Die ehemalige Klosterstadt Ellwangen im östlichen Zipfel des Ostalbkreises kann eine stattliche Anzahl an Kirchen aufweisen. So auch die Basilika St. Vitus im Zentrum der Stadt Ellwangen.

Heute stand ‚Ein Tag in Ellwangen‘ auf dem Plan. Wir hatten uns für den Nachmittag zu einer Führung durch die Schlosskapelle angemeldet und nutzen den Vormittag für einen Kirchenrundgang in der Innenstadt. Denn Kirchen kann Ellwangen einige aufweisen. Wir Schwaben sparen ja viel, aber in Ellwangen wurde an diesen Prachtbauten wahrlich nicht gespart.
Ellwangen hatte für mich schon von frühester Jugend an den Touch ’sehr gläubig‘. Dieser Eindruck wurde weiter verstärkt durch ‚da machen wir eine Wallfahrt zum Schönenberg‘ – die herrliche Wallfahrtskirche über Ellwangen. Dazu kam, dass es in meinem Heimatort für die Jungs eine Art Privileg war, in Ellwangen im Internat des Priesterseminars zu sein …. damals. Der wird bestimmt einmal Pfarrer. Ob es für die Jungs auch ein Privileg war? Denn zu dieser Zeit haben noch weitgehendst die Eltern bestimmt. Und schließlich kam da nicht jeder in dieses Internat.
Damit aber noch nicht Schluss. So gut wie alle Ausflüge der Kommunionkinder meiner Gemeinde führten damals nach Ellwangen. Ihr versteht jetzt mein Denken von damals?

Ellwangen? Gaaaaanz weit hinten auf meiner Liste! Aber durch die Corona-bedingt vermasselte Herbstreise nach Prag, meinem selbstgewählten ‚Bildungsauftrag‘ „Lerne deine Heimat noch näher kennen“ und mit Hinblick auf meinen Reiseblog, rückte die Stadt wieder nach vorne. Denn mittlerweile gehören Kirchenbesichtigungen bei unseren Städtetouren unbedingt dazu. Die Innenstadt von Ellwangen bietet kein Tagesfüllendes Erlebnis, sehr wohl aber die vielen Kirchen. Nach der Marienkirche in Ellwangen am Rand der Altstadt, sind wir deshalb zielstrebig zur Basilika St. Vitus auf dem leicht erhöhten Marktplatz der Stadt.

Man kann sie nicht verfehlen, denn sie steht eng zusammengebaut mit der Evangelischen Stadtkirche zusammen. Ich hab sie von meinem Standort aus nicht ’solo‘ aufs Bild bekommen, und da unsere Zeit wegen der Führung getaktet war, hab ich eine weitere Perspektivensuche gelassen. Aber damit beginnt

mein Rundgang durch die Basilika St. Vitus in Ellwangen

durch eines der

Rundbogenportale der Basilika

Denn diese zwei Portalen, von insgesamt fünf unbeschädigten Portalen, sind schon sehenswert. Um 1225 wurde das Hauptportal geschaffen, die Bronzetüren sind von 1910. An solchen Details kann ich halt nicht unbemerkt vorbei 🙂

Das Westportal zeigt im Spitzbogen die Stiftspatrone Vitus, Slupizius und Servilianus, die Eichentüren sind von 1660. Auch die ‚Rückseite‘ der Türe im Inneren der Kirche verdient einen Blick. Keine Angst vor den Löwenköpfen mit denen man die Tür öffnet, sie beißen nicht.

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Die Innenansicht der Basilika St. Vitus in Ellwangen

ließ mich erstmal staunend dastehen. Und das war nicht die einzige Kirche in Ellwangen, bei der mir das passiert ist.

