An der Straße der Romanik liegt im südlichen Sachsen-Anhalt der Dom St. Peter und Paul in Zeitz. Er war von 968 – 1029 die Kathedrale der Bischöfe im Bistum Zeitz.

Nach dem Besuch der Zeitzer Unterwelt und unserer erfolglosen Suche nach einem offenen Café oder Gaststätte in der Stadt für einen wärmenden Kaffee, ging es direkt weiter zum nächsten Programmpunkt in Zeitz. Gleich neben Schloss Moritzburg steht der Dom St. Peter und Paul. Im Winter ticken die Öffnungszeiten der gesamten Sehenswürdigkeiten aber anders, und zwischen den Jahren sowieso. Nachdem wir durch meine Achtlosigkeit, dies vorher genau nachzulesen, im Naumburger Dom mit solchen eingeschränkten Öffnungszeiten konfrontiert waren (wir durften nämlich wieder nach Hause, weil der Dom kurze Zeit später schloß), war klar, dass uns dies mit 30 Minuten Fahrt nach Zeitz dort nicht passieren würde.

Mit der Vorstellung, großes Portal, gingen wir bestimmt zweimal um den Dom. Doch weder ein großes Eingangsportal war zu finden, noch war eine kleine Türe geöffnet. Hmm, hatte ich mich doch in den Öffnungszeiten getäuscht? Schloss Moritzburg gibt im Winter im Außenbereich nicht sooo viel her, und Lust auf ein Museum hatten wir ehrlicherweise an diesem Tag keine. Ratlos wollten wir zu einer dritten Runde ansetzen, wollten wir doch unbedingt in diesen Dom. Und siehe da – jetzt stand plötzlich vor diesem kleinen Tor ein Gehwegstopper – Hier geht es in den Dom!
Juchuuuu ….

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Wie so gut wie bei allen Sehenswürdigkeiten wandelt man auch hier im Dom auf der Spuren alter Geschichte. Der Dom in Zeitz gehört zu den geschichtsträchtigsten und bedeutendsten Bauwerken in der Region. Und wenn man sich mit dieser Geschichte etwas näher befasst, dann greift oft ein Zahnrädchen ins nächste. Durch die Ottonen, so wurden die drei liudolfingische Kaiser Otto I., Otto II. und Otto III. genannt, wurde in Zeitz in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine Königspfalz angelegt, zu der auch eine Vorgängerkirche des heutigen Doms gehört. 968 wurde mit dem Bau der ersten Domkirche begonnen, von der auch heute noch große Teile erhalten sind. Grund war die Gründung des Bistums. Nachdem 967 unter Kaiser Otto I. und Papst Johannes XIII. das Bistum gegründet war, wurde 968 der Benediktinermönch Hugo zum ersten Bischof gewählt.
Wie ihr in meinem Bericht über den Dom in Naumburg vielleicht gelesen habt, wurde einige Zeit um den Bischofsitz gerangelt, bis er schlussendlich 1028 nach Naumburg verlegt wurde. Die Rekonstruktion ergab, dass die Stiftskirche im 11. Jh. als romanische Kirche erbaut wurde. Bauforschungen zufolge stammt auch aus dieser Zeit die Krypta, die eine der ältesten Hallenkrypten in Deutschland ist.

Im 14. und 15. Jh. wurden dann an der Kirche Umbauten ausgeführt, und aus der romanischen Basilka wurde eine gotische Hallenkirche. Mit Einführung der Reformation wurde die Kirche lutherisch. Seit 1945 wird der Dom jedoch von den Katholiken genutzt, deren Pfarrkirche sie seit 1998 ist.

Nachdem 1644 die Schweden die damalige Burg erobert hatten, ließen sie diese abreißen. In der reichhaltigen Geschichtsfolge ging es hin und her, bis schließlich Zeitz 1656 die Residenz von Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz wurde. Er errichtete auf dem Burgberg seine Residenz und ließ den Dom zur Schlosskapelle von Schloß Moritzburg umbauen. Im Innenraum der Kirche ließ er eine Fürstenloge einbauen.
Bevor ich jetzt noch viel weitererzähle, schaut euch den Dom an. Er ist auf seine eigene Art wirklich wunderschön und in keinster Weise mit dem Dom von Naumburg oder dem von Merseburg zu vergleichen.
Übrigens war die Kirche im Mittelalter mit gotischen Malereien geschmückt. Reste davon sind noch erhalten.

