Der Altstadt von Dinkelsbühl kann man mehrere Attribute zusprechen: eine gut erhaltene spätmittelalterliche Altstadt mit Stadtmauer mit einer der schönsten Hallenkirchen Süddeutschlands und vielen Sehenswürdigkeiten. Kein Wunder, dass Dinkelsbühl an der romantischen Straße liegt und vom Magazin Focus zur schönsten Altstadt Deutschlands gekürt worden ist.

Und heute liegt die kleine Stadt kurz nach der Grenze zu Bayern auf unserem Besichtigungsplan. Da ist sie seit einem Blitzbesuch vor vielen Jahren drauf. Nachdem wir drei Tage vor Reiseantritt unseren weiteren Aufenthalt in Prag wegen den rasant steigenden Coronazahlen abgesagt haben, erkunden wir jetzt in dieser Zeit alles, was rings um meine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd sehenswert ist. Denn von Schwäbisch Gmünd ist Dinkelsbühl in nicht ganz einer Stunde zu erreichen. Vielleicht kennt ihr die Stadt sogar, zumindest imaginär aus den Verkehrsmeldungen. Hatte doch die Sperrung des Virngrundtunnels immer Staus auf der A 7 ‚zwischen Dinkelsbühl und Fichtenau‘ verursacht.

An diesem herrlichen Spätsommertag bekam Fridolin recht früh den Auftrag ‚es geht nach Dinkelsbühl.‘ Und diese Entscheidung war goldrichtig. Denn so klein die Stadt vielleicht erscheinen mag, desto reichhaltiger ist sie mit Sehenswertem gefüllt. Dinkelsbühl weiß ob seiner Schönheiten, und bestimmt nicht erst ab dem Moment an dem es vom Focus zur ‚Schönsten Altstadt von Deutschland‘ gekürt worden ist. Es gibt viele Parkplätze rund um den alten Stadtkern, auf denen man sogar kostenfrei parken darf. Großes Plus und Lob für Dinkelsbühl, wenn ich da so an mein Schwäbisch Gmünd denke. Es lohnt sich nicht, in der Innenstadt einen Parkplatz zu suchen. Zum einen darf man da nur eine Stunde stehen (viel zu kurz für eine Besichtigungstour) und an den Wochenenden im Sommer ist sie für Fahrzeuge komplett gesperrt, was auch gut ist. Wir waren an einem Wochentag in Dinkelsbühl, und es war …. nervend mit den Autos die durch den engen Altstadtkern drängten.

Fridolin bekam einen schönen Platz auf der Schwedenwiese, von der aus man in wirklich wenigen Schritten durch ein Stadtmauertor in die Altstadt kommt. Und da komme ich jetzt schon ins Überlegen wie ich euch diesen Beitrag nicht kreuz-quer-knuddel präsentiere. Da ist mal ein Turm, dort was Sehenswertes in der Stadt. Deshalb hat der Bericht jetzt zwei Teile. Am Anfang alles Sehenswerte in der Stadt, und im zweiten Teil kommen die Türme dran. Mit dem Inhaltsverzeichnis könnt ihr ja auch ‚hüpfen‘.

Der Stadtrundgang durch die historische Altstadt von Dinkelsbühl

hat mit einem herrlichen Blick, links und rechts der Wörnitz entlang, Lust auf die Stadt erzeugt.

Bevor es durch den Stadtmauerdurchgang ging, haben zwei Hinweistafeln meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mein Mann weiß ja schon, dass ich an keiner solcher Tafeln vorbeikomme 😂 schließlich bieten sie mir immer wieder noch Informationen zu meinen Berichten. Und hier, kurz vor der Stadt las ich auf einer Tafel „Prager Fenstersturz“. Hä? Was für einen Bezug hat denn Dinkelsbühl mit dem Fenstersturz? Habe ich doch erst kürzlich in meinen Berichten über Prag und den Alten Königspalast (wo dieser zweite Fenstersturz stattfand) nach unserem Aufenthalt in Prag berichtet.

