Das zweitälteste Bauwerk in der Innenstadt – dieses Privileg darf sich die Oberhofenkirche in Göppingen zusprechen. Gemeinsam mit der kleinen Heiligkreuzkapelle nebenan sind sie die Oldie-Bauwerke in der Stadt.

Auf den Spuren der Staufer, das war heute unser Ziel mit dem Besuch der Stauferstadt Göppingen. Für uns liegt Göppingen ‘hinterm Berg’ 🙂 , denn für einen Besuch der Stadt müssen wir erstmal am Hausberg von Göppingen vorbei. Dem Hohenstaufen mit dem gleichnamigen kleinen Örtchen zu Fuße der Stammburg der Staufer. Von der sind allerdings nur noch Reste erhalten, aber sehr lohnenswert für einen Besuch. Mehr zur Stammburg der Staufer erfahrt ihr in meinem Bericht über den Hohenstaufen. Allein schon die ca. 20 Minuten Fahrt von meinem Heimatörtchen Waldstetten nach Göppingen ist immer wieder schön. Berg auf und Berg ab, durch viel Wald und Natur.

Wir waren mal wieder als frühe Vögel unterwegs, da neben dem Besuch der Oberhofenkirche noch die evangelische Stadtkirche und ein kurzer Gang durch die Innenstadt von Göppingen anstand. Anschließend noch ein Besuch in der Stiftskirche in Faurndau – wenn man denn schon auf der Straße ist 🙂 Wir haben die Erfahrung gemacht, dass an einem Sonntagmorgen die Menschen gemütlich ausschlafen und vor Nachmittag wenige in den Innenstädten unterwegs sind, gut für mein Vorhaben ohne ‘schmückendes Beiwerk’ in Form von Menschen zu fotografieren. Der frühe Vogel hat sich an der Oberhofenkirche super bezahlt gemacht. Denn irgendwie habe ich bei meinen Recherchen ausgeblendet (oder übersehen), dass diese in den Wintermonaten nicht für Besichtigungen geöffnet ist. Plant dies also bei einem Besuch ein. Aber wir hatten Glück, es war gerade ein Gottesdienst zu Ende, die Pfarrerin unterhielt sich noch mit Kirchenbesuchern – und wir huschten mal kurz in die Kirche.

Kommt mit zu

meiner Besichtigung der Oberhofenkirche in Göppingen

die ganz klar, wie immer halt, mit der

Außenansicht der Oberhofenkirche

Da lohnt sich ein genauerer Blick, denn mit ihren beiden auffällig geschmückten Türmen zählt sie zum Wahrzeichen der Stadt.

Von unserem Parkstandort herkommend, haben wir sie gleich entdeckt und ich musste nicht lange nach ihr suchen. Denn in einer Stauferstadt darf die natürlich nicht feheln.

Die Stauferstele in Göppingen

An der Stelle sei angemerkt, verzeiht mir bitte, da kommt der Heimatstolz etwas durch 😀 😀  – Göppingen ist zwar Stauferstadt, aber meine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd die älteste Stauferstadt 🙂

Die Stele steht in einer Seitenstraße die zur Kirche führt und wird an solchen Stätten aufgestellt, die einen Bezug zum Staufergeschlecht haben. Viel Berührung gab es, außer der Stammburg auf dem Hohenstaufen und dass Friedrich Barbarossa eine Urkunde für das Kloster Lorch in Göppingen ausgestellt haben soll, nicht mit der Stadt Göppingen.

Obligatorisch in meinen Berichten ist sie auch hier dabei –

ein bisschen Geschichte zur Oberhofenkirche in Göppingen

Bei ganz alten Gebäuden oder Kirchen kommt mir ja oft in den Sinn ‘wenn Steine reden könnten’. Ich denke, da hätten ganz viele ganz viel zu erzählen. Vermutlich auch die Oberhofenkirche als zweitältestes Gebäude der Stadt. Dass die Kirche doch eine Verbindung zu den Staufern haben muss, wird zum einen in der Kirche noch sichtbar, zum anderen anderen hat sich der Ort vermutlich in der Stauferzeit zur Stadt gemausert. In meinem Bericht zur Stiftskirche in Faurndau habe ich es schon erwähnt – in der Region hatte doch irgendwie jeder mit jedem irgendwas zu schaffen. Auch weil die Staufer Vögte für ihre Besitzungen ernannt haben, so z.B. auch im Kloster Adelberg, und in Bezug auf Göppingen waren es wohl die Herren von Staufeneck. So ziemlich jede Kirche kann einen oder mehrere Vorgängerbauten aufweisen, auch die Oberhofenkirche, die hatte sogar vier. Die Ursprünge einer Holzkirche gehen bis ins 7. Jahrhundert zurück. Man spricht von der Urkirche im Filstal. Aber auf diese Herren von Staufeneck soll die Entstehung einer spätromanischen Basilika zurückgehen, also so ähnlich alt wie die in Faurndau.

