Ganz oben auf der Bergkuppe des Drei-Kaiserberges Hohenrechberg ist die Wallfahrtskirche St. Maria schon weithin sichtbar. Zusammen mit der Burgruine ist sie eines der Wahrzeichen der Region.

Die Wallfahrtskirche war unser heutiges Ziel, nein, eigentlich ja mal wieder der ganze Berg. “Heimatkunde” steht seit unserer (wegen Corona) abgesagten Herbstreise auf dem Plan. Man glaubt gar nicht, wieviel Schätzchen da ringsum in der Heimat für eine Entdeckung liegen. Unser letzter Besuch auf dem Hohenrechberg ist schon ein paar Tage her, noch vor der Zeit, als mein Reise- und Fotoblog das Licht der Welt erblickt hat. Ich muss ehrlich sagen, seit ich den Reiseblog betreibe, bin ich noch mehr mit ganz anderen Augen unterwegs. Gab es vor dieser Zeit vielleicht nur fünf Fotos, heute sind es schon bedeutend mehr 🙂

Für Fotos wollten wir heute auf den 707 Meter hohen Berg. Den könnt ihr auf verschiedenen Wegen erklimmen – aber nur zu Fuß. Nur am Sonntag zum Gottesdienst bringt ein Shuttle Bus die Besucher nach oben zur Kirche. Parkplätze findet ihr genug am Anfang des Weges nach oben.

Weg zur Burgruine Hohenrechberg 0046
Kreuzweg Hohenrechberg 0366
Weg auf den Hohenrechberg 0414

Wenn ihr schon auf dem Weg nach oben seid, dann dürft ihr einen Abstecher nach links zur Burgruine Hohenrechberg nicht auslassen.
Die Spornburg wurde als Schutzburg im Verteidigungsring (so wie auch das Wäscherschloss) für den Stammsitz der Staufer auf dem Hohenstaufen erbaut. Sie wurde dann zur Stammburg der Grafen von Rechberg und hat alle Wirren der Zeit weitgehendst unbeschadet überstanden. Bis zu dem Tag, als ein heftiges Gewitter den Blitz in die Burg einschlagen ließ, und sie in eine Ruine verwandelte.

Wie ihr schon an den Weg-Fotos seht – was bietet sich besser für den Weg nach oben zu einer Wallfahrtskirche an wie ein Kreuzweg? Seit 1891 zieren die Bildstöcken den Weg zur Kirche.
Kreuzweg Hohenrechberg 0428

Jetzt kommt aber mit zu

meiner Besichtigung der Wallfahrtskirche St. Maria auf dem Hohenrechberg

die ja eigentlich “Wallfahrtskirche zur Schönen Maria” heißt.
Wer da gleich ein bisschen den Kopf in den Nacken legt und nach oben schaut, dem fällt auf, dass die Wallfahrtskirche drei Kreuze auf den Giebeln hat. Keine Ahnung ob man zu dieser Zeit dachte – dreifach hält besser? Aber war es Wunsch der Stifterfamilie, dass ein Kreuz am Turm angebracht wurde, und jeweils eins am Süd- und Westgiebel. Und das Doppelkreuz dort, habe ich so noch auf keinem Kirchenbau gesehen. Es gibt viele Namen für das Doppelkreuz, welches auf der Kirche vermutlich von 1687 stammt.

Das Caravaca-Kreuz hat zwei Querbalken und hat sich im 16. Jahrhundert von Spanien aus in Europa verbreitet. Dass diese Kreuzform gerade hier auf der Wallfahrtskirche zweimal angebracht ist, geht darauf zurück, dass im Juli 1683 die Türken Wien belagerten. Ihr Ziel war, den Islam nach West- und Mitteleuropa zu bringen. Geht nicht, dachte sich der Kaiser, samt seinen verbündeten Truppen, zu denen auch die Bayern gehörten. Bei der Schlacht am Kahlenberg wurde das ‘entweder-oder’ ausgefochten. Bevor die bayerischen Truppen – und unter ihnen der Sohn der Stifterfamilie aus dem Haus der Rechberger – in die Schlacht zogen, wurden sie mit einem Caravaca-Kreuz für einen glücklichen Ausgang gesegnet. Die Schlacht wurde gewonnen, und quasi als Dank über den Sieg des Christentums wurden an der Wallfahrtskirche gleich zwei Caravaca-Kreuze angebracht.