An dieser Stelle muss ich es einfach anmerken, es ist nicht nur spannend und interessant in den einzelnen Objekten zu fotografieren um sie euch dann zu zeigen. Nein, es ist zunehmend immer interessanter geschichtliche Hintergründe zu erfahren, die Verknüpfungen und Bezüge untereinander, um z.B. dann so einen Bogenschlag zu lesen oder wo unsere Staufer überall in der Welt mitgemischt haben. Deshalb gibt es an dieser Stelle gleich mal

ein bisschen Geschichte zu Dinkelsbühl

Und die geht weit zurück, so etwa ins Jahr 730 als an der Wörnitz ein Fernweg gesichert werden sollte. Ein fränkischer Königshof war der Beginn einer Ansiedlung. Und die hügelige Landschaft und der Verwaltername sollen der Ansiedlung ihren Namen gegeben haben. Ich finde aber diese Sage über die Entstehung des Ortsnamens weit schöner 🙂 Ein frommer Bauer soll auf seinen Äckern mit Dinkelgetreide eine kleine Kapelle errichtet haben. Mitsamt seinem Hof soll er sie an reisende Mönche verschenkt haben, die hier dann ihr Kloster errichtet haben. So soll nach und nach Dinkelsbühl entstanden sein. Vielleicht ist ja an dieser Sage doch was dran, denn in der Stadt ist an verschiedenen Stellen eine Skulptur des Dinkelbauerns zu finden.

Mit einem Zeitsprung geht es dann in die Stauferzeit. Unter König Konrad III. von Hohenstaufen der Stammburg der Staufer (ich lebe am Fuß eines Drei-Kaiser-Berges zu dem der Hohenstaufen zählt) und Kaiser Friedrich I. Barbarossa wurde Dinkelsbühl Königsstadt und durch eine Stauferburg wurde der Ort befestigt.  Aus 1142 sind die ersten Stauferspuren nachgewiesen. Der Turm des Münsters St. Georg in Dinkelsbühl kann mit seinen unteren fünf Stockwerken auch der Stauferzeit zugerechnet werden. Und dass die Staufer auch tatsächlich in der Stadt waren, davon zeugt die Stauferstele vor der St. Pauls Kirche.

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Auch taucht Dinkelsbühl 1188 im Zusammenhang mit dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa erstmals urkundlich auf. In einem Ehevertrag vermacht er den Ort (zusammen mit noch anderen Hausgütern in Stauferbesitz) seinem Sohn Konrad, Herzog von Schwaben, zu seiner Hochzeit. Als König Konrad IV. verpfändet dann der Sohn von Friedrich I. 1251 die Stadt an Graf Ludwig von Öttingen. Die Stadt konnte sich jedoch 1341 wieder freikaufen.

Im 14. Jahrhundert blühte die Stadt mit der Wollweberei und Sichelmacherei auf. Etwa um 1370 wurde der Mauerring um die Stadt erweitert. 1387 zwangen die Handwerkerzünfte dann eine Gleichstellung mit den Patriziern in der Stadt und stellten von da ab abwechselnd den Bürgermeister. Und den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt sah man dann an Bauten wie z.B. dem Münster St. Georg.

Mit der Reformation 1522 in dem ein Großteil der Bürger protestantisch wurden schloss sich Dinkelsbühl dem Schmalkaldischen Bund an. Dieses Verteidigungsbündnis von protestantischen Städten und Fürsten richtete sich gegen die katholische Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V., der dann aber im Schmalkaldischen Krieg dieses Bündnis zerschlug. Übrigens ist Schmalkalden, wie ihr in meinem Berich sehen könnt, ein sehr hübsches Fachwerkstädtchen.

