Zwischen Rems und Fils, auf einer Anhöhe am östlichen Schurwald findet sich ein Kleinod, das man hinter den dicken Klostermauern von Adelberg so nicht vermuten würde. Die Ulrichskapelle, die ihre Geschichte im Inneren  in Bildern erzählt.

„Lerne deine Heimat noch besser kennen“ – diesen Bildungsauftrag habe ich mir nach der Coronabedingten Absage unserer Reise nach Prag als Ersatzprogramm selber gestellt. Man hat ja so seine Lieblingsrichtungen, nach denen man meistens ausschwirrt. Und weder Adelberg noch das Kloster Adelberg lagen bisher in dieser Zielrichtung. Aber durch Recherchen, Google sei Dank, kam es auf unseren Besichtigungszettel, und das war auch gut so. Denn sonst hätte ich nie erfahren, was sich für ein Schätzchen  hinter den Klostermauern von Adelberg, welche direkt an der Verbindungsstraße von Schorndorf nach Göppingen liegen, verbirgt.

Wir haben den Besuch an diesem herrlichen Oktobertag mit einem Ausflug an den Herrenbachstausee, der gleich unterhalb des Klosterbereiches liegt, verbunden. Die Fahrt von meinem Heimatort Waldstetten führt an den Drei Kaiser Bergen entlang. Start unterhalb unseres Hausberges Stuifen, weiter an der Ruine Hohenrechberg vorbei, und auch dem Hohenstaufen haben wir einen Blick von unten geschenkt. Wir sind quasi auf den Spuren der Staufer unterwegs, die mit dem Hohenstaufen hier ja ihre Stammburg hatten. Es überrascht somit nicht, wenn diese Spuren sich weiter ins Kloster Adelberg ziehen. Wer sich nicht so in die Geschichte der Staufer eingelesen hat, wie ich, dem wird es vor Betreten des Klosterareals mit der Stauferstele aufgezeigt.

Bevor wir aber den

Rundgang durch das Kloster Adelberg

beginnen, genießt die Blicke auf meine Heimatberge. Von rechts nach links fädeln sich der Hohenstaufen, der Hohenrechberg und der Stuifen in einer Reihe auf. Herrlich, gell? Und einen Eindruck von der langen Klostermauer bekommt ihr auch gleich.

da-3849
IMG_0372
IMG_0382

Betritt man durch das Klostertor den Innenbereich, dann darf natürlich eine Klosterwirtschaft nicht fehlen. Viele Wanderer kommen vom Herrenbachstausee ja auch nach oben, um ihr Fahrzeug auf dem großen Parkplatz vor den Klostermauern abzuholen. Wir sind aber nicht zur Stärkung hier. Genauso wie eine Klosterschänke nicht fehlen darf, ist ein Klostergarten ein Muss. Wir konnten ihn nur von außen bewundern. Er soll aber über 200, teilweise auch bedrohten, Heilpflanzen eine Heimat sein und hat es sogar schon ins SWR-Fernsehprogramm geschafft. Und an Blumen kann ich nicht einfach so vorbeigehen ….

Bevor wir uns noch ein bisschen im Klosterbereich und vor allem in der Ulrichskapelle umschauen, vorher ein bisschen zur

Entstehungsgeschichte des Klosters Adelberg

Wann da genau die ersten Ansiedlungen dort oben auf der Anhöhe waren? Was genaues ist nicht überliefert. Es soll aber bereits dort, wo auch die heutige Ulrichskapelle steht, schon eine Kapelle zu Ehren des Hl. Ulrichs gestanden haben. Dann kam mit den Staufern Leben auf die Anhöhe. Ganz in der Nähe des Klosters hatte Volknand von Staufen seine Burg. Und so sehr ich über diesen Staufer gesucht habe, es ist über ihn nur soviel bekannt, dass er ein Vetter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa war. Volknand war es, der in der Nähe seiner Burg 1178 ein Kloster gründen wollte. Aber ohne Leben im Kloster ist das ja nur ein Wunschdenken. Mit diesem Anliegen bat er das Prämonstratenserkloser in Rot an der Rot um Unterstützung. Als diese sein Ansinnen ablehnten fand er in einem neuen Versuch in Roggenburg Gehör. Zwölf Chorherren wurden in das neue Kloster geschickt.