Im barocken Baustil ist auch die Kanzel entstanden.

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Ebenso wie der Hochaltar. Das Altarbild aus der Hand des Hofmalers Christian Schäfer zeigt die Kreuzigung Christi.

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Wie auf diesem Foto schön zu sehen ist, sind alle Apostelfiguren an den Langhauspfeiler, die übrigens aus dem 15.Jh. sind, aus Muschelkalk und Gips gearbeitet.
Nur die Namenspatronen des Doms, Petrus und Paul, sind aus Holz gefertigt.

Nachdem Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz seinen Residenzsitz nach Zeitz verlegt hatte, verpflichtete er den langjährig in Dresden agierenden berühmten Hofkapellmeister Heinrich Schütz als seinen Berater für die musikalische Einrichtung seiner jetzigen Schlosskapelle des Doms. Scheinbar in Erinnerung an seine Studienzeiten in Venedig im Markusdom regte Schütz in einem Brief an den Herzog an, zwei Emporen zu erstellen, auf denen jeweils ein neues Orgelgehäuste aufgestellt werden sollte. Die Geschichte der vorhanden Orgel, die in eines der Orgelgehäuse eingebaut wurde, lässt sich bis ins 15. Jh. zurückverfolgen. Gemäß des Hochaltars wurden beide Orgeln mit barockem Schnitzwerk verziert. Jedoch nur die Orgel auf der Südempore ließ sich spielen. Die gegenüberliegende Seite wurde nur mit stummen Pfeifen bestückt.

Ich habe diese Einzigartigkeit bislang noch in keiner der inzwischen vielen besuchten Kirchen gesehen.

Bevor wir gleich in die Krypta weitergehen, für die ein kleines Eintrittsentgeld zu entrichten ist – und natürlich wie in so vielen Sehenswürdigkeiten auch ‚Fotogebühr‘ – geh ich noch ein bisschen ins Detail. Wir waren, bis auf drei weitere Besucher, die aber recht schnell die Kirche wieder verlassen haben, die einzigen Besucher in dieser wunderschönen Kirche. Man muss sie auch wirklich, ob ihrer Schönheit, ausführlich anschauen. Vielleicht, wenn ihr mal im Dom St. Peter und Paul in Zeitz seid, haltet ihr Ausschau nach den kleinen Schönheiten.

Die Hallenkrypta im Zeitzer Dom ist eine der ältesten Hallenkrypten Deutschlands und zudem der älteste erhaltene christliche Sakralbau östlich der Saale.

Die dreischiffige Hallenkrypta befindet sich direkt unter dem Chor, und ist jüngsten Bauforschungen zufolge, gleichzeitig mit der Kirche im 11. Jh. entstanden. Seit 1666 ist sie die Grablege der Herzogsfamilie von Sachsen-Zeitz, die den Dom auch als Hofkirche nutzten. In Mitteldeutschland gilt die Fürstengruft als ein bedeutendes Denkmal barocker Bestattungskultur.
Es war schon ein eigenartiges Gefühl hier in der Gruft zu stehen. Zum erstenmal auf unseren ganzen Reisen und den vielen Kirchen die wir besucht haben, war die Gruft nicht mit Grabplatten ausgestattet, sondern mit Särgen. Wir haben dies in Sachsen-Anhalt so nochmal im Dom von Merseburg gesehen. Traurig habe ich allein auf 8 Kindersärge geblickt, davon 7 Kinder – 3 Söhne und 4 Töchter – von Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz. Zwei seiner Ehefrauen liegen ebenfalls in der Krypta. Auch der jüngste Bruder von Moritz, Friedrich Heinrich liegt mit seiner Ehefrau und seiner bei der Geburt verstorbenen Tochter in der Krypta.

Die Särge bestehen aus Holz bzw. Blei-Zinn-Legierungen. Verziert sind sie aufwändig mit deren Wappen, Innschriften und symmetrischen Flächenornamenten.
Die nette Aufsichtsdame vom Dom weilte mit uns geduldig in der Krypta, bis wir alles gesehen hatten.

Zum Abschluss verriet uns die nette Dame noch „Sie müssen unbedingt noch den Käselieb suchen“.
Im Vorfeld hatte ich schon von dieser Figur gelesen, die aus dem 15. Jh. stammt und als Synonym für eine Sage steht. Dieses Ereignis soll auf die Zeit von Otto dem Großen zurückgehen. Und jetzt hat sie mich wirklich neugierig gemacht, die kleine Figur zu suchen und was es mit dieser Sage auf sich hat.