Vor dem Rundgang durch die Kirche, die wirklich  sehr sehenswert ist,

ein bisschen Geschichte zur Entstehung der Basilika St. Vitus in Ellwangen

Die Gründung der Stadt, die Klostergründung und die Entstehung der Basilika hängt eigentlich eng miteinander zusammen. Das eine nicht ohne das andere. Und Schuld daran waren zwei Brüder, die 764 im Virngrund das Kloster gründeten. Auch zu dieser Entstehung gibt es eine wunderschöne Sage, die auch den Namen der Stadt erklärt.
Die Ritter Hariolf und Erlolf sollen der Überlieferung nach in der Gegend auf die Jagd nach einem Elch gegangen sein. Ein großer Elch soll es gewesen sein, den Hariolf gesehen haben will. Mit einem riesengroßen Geweih. Auf dem Grund, wo heute die Stadt angesiedelt ist, soll Ritter Hariolf den Elch erlegt haben. Anbetrachts der Größe des Tieres, legte sich der Ritter zum Ausruhen nieder und schlief ein. Während er schlief, hörte er ein Glöckchen. Er machte seinen Bruder darauf aufmerksam, aber weit und breit war keine Kirche, von der die Glockentöne kommen könnten. Nach dem dritten Läuten deuteten die Brüder es als höhere Weisung und gründeten an dieser Stelle ein Kloster.

Die Klostergründung wurde 814 erstmals urkundlich erwähnt, als König Ludwig der Fromme dem Kloster Immunität gewährte. D.h. er hat das Kloster direkt unter seine Herrschaft genommen, was für das Kloster bedeutete, dass sie keine Abgaben und Steuern bezahlen mussten. Zudem sicherte er ihnen zu, ihren Abt frei wählen zu können. Damit aber noch nicht genug. Er schenkte dem Kloster das etwa 80km entfernt liegende Kloster Gunzenhausen mitsamt den Gütern, und ließ so das Kloster zu einer bedeutenden Reichsabtei aufsteigen. Bereits 838 waren 160 Mönche im Kloster ansässig.

Die beiden Brüder sorgten mit vielen Reliquien in der neuen Kirche des Klosters dafür, dass sich Pilger zum Kloster aufmachten. Die Reliquien der ersten Namenspatrone der ersten Klosterkirche, Sulpitius und Servilianus, sind heute noch in der Kirche. Um das Kloster entwickelte sich eine Siedlung, und da die günstig an zwei Fernstraßen lag, wurde Ellwangen schnell größer. Der Name der Stadt leitet sich wohl aus dieser Elchjagd ab.

Wie es bei allen früheren Kirchen der Fall war, sie wurden kleiner und genügten nicht mehr den Ansprüchen. So auch die Stiftskirche. Der heutige Kirchenbau entstand als dritter Erweiterungsbau ab 1182. Vielleicht fällt es euch auf, wenn ihr durch die Straßen von Ellwangen um die Kirche geht, spätestens aber mit einer Luftaufnahme die es im Internet zu finden gibt – die Straßen um Kirche und Klosterbau wurden im Rund um die Kirche angelegt. Die Kirche und Kloster somit als Zentrum der weltlichen Stadt. Auch von weithin erkennt man dieses Zentrum schon an den 42 Meter hohen Kirchentürmen.

Hast du eine gewisse Stellung, dann muss man dies auch zeigen! Es musste eine angemessene Kirche her. Und nicht nur das. Zur Sicherung des Klosters wurde hoch über Ellwangen auf dem Ausläufer eines Hochplateaus eine Burg erbaut. Und auch die Staufer haben um diese Zeit mitgespielt, denn der erste Abt Kuno I. war in seiner diplomatischen Tätigkeit im Dienst des Stauferkönigs Friedrich II.
Das Kloster in Ellwangen wurde von Katastrophen nicht verschont, Krankheiten, Missernten und Brände und ein Rückgang der Ordensmänner mussten verkraftet werden. Und die Mönche machten auch noch was sie wollten. Sie hatten teilweise eigenen Besitz, lebten nicht mehr im Kloster, und Gebet und Gottesdienst wurden vernachlässigt. Entsprach ja nicht wirklich den Regularien des Ordens. 1460 wurde das Kloster deshalb mit Einverständnis des Papstes, dem es unterstand, in ein Chorherrenstift umgewandelt. Damit wurden die Ordensregeln aufgehoben, ein Fürstprobst wurde Abt und ihm unterstand ein Stiftskapitel. Da der Fürstprobst eine Residenz brauchte, wurde dann aus der Burg über Ellwangen ein Schloss.