Drei Jahre später, 1181, nahm dann Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Kloster unter seine Fittiche. Seine Stammburg auf dem Hohenstaufen war Luftlinie ja nur ca. 10 km entfernt. Er stellte dem Kloster ein Schutzprivileg aus und bestimmte als Vogt den jeweiligen Herrn der Burg Hohenstaufen. Adelberg war damit quasi auch ein Hauskloster der Staufer geworden. 1188 wurde parallel zum Männerkloster auch ein Frauenkloster innerhalb der Klostermauern angesiedelt. Aber natürlich ganz klar räumlich voneinander getrennt.

Zehn Jahre nach Klostergründung weihte der Bischof von Münster in der noch unvollendeten Klosterkirche den Hauptaltar. Mit großem Gefolge war Friedrich mit seinen drei Söhnen bei der Zeremonie dabei. 1202 war dann der Kirchenbau vollendet und wurde der Hl. Maria und dem Bischof Ulrich von Augsburg geweiht. Bei dieser Weihe war der jüngste Sohn von Friedrich I. Barbarossa dabei, Philipp von Schwaben. Er wurde zeitweise im Kloster unterrichtet und war mit Irene von Byzanz verheiratet. Man muss dazu wissen, dass meine Heimat wirklich sehr eng mit den Staufern verbunden ist, und alle bedeutende Stätten sind nur einen ‚Steinwurf‘ voneinander entfernt. Nachdem Philipp ermordet wurde, kehrte Irene krank auf die Burg Hohenstaufen zurück, und vermachte kurz vor ihrem Tod  dem Kloster noch einen Hof. Irene, die letzte und ranghöchste Stauferin, liegt im nur wenige Kilometer entfernten  Kloster Lorch begraben.

Ja, man könnte wirklich sehr tief in die Geschichte des Staufergeschlechts eintauchen. Einige Jahre später bat Kaiser Friedrich II. (ein Enkel von Friedrich I. Barbarossa) die Stauferstädte Esslingen und meine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd, das Kloster, das Erbe seiner Ahnen, in Schutz zu nehmen. Nach dem Ende der Staufer kam das Kloster in den Besitz der Grafen von Württemberg. Wenn ich mir so anschaue, wie groß der Besitz des Klosters bis zur Reformation gewesen ist – wow, das konnte sich sehen lassen. Arm nenn ich was anderes. 10 Dörfer, 19 Weiler, 17 Pfarrkirchen, 37 Höfe, 22 Mühlen und einzelne Güter in ca. 144 Orten, das ist schon beachtlich. Unter den 11 Männerklöstern in Württemberg stand Adelberg an 4. Stelle.

Die Zeit des bis dato letzten Doppelklosters in Württemberg wurde 1476 beendet. Die Chorfrauen mussten nach Lauffen am Neckar umziehen. Etwa um 1500 begann unter dem Abt der Neubau der heutigen Ulrichskapelle. Aber auch das Kloster blieb von den Unruhen außerhalb der Klostermauern nicht verschont. Im Bauernkrieg 1525 brannte ein Teil des Klosters ab, 10 Jahre später wurde die Reformation eingeführt, und damit das Kloster überflüssig. Es wurde aufgehoben. Noch mehr Infos zur Geschichte des Klosters könnt ihr HIER nachlesen.

Unübersehbar im Klosterhof ist die

Prälatur des Klosters Adelberg

Anfangs wohnten hier die Äbte, dann die Schüler der evangelischen Klosterschule und später die Prälaten. Übrigens war nicht nur der Staufersohn ein Schüler der Schule. Der berühmteste Schüler war Johannes Keppler, der hier zwei Jahre lang die Schulbank drückte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war es aber auch mit der Schule vorbei.

Mir bot die Prälatur einige Motive. Wer der steinerne Bischof auf dem Brunnen ist? Keiner weiß es. Lassen wir ihm sein Geheimnis hier inkognito zu stehen und hoffen, dass der Zahn der Zeit nicht weiter schlimm an ihm nagt.