Bevor es nach innen in die Kirche geht, bekommt ihr noch

ein bisschen Geschichte zur Entstehung der Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg

Wann die genau begann, liegt genauso im Nebel, der an trüben Tagen um den Berg hängt. Ich liebe ja die Legenden die sich um Entstehungen ranken, so zum Beispiel die Elchjagd für die Entstehung von Ellwangen mit seinen vielen Kirchen. Hier bei der Wallfahrtskirche gibt es gleich zwei solcher Legenden: so wird gesagt, dass im 11. Jahrhundert ein Einsiedler das Gnadenbild der Schönen Maria auf den Berg gebracht hat, dem Gnadenbild eine hölzerne Kapelle erbaut haben soll, und sich gleich damit auch ein Dach über den Kopf.
Die zweite Version dreht sich um einen Eremiten, der im Tod das Bild der Gottesmutter festgehalten habe. Gefunden wurde er durch Grafen, die auf der Jagd beim Hohenrechberg von einem Glockklang angelockt auf den Berg ritten, und so den Eremit fanden. Beide Legenden sind in ihrem Wahrheitsgehalt wohl nicht belegt, trotzdem …. es könnte ja so gewesen sein?

Die Anfänge einer Holzkapelle gehen ins Jahr 1424 zurück. Vielleicht wurde sie aus mehreren Gründen da hoch auf dem Berg gebaut, denn schon vor Erbauung der Holzkapelle gab es zwischen Kaiser und Papst Machtgerangel. Den quittierten die Päpste der damaligen Zeit mit einem Kirchenbann für den Kaiser und seinem Gefolge, traf also auch die Herren von Rechberg, die auf der Burg Rechberg ihre Stammburg hatten. Bedeutet – nur noch die großen Kirchenfeste durften gefeiert werden, alles andere wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen waren gestrichen. Der gläubige Christ wusste sich zu helfen, dann gab es eben Gottesdienst zuhause oder in einer kleinen Kapelle.

1349 traf Mitteleuropa dann die Pestseuche, man mied Menschen. Da kam so eine kleine Kapelle dort oben auf dem Berg, weitab vom Schuss gerade recht. In der Kapelle das Gnadenbild der Schönen Maria. Im Bericht zur Burgruine könnt ihr lesen, dass es mehrere Linien der Rechberger gab, die da oben auf dem Berg, und die unterm Berg. Und die auf dem Berg hatten in der ganzen Gegend verstreut ihre Besitzungen und ‘Ableger’. Ganz ehrlich, bei den Staufern hatte ich beim ‘Who is Who’ den Durchblick schneller 😀

Ulrich II. von Rechberg soll 1488 die erste Kapelle aus Stein errichtet haben lassen. Die Holzkapelle blieb aber stehen, dort wo heute der Chor der Wallfahrtskirche ist. Das Gnadenbild sollte mit in die neue Kapelle kommen. Da wird berichtet – es ist auch wieder eine Legende – dass es drei Versuchen bedarf, bis das Gnadenbild auch wirklich in der neuen Kapelle blieb. Zweimal ist es aus unerklärlichen Gründen über Nacht wieder an den alten Standort zurück gekommen.