Und jetzt kommt die Verbindung mit dem Prager Fenstersturz. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionen sorgte immer wieder für Zündstoff. Als König Ferdinand in Böhmen Rekatholisierungsmaßnahmen durchsetzen und Ständerechte einschränken wollte, kam es am 23. Mai 1618 zu dem besagten Vorfall, bei dem die aufgebrachten Ständevertreter mit den Statthaltern im Königspalast auf der Prager Burg reden wollten. Was damit endete, dass sie in einem Streit zwei Statthalter samt ihrem Sekretär aus dem Fenster warfen. Und der wiederum war der Auslöser des Dreißigjährigen Krieges, in den auch Dinkelsbühl mit hineingezogen wurde. Zwar wurde die Stadt nicht zerstört, aber der Finanzsäckel litt doch erheblich.

1802 fiel Dinkelsbühl an die Bayern. König Ludwig I. verbot per Erlass Jahre später, dass keine Mauer und kein Turm abgerissen werden durfte. Dem Umstand, und auch, dass Dinkelsbühl den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden hat, ist es wohl zu verdanken, dass die Stadt ihr ursprüngliches historisches Erscheinungsbild behalten hat.

Beim Gang in die Innenstadt war der erste Stopp bei der

St. Pauls Kirche in Dinkelsbühl

Hier soll sich der Legende nach der Hof des besagten Dinkelbauers befunden haben, auf dessen Grund 1290 das Karmeliterkloster gegründet wurde. Nach dem Abriss der ehemaligen Klosterkirche, entstand 1840 die Kirche für die protestantischen Gläubigen. Sie wurde im Stil des Historismus erbaut.

 

Über den Marktplatz, der eigentlich gar kein Marktplatz im eigentlichen Sinn ist, so wie wir ihn von vielen Städten kennen – ein großer Platz als Zentrum – geht unser Rundgang weiter. Dinkelsbühl wurde mit vielen Marktstraßen angelgt, die sich am Weinmarkt, der ein bisschen breiter ist, ’sammeln‘. In einzelnen Stadtabschnitten und Straßen wurde der Handel mit unterschiedlichen Produkten betrieben, und demzufolge bekam dieser Platz dann seinen Namen. Wir sind weiter zum Altrathausplatz, der damals der Viehmarkt der Stadt war. Auf ihm steht mit dem

Alten Rathaus von Dinkelsbühl

eines der bedeutendsten Baudenkmale von Dinkelsbühl. Vermutlich war hier der Sitz der Staufer – heute ist es das „Haus der Geschichte Dinkelsbühl von Krieg und Frieden“. Zu der Geschichte des in Sichtweite liegenden Wörnitztores komme ich später. Wir haben dem Haus der Geschichte aber den Rücken gekehrt, nein, heute kein Museum, und sind am herrlichen Löwenbrunnen vorbei, direkt dem Münster St. Georg zugesteuert.

Das Münster St. Georg in Dinkelsbühl

gilt als eine der schönsten spätgotischen Hallenkirchen in Süddeutschland. Von unserem Hl.-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd können wir dagegen sagen, dass dies die älteste spätgotische Hallenkirche ist. Fakt ist, das Münster (nein, beide Münster) sind absolut sehenswert.

An der Stadtmauer entlang haben wir die

Spitalanlage in Dinkelsbühl

erreicht. Ursprünglich lag das Areal mit dem ehemaligen Heilig-Geist-Spital bei der Gründung noch außerhalb des ältesten staufischen Mauerrings. Erst mit der Erweiterung der Stadt und der neuen Stadtmauer liegt es nun innerhalb der Stadt. Eigentlich wirkt es so wie eine kleine abgegrenzte Anlage. 1280 wurde das „Spital zum Heiligen Geist und der Jungfrau Maria“, das zu den reichsten Stiftungen Bayerns zählte und auch der größte Grundbesitzer der damaligen Reichsstadt war, gestiftet.

