Mitten im Zentrum der Prager Kleinseite steht die berühmteste Barockkirche von Prag und der bedeutendste Kirchenbau des Barocks in Europa – die St.-Nikolaus-Kirche (kostel svatého Mikuláše). Bemerkenswert ist die Innenkuppel der Kirche, mit stolzen 49 Metern Höhe.

Wir haben das Hauptziel unseres heutigen Rundgangs durch die Kleinseite in Prag erreicht. Nachdem wir über die Karlsbrücke sind, war uns klar – geh nicht direkt dorthin, sondern schau dir noch alles auf dem Weg dorthin an. Und so war neben dem Vrtba Garten die St.-Nikolaus-Kirche, die dritte Kirche, die wir heute besichtigt haben. Mit so klangvollen Namen wie „St. Maria unter der Kette“ und der Kirche „Maria vom Siege“ mit dem weltberühmten Prager Jesulein.
Wenn ihr die St. Nikolaus Kirche über Maps sucht, dann müsst ihr unbedingt ‚Kleinseite‘ dazu eingeben. Direkt am Altstädter Ring in der Altstadt gibt es nochmal eine Kirche gleichen Namens (vor deren verschlossenen Türen wir öfters standen).

Den Gegenpart zum Altstädter Ring, der aber nur mit einer kleinen Straße am Rand der Fußgängerzone gestreift werden kann, geht es im Zentrum der Kleinseite schon anders zu. Mitten im Kleinseitner Ring, Malostranské náměstí, steht die imposante Kirche inmitten Straßenbahngeklingel und regem Autoverkehr. Gemütlich auf dem Platz verweilen, so wie in der Altstadt – vergesst es. Irgendwie herrscht in meinen Augen ein bisschen Hektik auf dem Platz. Das war mir aber in dem Moment egal, an dem wir sicher den Eingang zur Kirche erreicht haben. Gegen eine kleine Eintrittsgebühr (samt Fotogebühr, wie in so vielen Objekten als extra Gebühr, also nicht vergessen zu fragen) durften wir in die Kirche.

Auch wenn es in einer Kirche vielleicht etwas pietätslos erscheint, das höchste Lob eines Schwabens gilt an jedem Ort. Und so entlockte mir der erste Anblick dieser Kirche nur ein bewunderndes „Heiligs Blechle“. Mehr bekam ich in diesem Augenblick wahrlich nicht raus. Ich stand nur und staunte. Und zum Glück hat mich die Aufsichtsperson vermutlich auch nicht verstanden 😉

Nicht umsonst wird in allen Reiseführern der Stadt, die St.-Nikolaus-Kirche als eine DER Kirchen aufgezählt, die man in Prag unbedingt gesehen haben muss. Allein die Kirche von außen ist imposant, schaut mal ….

Wenn ich euch jetzt den ersten Eindruck der St.-Nikolaus-Kirche zeige, dann werdet ihr mein „Heiligs Blechle“ ganz sicher verstehen. Und live und vor Ort ist das alles nochmal eine Wucht stärker 🙂

Zur Geschichte der Kirche St.-Nikolaus auf der Kleinseite

Anstelle der heutigen Kirche stand bereits 1283 eine gotische Kirche, die dem Hl. St. Nikolaus geweiht war. Nachdem 1620 in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag der Habsburger Ferdinand nach einem Sieg über Böhmen, der neue Kaiser von Böhmen wurde, begann die Rekatholisierung. Die bis dahin ultraquistischen Kirche (ein Ableger der Hussiten, mehr über diese Bewegung lest ihr in meinem Beitrag zu Jan Hus) wurde den Jesuiten übergeben, die einen großen Gebäudekomplex, unter Einbezug der Kirche, errichteten. In diesem Jesuitenkolleg schulten sie Missionare für ihre Reisen in ferne Länder. Bewusst blieb die Gestaltung des Neubaus schlicht, hatten sie doch zuvor eine Schelte vom Vatikan wegen den reichen Verzierungen an ihrem Bau des Klementinums bekommen.

Eigentlich wurde ja 1673 bereits der Grundstein für die neue Kirche, angrenzend an das Jesuitenkolleg, gelegt, vermutlich hat aber das Geld gefehlt um mit dem Bau beginnen zu können. Durch eine Großspende eines der Grafen von Kolowrat, der sein gesamtes Vermögen dem Neubau der Kirche zur Verfügung stellte (und anschließend in den Orden eintrat) konnte dann 30 Jahre später, 1703, mit dem Bau der Kirche begonnen werden.

