Über Prag liegt im Stadtteil Hradschin die barocke Klosteranlage von Kloster Strahov (Strahovský klášter). Sie bietet neben einer großen Ausstellung, die wunderschöne Klosterbibliothek und die Basilika Mariä Himmelfahrt.

In unserem vierwöchigen Aufenthalt in Prag im Oktober 2021 war ein Tag nur für die beiden Klöster auf dem Hradschin reserviert – das Kloster Strahov und der Wallfahrtsort Prager Loreto. Man muss ja nicht immer mit einem Besichtigungsmarathon übertreiben, was ja oft ungeplant bei unseren Reisen passiert. „Wenn wir da schon in der Ecke sind, wir könnten doch?“ Diese drei Wörtchen enden dann meist im Tun. Vor allem in Prag gibt es halt aber auch so viele interessante Besichtigungsobjekte. Aber dieser Satz „wir könnten doch“ stand heute überhaupt nicht zur Diskussion, geschweige denn ein ausschweifender Besichtigungstag, sind ja nur zwei Besichtigungsziele. Tja, war dann aber doch ein klarer Fall von Denkste, um das Ende des Tages gleich an den Anfang zu holen.

Unsere Ferienwohnung lag in Prag 6 etwas außerhalb des Hauptzentrums von Prag. Für uns überhaupt nicht störend, dass wir dann schonmal 40 Minuten mit Metro oder S-Bahn an unser Ziel brauchten. In der Zeit gab es soooo viel zu entdecken. Heute blieben wir auf der Höhe und in Pohořelec war Schluss mit rumkutschieren – aussteigen hieß es. Über den behäbigen Pohořelec Platz, auf dem das Leben stillzustehen scheint, und nichts von irgendwelcher Hektik in der Innenstadt nach oben schwappt, geht es Richtung Kloster Strahov. Häuser im Rokoko- und Barockstil säumen den Platz, aber irgendwie habe ich das Gefühl, sie scheinen dort vergessen geworden zu sein, so verfallen wie sie teilweise aussehen. Und das unweit des Prager Schlosses. Aber vielleicht deshalb zählt dieser Flecken nicht zu dem, der von unzähligen Touristen heimgesucht wird? Denn von der Prager Burg kommt man auch auf anderem Wege herüber zum Kloster.

Ein paar kleine Cafés laden Gäste ein, Einkaufsläden? Fehlanzeige. Aber doch habe ich einen kleinen Touristenladen entdeckt, der mit allerlei Souveniers lockt. Mich hat er nur deshalb gelockt, weil ich auf allen unseren Ausflügen Ausschau nach „dem kleinen Maulwurf“, der in Tschechien das Licht der Welt erblickt hat, hielt. Den kleinen putzigen Kerl habe ich als Mitbringsel für meinen kleinen Enkel auserwählt. Und genau in diesem kleinen Laden wurde ich fündig 🙂

Jetzt kommt aber mit zu

meiner Besichtigung von Kloster Strahov (Strahovský klášter) auf dem Hradschin in Prag

In die Klosteranlage gelangt man auf verschiedenen Wegen. Ein kleiner Treppenweg führt von einer Straße hinauf ins Kloster, von der Prager Burg führt eine kleine Straße herüber, aber üblicherweise nimmt man dann doch den

Haupteingang in die Klosteranlage von Kloster Strahov in Prag

Vermutlich ist das auch der älteste Eingang. 1674 wurde dieses umgestaltet, dann aber bei der französischen Belagerung 1742 schwer beschädigt. 1752 wurde das neue Tor mit dem Gründer des Prämonstratenserordens, der Orden des Kloster Strahov, versehen – der hl. Norbert von Xanten. Ihm zur Seite zwei Helferlein, die seine Attribute tragen. Der Bildhauer dieser Statuen ist im Kloster Strahov und auch im Prager Loreto kein Unbekannter, Jan Antonin Quitainer war da fleißig am Werk.

Der Zugang und die Blicke von der Prager Burg.

Noch bevor es zur eigentlichen Besichtigung im Kloster Strahov geht, lohnt es sich in der Anlage ein bisschen umzuschauen. Man findet den Hl. Norbert wirklich an allen möglichen Stellen.

So auch kurz nach dem Haupttor auf einer hohen Säule, die 1631 in den Hof von Kloster Strahov fand.

Blick auf Kloster Strahov von der Prager Burg 0239
zugang zu kloster strahov richtung prager burg prag 9597

Auch meinen ‚Muckl‘, wie ich ihn liebevoll seit meinem Besuch im Juni 2020 in meinen Gedanken nenne, den Hl. Johannes Nepomuk finde ich im Klosterhof von Kloster Strahov.

