Hinter dicken Schlossmauern findet sich im Schloss ob Ellwangen ein Kleinod – die Schlosskapelle St. Wendelin. Sie ist eine der schönsten Kapellen in Ellwangen und im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Ein Tag in Ellwangen, das war heute unser Motto. Das bedeutet bei Ellwangen aber auch – weitgehendst in Kirchen und Kapellen. Denn davon hat die drittgrößte Stadt im Ostalbkreis reichlich zu bieten. Und allesamt sind sie sehenswert. Die kleine Schlosskapelle im Schloss ob Ellwangen, das weithin sichtbar ist, war am Nachmittag unser Ziel. Denn an unserem Besuchstag wurde eine Führung durch die kleine Hofkapelle angeboten.

Ellwangen im östlichen Zipfel meines Heimatkreises war mir bis zum heutigen Tag mit all dieser Pracht gar nicht auf dem ‚Schirm‘. Es lohnt sich halt doch, die nähere Heimat mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann finden sich auch so kleine Schätzchen wie hier die Schlosskapelle.

So gut wie in jedem Schloss findet sich auch eine Kapelle dazu. Das gehörte sich einfach so, und in Ellwangen sowieso, denn die kleine Stadt ist ‚tiefschwarz‘ wie man so schön sagt 🙂

Und bei jedem Objekt gehört auch sie mit dazu –

die Geschichte zur Schlosskapelle St. Wendelin

Angefangen hat in Ellwangen alles mit einem Elch, den zwei Brüder jagten und auch erledigten. Der Sage nach soll einem der beiden Brüder nach dem heftigen Kampf mit dem Elch im Schlaf dreimal ein helles Glöckchen ertönt haben. Ein Zeichen? Ich liebe ja solche Entstehungssagen um Orte oder Kirchen, auch wenn sie nicht immer belegbar sind – Sagen eben. Das helle Glöckchen war schuld daran, dass die beiden Brüder an diesem Fleck eine kleine Kapelle errichteten, die wuchs und viele Gläubige anzog.

764 bauten sie ein Kloster dazu, ich denke, der Grundstock für ein gläubiges Ellwangen. Hier jetzt euch die ganze Geschichte von Ellwangen zu schreiben? Klickt einfach auf meinen Bericht über die Stadt Ellwangen und ihr könnt die Anfänge der Stadt dort nachlesen. Nachdem sich die Stadt im Laufe der Jahre gut entwickelte, auch das Kloster wuchs an Mönchen, befand der erste Abt Kuno I., der zugleich auch Reichsfürst war, dass eine Burg zur Sicherung der geistlichen Stätte hermusste. Die Geburtsstunde des Schlosses ob Ellwangen, das damals noch kein Schloss war. Zu dem wurde es erst, als die Mönche nicht mehr spurten. So salopp könnte man das in einem Satz ausdrücken, denn der damalige Papst Pius II. löste kurzerhand das Kloster auf und wandelte es 1460 in ein Chorherrenstift um. Damit schuf er eine Ordnung, die es im Deutschen Römischen Reich so nur insgesamt dreimal gab – es entstand eine Fürstpropstei.

Fortan lenkten Fürstpropsten die Geschicke von Kirche und Land. Denn beide Ämter wurden in der Funktion eines Fürstpropsten vereint. Ihm wurden zwölf Stiftsherren unterstellt und der Fürstpropst bezog seinen Wohnsitz auf der … Burg? Ne, neeee … das war kein angemessener Wohnsitz! Die Burg wurde 1603 in ein Schloss im Renaissancestil umgebaut. Aber so wie sich Menschen verändern, tun das auch Baustile und vor allem die Vorlieben des jeweiligen Fürstpropstes. Denn arm konnte man diese Herren nun wahrlich nicht nennen. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, der baulich viel in Ellwangen bewegte, ließ 1720 nach einem Brand das Schloss im Stil des Barocks wieder erstrahlen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass auf der Höhe in Sichtweite zum Schloss die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg entstanden ist. 38 Jahre lang führte er Ellwangen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und fegte mit Reformen durch alte Verwaltungsstrukturen.

Bereits vor seiner Regierungszeit war ab 1421 eine Kapelle im Schloss nachgewiesen. Den heutigen Standort, den man von außen nicht als Kapelle erkennen kann, bekam sie mit dem Umbau des Schlosses. Täglich wurden dort, bis 1802 alles an das Haus Württemberg fiel, katholische Gottesdienste am Hof gefeiert.