Die Spitalkirche wurde 1380 erbaut, später erweitert und im 18. Jahrhundert im Barockstil verändert. Und wir? Wir standen vor verschlossenen Kirchentüren. Aber dieses Los hat uns jetzt zu Coronazeiten schon des öfteren getroffen. Wie ich nachlesen konnte, soll sie ein wunderschönes Inneres haben. Die große Anlage hat sich in mehrere Gebäudeteile gegliedert. Wenn ihr mehr zur Spitalanlage erfahren möchtet, klickt HIER.
Die Blicke zieht auf jedenfall, neben den imposanten Gebäuden, auch die hölzerne Kaltmangel auf sich. Und das ist so eine kleine technische Rarität. Wie sie genau funktioniert, das könnt ihr auf einer Tafel im Spitalhof nachlesen. Hier wurden die Stoffe vor dem Druck geglättet, aber auch bevor die bedruckten Stoffe in den Handel kamen. Wer kauft denn schon einen verknitterten Stoff? Und ich finde den kleinen Hof richtig romantisch.

Durch kleine Gässchen mit Kopfsteinpflaster (liebe Damen verzichtet auf High Heels 🙂 ) sind wir beim Alten Bauhof (über den berichte ich euch bei den Türmen) und direkt gegenüber beim

Kinderzech Zeughaus in Dinkelsbühl

gelandet. WOW, ist DAS mal ein mächtiger Fachwerkbau, man fühlt sich so klitzeklein davor. Der Bau diente in früherer Zeit als Kornspeicher. Genau wie das Gebäude ein paar Straßen weiter, in dem heute die Jugendherberge von Dinkelsbühl untergebracht ist. Vier große Speicher in verschiedenen Stadtvierteln gab es so um 1500 in Dinkelsbühl. Zehntpflichtige Mitbürger hatten dort ihren Anteil an Abgaben abzugeben. Die Stadt selber sorgte aber mit einer Vorratshaltung schlechten Ernten, Belagerungen oder Hungersnöten vor. Heute ist in dem imposanten Bauwerk ein Museum untergebracht. Selbst wenn wir hätten wollen, an unserem Besuchstag war es geschlossen. Es gibt dort Kostüme der Kinderzeche zu bestaunen, ebenso wie alles Wissenswerte über

die Kinderzeche in Dinkelsbühl

Ab Oktober soll das Museum bis April geschlossen haben, deshalb bekommt ihr ein paar Infos jetzt von mir. Auf das 17. Jahrhundert geht dieses auch heute noch jährlich aufgeführte Kinder- und Heimatfest zurück. Früher soll für Schüler der Schulen von der Stadtkammer zu Beginn der Schulferien ein Zechgeld ausbezahlt worden sein. Natürlich für die Konfessionen getrennt. Aber beide Konfessionen feierten getrennt voneinander die Schulzeche mit einem Schulfest. Und so wird das Fest, das mittlerweile weit über die Grenzen hinaus bekannt ist, immer noch gefeiert.

Und wie es halt so ist, wird noch ein bisschen was dazu gebastelt, denn diese Geschichte ist wohl historisch nicht belegt. Aber ich finde sie echt auch so schön, dass man sie tatsächlich feiern kann. Denn ein kleines Mädchen soll die schwedischen Eroberer während des Dreißigjährigen Krieges davon abgehalten haben, Dinkelsbühl zu zerstören und zu plündern. Man war sich wohl in einer Ratssitzung nicht einig darüber ob man den evangelischen Schweden Widerstand leisten solle, oder nicht. Eigentlich wäre es ein hoffnungsloser Kampf gewesen. Ein Unterhändler der Schweden hatte wohl aus Unachtsamkeit ausgeplaudert, dass der kleine Sohn des schwedischen Heerführers kurz zuvor verstorben sei. Die Tochter des städtischen Turmwächters hat diese Information erfahren und schmiedete einen Plan.
Sie sammelte die Kinder der Stadt um sich, und als der schwedische Heerführer die Übergabe der Stadt ankündigte, zog das Mädchen mitsamt den ganzen anderen Kindern vor den Heerführer und bat ihn, die Stadt zu verschonen, vor allem um der Kinder willen die in der Stadt leben. Der noch immer um seinen Sohn trauernde Heerführer war so gerührt, dass er Dinkelsbühl tatsächlich verschon haben soll.

