Am ältesten Platz von Prag, auf dem Altstädter Ring, mitten im Zentrum der Altstadt findet sich das Altstädter Rathaus (Staroměstská radnice). Ein besonderer Besuchermagnet ist die weltbekannte Astronomische Uhr (Staroměstský orloj), an der Südmauer des Rathauses.

Fast täglich sind wir auf dem Weg zu und zurück von unseren Erkundungen am Altstädter Rathaus vorbei, über den Altststädter Ring, zu unserer Ferienwohnung am Rand der Altstadt gelaufen. Dieser riesige und bedeutendste Platz in Prag ist außer dem Alten Rathaus von vielen weiteren historischen Gebäuden aus unterschiedlichen Stil-Epochen umgeben. Direkt am Rathaus vorbei führte der historische Krönungsweg der böhmischen Könige hinauf auf die Prager Burg.

Altstädter Ring? Als ich im Vorfeld diesen Begriff las, assoziierte ich damit eine breite Ringstraße. Befahren von vielen Autos, so wie ich den Begriff ‚Ring‘ aus vielen anderen Städten kannte. Pustekuchen – nix mit Autos. Es ist der schönste Platz in Prag – und er lebt! Er war auch in Corona Zeiten gehörig mit Leben gefüllt, und das war nicht nur dem Alten Rathaus mit seiner Astronomischen Uhr geschuldet. Ausführlich lest ihr über den Altstädter Ring in einem anderen Beitrag.

Die Geschichte zum Altstädter Rathaus

Einfach mal so ein Rathaus zu bauen, ging in früherer Zeit nicht, Da bedarf es schon der Genehmigung des Königs. Diese wurde 1338 auch durch König Johann von Luxemburg erteilt, denn finanziert wurde es aus der Weinsteuer. König Johann v. Luxemburg wurde 1310 als 14-jähriger von Heinrich VII. mit dem Königreich Böhmen belehnt. Damit aber noch nicht genug. Am gleichen Tag wurde er auch noch in Speyer (eine der ältesten Städte Deutschlands) mit Prinzessin Elisabeth von Böhmen vermählt. Zack, da haste also ein Land zu regieren. Im Oktober siedelte er nach Böhmen über, während sein Vater in einem Italienfeldzug dort nach der Kaiserkrone schielte.

Zwei Herren aus Franken wurden dem minderjährigen Jüngelchen zur Seite gestellt, der zur Eroberung auszog. Er wollte zuerst die damals reichste Stadt Kuttenberg erobern, was ihm nicht gelang. Auch der nächste Versuch misslang, und als Johann dann endlich in Prag ankam, wo er am 7. Februar 1311 zum König gekrönt wurde, hatte er immer noch nichts erobert. Irgendwie hatte er es als König in Böhmen nicht leicht, zumal für ihn auch 1313 noch ein Unglücksjahr wurde. Aus dem Italienfeldzug kamen weder sein Vater, noch seine Mutter und Onkel wieder zurück. Johann mittlerweile 17 Jahre alt, Vater einer Tochter, schaffte es auch nicht, Nachfolger seines Vaters als römisch-deutscher König zu werden.
Auch In Böhmen schaffte es Johann nicht, seine Macht stärker werden zu lassen – wie denn auch, wenn er kaum im Land war und meinte, er müsse in mehreren anderen europäischen Konflikten mitmischen.
Durch eine Erbkrankheit erblindete Johann von Luxemburg 1337 erst auf dem rechten Auge und verlor drei Jahre später auch das linke Auge. Ab da hieß er Johann der Blinde.
Einer Überlieferung zufolge fiel der blinde Johann 1346 in einer Schlacht. Da sich sein Sohn aus nicht geklärten Umständen einfach vom Schlachtfeld entfernte, ritt Johann praktisch schutzlos ins Kampfgeschehen und wurde erschlagen.

Zurück zum Bau des Altstädter Rathauses – es wurde also anstelle mehrerer Bürgerhäuser mit der Genehmigung des Königs erbaut. Durch Zukauf von Nachbarhäusern konnte es erweitert werden und die städtische Selbstverwaltung wurde gestärkt. In der Folge entwickelte sich der Altstädter Ring um das Rathaus zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Altstadt.
Die Bedeutung der Altstadt wuchs unter Kaiser Karl IV. weiter, der Prag zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches ernannte.

 

An diese Zeit erinnert eine Aufschrift über einem Renaissancefenster eines Hauses, das im 14. Jahrhundert Teil des Rathauses wurde: praga caut regni – Prag, die Hauptstadt des Königreiches.

