Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der seine Bauwerke im gotischen Stil geschaffen hat, ist einer der bedeutendsten Dombaumeister des Mittelalters.

Da kam er wieder hoch im St. Veits Dom in Prag – der Heimatstolz. Denn der Baumeister dieses weltbekannten Doms kommt aus meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd. Und deshalb hat er sich jetzt einen eigenen Beitrag in meinem Reiseblog mal wirklich verdient.

Als ich den St. Veitsdom betrat war ich ganz klar im ersten Moment einfach nur überwältigt. Diese Größe, das Bauwerk als solches – einfach gigantisch. Im zweiten Moment konnte ich mir aber vorstellen, dass unser Hl. Kreuz Münster in Schwäbisch Gmünd wie so der kleine Bruder des Doms wirkt. Denn eins haben die beiden Bauwerke nämlich gemeinsam, ihren Erschaffer.

Das Leben des Peter Parlers

Wann er genau geboren ist – keiner weiß es. Es soll so um 1330 gewesen sein, als er in Schwäbisch Gmünd in eine Baumeisterfamilie hinein geboren wurde. Wirklich genaues über seine Jugendzeit, ist selbst in seiner Geburtsstadt, nicht wirklich bekannt. Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm – oder, wie der Vater so der Sohn. Da sein Vater Heinrich als Steinmetz am Kölner Dombau beschäftigt war, erlernte auch der Sohn den Beruf des Steinmetz in Köln. Auch sein älterer Bruder Johann war Baumeister. Und wie könnte es anders sein, Peter Parler heiratete auch die Tochter eines Baumeisters. Mit seiner Frau bekam er drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne.

Und man kann es bereits ahnen, die beiden Söhne Johann (der Jüngere) und Wenzel traten ebenfalls in die Fußstapfen des Vaters.
Und wie kommt jetzt ein Schwäble zum Auftrag für solch ein bedeutendes Bauwerk? 1356 war Kaiser Karl IV. zu Gast im Schwabenland und verbrachte auch einige Tage in Schwäbisch Gmünd. Er arbeite zu dieser Zeit am Hl. Kreuz Münster, gemeinsam mit seinem Vater Heinrich und seinem Bruder Johann. Unser Münster ist die größte gotische Hallenkirche in Südwestdeutschland und hat für mich persönlich eine große Bedeutung. Denn sie war die Kirche, in der ich zur ersten Hl. Kommunion ging, feierlich meine Firmung erlebte, die goldene Hochzeit meiner Eltern wurde dort gefeiert – aber auch die traurigen Ereignisse wie die Trauerfeier für meinen Vater, Tante und Onkel wurden dort abgehalten. (Nur für meine Hochzeit bin ich ‚ausgewandert‘ in den Heimatort meines Ex-Mannes.)

Zurück aber wieder zu Peter Parler, der bei diesem Besuch von Karl IV. als Dombaumeister nach Prag berufen wurde. Sein bisheriger Dombaumeister Matthias von Arras war verstorben, er brauchte einen Nachfolger. Vom Kaiser bekam er den Auftrag, anstelle einer bisherigen Steinbrücke, die Karlsbrücke über die Moldau zu bauen. Sie wurde ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht – und weltberühmt.
Peter Parler siedelte sich in Prag an, besaß dort ein Haus und seine Kinder kamen in Prag zur Welt. Nach dem Tod seiner ersten Frau, heiratete er wieder und – neue Ehe, neues Haus. Irgendwie denke ich immer, dass es nur in neuerer Zeit zu Streitigkeiten ums Geld kommt. Als Peter Parler seine beiden Häuser seiner zweiten Frau und der Tochter vermachte, wurde gerichtlich gestritten.

Sein Sohn Johann Parler, der Jüngere, blieb in Prag und leitete nach dem Tod des Vaters die Arbeiten am Veitsdom weiter. Er schuf aber auch seine eigenen Werke, so der Dom der heiligen Barbara in Kutná Hora (heute UNESCO-Welterbe). Ich werde euch von diesem Dom berichten, denn er steht ganz oben auf unserer Besuchsliste beim nächsten Besuch in Tschechien. Auch sein zweiter Sohn Wenzel Parler blieb noch einige Zeit in Prag und wirkte ebenfalls am Bau des Veitsdoms mit. Es zog ihn dann aber wieder nach Deutschland zurück und machte sich hier, wie auch in Wien einen Namen als Baumeister.

Peter Parler starb am 13. Juli 1399 in Prag.

Jetzt zu einigen Werken von Peter Parler, allen voran natürlich meine Heimatkirche,

das Hl.-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd

Die Ausmaße sind schon gewaltig – 51 Meter hoch und 78 Meter lang. Da Schwäbisch Gmünd in einer kleinen Talsenke liegt, ist das Münster von allen umliegenden ‚Bergen‘ über die Stadt sichtbar. Nein, Berge ist jetzt vielleicht übertrieben, da sich die Stadt im Altstadtkern nicht mehr ausbreiten kann, wurden auf den Höhen rings um Schwäbisch Gmünd die Stadtteile angesiedelt.
Insgesamt – Werbung für meine Heimatstadt 😀 – lohnt es sich unsere Gegend zu entdecken. Mehr lest ihr bei ‚Meine Heimat.‘

Der Veitsdom in Prag

wurde zunächst vom französischen Baumeister Matthias von Arras begonnen. Nach seinem Tod war Kaiser Karl IV., wie oben schon erwähnt, auf der Suche nach einem Nachfolger, den er in Peter Parler fand. Ab 1352 setzten er und seine Söhne den Bau fort. Er konnte jedoch die Fertigstellung nicht mehr erleben, der Bau dauerte über Jahrhunderte.

Die Karlsbrücke in Prag

samt dem Altstädter Brückenturm, zählt ebenso zu seinen bedeutenden Bauwerken.

1357 wurde der Grundstein für diese berühmte Brücke über die Moldau gelegt. 510 Meter lang, 10 Meter breit, im gotischen Stil und eine Meisterleistung mit den 16 Bögen, die über die Moldau gespannt wurden.

Auch am

Altstädter Rathaus in Prag

war Peter Parler mit dem Bau der Rathauskapelle beteiligt.

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