Die Spuren der Zeit machten auch vor einem Gotteshaus nicht Halt. Es musste im 15. Jahrhundert renoviert werden. Dann kam die Zeit der Reformation und der Bauernaufstände, die auch Ellwangen nicht verschonte. 1525 kam es zu Unruhen, in deren Folge die meisten Chorherren aus der Fürstpropstei flüchten mussten. Es ging in der Folge hoch her in Ellwangen. Wenn ihr dieses Geschehen in allen Einzelheiten nachlesen möchtet, dann klickt ihr HIER.

Eine prächtige Barockausstattung bekam die Kirche 1661/62. Aber scheinbar immer noch nicht prächtig genug, denn 1737 begann mit der Ausgestaltung der Kirche im modernen Rokoko. Norditalienische Meister wurden nach Ellwangen berufen.

Nach der Säkularisierung des Stifts kam die Fürstprobstei 1802/03 an Württemberg. Der Fürstprobst hatte nichts mehr zu sagen. Fortan war die Kirche Gemeindekirche für die Katholiken der Stadt. Immer wieder waren. Weitere Renovierungsarbeiten machten die Basilika St. Vitus zu dem Schatzkästchen, wie wir sie heute sehen. 1964 wurde der Kirche durch Papst Paul VI. den Rang einer Basilica minor verliehen, was schon eine besondere Auszeichnung darstellt.

Wer sich in der Basilika beobachtet fühlt, der liegt gar nicht so falsch.

Die Apostel- und Evangelistenfiguren in der Basilika St. Vitus

haben den vollen Überblick in der Kirche. Ein Tessiner Bildhauer hat sie gefertigt.

Auf dem Weg zum Hochaltar verdient auch die

Kanzel in der St. Vitus Basilika

nicht nur einen Blick. Ich bin immer wieder fasziniert, wie unterschiedlich die Kanzeln in den Kirchen gestaltet wurden. 1737 wurde diese Kanzel geschaffen.

Der Blick auf den

Hochaltar der Basilika St. Vitus

geht nur vor den Stufen aus. 1952 ist er als zentrale Stätte im Kirchenraum entstanden. Der Hochaltar selbst ist 1613 geschaffen worden und später durch weitere Teile ergänzt worden. Das Altarbild, etwas verdeckt von dem schwebenden, modernen Hängekreuz war ursprünglich für die Marienkirche in Ellwangen gedacht gewesen. Hätte ja auch perfekt gepasst, Maria, wie sie von Engeln in den Himmel hinaufgetragen wird. Jetzt ist es in der Basilika zu sehen, links und rechts Joachim und Anna.

Ich hab ihn euch mit dem Teleobjektiv ein bisschen näher geholt …

Bevor es zu den Seitenkapellen geht, der Blick zurück zur

Orgel in der St. Vitus Basilika

die vermutlich schon im Spätmittelalter in der Kirche erklungen ist. In das Barockgehäuse von 1776 wurde allerdings 1964 eine neue Orgel eingebaut.

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Die Seitenaltäre in der St. Vitus Basilika in Ellwangen

verdienen mehrere Blicke. Durch die Querschiffe entsteht der Grundriss eines Kreuzes. Reichhaltig sind die Altaraufbauten, die dem hl. Johannes und Michael und der hl. Barbara und Benedikt geweiht sind. Im linken Querschiff ist als Grabmal die lebensgroße Statue des Propstes Christoph von Freyberg zu sehen. Aus dessen Adelsgeschlecht waren übrigens 20 Personen in der Fürstpropstei Ellwangen zugange.

Kommt einfach wortlos mit, auch in die weitere verschlossene Seitenkapelle der Kirche ….

Die Galerie der Ellwanger Fürstpröpste

ist wirklich sehenswert. Nicht nur die 20 Pröpste, sondern auch die Äbte sind hier bildlich dargestellt. Ich war fasziniert, und hab mich bei dem einen oder anderen Bildnis gefragt, ob die Herren mit diesen Abbildungen ihre Freude gehabt hätten?