Der Sitzungssal fand in einem weiteren Haus Platz, mit dem der Bau an der Westseite vergrößert wurde. 1364 wurde der knapp 70 Meter hohe Turm fertiggestellt. Bis ins 19. Jahrhundert wurde an ihm aber erweitert und umgebaut.

Schwabenland meets Prag 😀 😀 – jetzt bricht der Heimatstolz aus mir raus! Aber sooooowas von – denn der berühmte

Prager Baumeister Peter Parler

errichtete die Rathauskapelle im Turm. Er, der u.a. auch für den St. Veits Dom auf der Prager Burg und der Karlsbrücke verantwortlich ist. Das ist ein Schwäble!! Aus meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd. Hier hat er sich mit seinem Vater mit unserem Hl. Kreuz-Münster – der größten gotischen Hallenkirche Südwestdeutschlands – einen Namen geschaffen. Geboren wurde er 1330 oder 1333 (nix genaues weiß man nicht) in Schwäbisch Gmünd in eine Baumeisterfamilie. Und wie alle in der Familie lernte er auch den Beruf Steinmetz.
1356 hielt sich Kaiser Karl IV. einige Tage im Schwabenland, und auch in Schwäbisch Gmünd, auf und kam so in Kontakt mit Peter Parler, der an unserem Münster zugange war. Er wurde vom Kaiser als Dombaumeister nach Prag berufen und erhielt 1358 den Auftrag, die Karlsbrücke über die Moldau zu bauen. 16 halbrunde Bögen von 25 Metern Spannweite und über 500 Meter lang, ein technisches Meisterwerk in dieser Zeit, was bis dahin nicht für machbar gehalten wurde. Zu dieser herrlichen Brücke könnt ihr in einem weiteren Beitrag lesen.

Peter Parler wurde heimisch in Prag, erwarb sich dort mehrere Häuser und scheint bis ins Greisenalter aktiv tätig gewesen zu sein. Viele seiner Werke fielen jedoch den Hussitenkriegen zum Opfer, seine Bildhauerschule wurde aufgelöst. Er verstarb am 13. Juli 1399 in Prag.

Bei einem Besucherrundgang kann man den Turm und verschiedene historische Säle bewundern. Wir haben auf eine Besichtigung verzichtet, bzw. wir haben nicht nachgefragt ob während Corona-Zeit überhaupt welche stattfinden. Dies könnt ihr aber ganz einfach in einem Büro im Rathaus erfragen.
Im Juni 1621 wurde der Platz vor dem Rathaus Schauplatz öffentlicher Hinrichtungen. Gleich 27 Anführer des Böhmischen Ständeaufstandes wurde auf dem Platz hingerichtet. 27 Kreuze im Straßenpflaster erinnern an sie.

Das Alte Rathaus wird Verwaltungssitz

Prag bestand bis 1784 aus vier selbstständigen Städten, was sich jedoch in diesem Jahr änderte. Die Städte Hradschin, Kleinseite, Altstadt und die Neue Stadt verbanden sich zu einer Stadt, das Rathaus wurde Verwaltungssitz.
Auch das Rathaus erlebte in der Folge aufregende Zeiten. Es wurde zerstört und wieder aufgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg umfassend restauriert. Von einem ehemaligen Anbau blieb nach einem Brand nicht mehr viel übrig. An dieser Stelle ist heute ein kleiner Park mit einer Gedenkstätte.
Uns hat er bei einer Pause herrlichen Schatten gespendet. Ich sags euch – wir hatten Kaiserwetter in dieser Woche. Manchmal fast zuuuuu heiß, und auch ein kleines Gewitter hat da nicht zur Abkühlung beigetragen. Aber das wäre Meckern auf hohem Niveau, gell 😀 (achja, wundert euch nicht über die diversen Himmel auf den Fotos, da wir fast täglich über den Platz gingen, hab ich immer wieder einen anderen Blickwinkel entdeckt und festgehalten 🙂 )

Heute bietet sich das Rathaus auch als perfekte Kulisse zum Heiraten an.

Besuchermagnet: Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus

In einem Anbau des Rathausturms befindet sich diese Uhr ab dem Jahr 1410. Sie vereint gotische Wissenschaft und Technik gleichermaßen.
Die Skuplturen um das Ziffernblatt stammen von Peter Parler, Die Uhr war nicht auf einmal da, sie wuchs im Laufe von Jahrhunderten. Das mechanische Uhrwerk mit dem astronomischen Zifferblatt ist von 1410 der älteste Teil der Uhr. Etwa um 1490 kam in einer zweiten Phase ein Kalender dazu.