Und noch einmal der Hl. Norbert an der Fassade des Klostergebäudes. Bei so geballter Sichtbarkeit, muss ich euch jetzt doch gleich ein bisschen was

aus dem Leben des Hl. Norbert von Xanten, der Namenspatron von Kloster Strahov

berichten, der sich auch unter den 30 Brückenheiligen auf der Prager Karlsbrücke befindet. Zu früheren Zeiten konnte man nicht mal in einer Adelsfamilie selber bestimmen, was man tun wollte. So erging es auch Norbert, der so um 1082 als zweiter Sohn in eine solche hineingeboren wurde. Mit 12 Jahren kam er nach Xanten in ein Klosterstift. Er lebte jedoch frei jeden Ordens zwischen den Mönchen des Benediktinerordens. Bedeutet, er trug seine Adelskleidung, musste nicht fleischlos leben und durfte eigenes Vermögen besitzen. Mit diesen Freiheiten eines weltlichen Lebens wurde er Subdiakon des Erzbischofs von Köln. Er wurde Berater und Hofkapellan von König Heinrich V., der ihn 1110 nach Rom mitnahm, dort den Papst gefangen nahm, um so seine Krönung zum Kaiser zu erzwingen. Puhh, das war Norbert vermutlich dann doch eine Aktion zuviel, auch weil er zunehmend die Machtspielchen zwischen Kirche und dem Kaiser/König, halt mit der Obrigkeit, mitbekam. Er ging zunehmend auf Abstand.

Seine völlige Umkehr hat er aber einem Blitz zu verdanken, der auf einem Ritt von Xanten ins Münsterland direkt neben ihm einschlug. Wenn das mal kein Zeichen ist? 1115 soll es gewesen sein, als er seine guten Anstellungen beim Erzbischof und Kaiser aufgab, sein Vermögen an die Armen verschenkte und in Siegburg das richtige Klosterleben kennenlernen wollte. Er wurde zum Priester geweiht und zog barfuß und in Armut als Prediger durch die Lande. Es kann der frömmste Mensch nicht in Frieden leben – er musste beim Papst Rede und Antwort stehen. Schlussendlich bekam er dann aber alle Vollmachten als Missionar.

Maria soll ihm im Traum eine Kapelle gezeigt haben, in der Norbert 1120 mit 13 anderen Männern ein Kloster gründete. In Gemeinschaft mit Dienst am Nächsten und in Armut wollten sie leben, der Prämonstratenserorden war geboren. Als Gewand wählten sie das weiße Bußkleid. Wollt ihr noch mehr über sein Leben und Wirken nachlesen, dann klickt einfach HIER. 1134 verstarb Norbert in Magdeburg an Malaria und wurde dort auch zunächst beigesetzt. Um seine Gebeine im Dreißigjährigen Krieg vor der Vernichtung zu retten, überführte man ihn 1627 in die Kirche Mariä Himmelfahrt im Kloster Strahov. Der Landespatron von Böhmen und des Magdeburger Landes wurde 1582 selig, 1621 dann heilig gesprochen.

Los geht es mit der Klosterbesichtigung, von der ich Anfangs dachte – das wird einfach eine Ausstellung sein. Klarer Fall von Denkste (wie des Öfteren am heutigen Tag). Schon am Anfang der Besichtigung war ich hellauf begeistert, denn so habe ich noch nie die Geschichte eines Klosters, Kirche und Orden erklärt gesehen. Ich stand eine Weile vor dieser Animation.

Geschichtliches und Kirche Kindgerecht im Kloster Strahov in Prag erklärt

Ein Übersichtsplan darf natürlich auch nicht fehlen. Deshalb ist dieser Rundgang durchaus auch mit Kindern empfehlenswert. Seht selber ….

uebersichtsplan kloster strahov prag 9656
Modell von Kloster Strahov Prag 0402
paradieshof kloster strahov prag 9684

Ein Schwimmbad im Klosterhof? Man könnte es fast meinen, mit diesem Blick vom überdachten Kreuzgang hinaus in den Paradieshof des Kloster Strahov. Bei Grabungen wurde die Fundamente dieses romanischen Bades entdeckt. 13 x 11 Meter, diese Maße weist das Bad, das Anfang der 1990er Jahre renoviert wurde, auf.