Und heute stehen wir in dieser ehrwürdigen Kapelle, der man beim ersten Schritt in den Raum schon das Alter anmerkt. Nein, besser gesagt, man riecht es ….. sie riecht nach alt. Mir persönlich zeigt es, ein Raum lebt.

Lebendig kann man auch die Führung in der Schlosskapelle St. Wendelin nennen. Kurzweilig, unterhaltsam und mit vielen Infos ging die Zeit wie im Flug vorbei. Einen Rundgang, so wie im Schloss ob Ellwangen ist in der kleinen Kapelle nicht möglich. Naja, soooo klein, ist sie aber dann doch nicht. 28 Meter ist schon was, aber nur deshalb, weil man den Hauptaltar mit einer Nische nach hinten verlängert hat. Und den schauen wir uns als Herzstück der Kapelle mal genauer an.

Der Hauptaltar in der Schlosskapelle St. Wendelin

geht nicht auf den Neuerbauer Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg zurück. Die gesamte Ausstattung der Kapelle ist gut 100 Jahre älter. Dies lässt sich gut an einer Jahreszahl an einem der Altäre erkennen. Beim Altarbild von dem man, wie bei den anderen beiden auch, nicht weiß wer sie geschaffen hat, könnte man bei längerem Betrachten meinen, da zwinkert einem jemand zu. Seht ihr da links im Bild die knieende Person? Fast könnte man denken, sie will dem Betrachter etwas mitteilen. Schaut her, Jesu ist geboren, wir freuen uns alle mit den Eltern!

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Ihr wisst es ja aus meinen Berichten bestimmt schon – ich liebe das Detail. Und da bietet mir der Hauptaltar einiges an Motiven. Angefangen bei der Emmaus-Szene über dem Tabernakel bis hin zu den Figuren die das Altarbild säumen. Links Johannes der Täufer, rechts Johannes der Evangelist. Damit ist mit den beiden Johannes das alte und neue Testament symbolisiert.

Die Seitenaltäre in der Schlosskapelle St. Wendelin

zeigen auf der linken Seite Maria als Himmelskönigin. Fast könnte man denken, so schwebend wie sie da über Ellwangen gezeigt wird, alles meins. Tatsächlich finden sich in Ellwangen eine Marienkirche und auch vieles war ihr zu Ehren gewidmet ist. Wenn ihr selber in der Schlosskapelle seid, dann schaut mal ganz genau in die rechte Ecke …. und vergleicht mit dem heutigen Schlossaussehen.

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Das Altarbild im rechten Seitenaltar symbolisiert den Weg des Guten und des Bösen. Man darf es wirken lassen ….

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Ganz klar darf der

Namenspatron der St. Wendelin Kapelle

in der kleinen Kirche nicht fehlen. Die wird übrigens nicht mehr als Kirche genützt, seitdem sie von Soldaten zur Lagerung von Munition zweckentfremdet wurde. Das passierte ja bei mehreren Kirchen so, u.a. auch in der St. Salvator Kirche in Nördlingen. Diese wurde aber, anders als hier in der Schlosskapelle, wieder geweiht.

Seit unseren vermehrten Kirchenbesuchen befasse ich mich gerne auch mit der Vita der verschiedenen Namenspatrone. Zumal mir ja auch ganz viele auf der Karlsbrücke in Prag als Steinheilige begegnet sind. Wie bei so vielen anderen Heiligen auch, konnten die Väter wohl nicht verknusern, dass sich der Sohn der Religion verschrieben hat. Und als schottischer Königssohn vermutlich noch weniger. Deshalb verlangte der Vater von ihm, so beschreibt es eine Legende, dass er Schafe hüten solle. Heute würde man sagen, aufmüpfig. Vielleicht damals auch schon? Wendelin wollte mit sechs anderen Gleichgesinnten nach Rom wallfahren. Sie kamen aber nur bis Trier. Bei einem Edelmann übernahm Wendelin dann Hirtendienste und wanderte mit den Tieren Meilenweit bis zu einem Berg, wo er betete. (In der Nähe der nach ihm benannten Stadt St. Wendel). DAS passte seinem Herrn aber so gar nicht, als er dies einmal per Zufall mitbekam. Wie konnte bei dieser Entfernung sein Mahl rechtzeitig auf dem Tisch sein? Richtig erzürnt war er, aber tief erschrocken, als Wendelin noch vor ihm wieder auf dem Hof zurück war. Er leistete Abbitte bei Wendelin und soll ihm eine Klosterzelle in St. Wendel erbaut haben. Hier verkündete Wendelin den Menschen das Evangelium und stand den Ratsuchenden in Menschen- und Viehkrankheiten bei.