Da immer mehr Wallfahrer auf den Berg kamen, musste Ulrich II. auch nach einem Geistlichen schauen. Den bekam er zunächst in meiner Heimatgemeinde Waldstetten, später dann aus Schwäbisch Gmünd. Es kam der Dreißigjährige Krieg, die Burg wurde im letzten Kriegsjahr noch verwüstet, aber die Kirche und Gnadenbild blieben zum Glück verschonte. Wie bei so vielen Wallfahrtskirchen war es dann auch auf dem Rechberg – die Pilgerschar wurde immer größer und die Kirche zu klein. Inzwischen war Bernhard Bero von Rechberg-Donzdorf der Herr auf der Burg Hohenrechberg. Wie ich in der Geschichte bei der Burgruine schrieb, sind die Rechberger Herren die Karriereleiter nach oben geklettert. Nachdem sie 1577 in den Freiherrenstand erhoben wurden, bekamen sie 1607 den Grafentitel und hatten in Staat und Kirche einiges zu sagen. Auch Bernhard Bero hat Karriere gemacht und wusste seine Herrschaft zu vergrößern. Die Burg Rechberg fiel ihm aber durch ein Erbe zu. Er und seine Frau stifteten eine größere Wallfahrtskirche. Ein Jahr wurde der barocke Bau geplant, bevor Anfang Juli 1686 der Grundstein in seiner Gegenwart gelegt wurde. Vermutlich war auch Dankbarkeit, die das Stifterpaar zum Bau der Kirche veranlasst haben. Ich hab euch ja weiter in Bezug auf das Caravaca-Kreuz von der Schlacht am Kahlenberg geschrieben. Der Sohn der Stifter war bei diesem Kampf dabei und kam gesund aus Wien wieder zurück.

Vier Jahre wurde an der Barockkirche, die zu dieser Zeit eher selten waren, gebaut. Die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg, auch eine Barockkirche, wurde vier Jahre zuvor erbaut. Franz Albert von Rechberg, der Sohn des Stifters sicherte mit der Betreuung durch Waldstetten (deren Patronatsherr er war) die Betreuung der Pilgerschar. Und jetzt greift da ein Rädchen ins andere. Waldstetten wurde veräußert und hatte keinen Rechberger mehr als Patronatsherr, und der Käufer veräußerte wieder weiter – und zwar an das Stiftskapitel von Ellwangen. Und die wurden von Fürstpropsten regiert. Mehr über diese Strukturen könnt ihr dem Bericht zum Schloss ob Ellwangen nachlesen.

Rechberg wollte Mitte 1760 selbstständig werden, eine eigene Pfarrei werden. Doch soooo einfach ging das nicht. Ein hin und her begann, was schlussendlich in einem jahrelangen Rechtsstreit endete, bis es dann 1772 mit der Pfarrei amtlich wurde. 1774 wurde der bisherige Holzturm nach einem Brand als Steinturm ersetzt und immer wieder bedarf es Sanierungen an der Kirche. Im zweiten Weltkrieg war die Lage ein Ziel für feindliche Angriffe. Aber man wusste die Kirche mit Tarnmatten unkenntlich zu machen. Nur zwei, nicht zerstörerische Angriffe fanden auf die Kirche statt.

 

So, genug Geschichte, es wird Zeit in die Kirche zu gehen, und die Barockpracht

im Inneren der Wallfahrtskirche St. Maria auf dem Hohenrechberg

zu betrachten. Barock – üppig geschmückt, viel Stuck, viele Engelsboten – nach unserem Besuch der Wallfahrtskirche Schönenberg bei Ellwangen war ich auf alles gefasst. Denn dort hat mich der erste Eindruck mit der ganzen Pracht fast ‘erschlagen’. Dagegen ist die Wallfahrtskirche auf dem Rechberg fast ‘schwäbisch sparsam’ 😉

Wallfahrtskirche Hohenrechberg 5135

Als Bauherr hatte sich Bernhard Bero von Rechberg den aus Vorarlberg stammenden Valerian Brenner ausgesucht. Gut 27 Meter lang und über 12 Meter breit wurde die Kirche. Die Vollendung ‘seiner’ Kirche hat der Stifter aber nicht mehr erlebt, er verstarb am 9. Juli 1686, nur kurz nachdem der Grundstein gelegt wurde. Sein Sohn Franz Albert führte das Werk in seinem Sinne fort und holte sich für die Innenausstattung den aus dem Tessin stammenden Prospero Brenno. Die Innenausstattung ergab ab 1688 eine Mischung aus italienischem und bayerischen Hochbarock. Man glaubte zu dieser Zeit fest daran, biete ich eine üppig gestaltete Kirche werden sich die Menschen wieder auf die katholische Kirche besinnen und zurückkommen. Tja, man hat zu dieser Zeit (wie oft auch heute noch) ausgeblendet, dass Glaube und Kirche zwei Paar Stiefel sind (für mich zumindest).