1275 wird die Oberhofenkirche als erste Pfarrkirche in Göppingen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Als das Staufergeschlecht ohne männliche Nachkommen blieb und somit ausstarb, und das auch mit anderen Adelsgeschlechtern passierte, kam das Land an die Grafen von Württemberg. Bruder Ludwig regierte ab 1426 zunächst allein und ab 1433 dann mit seinem Bruder Ulrich V. zusammen. 1441 setzte der dann die Teilung des Landes durch. Er war fortan für den östlichen und nördlichen Landesteil zuständig, also auch für Göppingen, sein Bruder Ludwig bekam den westlichen und südlichen Teil und schuf sich in Urach seine Residenz. Auch wenn dieser Graf Ulrich auch der “Vielgeliebte” genannt wurde (vielleicht weil er dreimal verheiratet war?), Für mich ist er ein kleiner ‘Stinkstiefel’, er ist mir mit seinem Verhalten schon bei der Geschichte zur Michaelskirche in Waiblingen negativ in Erinnerung geblieben.

Aber er war es, der 1436 den Auftrag zum Bau einer spätgotischen Hallenkirche gegeben hat. Wie die Vorgängerkirchen lag auch sie außerhalb der Stadtmauern. Es wurde lange an der Kirche gearbeitet, erst so um 1490 war sie fertig. 1448 wurde vom Papst sein Ansinnen genehmigt, an der Oberhofenkirche ein Kollegiatsstift einzurichten. Heute würde eine Bank finanzielle Sicherheiten verlangen, damals war es wohl der Papst. Mit Gütern aus Kaplaneipfründen wurde die wirtschaftliche Grundlage so mehr oder weniger gut gesichert. Papst Pius half dann noch ein bisschen nach und gliederte das Stift Boll 1464 nach Göppingen ein. Vielleicht war die Einrichtung eines Stifts von Graf Ulrich sowas wie eine Prestigesache, immerhin stand er doch vermutlich etwas in Konkurrenz mit seinem Bruder, der in Urach auch ein Stift hatte. Jedenfalls ging es wirtschaftlich dann mit dem Stift nach oben und konnte in der Folge als ‘wohlhabend’ eingestuft werden.

Mit der Reformation traf es dann auch das Stift. Es wurde 1535 aufgelöst, die Chorherren wurden genauso wie in Faurndau abgefunden. Durch die Lage außerhalb der Stadtmauern und der Möglichkeit mit einem Friedhof drumrum wurde sie dann nur noch für Beerdigungen genutzt, oder wenn man wegen dem Neubau der evang. Stadtkirche einen Ausweich brauchte. Und bestimmt können jetzt, mit den Wirren der Zeit, auch die Steine erzählen was ihnen geschadet hat. Renovierungen waren fällig, die bis 1687 gingen. Dann war wieder nix mit Gottesdiensten, während der napeleonischen Kriegen wurde die Kirche als Lazarett oder Heulager und Pferdestall missbraucht. Das war ja in vielen Kirchen zu der Zeit so, z.B. auch in St. Salvator Kirche in Nördlingen. Viele wurden danach wieder geweiht, die Schlosskirche im Schloss ob Ellwangen allerdings auch nicht mehr.

Im frühen 19. Jahrhundert wollten die Bürger ihr Gotteshaus wieder. Es wurde restauriert, neugotisch umgestaltet und 1902 hatten sie wieder ihre Gemeindekirche. Innen wurde dann auch noch ein bisschen was gemacht. Aber seht jetzt selbst, wie die Kirche nach diesen Arbeiten aussieht. Kommt mit zur

Innenbesichtigung der Oberhofenkirche in Göppingen

die wieder mit dem

Gesamteindruck der Oberhofenkirche

beginnt. Ihr kennt ja sicher schon meine Berichte 🙂
Das war heute nicht so ganz einfach, denn immer noch waren Kirchenbesucher unterwegs. Und da seht ihr bestimmt auch das, was mir ein bisschen den Eindruck einer ‘alten’ Kirche verhagelt hat.