Ohne dass Wendelin je den Titel eines Priesters gehabt hatte, wurde er zum Abt des Klosters in Tholey gewählt. Keiner wusste von seiner königlichen Herkunft, bis er im Sterben lag und der Erzbischof von Trier zwei Engel beobachtete, die drei Kronen auf einen Baldachin legten. Würdevoll wurde Wendelin nach seinem Tod bestattet. Am nächsten Morgen jedoch fanden ihn seine Mönche neben dem Grab. Sie erkannten das Zeichen, dass Wendelin vermutlich wo ganz anders begraben werden wollte, und überließen dem Ochsengespann den Weg, das zurück zu seinen Anfängen nach St. Wendel fuhr. Wie geschrieben, es sind Legenden.

Der hl. Wendelin gilt als der Schutzpatron der Hirten und wird zumeist mit einem Hirtenstab oder einem Tier dargestellt.Ganz klar, dass der Namenspatron der Schlosskapelle in einer Pfeilernische nicht fehlen darf.

Zwei weitere Heilige, der Hl. St. Sebastian und St. Vitus (Veit) haben ebenfall ihren Platz in der Kapelle.
Zu den Attributen des seit dem 4. Jahrhundert als Märtyrer und Heiliger verehrten St. Sebastian zählen die Pfeile, die seinen Körper durchbohren. St. Vitus wird meist in einem Öltopf dargestellt. In siedendes Öl wurde er, samt seiner Amme und deren Mann von denen er im katholischen Glauben erzogen wurde, geworfen, nach dem der erste Versuch ihn von Löwen zerfetzen zu lassen gescheitert war. Vom Kaiser in Rom wurde er diesen zum Fraß vorgeworfen, als sich Veit standhaft weigerte, seinem Glauben den Rücken zu kehren. Hier in der Kapelle ist er im Öltopf dargestellt, auf der Karlsbrücke in Prag mit den Löwen, die ihm schnurrend zu Füßen liegen.

Und dann stehen da noch zwei Römer in der Kapelle. Aber wie die heißen und warum die dort stehen? Die Kirchenführung verrät es euch …. 🙂

Die Kanzel Schlosskapelle St. Wendelin

wurde ab 1593 von einem Bildschnitzer gearbeitet. Schaut mal wie schön die ist. Kein Wunder, dass er 46 Jahre für dieses Werk gebraucht hat.

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Auch hier in der Schlosskapelle begegnet einem, wie in den meisten Ellwanger Kirchen ein wahrer Stuckhimmel. Diese in der Kapelle sehen aus wie gerade frisch gemacht, dabei haben sie schon einige Jährchen hinter sich. Aber nein, alle Einzelheiten werde ich euch sicherlich nicht verraten. Denn ich finde, selbst hier mit meinen vielen Fotos und dem Beitrag – man muss die Schlosskapelle wirklich selber, live und in Farbe (wie man so schön sagt) erleben. Ich möchte euch hier nur den Anreiz dazu geben. Und NEIN, ich werde von niemandem gesponsert, noch bin ich dazu aufgefordert worden, diesen Beitrag zu schreiben. Es ist alleinig meine Begeisterung, dass solche Kleinode in die Welt müssen. Genauso wie die kleine Ulrichskapelle im Kloster Adelberg, die ihre eigene Geschichte in Wandmalereien in der Kirche erzählt. Ich bin fasziniert von solchen Objekten und immer auf der Suche nach neuen Kleinoden. Habt ihr eines? Dann schickt mir den Tipp gerne per Mail.

Nun glaubt ja nicht, dass sich so ein Fürstpropst mit dem ‚Volk‘ in die Kirche gesetzt hat. Das gemeine Volk durfte ja sowieso nicht in dieser Kapelle Gottesdienst feiern. Aber wie bei Königs und Kaisers in fast allen Schlosskirchen hatten die ihre eigene Loge. Und im Rahmen der Führung, kann man sich für kurze Momente wie ein Herrscher fühlen, der auf sein ‚Volk‘ schaut. Kommt mit in die

Fürstenloge der Schlosskapelle St. Wendelin im Schloss ob Ellwangen

von der man den vollen Überblick auf das Geschehen unten hat.

