Die evangelische Stadtkirche in Ellwangen ist eine von vielen weiteren Kirchen der Stadt im Ostalbkreis. Mit ihrer farbenfrohen Außenfassade kann sie neben der Basilika nicht übersehen werden.

Ein Tag in Ellwangen – man könnte fast auch sagen, Kirchentag in Ellwangen. Denn die waren heute unser Hauptziel in der drittgrößten Stadt meines Landkreises Ostalbkreis. Ziemlich spät kam diese Stadt auf meinen ‚da musst du unbedingt hin-Zettel‘, hatte sie doch bisher bei mir immer den Touch ’sehr gläubig‘. Und ich muss gestehen, vor Entstehung meines Reise- und Fotoblogs bin ich zwar zu Besichtigungen in Kirchen, aber nicht sooooo, wie ich es seit der Geburt meines Blogs mache. Ja, ich gehe mittlerweile mit ganz anderen Augen in die Kirchen unserer besuchten Städte. Deshalb war es für mich jetzt interessant, wie die Kirchen denn aussehen, die bei mir diesen Ruf ausgelöst haben.

Das Ergebnis: Ich war sehr überrascht und kann einen Besuch in der Stadt Ellwangen und vor allem in den Kirchen der Stadt wirklich empfehlen. Jede Kirche hat so ihren eigenen Stil, aber doch sind sie weitgehendst dem Barockstil der Stadt angepasst. Angefangen bei der eher schlichten Marienkirche am Rand der Altstadt, hin zur prachtvollen Basilika St. Vitus. Hier wird der Blick des Besuchers nach dem Gesamteindruck mit dem erhöhten Altarraum unwillkürlich nach oben zur prachtvollen Stuckdecke gelenkt.

Bei der evangelischen Stadtkirche stellt sich im ersten Moment die Frage – muss die sich verstecken? Denn sie wird von der Basilika an der Eingangsfront ziemlich verdeckt. Warum? Das erzähle ich euch später bei

meinem Rundgang durch die evangelische Stadtkirche in Ellwangen

Es ist wirklich schwierig, euch ein anderes Außenfoto zu liefern, als das, was ihr hier bereits seht. Deshalb gibt es gleich einen

Gesamteindruck der evang. Stadtkirche im Inneren

und da war ich nun wirklich für einen kurzen Moment sprachlos. DAS hätte ich jetzt so nicht erwartet. War hier der kleine Bruder des Deckenmalers der herrlichen St. Nikolaus Kirche auf der Prager Kleinseite am Werk? Fast könnte man es meinen. Die Prager Kirche zeigt das größte zusammenhängende Deckenbild in Europa. Die evang. Stadtkirche kann dem wohl aber nur in der Größe nachstehen, denn auch hier ist die Decke zusammenhängend bemalt. Schaut mal …

Die Geschichte zur evang. Stadtkirche in Ellwangen

beginnt eigentlich mit den Jesuiten, die sich in Ellwangen niedergelassen haben. Wenn es nach den Fürstpröpsten gegangen wäre, dann hätten sie schon längst in Ellwangen beheimatet sein müssen. Aber erst ab 1611 waren sie in der Stadt. Jesuiten, die als katholische Ordensgemeinschaft strikten Gehorsam leben. Sie wirken da, wo die Not am Größten ist, und haben sich die Bildung als großes Ziel gesetzt. Und genau mit diesem Ziel wurde dann in der Stadt 1658 eine kleine Ordensniederlassung gegründet. Sie konnten die kleine Kapelle der Basilika nutzen und eine kleine Wohnung neben der Kirche. Aber alles reichte bald nicht mehr aus.

1720 konnte durch eine großzügige Spende des Stiftsdekans und Jesuiten Ignatius Desiderius von Peutingen mit dem Bau eines Jesuitenkollegs begonnen werden. Zwei Jahre später wurde mit dem Bau des Jesuiten-Gymnasiums begonnen, das direkt mit dem Kolleg verbunden ist. Es sollten viele neue Priester den Glauben in die Welt tragen. Auch aus meiner Heimatgemeinde war es in lang vergangenen Jahren ein hohes Privileg auf diese Schule zu kommen, ob freiwillig oder nicht sei mal dahin gestellt. ‚Du wirst mal Pfarrer‘ Ich könnte euch ohne großes Nachdenken sofort einige Männer unserer Gemeinde aufzählen, die diesen Weg dort im Internat eingeschlagen haben. Pfarrer sind sie aber allesamt nicht geworden.

Tja, jetzt fehlte aber noch die Kirche zum Kolleg, denn die kleine bisherige zugewiesene Kapelle reichte schon lange nicht mehr aus. Weit weg vom Kolleg durfte sie auch nicht sein. Und da war doch noch eine Lücke zwischen der Basilika und dem Jesuitenkolleg? Total untypisch baute man die Kirche hier in die Lücke – und – den Chor nach Norden (und nicht, wie üblich nach Osten). Was tut man nicht alles aus Platzmangel? Da nimmt man sogar in Kauf, dass das untere Drittel der neuen Kirche sogar von der Basilika verdeckt wird.