Ihr könnt euch anhand dem Rundgang schon vorstellen, wie lange wir bereits unterwegs sind. Und immer noch OHNE Kaffee 🙂 Des Bäuchle fing auch schon zum Grummeln an, und da die Strässchen nicht so lang sind, wie sie auf einem Stadtplan erscheinen hieß es jetzt,

Auf dem Weinmarkt in Dinkelsbühl

eine Pause einlegen. Natürlich nicht hier im Beitrag 😀 Waren wir in den Seitenstraßen so gut wie alleine unterwegs, haben wir jetzt am Weinmarkt erkannt warum. Die Straße, hier ein bisschen breiter als die übrigen Straßen, ist sowas wie die Flaniermeile von Dinkelsbühl.

Und ganz klar zieht sie mit den prächtigen Giebelhäuser, die so etwa um 1600 erbaut wurden, die Besucher an. Drei Häuser stechen da besonders heraus – das Eckhaus mit dem farbenfrohem Dach und dem kleinen Turm obendrauf war zu früherer Zeit die Ratstrinkstube. Hach, sowas kenne ich ja schon vom Marktplatz in Schwäbisch Hall, eine für den Adel, eine fürs Volk. Hier in Dinkelsbühl diente das Gebäude auch als Waagegebäude und diente Hoheiten wie Kaiser Karl V. oder König Gustav II. Adolf von Schweden als Unterkunft.
Auch das Gasthaus Zur Glocke stammt aus dieser Zeit.

Das dritte Haus in der Reihe hat mich lange nach oben blicken lassen. Mit vielen Figuren ist der Fachwerkbau Deutsches Haus aus der Spätrenaissance verziert. Ganz oben schaut von oben der Weingott Bacchus auf die vielen Besucher herunter.

Frisch gestärkt hieß es jetzt ‚weiter Dinkelsbühl entdecken‘. Und da gibt es, auch ohne dass ich es explizit beschreibe, wirklich so einiges zu entdecken. Nicht nur die schmucken kleinen, und liebevoll renovierten, Fachwerkhäuser oder die kleinen ursprünglichen Sträßchen und Gässchen. Dinkelsbühl zeigt auch ein einheitliches Stadtbild in der Häuserbeschriftung in altdeutscher Sprache. Das Deutschordenschloss ist ein Abstecher wert, auch wenn die Rokokokapelle im Moment wegen Renovierung geschlossen ist.
Kommt einfach mit mir mit

durch die Sträßchen von Dinkelsbühl

Vielleicht entdeckt ihr ja bei eurer Erkundungstour durch die Stadt das eine oder andere Häuschen oder Eckchen wieder?

Die Stadtmauer und -tore und die Mauertürme in Dinkelsbühl

sind eine ‚Wanderung‘ um die Altstadt wert. Wir haben es nicht ganz im Kreis geschafft, aber doch immerhin einige der Mauertürme gesehen. Es wären ca. 2,5 km Länge zu bewältigen, wollte man die 20 Mauertürme und vier Stadttore alle sehen.

Um 1372 wurde die Stadtmauer gebaut. Die bereits teilweise bestehende Mauer aus der Stauferzeit wurde mit integriert. Die äußeren Tore in die Stadt wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen, so auch der Wehrgang. Die Stadtmauer ist also, anders als in Nördlingen, nicht begehbar.