Seht ihr die Decke? Ich finde, diese Stuckdecke nimmt einer alten Kirche etwas den Charme. Aber so war es eben nach der Renovierung 1686 so.. Was sich in vielen Kirchen in Württemberg findet, ist das herzogliche Wappen. Denn der Herzog war ja zugleich auch der obererste Kirchenherr, und das musste man ja schon auch symbolisieren. Herzöge wurden die Grafen von Württemberg ja im Juli 1495. Als Symbol für die Württemberger finden sich immer die Hirschstangen im Wappen. Und natürlich kam auch noch das angeheirate Wappen mit dazu.

Etwas versöhnt mit der Stuckdecke war ich dann aber im ‘Schätzkästchen’ der Oberhofenkirche. Im südlichen Eingangsbereich findet sich eines der bedeutendsten Werke

das Hohenstaufenfresko in der Oberhofenkirche in Göppingen

1938 wurde bei Renovierungsarbeiten ein Wandfresko entdeckt, das vermutlich von 1490 stammt. In anderen Infos habe ich aber auch die Jahreszahl 1438 gefunden. Auf jeden Fall ist es alt, sehr alt und wunderschön. Da gibt es viel zu entdecken auf dem Fresko, denn es soll die Gründungssage der Kirche zeigen. Zwei edle Damen sollen die Stifterinnen gewesen sein, die hier ein romanisches Kirchenmodell zeigen. Schaut mal ganz genau auf den Fotos, oder wenn ihr in der Kirche seid, ob ihr den Chorherren findet. Er war der älteste Brillenträger von dem man in der Stadt weiß.

Wenn ihr euch jetzt fragt, und, was hat das mit dem Hohenstaufen zu tun, der Stammburg der Staufer? Rechts oben sieht man die Burg auf dem Hohenstaufen. Und das ist eine Besonderheit, denn die Darstellung auf dem Fresko ist die einzige bekannte Darstellung der gesamten Burg, bevor sie im Bauernkrieg 1525 zerstört und nie mehr aufgebaut wurde.

Werft auch noch einen Blick zur Decke in dem kleinen Eingangsbereich. Da würde eine Stuckdecke wirklich nicht zu dem Fresko passen, gell. Ich liebe diese Rippengewölbe, denn bei den Zusammenschlüssen finden sich immer herrlich gestaltete Schlusssteine. Da es früher eine Marienkirche war, hier Jesus und Maria. Übrigens habe ich noch nie soooo viele Schlusssteine in einer Kirche gefunden wie in der Michaelskirche in Waiblingen, 28 Stück.

Nicht vorenthalten möchte ich euch eine Sage, von der sich um den Hohenstaufen sehr viele ranken.

Sagen um Göppingen und den Hohenstaufen

Zur damaligen Zeit hausten auf dem Hohenstaufen Riesen, die Heiden waren. Denen gefiel natürlich gar nicht, dass die edlen Damen die Oberhofenkirche haben erbauen lassen. Als die Kirche fertig war, warfen die drei Riesen eine eiserne schwere Kugel, um die Kirche in Schutt und Asche zu legen. Sie trafen auch, und zwar den Turm der Kirche und zerstörten den oberen Teil.
Jedesmal, wenn man die Kugel wegtragen wollte, war sie wie von unsichtbarer Hand wieder im Turm zurück. Erst als die Riesen tot waren, konnte man die Kugel aus dem Turm nehmen. (Man kann sie im städtischen Museem besichtigen.)

Wie immer gibt es mehrere Varianten, denn eine andere sagt, Kaiser Friedrich I. Barbarossa hätte im Übermut die Kugel vom Hohenstaufen gegen die Sonne geschossen und damit den Kirchturm getroffen.

Sucht euch eine aus 🙂

Schwäbische Sagen

gefunden bei Geisterspiegel.de

Es geht weiter mit den ‘Schätzchen’

die Chorfenster und das Chorgestühl in der Oberhofenkirche

gemeinsam mit dem Holzkruzifix über dem Altar ist eine Verbindung von Alt und Neu. Etwa um die Zeit von 1510 stammt das Holzkreuz, das Chorgestühl wird der Spätgotik zugeordnet.

1938 begann Vater Kohler mit der Gestaltung der Chorfenster, die 45 Jahre später der Sohn vollendete. Farbenfroh sind sie, und Kirchenfenster ziehen schon immer meine Blicke an, denn sie erzählen Geschichten. Die gigantisch schönsten Kirchenfenster habe ich im Veitsdom in Prag gesehen. Im mittleren Chorfenster wird der Weg Christi gezeigt, links die Schöpfung, den Friedensbund und die Verheißung. Das rechte Fenster symbolisiert das Wirken des Geistes Gottes.