1724 wurde mit dem Bau begonnen, nach den Plänen von zwei Schweizer Jesuitenbrüder im Barockstil. In den prachtvollen Giebel der Kirche durften in Muschelnischen die beiden Ordensheiligen – der Hl. Ignatius und Franz Xaver. Im Mai 1729 konnte die Kirche eingeweiht werden. Allein schon die rechtwinkelige Anordnung zur Nebenkirche ist schon was einmalig Sehenswertes. Ich habe so eine Anordnung zweier Kirchen auf allen unseren Reisen noch nie so gesehen.

Und wie wird jetzt so eine vom Glauben geprägte Kirche evangelisch?
Bis 1803 bestimmte immer der jeweilige Landesherr die Religionszugehörigkeit seiner Bürger, also hier katholisch. Als aber im Februar 1803 in Regensburg ein Gesetz im Heiligen Römischen Reich beschlossen wurde, war das alles andere als gut. Noch vor Beschluss dieses Gesetzes ließ der Herzog Friedrich II. von Württemberg seine Truppen die Stadt besetzen. Als er die Besetzung nach zwei Monaten wieder aufhob, gingen damit aber nicht auch die Soldaten aus der Stadt. So nach dem Denken ‚du hast mich hergeschickt, jetzt bleib ich auch‘ blieben die zumeist evangelischen Soldaten in der Stadt. Damit wurde Ellwangen Garnisionsstadt und der Herzog löste das Jesuitenkolleg auf. So schnell wird ein Gebiet dann evangelisch. Allerdings wurden per Toleranz die katholischen und evanglischen Konfessionen gleichgestellt. Die Kirche wurde ab 1817 zur evangelischen Stadtkirche. Sieben barocke Altäre wurden aus der Kirche entfernt, das übrige Erscheinungsbild der Kirche durfte bleiben.

Das Kolleg diente bis 1815 als Kaserne, bevor es dann zum Gymnasium wurde, in dem eben die o.g. Jungs aus meiner Heimatgemeinde (aber nicht nur die) die Schulbank drückten. Heute ist in diesem großen Gebäude das Landgericht untergebracht. Allein schon der Größe wegen flößt es Respekt ein, und froh ist, wer nicht zu einer Verhandlung nach Ellwangen muss.

Die Deckenmalereien in der evangelischen Stadtkirche in Ellwangen

ziehen vermutlich nicht nur mich in Bann. An unserem Besuchstag waren wir allerdings, wie schon so oft, ganz allein in der Kirche. 1725 begann Christoph Thomas Scheffler mit der Freskenmalerei. Und nein, er ist kein jüngerer Bruder des Prager Künstlers 🙂 aber genauso ein Begnadeter. Und wenn ich so eine Pracht sehe, dann freue ich mich jedesmal, dass mein Teleobjektiv immer mit auf unseren Erkundungen ist. Und reicht meine Brennweite nicht aus, dann hilft mir mein Mann aus. Hier in der Kirche war ich mit meinem aber gut bedient, und ich konnte mir die Bilder mit Geschichten aus dem Leben der Gottesmutter oder die Geburt Jesu und Sterben Marias ausführlich betrachten. Im Chorgewölbe ist die Himmelfahrt Marias zu sehen und die Gemälde in den Seitenkapellen zeigen Szenen aus der Geschichte des Ordens.

Ich war begeistert! Und solltet ihr in Ellwangen sein, lasst euch nicht von der eher schlichten Fassade abhalten. Im Inneren steckt der wahre Kern – und nicht nur in Kirchen!!

Wenn man sich die Maße der Kirche anschaut, dann zähle ich sie eher zu den kleineren Kirchen. Knapp 43 Meter lang, davon nimmt der Chor fast 14 Meter weg und in die Breite geht sie fast 19 Meter. Der Deckenkünstler musste schwindelfrei sein – über 20 Meter geht die Kirche in die Höhe.

Der Altar in der evangelischen Stadtkirche

braucht keine große Erklärung. Auch hier im Altarraum sind die Stifterfiguren vertreten.

Der Blick zur

Orgel in der evang. Stadtkirche in Ellwangen

begeistert mich genauso wie die übrige Kirche. Zwar hat die Kirche seit 1974 eine neue Orgel. Diese wurde aber in das historische Gehäuse der Vorgängerorgel eingebaut. Der Lichteinfall an tat noch sein Übriges für meine Begeisterung. Und die ist nicht übertrieben, denn wir haben es auch schon geschafft nach zwei Blicken eine Kirche wieder zu verlassen, weil sie uns nicht in den Bann zieht.

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Nicht nur der gesamte Bau ist an dieser Kirche etwas Besonderes. Ökumene wird zwischen den Konfessionen groß geschrieben, das zeigt – und das ist einmalig – eine Verbindungstüre zur benachbarten Basilika St. Vitus.

Wir haben jedoch die Kirche auf ’normalem‘ Weg verlassen, da wir die Basilika als ersten Besichtungspunkt gewählt hatten. Ein letzter Blick zurück und durch die immer noch fast menschenleeren Straßen sind wir zurück zu Fridolin, der uns dann zum nächsten Highlight an diesem Tag brachte – dem Schloss ob Ellwangen.

Solltet ihr also mit Kirchen keine ‚Berührungsängste‘ haben, dann seid ihr auf jeden Fall in Ellwangen an einer guten Adresse.

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