Die Begebenheit mit dem Mädchen, das Dinkelsbühl vor den schwedischen Truppen gerettet hat, soll sich am

Wörnitztor in Dinkelsbühl

zugetragen haben (wenn es denn so war). Hier soll sich aber das jährliche Heimat- und Kinderfest, die Kinderzeche, mit abspielen. Das Wörnitztor aus der Stauferzeit das älteste der vier Stadttore und hat den Namen von der Wörnitz, die hier vorbeifließt. Am Altrathausplatz, wenige Schritte vom alten Rathaus und dem Löwenbrunnen entfernt, bietet es eine herrliche Kulisse. Diese, und bestimmt nicht nur diese Ecke haben auch Filmemacher erkannt. Mehrere Filme wurden in Dinkelsbühl gedreht.

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Nach der Spitalanlage steht eines der wichtigsten Stadttore von Dinkelsbühl,

das Rothenburger Tor

im nördlichen Teil der Stadt. Und wie es der Name schon sagt, hier geht der Weg aus der Stadt weiter nach Rothenburg ob der Tauber. Mit dem südlichen Stadttor, dem Nördlinger Tor war es die wichtigste Ein- und natürlich auch Ausfahrt aus der Stadt. (Dem Nördlinger Tor haben wir unseren Besuch erspart.)
Etwa um 1390 wurde der Torturm erbaut, der in füherer Zeit auch als Gefängnis, mit so kleinen Zellen, dass man quasi im Stehen schlafen musste. Auch wurde hier den vermeintlichen Hexen (es gab auch männliche) der Prozess gemacht. Die kleinen Schießscharten am Turm zeigen, dass man sich zu früherer Zeit von dort auch verteidigt hat.

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Das dritte der vier Stadttore liegt ein einem reizvollen Teil der Altstadt von Dinkelsbühl.

Das Segringer Tor

liegt nach Westen und, ihr ahnt es 🙂  führt weiter nach Segringen. Nachdem es 1648 nach der Belagerung der Schweden teilweise eingestürzt war und Reparaturen auch kein erfolgreiches Ergebnis brachten, wurde es 1655 im Barockstil neu aufgebaut.

Vielleicht habe ihr bei einem Besuch in Dinkelsbühl mehr Glück als wir: direkt vor dem Tor ist die Dreikönigskapelle, eine kleine Kapelle aus dem Jahr 1378. Wir standen wieder vor verschlossenen Türen (keine Ahnung, ob sie aber auch dauerhaft geschlossen ist?). Zu besichtigen ist die Gedenkstätte, die an die Opfer des NS-Regimes erinnert.

Vor allem auf der Westseite der Stadt reiht sich ein Turm neben dem Anderen. Ein richtig romantisches Fleckchen liegt aber noch im Norden der Stadt.

Der Alte Bauhof und der Faulturm

Man könnte den Zugang leicht übersehen, wenn man von der Stadtseite herkommt. Aber auch achtlos weitergehen wenn ihr außen an der Stadtmauer entlanggeht. Gegenüber dem Kinderzech Zeughaus geht es in den alten Bauhof, der sowas wie ein kleiner Garten ist.

Mit dem Faulturm und dem Zwingerhäuschen war einst die Verteidigungsanlage im Norden der Stadt (gemeinsam mit dem Rothenburger Tor) gesichert. Der runde Turm hat mich spontan an das Märchen erinnert „Rapunzel lass dein Haar herunter“. Und so daneben lag ich mit meinen Märchengedanken gar nicht, die Märchenerzählerin von Dinkelsbühl hat im Turm ihre Bleibe. „Es war einmal ….“
Aber nicht es war einmal, sondern aktuell und heute ist diese Ecke von Dinkelsbühl am Stadtpark und Rothenburger Weiher die romantischste der Stadt. Und wer ein reines Gewissen hat, der kann sorglos am Turm vorbeigehen. Früher wurde alle diejenigen dort eingesperrt, die ihre Zeche nicht zahlen konnten. 😀

Wenn ihr Zeit habt, dann solltet ihr euch einen Spaziergang an der Stadtmauer gönnen.  Wir sind den

Oberen Mauerweg

gegangen, der am Segringer Tor beginnt. Kleine Häuschen, direkt an die Stadtmauer angebaut beginnen den Weg. Diese Häuschen waren früher die Wohnungen der Landsknechte.