Mit dem Bau der Kirche wurden die bedeutendsten Baumeister dieser Zeit in Mitteleuropa beauftragt, Vater und Sohn Dientzenhofer. Eine dynamische Bewegung stellte sich Vater Dientzenhofer vor, nicht nur im äußeren Erscheinungsbild, sondern auch im Inneren der Kirche. 100 Jahre wurde an diesem bedeutenden Kirchenbau gearbeitet, über drei Generationen. Der Sohn Kilian Ignaz Dientenhofer arbeitete ab 1737 am Chor und an der gigantischen Kuppel des Baus. Zu den Ausmaßen erzähle ich euch später noch was dazu. Kurz vor seinem Tod hat er dieses Werk 1752 vollendet. Von 1751-1755 wurde mit den Vorgaben der Stadt an dem Glockenturm gebaut. Da diese Besitzer des Turms war, konnte sie auch die Vorgaben dazu machen – als Feuerwache sollte er dienen, und genauso hoch wie die Kuppel der Kirche musste er sein. Und weil es ein Gebäude der Stadt war, bekam es (anderes als Kirchen) auch eine Hausnummer.

215 Stufen führen nach oben auf den Wachturm, der über die Kleinseite (Malá strana) wacht. Wie es bei den Stadttürmen meiner Heimatstadt zu damaliger Zeit auch war, so auch in Prag – der Türmer hatte die Aufgabe nach Bränden Ausschau zu halten und im Fall eines solchen Alarm auszulösen. 1891 zog der letzte Turmwächter aus und Anfang der 50er Jahre zog die Staatssicherheit ein. Bis zum Ende des kommunistischen Regimes war hier oben eine Beobachtungsstelle. Da auf der Kleinseite von Prag die Botschaften der westlichen Länder ihren Sitz haben, wurden natürlich auch diese überwacht.

1752 konnte die Kirche dann endlich geweiht werden, im Inneren war sie aber noch lange nicht fertig. Bis 1760 wurde hier noch an der Fertigstellung gearbeitet. Als der Jesuitenorden durch Papst Clemens XIV. aufgehoben wurde, wurde ab 1775 die Kirche St. Nikolaus zur Hauptpfarrkirche der damals noch selbstständigen kleinen Stadt auf der Kleinseite.

Die Maße dieser beeindruckenden Barockkirche sind monumental. Eine Grundfläche von 40 x 60 Meter und nach oben gehen die Kuppel und der Glockenturm 79 Meter in die Höhe. Die Kuppel hat einen äußeren Durchmesser von 20 Meter. Allein die Kuppel hat eine Außenhöhe von 70 Metern und bietet im Inneren immer noch 50 Meter. Sie ist somit der höchste Innenraum eines Gebäudes in Prag. Wahnsinn oder?

An dieser Stelle weiß ich jetzt echt nicht, was ich euch zuerst aus der Kirche St. Nikolaus zeigen soll. Und gleich vorab die Warnung 😀 – ihr seid nicht nur auf einem Reiseblog, sondern auch auf einem Fotoblog. Die Auswahl der Fotos fiel mir hier, wie auch im St. Veits Dom extrem schwer.

Arbeiten wir uns einfach vom Eingang der Kirche nach vorne 🙂
Und auch in dieser Kirche hatten wir das unfassbare Glück, dass wir so gut wie alleine dort waren. Wie ihr sicher aus anderen Berichten von Prag schon wisst, kurz vor unserer Ankunft in Prag wurden die wegen Corona geschlossenen Grenzen wieder geöffnet, was sich natürlich in unserem Fall positiv in den Besucherströmen (egal wo in Prag) bemerkbar machte.

Links neben dem Eingang befindet sich

die Kapelle der hl. Barbara in der St.-Nikolaus-Kirche

mit dem Altar der Hl. Barbara. Und schon in dieser Seitenkapelle habe ich total begeistert auf die Deckengemälde geschaut, die sich in der gesamten Kirche fortsetzen. Bedeutend sind hier die wertvollsten Gemälde der Kirche von Karel Škréta.
Ich überlasse euch wortlos diesen Eindrücken der Kapelle ….

Während dem Gang nach vorne in Richtung Hauptaltar, gibt es rechts und links

die reich geschmückten Seitenaltäre in der St. Nikolaus Kirche

Allein hier in den Seitenkapellen lässt sich schon die Pracht der Deckenmalereien erahnen.

Vor den Säulen der Seitenaltäre säumen auf dem Gang zum Altar

Marmorskulpturen von jesuitischen Heiligen

den Weg. Diese 50 Figuren wurden von 1752-55 von Ignáce František Platzer gefertigt. Die Säulen mit künstlichem Marmor überzogen …

Über dem Hauptaltar in der St. Nikolaus Kirche

befindet sich eine kuper- und vergoldeten Statue des Hl. Nikolaus, die 1765 ihren Platz einnahm. Das Altarbild zeigt den Erzengel Michael. Solimena, ein bekannter neapolitanischer Künstler aus dem 18. Jh. hat das Bild gemalt.

