Blicke – und mein Rundgang in der Wallfahrtskirche neigt sich dem Ende zu.

Wenn ihr nicht über den Weg an den Rosenkranzkapellen hinauf zur Kirche gekommen seid, dann lohnt sich

ein Blick um die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

Zum einen ergeben sich tolle Perspektiven der Kirche, zum anderen habt ihr hier einen herrlichen Blick hinüber zum Schloss ob Ellwangen und hinunter zur Stadt.

Der Berg hinter der Kirche bietet bei Wallfahrten den Pilger vieeeeel Platz. Spontan wurde ich beim Anblick der überdachten Bühne an ein Ereignis erinnert, das ich 2005 mit meiner Tochter erleben durfte. In diesem Jahr fand der Weltjugendtag in Köln statt. Nunja, als die wirklichen Hardcore-Pilger haben wir uns nicht erwiesen, aber die Messe mit dem Papst live zu erleben – ich bekomme heute noch eine Gänsehaut bei diesem Feeling.
Dabei nenne ich mich beileibe nicht tief religiös. Meine Überzeugung ist die, dass sich ‚Glauben‘ nicht nur in der Kirche leben und erleben lässt, sondern in jeder Minute in unserem Alltag und im Umgang mit unseren Mitmenschen.

Dazu passt das

Labyrinth des Lebens am Schönenberg

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ An verschiedenen Stationen im Labyrinth gibt es Gedankenimpulse zum Leben.

Ihr seht schon anhand meines Berichts – man kann sich einige Zeit hier oben auf dem Schönenberg aufhalten. Vielleicht hat euch mein Bericht dazu animiert, der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg über Ellwangen einen Besuch abzustatten.

Wir sind mit Fridolin wieder Richtung heimwärts aufgebrochen, haben aber kurz nach Ellwangen noch den Blinker nach Schrezheim gesetzt. Die kleine St.-Antonius-Kapelle war noch unser Ziel.

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