Der erste Turm, die sich hier wie an einer Perlenschnur aufreihen, ist

der Wächtersturm

der, wie der Name schon sagt, auch ein Wachturm ist. Acht Mann sollen dort Wache über die Stadt gehalten haben. Es lohnt sich immer auch ein Blick hinter die Türme.

Neben einer herrlicher Sicht auf die Stadt, gibt es auch wieder Möglichkeiten wieder in diese hinunterzukommen. Wir haben nach dem

Berlins- und Haymersturm

diesen Weg nach unten eingeschlagen.
Der Berlinsturm wurde nach einem Bürgermeister der Stadt benannt, dessen Geschlecht eine reiche und alte Patrizierfamilie von Dinkelsbühl war. Gemeinsam mit dem Wächtersturm hatten die beiden Türme die höchste Position in der Wehranlage.

Das Türmchen des Haymersturms hat es mir angetan. Dieser kleine Rundturm soll im Inneren Jugendstil-Malereien von ca. 1870 aufweisen. Aber alles Klopfen hätte nichts genützt, kein Zutritt. Und immer wieder lohnt sich ein Blick hinter oder vor die Stadtmauer.

Bis zum Nördlinger Tor stehen noch fünf weitere Türme. Die Stadt Dinkelsbühl hat eigens einen Flyer nur für einen Turmrundgang herausgebracht, den ihr euch HIER anschauen oder downloaden könnt. Dann habt ihr gleich eine Übersicht.

Nach herrlichen Stunden in Dinkelsbühl haben wir die wirklich sehenswerte Altstadt auf dem gleichen Weg wieder verlassen, mit dem wir sie betreten haben. Über die Holzbrücke ging es wieder zurück zu Fridolin. Aber nicht ohne Blick auf

den Dreigangsturm von Dinkelsbühl

der sich in seinem Aussehen wieder von den anderen Türmen abhebt. Er, sowie die kleine Bastei daneben haben ebenso als Wehrturm gedient.

Der letzte Blick auf die Stadt ging Richtung

Henkersturm und Bäuerlinsturm von Dinkelsbühl

Aus dem 14. Jahrhundert stammt der ursprüngliche Turm des Bäuerlinsturms, der im 16. Jahrhundert um sein markantes Fachwerkgeschoss aufgestockt wurde. Er hat seinen Namen nach dem Wächter Bäuerlin, der in dem Wachturm seiner Arbeit nachging. Der Turm ist das Wahrzeichen von Dinkelsbühl.

Der vor dem Bäuerlinsturm stehende Henkersturm diente nicht als Wachturm. Als Dinkelsbühl noch keinen eigenen Scharfrichter hatte, wurde der Henker bei Bedarf aus den Nachbarorten angefordert. Während seiner ‚Arbeit‘ in der Stadt, diente ihm dieser Turm als Übernachtungsmöglichkeit.

Wir standen zwar nicht vor dem vierten Tor, aber fast vor Erreichen des Parkplatzes gab es dann doch noch einen Blick auf das Nördlinger Tor. Erst mit der Erweiterung der Stadtmauer kam dieses Tor Ende des 14. Jahrhunderts dazu, und hatte wohl als einziges Tor ein eisernes Fallgitter, welches bis 1806 benützt wurde.
Und damit endet unser Stadtrundgang durch Dinkelsbühl. Ich hoffe, dass ich euch mit dem Beitrag Lust auf die Stadt gemacht habe, die man, denke ich, zu jeder Jahreszeit ‚erobern‘ kann. Viel Freude dabei!

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