Der Kreuzgang im Kloster Strahov (Strahovský klášter) in Prag

wurde Ende des 16. Jahrhunderts rekonstruiert. Ob er heute auch noch 40 Meter lang ist? Ich habe es nicht nachgemessen. Dazu gab es viel zu viel dort zu entdecken. Das romanische Mauerwerk, typisch in Blocksteinen, blieb erhalten. Zum Innenhof wurde der Kreuzgang verglast. Statuen und Bilder aus dem Leben des Hl. Norbert sind da genauso zu bewundern, wie viele weitere Schätze. Seht selber ….

Bevor es im Rundgang, der es jetzt in sich hat, weitergeht, gibt es

ein bisschen Geschichte zu Kloster Strahov (Strahovský klášter) in Prag

die ins Jahr 1140 und zu Herzog (später König) Vladislav II. zurück geht. Ihn könnte ich auch meinen Stauferspuren zuordnen, auf denen ich ja in meinem Reiseblog auch unterwegs bin. Kein Wunder, lebe ich doch im Stauferland. Da lief bei einer Schlacht ein Verrat innerhalb seines Heeres, und er erhoffte sich Hilfe vom Stauferkaiser Konrad III. Es ging dann nochmal alles glimpflich aus, was auch der Zusammenarbeit mit dem Bischof von Ölmütz, Heinrich Zdik, zu verdanken war. 1147 schlossen sich beide auch dem Zweiten Kreuzzug von Kaiser Konrad III. nach Palästina an. Beide kamen aber nicht weit, der Bischof nahm gar nicht teil, weil er mit einem anderen Kreuzzug beschäftigt war, Vladislav wandte sich nach einem Teil des Weges auch einem anderen Kreuzzug zu.

Obwohl der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa Vladislav nicht als erste Wahl zum König sah, bekam er dann doch die Krone aus den Händen des Kaisers. Ihr könnt Vladislav auch bei meinen Berichten zur Karlsbrücke, der Kleinseite und der Kirche St. Maria unter der Kette auf der Prager Kleinseite folgen. Nach Vladislav zweiter Frau, wurde die Judithbrücke (heute Karlsbrücke) benannt. Unter seiner Herrschaft blühte Böhmen und Prag auf. Und so war er dem Vorschlag des Ömützer Bischofs nicht abgeneigt, über Prag ein Kloster zu errichten. 1140 war es soweit, und 1143 zogen die ersten Mönche des Prämonstratenser-Ordens über Prag im Kloster Strahov ein.

Den Platz wählte der Bischof, denn er sah sich dort über Prag mit dem ringsum verlaufenden Gebirge, im geistigen Auge nach Jerusalem versetzt. Zudem lag es auf dem Weg zur Prager Burg, dem Sitz der Fürsten und Könige. Ein Name war schnell gefunden, denn der Weg zur Prager Burg war mit einem Wachtposten gesichert, der sich genau an dieser Stelle befand. „Wache halten“ – „strahovati“.

Durch Unachtsamkeit eines Klosterbruders fiel das Kloster 1258 einem Brand zum Opfer. Fünf Jahre später war aber dieser Schaden behoben und man lebte weitgehendst ungeschoren bis 1420 die Hussitenkriege durch das Land tobten. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts musste das Kloster mit Plünderungen und Widrigkeiten klar kommen, was nicht so recht gelang und das Kloster fast vor dem Niedergang stand. 1586 erhoffte man sich mit der Berufung von Jan Lohelia zum neuen Abt von Kloster Strahov wieder einen Aufschwung, was ihm auch gelang. Karriereleitern beenden aber so manche Ära, dafür tun sich für andere Ordensbrüder neue auf. Die prachtvolle Entwicklung des Klosters wurde auch durch den neuen Abt fortgesetzt. Abt Questenberg sorgte auch dafür, dass die sterblichen Überreste des Ordensgründers der Prämonstratenser, der Hl. Norbert, von Magdeburg nach Kloster Strahov überführt wurden.

Wenn Mauern reden könnten, das würde bestimmt ein ganzes Buch füllen, was die Klostermauern alles erlebt haben. Ab 1614 wurde das Kloster im Barockstil umgestaltet, um sich dann doch wieder vor neuen Kriegen und der französischen Belagerungs Prag fürchten zu müssen. Und dann musste es auch noch vor den Reformen von Kaiser Joseph II. gerettet werden. Sorry, ich mag ihn nicht wirklich. Denn neben seinem absolutistischem Regierungsstil ließ er viele Kirchen, Klöster und Orden auflösen. Ganz geschickt hat ihm der Abt da aber die Suppe versalzen. Denn der nächste Abt Wenzel Mayer hat kurzerhand die Klosterbibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und vereitelte damit den Untergang.