Der Bauer Käselieb, sein Name soll wohl aus seinen beider Namen entstanden sein, Käse – Gottlieb, soll ein eifriger Christ gewesen sein. So wie seine Tochter Anna auch, die allerdings noch insgeheim den Lehren der alten Götter nachhing. Sie hatte sogar den Ruf, eine Priesterin des alten Wendengottes zu sein, was ihren Vater sehr betrübte. Er versuchte mit allen Mitteln und jeder Art davon abzuhalten – jedoch vergebens. So suchte er eines Tages den Rat von Boso, dem ersten christlichen Priester in Zeitz. Dieser kam mit Ideen um die Ecke sie mit Gebeten, Weihwasser und Beschwörungsformeln wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Diese Ideen gefielen Käselieb überhaupt nicht, lieber wolle er selber ein gottgefälliges Werk dafür tun. Und so riet ihm Boso, da der Bau der neuen Kirche so langsam ginge, er solle doch Steine zur Kirche fahren. So fuhr der alte Käselieb nun Tag für Tag und Monat für Monat Steine zu dieser Kirche und vernachlässigte dafür alles zu Hause. Er bestellte seine Felder nicht mehr, ließ seine Wirtschaft liegen und konnte natürlich dann auch nichts mehr ernten. Damit er etwas zu essen hatte, musste er nach und nach sein Vieh verkaufen. Seine Tochter verhöhnte ihn deshalb bei jeder Gelegenheit und ging weiter zur Haynsburg hinaus, wo der heilige Hain des Wendengottes gewesen sein soll. Zu einem Steinbild vor einer Grotte, das in den Vollmondnächten lebendig wurde. Je weiter der Kirchenbau fortschritt, desto mehr nahm aber die Kraft dieses wendischen Gottes ab. Was widerum ein Priester dazu veranlasste das Mädchen aufzufordern, den Weiterbau der Kirche zu verhindern. Doch soviel sie sich auch Mühe gab, es wollte ihr nicht gelingen. Nachdem sie wieder einmal eine Nacht in der Grotte verbracht hatte, hörte sie draußen plötzlich den Schrei des Priesters – er sah das aufgerichtete Kreuz auf dem Dach der neuen Kirche. Zuviel für den alten Priester, er fiel tot um. Betrübt lehnte Anna an dem Steinbild des Wendengottes und hörte nicht, wie der Kaiser mit seinem Gefolge immer näher kam. Dieser sah das Steinbild und zornig stieß er mit aller Kraft seinen Speer gegen dieses ‚Götzenbild‘, das vom Sockel herunterstürzte. Keiner bemerkte, dass der Stein Anna erschlug, die sich dahinter befand.
Als der Kaiser nach Zeitz zur neuen Kirche hinein zog, stand der alte Käselieb mit einer Peitsche und einem Waagebalken in der Hand an der Tür. Boso erklärte dem erstaunten Kaiser, dass dieser sehr brave Mann soviel zum Bau der Kirche getan hatte, dass er dadurch ganz arm wurde. Und vor einer Stunde hätten ihm jetzt auch noch seine Gläubiger seine Pferde ausgespannt und ihm den Wagen weggenommen. Er hätte nun nichts weiter, als das was er jetzt in den Händen hielt. Der Kaiser befahl daraufhin, dass Käselieb, so wie er jetzt dastand, als ein in Stein gehauenes Denkmal in der Kirche aufgestellt werden solle. Als Dank für seinen Fleiß ließ er ihm zudem soviel Geld geben, dass er sich ein schönes Stück Land kaufen konnte. Käselieb war glücklich über diese Ehre und Zuwendung, konnte dieses Glück jedoch nicht lange genießen. Waldarbeiter brachten bald darauf seine tote Tochter, die sie gefunden hatten, zu ihm. Aus Gram ist er bald darauf verstorben.

Ob sich wirklich alles so zugetragen hat? Es ist eine Sage.
Aber tatsächlich ist im Dom Käselieb so zu sehen, wie der Kaiser es aufgetragen hatte – mit Peitsche und Waagebalken in der Hand.
Wenn ihr also mal im Dom in Zeitz seid, sucht den Bauer Käselieb, und schickt mir gerne ein Foto davon 🙂

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