Zwei Bilder im Chorraum der Oberhofenkirche in Göppingen

schreien förmlich nach einer Erklärung.
Auf der linken Seite wird auf die Niederlage im Schwäbischen Bund Stellung genommen. Der Schwäbische Bund, ein Zusammenschluss der Reichsstädte, mit dem Ziel deren Rechte zu sichern. Bis Kaiser Karl IV. was anderes im Sinn hatte, der wollte nämlich seinen Sohn Wenzel noch während seiner Regentschaft zum römisch-deutschen König gewählt sehen. Dafür musste er aber Kurfürsten und andere, die das Sagen hatten ein bisschen bestechen, finanziell oder territorial. Diese Ausgaben musste er sich dann von irgendwoher wieder in den Säckel holen. Und das wollte er mit höheren Abgaben der Städte erreichen. Tja, damals war wohl jedes Mittel recht. Über Karl IV., der mir an allen Ecken und Enden in Prag über den Weg gekommen ist, könnt ihr in meinen Berichten zu Prag mehr lesen. Fakt war aber, dass sich die Städte das nicht gefallen ließen und gegen den Eintreiber vorgingen. Und das war natürlich nicht der Kaiser direkt, sondern die jeweiligen Landesherren, die vom Kaiser in diese Ämter berufen wurden. Es gab Kriegerles und schlussendlich wurde der Schwäbische Bund aufgelöst.

Das rechte Bild ist ein Epithaph und zeigt Anna von Degenfeld.
Ihr Vater, Christoph von Degenfeld wirkte als Obervogt in Göppingen. Seine Tochter Anna stand als Äbtissin einem adligen Damenstift vor. Verstorben ist sie in Göppingen.
Ganz ehrlich, ich wusste bis zu meiner Challenge “Heimatkunde” nicht, dass es in meinem Heimatumfeld nur so von Adelsgeschlechtern wimmelt. Degenfeld ist ein Teilort von Schwäbisch Gmünd.

Chorbild in der Oberhofenkirche Göppingen 0204
Epithaph Oberhofenkirche Göppingen_0199

So ziemlich in allen bisher von uns besuchten Kirchen finden sich, wie hier

Epitaphien in der Oberhofenkirche Göppingen

Mal einfach und schlicht, mal aufwändig und als wahre Kunstwerke, so wie in der St. Michael Kirche in Schwäbisch Hall. Auch die Epitaphien hier in der Oberhofenkirche sind die nächsten ‘Schätzchen’, die in der Kirche zu finden sind.

Epithaph in der Oberhofenkirche Göppingen 0213

Wie individuell und aufwändig diese gestaltet sind zeigt das Gedenken an den Sohn eines Göppinger Bürgermeisters, Hans Härlin. Wunderschön bemalt, mit einem Bibelspruch versehen, die Familie des Verstorbenen mit ihren Kindern. Etwa so um 1630 dürfte es erstellt worden sein.

Epitaphe sind Grabdenkmale zum Gedenken an Verstorbene, die Familien der Stifter und Gönnern der Kirche, oder von meist verdienten Bürgern der Stadt haben erstellen lassen.

Meistens werden sie in der Kirche an einer Wand oder einem Pfeiler platziert. Im Spätmittelalter ist diese Ehrung der Verstorbenen entstanden. Einzigartig ist eine Sammlung von gußeisernen Epitaphien im ehemaligen Klosterbereich in Königsbronn.

Schaut mal, wie schön diese in der Oberhofenkirche sind …

In den beiden Seitenkapellen wurde ich dann mit der Stuckdecke endgültig versöhnt. Wunderschön verziertes

Rippengewölbe mit Schlußsteinen in der Oberhofenkirche

die ich für euch mit dem Teleobjektiv ein bisschen näher geholt habe. Hach ja, meine ‘geliebten’ Schlusssteine, die immer so schön gestaltet sind …

Sie ist wirklich sehenswert, die Oberhofenkirche in Göppingen.
Rings um die Kirche ein Ort der Ruhe. Hier wurde der

alte Friedhof bei der Oberhofenkirche

mit den alten Grabsteinen liebevoll renoviert. Ein Übersichtsplan zeigt, wer wo damals seinen Platz zur letzten Ruhe gefunden hat.

Heilig-Kreuz-Kapelle bei der Oberhofenkirche Göppingen 0243

Die Heilig-Kreuz-Kapelle bei der Oberhofenkirche in Göppingen

Sie ist das älteste kirchliche Denkmal in Göppingen und wird in einer Urkunde von 1431 erwähnt. Sie war nicht immer ‘nur’ Friedhofskapelle, sondern, auch wenn sie klein ist, eine richtige Kirche in der damals auch die Messe gelesen wurde.

Heute steht nur noch der Chor der Kapelle hier, und dient als würdiger Raum für Ausstellungen.

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