Damit ihr wisst, von was ich hier schreibe, ein kurzer gedanklicher Ausflug ins Nachbargebäude,

der Klosterbibliothek im Kloster Strahov in Prag

über das ihr in meinem ausführlichen Bericht dazu mehr lesen könnt. Und natürlich noch weit mehr Fotos von den gigantischen Büchersälen sehen könnt.

Kommt mit in den ältesten erhaltenen romanischen Saal im Kloster, in

die Ausstellung über den Prämonstratenser-Ordensgründer Hl. Norbert im Kloster Strahov in Prag

Aus Ende des 12./Anfang 13. Jahrhundert wird dieser ehemalige Klosterkeller datiert. Er musste aber, genauso wie das übrige Gebäude, die Umgestaltung zunächst in den Renaissance, dann in den Barockstil mitmachen. Nicht alle Gebäudeteile des Klosters sind zu besichtigen. 1989 kehrten die Mönche wieder in ihr Kloster zurück, das bedeutet, dass die Klausur auch heute noch nur den Ordensbrüdern gehört.

Ich habs ja nicht so mit Gemäldeausstellungen, das geb ich ganz offen zu. Also mit so ganz alten Gemälden, über moderne Kunst kann man mit mir schon eher verhandeln 😀 Allerdings hat mich mein Mann bei unserer Reise nach Dresden dazu animiert, dass wir uns die Gemäldeausstellung im Zwinger in Dresden anschauen. Holla die Waldfee, da sind schon richtige Schätzchen dabei, die sogar mir gefallen haben. Also jedes Bild in diesem alten Klosterraum habe ich nun nicht begrüßt, aber bei ein paar Bildern blieb ich dann doch stehen. Sie entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts und zeigen Szenen aus dem Leben des Ordensgründers St. Norbert. Auch wird anschaulich gezeigt, wie seine sterblichen Überreste nach Prag überführt wurden.

Zu ein paar Gemälden muss ich euch dann doch noch was schreiben. Auf einem kleinen Bild in einer Bilderwand seht ihr einen Kelch mit einer Spinne. In einer Legende wird berichtet, dass bei einer Messe eine giftige Spinne in den Kelch von Norbert fiel. Er trank im Vertrauen auf die heilige Kommunion den Kelch aber aus. Die Spinne soll ihm über die Nase wieder herausgekommen sein.

Ein großes Gemälde hab ich mir auch noch im Detail angeschaut – die Bekehrung nenn ich es mal. Wie beim Exorzismus verlassen die Dämonen die zu Bekehrenden.

Erinnert ihr euch an den Anfang meines Berichts ‚das wird bestimmt kein ausschweifender Besichtigungstag‘ 😀 Hachja, ich bin gerade dabei, diesen Auspruch zu überdenken, als wir in den nächsten Raum treten – in

das Winterrefektorium im Kloster Strahov in Prag

Der Speisesaal der Mönche wurde Ende des 17. Jahrhunderts für den Winter erbaut. Das Gewölbe mit Stuckverzierung, und an der Saalseite ein riesengroßes Gemälde, das diesen Saal dominiert und keinen anderen ‚Schmuck‘ neben sich braucht. 1684 wurde es von Johann Georg Heinsch gemalt, und hatte bis Ende des 18. Jahrhunderts einen anderen Platz in Prag. Der Künstler nannte es „Christus wird nach dem vierzigtägigen Fasten beim Mahl von den Engeln bedient.“

Nicht nur in der katholischen Kirche gibt es eine Fastenzeit. Und warum ist sie da gerade 40 Tage? Genau wie die Zahl 12 ist die Zahl 40 symbolträchtig:
40 Tage und Nächte regnete es bei der Sintflut auf die Erde, und Noah wartete 40 Tage, bis er die ersten Berge wieder sah.
40 Tage zog das Volk Israels durch die Wüste, und 40 Tage und Nächte blieb Mose als die Gesetze verkündet wurden auf dem Berg Sinai.
40 Tage fastete und betete Jesus in der Wüste, und 40 Tage dauert die Fastenzeit, die Vorbereitungszeit auf Ostern.

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Fast ehrfürchtig betrat ich den nächsten Raum,

das Sommerrefektorium im Kloster Strahov in Prag

‚Heiligs Blechle‘ das sind so die innerlichen (manchmal auch lauten Töne) der Bewunderung eines Schwäbles. Man kann ob dieser Pracht wahrlich davon ausgehen, dass es dem Kloster doch recht gut zu gehen schien.