Jetzt geht es zum Herzstück des Kloster

die Ulrichskapelle im Kloster Adelberg

in der ich bei meinem ersten Besuch wirklich geflasht war. ABER – nur schauen, nicht fotografieren! Es hat mir während meines Besuchs in der Kapelle keine Ruhe gelassen und ich fragte die nette Dame am Eingang, ob man denn nicht für einen Bericht auf meinem Reiseblog vielleicht eine Ausnahme machen könnte? Tage später erhielt ich vom evangelischen Kirchengemeinderat die Erlaubnis für meinen Bericht Fotos zu machen.

An dieser Stelle herzlichen Dank an den Evangelischen Kirchengemeinderat von Adelberg, für die Fotoerlaubnis und Veröffentlichung auf meinem Reise- und Fotoblog.

Ich hoffe, dass ich euch mit diesen Eindrücken derart Lust auf die kleine Kapelle mache, dass ihr sie vor Ort besuchen kommt. Und da ich euch wahrlich nicht alles, was die kleine Kirche zu bieten hat, hier schreiben kann – für einen kleinen Obolus könnt ihr mit Sabrina von Hundsholz (so hieß Adelberg früher) in die Geschichte und die Bedeutung der Ulrichskapelle eintauchen.

„Eine Kapelle erzählt ihre Geschichte in Bildern“ – so würde ich dieses Kleinod auf dem Klostergelände beschreiben. Denn der Bilderzyklus, der euch im Inneren der Kapelle erwartet, erzählt nichts anderes als die eigene Gründungsgeschichte. Über die Probleme Volknands weil niemand in seinen Konvent auf der Höhe ziehen wollte und es sich dann doch noch jemand fand, der seine Idee in die Tat umsetzen ließ. Wie der Stauferkaiser Friedrich zur Weihe des Hochaltars kommt … und, und, und ….

Heute kommt mein normalerweise erster Blick erst jetzt

der Gesamtblick und der Hochaltar der Ulrichskapelle

Bei meinem Fototermin hatte ich das Glück, dass die Kirche noch von der vorhergehenden Hochzeit geschmückt war. Und ihr seht damit schon – es ist der romantischste Ort den man sich denken kann, in dieser kleinen Kapelle zu heiraten oder Taufe zu feiern, oder oder …

Der Altar hat sich so gut wie im Originalzustand erhalten. Etwa um 1500 gab der damalige Abt den Auftrag für den Flügelaltar an eine Ulmer Schule. Und wie es bei Flügelaltären so üblich ist, gibt es eine Festtagsseite, die heute bei der Hochzeit zu sehen war, und eine geschlossene Alltagsseite. Ohne großes Drumherum zeigt es die Geburt Christi. Schlicht gemalt, aber wunderschön.

Die Festtagsseite verdient ihren Namen zu Recht. Die Muttergottes Maria mit dem Jesuskind als Kirchenpatronin in der Mitte, ganz links der zweite

Kirchenpatron, der Hl. Ulrich

890 ist er geboren und vom Vater wurde bestimmt, dass er den geistlichen Weg einschlagen soll. 923 wurde er Bischof von Augsburg. Verwandschaftliche Beziehungen verbandelten ihn mit den Höfen von König Heinrich I. und von Otto I. (der aus dem Geschlecht der Ottonen, mit denen ich mich im Kaiserdom zu Merseburg näher befasst habe). Ihm sei der Sieg auf dem Lechfeld zu verdanken – ohne Schild und Waffen sei er, nur mit der Bibel in der Hand den überlegenen Heiden entgegen geritten. Er lebte enthaltsam wie ein Mönch, aber freigiebig den Armen gegenüber.
Einer Legende nach wird berichtet, dass er nach einem Abendessen bei Konrad von Konstanz durch einen Boten einen Brief eines Herzogs bekam, dem Ulrich zuvor Unrecht vorgehalten hatte. Als Dank für den Boten packte er ihm ein übrig gebliebenes Gänsebein ein. Wie war das mit den Krähen die Augen aushacken wollen? Du hast aber an einem Freitag Fleisch gegessen, so war der Plan des Herzogs, dem Bischof eins auszuwischen. Aus dem Umschlag kam aber kein Gänsebein, sondern es hatte sich auf dem Weg in einen Fisch verwandelt. Aus diesem Grund wird Ulrich mit einem Fisch als Symbol dargestellt, auch hier bei der Statue in der Ulrichskapelle.