Auch beachtenswert ist die Kanzel, die mit einer allegorischen Darstellung von Glaube, Liebe und Hoffnung geschmückt ist.

Ihr seht es schon an den Fotos, die St.-Nikolaus-Kirche zählt mit dem St. Veits Dom zu den zwei bedeutendsten Kirchen in Prag. Und auch wenn die Innenausstattung mit der barocken Kunst im europäischen Raum seinesgleichen sucht, so zeigt sie auf der anderen Seite aber auch die Demonstration der Macht der Kirche, die mit solcher Pracht ausgedrückt werden soll.

Während dem Gang nach vorne blieb ich lange Zeit mit dem Blick nach oben im Hauptschiff stehen. Das

Deckenfresko in der St. Nikolaus Kirche

zählt mit seinen 1500 Quadratmetern zu den größten Deckengemälden in Europa. Die Verherrlichung und Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus von Myra stellt es dar, und wurde von Johann Lucas Kracker geschaffen. 1760 hat der in Wien geborene Maler des Spätbarocks damit begonnen.

Wenn ihr in der St. Nikolaus Kirche in Prag seid, dann schaut doch mal ganz genau nach oben. Es ist fast so wie das finden eines Puzzleteils, denn irgendwo im Deckengemäle ist ein Mönch hinter einer Säule versteckt. Der Künstler Kraker hatte ausdrücklich den Wunsch geäußert, dass vor Fertigstellung seines Werks kein anderer als er, das Deckengemälde sehen dürfe. Tja, auch Männer sind halt neugierig und wie es schien auch Mönche 🙂
Einer hielt sich nicht an die Vorgaben und wurde beim neugierigen Blick auf die Decke von Kraker hinter einer Säule entdeckt. Kurzerhand verewigte er diese Szene in dem Deckengemälde.

Ich konnte mich nicht satt sehen an diesem wunderschönen Werk …

Und jetzt das absolute Highlight dieser einzigartigen Kirche –

die Kuppel in der St. Nikolaus Kirche

František Xaver Palko schmückte die Kuppel mit einem Fresko vom offenen Himmel. Ein Chor von Heiligen verherrlichen Christus und den Heiligen Vater.
Vier überlebensgroße Statuen der Väter der Ostkirche sind 1769 geschaffen worden, und stehen unter der Kuppel. Das Weltgericht hat ebenfalls dort seinen Platz, umgeben von Kirchenvätern und den Aposteln.

Bevor wir den Hinweis bekamen, dass man auch nach oben auf die Empore darf, habe ich mir noch die

zwei Seitenaltäre beim Hauptaltar

angeschaut. Verehrt wird im linken Seitenaltar in einem verglasten Schrein eine Kopie der Statue der Jungfrau Maria von Foyen. 1629 haben sie Jesuiten aus Belgien mitgebracht. Sie zählt damit zu den ältesten Statuen in der Kirche.

Ihr habt ihn vielleicht schon vermisst? Meinen obligatorischen Blick zurück zur

Orgel in der St. Nikolaus Kirche

Jetzt kommt er! War es Silbermann in Sachsen, der als Orgelbauer berühmt wurde, so ist es in Böhmen der Jesuit Thomas Schwarz. 1745 fertigte er die Kirchenorgel mit ca. 4000 Pfeifen, die längste ist bis zu 6 Meter lang. Als 1787 Wolfgang Amadeus Mozart in Prag war, spielte er auf dieser Orgel. Vier Jahre nach seinem Besuch wurde wieder auf ihr gespielt, dann aber in einer Totenmesse im Gedenken an den verstorbenen Mozart.

Während unseres Besuchs oben auf der Empore erfuren wir von dem netten Herrn der Aufsicht, dass die Orgel derzeit renoviert wird, und zeigte auf die Pfeifen die auf der gegenüberliegenden Orgel in einer Ecke warteten.

Diese Pracht in der St.-Nikolaus-Kirche ist schon unfassbar schön. Aber so ganz anders wie im St. Veits Dom auf der Prager Burg.
Wenn ihr in Prag seid, solltet ihr diese Kirche auf euren Besichtigungsplan setzen. Man kommt vom Kleinseitner Platz, an dem die Kirche steht, mit vielen Straßenbahnlinien wieder zurück in die Stadt.

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Detailaufnahmen aus der Kirche ….

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So kommt ihr zur St.-Nikolaus-Kirche auf der Prager Kleinseite