Wann die oberen beiden Fensterchen oberhalb des astronomischen Zifferblattes dazu kamen ist nicht genau belegt. Man weiß lediglich sicher, dass die Apostelfiguren seit 1860 existent sind.

Und jetzt kommt das Schauspiel, das stündlich massig Besucher anzieht – zu jeder vollen Stunde (zwischen 9 und 21 Uhr) öffnen sich die Türchen und man sieht die 12 Apostel vorbeiziehen. Auch die anderen Figuren an den Zifferblättern bewegen sich in dieser Zeit. Aber man muss schon genau hinschauen, es geht ratzfatz, und dann ist das Schauspiel vorbei. Ich habe mir das auch angetan – und konnte fast keinen der 12 Apostel richtig erkennen. Die laufen nämlich hinter den Fenstern vorbei, kommen aber nicht etwa aus den Fenstern heraus. Hmm … ganz ehrlich, wenn unser Gang zu einer vollen Stunde über den Platz geführt hat, wir haben einen großen Bogen um die Uhr, bzw. die Menschen davor, gemacht. (Wobei sich aufgrund Corona insgesamt die Touristen in Prag in Grenzen gehalten haben. Ich war angenehm überrascht, fast könnte man sagen – es war leer, wenn man Berichte über die Touristenströme so liest.)

Ich finde die Astronomische Uhr als solches sehr sehenswert, das ja! Den Hype um die volle Stunde kann ich persönlich aber nicht so richtig nachvollziehen.
Die Uhr zeigt insgesamt vier verschiedene Zeiten an:
Mittels der römischen Ziffern am Sphärenrand vom Sonnenzeiger wird die Mitteleuropäische Zeit angezeigt.
In der Altböhmischen Zeit beginnt ein neuer Tag mit dem Sonnenuntergang. Dieser wird mit goldenen, gotischen Ziffern auf einem Ring angezeigt.
Die Babylonische Zeit ist vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, demzufolge sind im Winter die Stunden kürzer. Weltweit ist die Astronomische Uhr in Prag die einzige Uhr, welche diese Zeit messen kann.
Die Sternenzeit wird durch die römischen Ziffern angezeigt.

Im unteren Teil gibt ein Kalenderziffernblatt den Tag an und welche Position er in der Woche hat. Desweiteren den Monat und das Jahr.

Auch wenn ihr es nicht zur vollen Stunde vor die Uhr schafft, schaut euch die Figuren auch im Ruhezustand ruhig genauer an. Ich finde sie sehr ausdrucksstark. So ist das Skelett, das den Tod verkörpert, in der Linken eine Sanduhr und während er diese umdreht zieht er mit der rechten Hand am Sterbeglöckchen. Alle vier Figuren am Rand des oberen Uhrenblatts sollen uns ermahnen, unsere Lebenszeit nicht zu vergeuden und symbolisieren neben dem Tod, die Eitelkeit, die Raffgier und das Heidentum. Oder am unteren Teil weist der Erzengel Michael mit Schwert und Schild auf das jüngste Gericht hin.
Ist das Schauspiel vorbei, flattert und kräht der Hahn ganz oben.
Die Astronomische Uhr ist schon eine Meisterleistung, die seinesgleichen sucht.

Die Rathausbehörde zieht um in Neue Rathaus

Ab 1911 hat das Altstädter Rathaus als Rathausbehörde ausgedient. Die Behörde bezieht ihre neuen Räume im Neuen Rathaus in Prag ein paar Straßenzüge weiter. Das prachtvolle Jugendstilgebäude war Kulisse für den Film „Kafka“.

Übrigens wartet auf der linken Seite des Neuen Rathauses noch jemand auf seine Befreiung:
Eine eiserne Ritterstatute erinnert an eine Sage von einem Plattner und seiner Tochter. Ein Ritter soll sich in das Mädchen verliebt haben, die jedoch seine Liebe verschmähte. Sie überlebte diese Verschmähung nicht – er tötete sie mit seinem Schwert. Bevor sie jedoch starb, stieß das Mädchen noch einen Fluch gegen ihn aus. Er würde sich in Eisen verwandeln und nur ein Gespräch mit einem unberührten Mädchen alle hundert Jahre könne ihn von diesem Fluch befreien. Schaut mal, wenn ihr am Rathaus vorbei kommt, ob er immer noch steht 😉

 

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So findet ihr zum Altstädter Rathaus in Prag (Prag 1)