Ich war hell begeistert, als ich ihn in der Schlosskapelle entdeckt habe. ‚Meinen‘

Hl. Nepomuk in der Schlosskapelle im Schloss ob Ellwangen

Ich war begeistert!! Habe ich doch den Heiligen seit unserem Besuch im Juni in Prag so richtig in mein Herz geschlossen. In Prag begegnet man ihm ja nicht nur im Veitsdom, wo sein herrliches Silbergrab steht. Einem Fürstpropst muss es dieser Heiliger wohl auch angetan haben. Ist er doch ganz groß in der Stuckdecke der Fürstenloge verewigt. Man findet ihn in Ellwangen nicht nur im Schloss ob Ellwangen, sondern auch bei der Wallfahrtskirche Schönenberg.

Und ich kann es mir an dieser Stelle nicht verkneifen, euch kurz aus dem Leben meines ‚Lieblingsheiligen‘ zu erzählen. Das beginnt eigentlich recht unspektakulär: irgendwann so um 1350 in Pilsen geboren, 1380 zum Priester geweiht und mit vielen Ämtern betraut. Aufregend wird es als er Generalvikar des Prager Erzbischofs Johann von Jenstein wird. Denn in der Zeit der Glaubensspaltung kam es immer wieder zu politischen Machtkämpfen des damaligen Königs Wenzel IV. (einem Sohn von Karl IV. der als römisch-deutscher Kaiser auch im Schwabenland aktiv war) und eben diesem Erzbischof. Nepomuk war so eine Art Prellbock zwischen den beiden, er sollte vermitteln und schlichten. Heute würde man Mediator dazu sagen. Es kam wie es kommen musste, König Wenzel war das völlig egal. Er sattelte sogar noch eins drauf und wollte das Gebiet des Erzbischofs verkleinern. Es gab richtig Zoff, der damit endete, dass Nepomuk mit anderen Beamten des erzbischöflichen Hofes verhaftet wurde, während der Erzbischof selber fliehen konnte.

Jetzt kommen die verschiedenen Legenden um den Tod von Nepomuk, denn die einen sagen so – und die anderen so.
Eine Version berichtet, dass Nepomuk die bei Geistlichen übliche Todesstrafe des Mittelalters erfuhr und in der Moldau ertränkt wurde. Die anderen sagen, dass König Wenzel unbedingt wissen wollte, was seine Frau Nepomuk in der Beichte anvertraut hatte. Hmm … da sind sich jetzt Wissenschaftler selber nicht einig, denn es wird auch berichtet, dass Nepomuk nie der Beichtvater der Königin gewesen wäre. Und der, der da Klarheit bringen könnte lag in der Moldau.
Das Andenken an Nepomuk wird, vor allem in Prag, sehr groß gehalten. Auf der Karlsbrücke ist an der Stelle, an der Nepomuk in die Moldau geworfen wurde eine Gedenktafel. Und es gilt als Glücksbringer, wenn man sich an der Statue an der Karlsbrücke seinen Daumen reibt. Die Stelle glänzt bereits.

Jedenfalls hat die Moldau die Leiche Nepomuks nicht mit sich fortgetragen, sondern Fischer haben sie entdeckt. Über seinem Haupt ein Kranz mit fünf Sternen, die für die fünf Buchstaben „tacui“ stehen, was bedeutet – „ich habe geschwiegen“. Im Veitsdom hat der 1721 selig gesprochene Heilige sein prachtvolles Grab und eine Kapelle bekommen. Nicht nur in Tschechien gilt der hl. Nepomuk als Brückenheiliger und wird hoch verehrt.

Ihr seht schon, selbst in einer (scheinbar) so kleinen Kapelle gibt es so einiges zu entdecken.
Führungen durch die Schlosskapelle werden nur zu bestimmten Terminen angeboten. Erkundigt euch vorher HIER insgesamt zu den Öffnungszeiten (die Corona durcheinander gewirbelt hat) und vor allem zu den Detailführungen. Da ihr für kleines Eintrittsgeld ein Komplettpaket aus Schlossmuseum und der Schlosskirche bekommt, nehmt euch die Zeit und schaut durch das Museum. Auch mit Kindern macht die Ausstellung Spass. Rings ums Schloss gibt es zudem genug Platz zum Toben.

Ich hoffe, ich mache euch jetzt mit den

Impressionen aus der Schlosskapelle St. Wendelin

so richtig Lust nach Ellwangen zu fahren. Habt viel Freude bei euren Entdeckungen!

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