Kommt mit vor zum

Hochaltar in der Wallfahrtskirche St. Maria

bei dem sich der Künstler etwas Besonderes ausgedacht hat. In diese Besonderheit hat er auch die Decke des Chores mit einbezogen. Aber der Reihe nach – oder von unten nach oben 🙂
Ein Altarbild, so wie in vielen anderen Kirchen, gibt es hier nicht. Die kleine Nische am Hauptaltar wird mit der Namenspatronin der Wallfahrtskirche ausgefüllt – dem Gnadenbild der Schönen Maria vom Hohenrechberg. Wunderschön sitzt sie mit dem Jesuskind auf dem Schoß auf ihrem Thron.

Rechts außen steht der Hl. Bernhard (zu Ehren des Stifters der Kirche und des Altars Bernhard Bero), auf der linken Seite erinnert der Evangelist Johannes an den zweiten Stifter des Altars, den Fürstpropst von Ellwangen Johann Rudolf aus dem Haus derer von Rechberg. Ellwangen war eine von drei Fürstpropsteien im Deutschen Römischen Reich. Der Fürstpropst vertrat die weltlichen Belange genauso wie die der Kirche. Bedenkt man, dass Fürstpropste noch weitere hohe Ämter inne hatten, dann war das für das Haus von Rechberg bestimmt eine Ehre, dass einer aus ihren Reihen von 1654–1660 Fürstpropst in Ellwangen war.

Jetzt kommt die Besonderheit, die der Künstler hier geschaffen hat. Ich habe sie so noch in keiner anderen Kirche gesehen, und zur Entstehungszeit war es vermutlich das Früheste in ganz Süddeutschland –

das Theatrum Sacrum (Heiliges Theater) in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Der Himmel geht wie in einem Theater auf, und jeder gläubige Mensch erhofft sich im Himmel die Herrlichkeit. Genau soooo wird dieser Altaraufbau hier in der Kirche dargestellt. Es scheint alles auf unterschiedlichen Ebenen, was der nach innen gerückte Altarschrein noch verstärkt. Ich glaube, da brauche ich nicht groß Worte verlieren – die lebensgroßen Engel an der Decke, die lebensgroßen Engel die den Himmel aufreißen, damit Gott mit der Weltkugel segnend auf die Gläubigen schaut – dazu spielt das Himmelsorchester. Und wie in einem Theater haben die hohen Herrschaften ihre Loge, auf der sie die Gottesdienste verfolgen können. Ich stand lange davor, damit diese Szene wirken kann …

Am Rand des Altarraums ist die 1689 fertiggestellte

Kanzel in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg

Kanzeln schaue ich mir in den jeweiligen Kirchen immer sehr genau an. Sie sind meist aufwändig geschaffen, mit aussagekräftigen Skulpturen, die in der Regel die vier Evangelisten mit ihren Attributen darstellen. So auch in der Wallfahrtskirche St. Maria. Johannes der Evangelist mit dem Adler, Markus mit seinem Löwen, Matthäus wird von einem Mensch begleitet und Lukas mit dem Stier. Sie sitzen schon lange da oben, seeeeehr lange …. 😉

Die zwei

Seitenaltäre in der Wallfahrtskirche St. Maria auf dem Hohenrechberg

verdienen auch mehrere Blicke, denn auch hier liegt der Blick im Detail.
Im  linken Seitenaltar ist der Hl. Cornelius ganz groß im Altarbild zu sehen. Dem Papst aus dem frühen Rom wird zugeschrieben, dass er die Hierarchie in der Kirche ausgebaut haben soll. Er gilt als einer von den vier Schutzheiligen des frühen Christentums. Er wirkt so, als dass sein Bild von zwei lebensgroßen Engeln im Rahmen gehalten wird. Von oben schaut der Hl. Josef zu den Kirchenbesuchern im Langhaus hinüber. Über ihm hält ein Engel das Wappen der Rechberger.