Wie schon im Geschichtsteil der Kirche erwähnt – Ellwangen war eine von drei Fürstpropsteien im Heiligen Römischen Reich und der Fürstprobst regierte im kirchlichen sowie weltlichen Bereich. Durch die Anhäufung von mehreren Ämtern hatten die jeweiligen Herren ziemlich großen Einfluss. Als Fürst war der Regent dem Kaiser des Landes unterstellt, als Kirchenmann war er dem Papst gegenüber verantwortlich. Beide mussten bei einer Wahl des Fürstpropstes durch die Chorherren ihre Zustimmung erteilen.
Wie hoch das Ansehen eines Fürstproptes war, zeigt sich am Beispiel von Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, der von 1694-1732 dieses Amt innehatte. Er war zudem:
Bischof von Breslau und von Worms, wurde 1716 Erzbischof und Kurfürst von Trier, 1729 dasselbe in Mainz und damit Reichserzkanzler. So ganz nebenbei war er Domherr in Köln, Lüttich, Münster, Speyer, Straßburg und Olmütz. Er brachte in Ellwangen einiges auf den Weg, und war auch an der Umgestaltung der Basilika beteiligt.

Und da es an dieser Stelle so gut passt, seht ihr hier auch gleich das Wappen des Fürstpropstes Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Insgesamt sind drei Wappen im Chorraum zu sehen, aber sein Wappen ist im ersten Chorbogen zu sehen. Zwei Engel halten es, und obendrauf der Kurfürstenhut als Krönung.

Über die

Krypta der Basilika St. Vitus

lassen sich beide Seitenschiffe ohne weitere Umwege erreichen. Und es lohnt sich, diesen Weg zu wählen. Um 1200 wurde mit dem Bau der dreischiffigen Krypta begonnen. Im neurominschen Altaraufsatz, der um 1880 entstand, sind die Reliquien der 16 Stiftsheiligen aufgebart. Bei Grabungen in der Krypta fand sich 1959 das sogenannte „Ellwanger Reliquienkästchen“ etwa 40 Zentimeter tief.

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Wieder im Kirchenschiff angekommen, lohnt es sich, den Kopf ganz schwer in den Nacken zu legen und sich

die Stuckdecke in der St. Vitus Basilika

genauer anzuschauen. „Ellwanger Heiligenhimmel“ wird es auch genannt, denn die Bildnisse aller Stiftsheiligen finden sich dort oben neben der reichhaltigen Stuckverzierung.

Und wie bei allen meinen Kirchenbesichtigungen,

die kleinen Details in der Basilika St. Vitus

dürfen nicht fehlen – ebensowenig wie noch ein paar Infos zum Namensgeber der Kirche, dem Hl. St. Veit oder lateinisch Vitus.
Er ist mir als Namenspatron schon in mehreren Kirchen begegnet, so gab er auch dem Veitsdom in Prag ja seinen Namen. Und auch auf der Karlsbrücke in Prag steht er als Statue. Veit wurde als Kind von einer Amme erzogen und im christlichen Glauben unterrichtet, was seinem Vater so gar nicht gefiel. Aber Veit ließ sich nicht beirren und floh mit seiner Amme und deren Mann. Unterwegs soll er einige Wunder bewirkt haben und davon erfuhr auch Kaiser Diokletian, der ihn nach Rom holte. Veit sollte seinen Sohn von einem bösen Geist, der ihn befallen hatte, heilen. Veit gelang auch dieses Wunder, was den Kaiser trotzdem dazu bewegte, ihn zu Zwingen seinen Glauben aufzugeben und wie die anderen auch, den heidnischen Göttern Opfer zu bringen. Veit weigerte sich wieder, mit der Folge, dass man ihn den Löwen vorwarf, damit die ihn zerfleischen sollten. Aber diese legten sich ihm zu Füßen, leckten seine Füße, und – taten nichts. Schließlich wurde Veit mit seiner Amme und deren Mann in siedendes Öl geworfen, aus dem sie Engel retteten. Der hl. Veit wird deshalb oft entweder mit den Löwen dargestellt oder mit dem Ölkessel.

Eine Besonderheit in der Basilika ist die Verbindungstüre zwischen der katholischen und evangelischen Stadtkirche, die als Zeichen der Ökumene 1999 nach 200 Jahren wieder geöffnet wurde. Wir sind aber zur einen Kirchentür hinaus und nach kurzem Gang zur anderen Kirchentüre in die evangelische Stadtkirche hinein.
Ihr merkt schon …. Kirchen über Kirchen in Ellwangen.

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