Das Sockelbild des Altars spricht für sich – Christus im Kreis seiner Apostel. Genauso braucht es zur Kreuzigungsgruppe keine weiteren Worte.

 

Der Blick zurück geht zur

Empore in der Ulrichskapelle

Beide Emporen, die wunderschön aufwändig gestaltet sind, haben einen Zugang von außen.

Immer wieder berührend sind die Geschichten wie Städte oder Objekte vor Zerstörung gerettet werden. War es ein kleines Mädchen, das Dinkelsbühl vor einem Angriff der Schweden gerettet hat – oder in Nördlingen war es ein Schwein, das durch seine Entdeckung die Angreifer in die Flucht geschlagen hatte, so soll es im Kloster Adelberg ein Bauer gewesen sein, der die Kirche vor Zerstörung in den Bauernaufständen im 16. Jahrhundert gerettet haben soll. War die Kirche ursprünglich mal als Friedhofskapelle gedacht gewesen, wurde sie zu dieser Zeit immer mehr zur ‚Kirche der Leute‘. Der Bauer soll die Angreifer um Verschonung gefleht haben, ‚denn sonst habe er ja keinen Platz zum Beten mehr‘. Die Kapelle wurde verschont, das Kloster teilweise zerstört.

Es gibt noch viel mehr in der Kirche zu entdecken, aber es wäre schade, wenn ich euch dieser Entdeckung nicht selbst überlasse. Mit einem letzten Blick in diese wunderschöne Ulrichskapelle lohnt sich ein Rundgang um die Kirche.

Der Friedhof von Kloster Adelberg

ist nicht, wie man vielleicht denken würde, eine historische Stätte. Ein fast frisches Grab zeigt, dass auch in heutiger Zeit Menschen ihre letzte Ruhestätte hier finden. Aber nein, nicht jeder! Wie in früherer Zeit, so ist es auch noch heute – nur Bewohner des ehemaligen Klosterbezirkes oder z.B. der Mühlen die zum Kloster gehörten, finden hier ihre Ruhe.

Es gibt auch im Friedhof viele kleine Details – Epitaphe oder das Wandrelief mit dem Abendmahl. Gütig schauen die beiden Namenspatrone der Kirche in einem großen Relief. Unübersehbar ist aber

der Ölberg bei der Ulrichskapelle im Kloster Adelberg

der mich längere Zeit hat vor ihm verweilen lassen.
Um 1515 hat ihn ein Schüler Riemenschneiders geschaffen. Dieser war nichts weniger als einer der Meister der Adelberger Bildhauerwerkstatt, von der dieses bedeutende Kunstwerk stammt. Ich denke, den Ölberg brauche ich euch nicht weiter erklären. Wenn ihr schon in der Gegend seid, dann lohnt sich auch die kurze Fahrt nach Schwäbisch Gmünd zur Felsenkirche St. Salvator, wo ihr das Leiden Jesu auf dem Kreuzweg gehen könnt.
Aber zurück zu diesem Ölberg. Ich finde es schon beachtlich, wie die überlebensgroßen Figuren im Detail sehr fein gearbeitet wurden. Schaut mal …

Mit letztem Blick zur Kirche haben wir noch einen kleinen Rundgang im Klosterhof gemacht. Egal zu welcher Jahreszeit ihr das Kloster Adelberg besucht, jede Jahreszeit hat ihre Schönheiten. Wir sind auch im Winter unterwegs, aber die schönsten Farben mal halt einfach doch der Herbst 😍

Mit diesen Eindrücken hoffe ich, dass ich euch Lust auf die Erkundung von Kloster Adelberg mit der Ulrichskapelle gemacht habe. Parkplätze gibt es genug dort oben, auf dem Fridolin immer noch geduldig auf uns wartet. Bitte erkundigt euch aber in Corona-Zeiten nochmal wegen den Öffnungszeiten der Ulrichskapelle. Diese ist eh nur am Wochenende geöffnet.

Das könnte Euch auch interessieren:

Waldlehrpfad am Herrenbachstausee

Bei den Waldgeistern am Herrenbachstausee

Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné) auf der Prager Kleinseite

Auf dem Hohenstaufen

Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné) auf der Prager Kleinseite

Kloster Lorch

Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné) auf der Prager Kleinseite

Die Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd

So kommt ihr zur Ulrichskapelle im Kloster Adelberg