Auf dem Altar steht der Schrein des Hl. Ulrich. Er soll der erste gewesen sein, der 993 heiliggesprochen wurde. Aber nicht nur deshalb wird er verehrt. Es war sein Verdienst, dass die Schlacht am Lechfeld 955 gewonnen wurde. Nur mit einer Bibel in der Hand, ohne Waffen und weiteren Schutz ritt er der Überzahl der feindlichen Heiden entgegen.

Der rechte Seitenaltar ist dem Hl. Bernhard gewidmet.
Die Engel halten das Altarbild des Hl. Dominikus, der Begründer der Odensbewegung der Dominikaner. Hier schaut Antonius von Padua zu den Kirchenbesuchern. Es ist immer wieder faszinierend, dass ich die Heiligen, die ich im Juni 2020 als Brückenstatuen auf der Karlsbrücke in Prag kennenlernen durfte, doch immer wieder in den Kirchen wiederfinde. ‘Mein’ Nepomuk, der mir aufgrund seiner Vita (im Veitsdom hat er sein Grab) doch am Meisten ans Herz gewachsen ist, ist mehrfach in Ellwangen anzutreffen.
Das Wappenschild im rechten Seitenaltar ist das der Südtiroler Grafenfamilie, die mit den Rechbergern Allianz waren. Auf dem Altar steht der Hl. Bernhard von ca. 1600 hinter Glas.

Werft auch einen Blick auf die Gedenktafel an der Außenwand. Sie ist zu Ehren, dass die Wallfahrt zum Bernhardus auf den Rechberg verlegt wurde. So irgendwann 1802 wurde das Geld in der Kirchenkasse knapp. Versprochene Gelder flossen nicht und der Patronat der Wallfahrtskirche musste sich was überlegen. Marketing würde man es heute nennen, oder einfach ein kluger Schachzug? In der Nähe vom Hornberg bei Schwäbisch Gmünd liegt der Bernhardus, ein Berg der eine kleine Wallfahrtskirche mit einem eigenen Pfarrer hatte und auf den die Gläubigen (auch noch heute) strömen. Ein Pfarrer, nicht an eine Pfarrei gebunden? Den Zustrom an Pilger könnte man doch auf den Hohenrechberg umleiten und den Pfarrer dort einsetzen? Und gleichzeitig gut Geld damit verdienen? Der Graf zu Rechberg bat 1806 (kurz davor war alles ja zum Königsreich Württemberg gekommen) um die Übertragung, die auch tatsächlich genehmigt wurde.

Der Hl. Bernhard zog in die Wallfahrtskirche auf dem Rechberg um, und damit war dann auch die Finanzierung für den Rechberg gesichert. Die Gedenktafel symbolisiert diesen Umzug.

Die Decke in der Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg

solltet ihr euch genauer anschauen, genauso wie die vielen Verzierungen. Wenn ihr euch die Engelchen an den Kapitellen genauer anschaut, dann könnte man sich fast wie im Garten Eden fühlen. Fehlt nur noch ein Körbchen zum Einsammeln der vielen Köstlichkeiten und Blumen, die sie bereit halten. Blumengirlanden, exotische Pflanzen und viele Früchte findet ihr in der gesamten Wallfahrtskirche verstreut.

In der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg bei Ellwangen habe ich mich ja in einer Seitenkapelle fast von Engeln erdrückt gefühlt, sage und schreibe über 50 große und kleine Himmelsboten sind auf kleinstem Raum dort vereint. Ich liebe ja diese kleinen Figuren, egal wo auch immer ich sie finde, ob Kirchen oder Schlösser – ganz egal, aber gleich soooo viele? Aber das ist eben Barock. Mich fasziniert der unterschiedliche Gesichtsausdruck, den der Schöpfer den Engeln gegeben hat, jeder einmalig für sich – so wie wir Menschen auch jeder einmalig ist.

Der Blick zurück zur

Empore und Orgel in der Wallfahrtskirche St. Maria

darf natürlich auch nicht fehlen. Mehrere Orgeln haben in der Wallfahrtskirche erklungen, bis 1968 die letzte Orgel auf der Empore ihren Platz fand.

Orgel Wallfahrtskirche Hohenrechberg 0563
Orgel Wallfahrtskirche Hohenrechberg 0566

Wer meine Berichte und Besichtigungen kennt, der weiß, dass in jedem Objekt der Blick fürs Detail nicht fehlen darf. Auch hier gibt es sooo viele

Detailblicke in der Wallfahrtskirche Hohenrechberg

die ihr in der Kirche aber selber entdecken dürft, wo sie sind.

Die wunderschöne Pietà aus dem Jahr um 1500, der Hl.Joseph aus dem 18. Jahrhundert oder das wunderschöne Taufbecken um die Zeit von 1775 sind nur einige von vielen anderen.

Zwei Epitaphe ehren zwei Padres – einen davon könnt ihr auch in meinem Bericht zum Schloss ob Ellwangen kennenlernen, Philipp Jeningen, Pater in Ellwangen. Er hat es geschafft, dass es tatsächlich zum Bau der Wallfahrtskirche Schönenberg gekommen ist. Immer wieder hat er den damaligen Fürstpropst um den Bau einer größeren Kirche gebeten, der Zustrom der vielen Menschen war einfach zuviel für die bis dato kleinere Kirche. Als er eines Abends wieder einmal beim Propst auf dem Schloss war, zog ein heftiges Gewitter über Ellwangen auf. Da die damaligen Häuser der Stadt alle aus Holz waren, versprach der Fürstpropst, dass wenn die Stadt von einem Brand verschont bliebe, er auf dem Schönenberg die größere Kirche bauen lässt. Nur ein einziges Haus brannte ab, die Stadt blieb von Schlimmeren verschont und die Kirche wurde gebaut.
Da der Hohenrechberg ja unter dem Patonat von Ellwangen stand, wird ihm hier in der Kirche gedacht.

Auch Pater Franz Reinisch, der 1936 an der Kirche wirkte, hat ein Epitaph in der Kirche. Christlichen Glauben in Verbindung mit der Unvereinbarkeit der NS-Bewegung thematisieren – oh, das kam in der Zeit nicht gut. Er bekam Predigt- und Redeverbot, und zu allem Übel einen Stellungsbefehl zum Antritt in der Kaserne. Zwar erschien er in der Kaserne wie gewünscht, aber den Fahneneid auf Hitler hat er verweigert. Er wurde inhaftiert und am 21. August 1942 enthauptet. Er war übrigens der einzige katholische Priester, der diesen Eid verweigert hatte und dafür mit dem Leben bezahlt hat.

Ihr seht, die Wallfahrtskirche St. Maria Hohenrechberg verdient das Prädikat ‘Sehenswert’, und es lohnt sich den Berg hochzugehen.

Denn ihr werdet nicht nur mit dieser herrlichen Kirche belohnt, sondern auch mit ganz vielen

Ausblicke vom Hohenrechberg

Entweder auf dem Weg dorthin und oben bei der Kirche. Geht das kleine Stückchen hinter die Kirche und man sieht weit nach Norden über Land. Da das Zentrum von Schwäbisch Gmünd im Talkessel liegt, ist sie von dort oben nicht auszumachen. Eine Tafel zeigt euch an, in welcher Richtung welcher Ort zu sehen ist. Für mein Waldstetten kann ich das ohne Nachzuschauen sagen – durch die Büsche hindurch seht ihr meinen Heimatort, mit der dominanten Kirche auf unserem Kirchberg.

Es kommen auch oben bei der Kirche die Kindheitserinnerungen hoch, nicht nur unten in der Ruine, die oft Ziel eines Schulausfluges war. Oben bei der Kirche gab es in Kinderzeit immer eine Sinalco aus der Gaststätte, die es immer noch gibt. Und man hat für, damals ein Zehnerle, sich vom Pater segnen lassen. Und da saß man da unter den Bäumen und hat sein Rucksackvesper verspeist. Jedesmal aufs Neue hat man aber zuerst mal gemeckert, als es hieß ‘es geht auf den Rechberg’ 😂
Tja, auch schon damals stand eben vor dem Vergnügen erstmal der Anstieg auf den Berg.

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