1691 ist dieser Sommerspeisesaal des Konvents entstanden. An den Wänden versammeln sich in

Portraitgemälde im Sommerrefektorium von Kloster Strahov

Persönlichkeiten, die in besonderer Verbindung mit dem Kloster standen. Im ausgehenden 17. Jahrhundert sind sie entstanden. Neben der Kanzel sieht man z.B. das Bildnis des Bischofs von Ölmütz, der den Bau des Klosters erst möglich gemacht hat. 

Die Kanzel im Sommerrefektorium im Kloster Strahov

ist reich geschmückt und zeigt den hl. Norbert. Von der Kanzel wurde während der Mahlzeiten aus der Bibel gelesen.

Und jetzt kommt, was meinen Bewunderungsruf verursacht hat,

das Deckenfresko im Sommerrefektorium im Kloster Strahov

Über den gesamten Raum zieht sich das Fresko des Malers und Prämonstratenser-Bruders Siard Nosecký, von dem auch die Kasettenfelder in der Decke der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt ausgemalt wurden. Wie es sich für einen Speisesaal gehört, muss da auch ein themenbezogenes Gemälde her. Er nannte es „Himmlisches Fest der Gerechten mit Christus als Hostie“. Zwei Jahre hat er ab 1743 daran gearbeitet.

Nein, ich will nicht sagen, dass sich die Anfangsbegeisterung, die bei unserem ersten Aufenthalt 2020 begann, in Normalität verändert hat. Denn in Prag ist es wirklich fast Normalität, dass man in ganz ganz vielen Kirchen und Gebäuden Deckenfresken vorfindet. Mich begeistern die Gemälde jedesmal aufs Neue. Staunend stand ich z.B. in der Kirche St. Nikolaus auf der Prager Kleinseite, die das größte zusammenhängende Deckenfresko Europas aufweist. Oder die Basilika St. Peter-und-Paul auf dem Vysehrad, an der kein Fleckchen an Wand und Decke ohne Malerei ist. Wunderschön auch die Deckenausgestaltung im Gemeindehaus (Obecní dům) in der Prager Altstadt. Ach, ich könnte euch noch unzählig viele Objekte hier nennen. Klickt euch einfach durch meine Berichte.

Was mich hier so fasziniert hat, ist die Lebendigkeit der Malereien. Fast könnte man meinen, noch einen Schritt weiter und da purzelt einer von den Stufen herunter auf den Boden. Die Detailgenauigkeit im Gesichtsausdruck der einzelnen Personen – Wahnsinn! Im Schloss Troja über Prag, habe ich diese Art der Malereien noch getoppt gesehen.

In den kleinen Bogenfeldern habe ich die Sternkreiszeichen entdeckt, natürlich auch meine Waage :-). Ihr merkt schon, Emma und ich sind im siebten Fotohimmel geschwebt 🙂

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Weiter geht es in den

Kapitelsaal im Kloster Strahov in Prag

der ab 1750 gebaut wurde. Der ursprüngliche Saal wurde bei der Belagerung der französischen Truppen zerstört. Das Kloster Strahov ist bei der Belagerung von Prag 1742 nicht verschont geblieben. Kein Wunder, lag es doch quasi in der Schusslinie. Die Truppen rückten von Pilsen auf Prag zu, und der Kampf spielte sich hauptsächlich auf der Kleinseite unterhalb des Klosters ab.

Auch hier hat der Ordensbruder Siard Nosecký mit seinem Deckenfresko herrliche Arbeit abgeliefert. Der Kapitelsaal, als Versammlungsraum einer der wichtigsten Räume in einem Kloster, sollte doch wunderschön sein. Sein Deckengemälde trägt den Titel „Steh auf und geh“ und bezieht sich auf die Heilung der Kranken am Bethesda-Teich. Im Neuen Testament wird von diesem Wunder am Teich berichtet. Der Evangelist Johannes schreibt in seinem Evangelium, dass Jesus zu einem Mann ging, der seit 38 Jahren schon krank und bettlägerig gewesen ist. Dieser konnte deshalb nicht in das heilsame Wasser kommen. „Steh auf, nimm deine Matte, und geh!“ Und der Mann stand auf, und ging. Damit hat sich Jesus allerdings mächtig den Zorn der Juden auf sich gezogen. Zum einen, weil es Sabbat war und an diesem Tag nichts getragen werden durfte – zum anderen, weil er sogar an diesem Tag Kranke heilte.

Wunderschön auch der Altar und die Gemälde die neben dem Hl. Norbert noch weitere Heilige zeigen.

Ein Stockwerk höher bitte, zur

Gemäldegalerie im Kloster Strahov in Prag

deren Gründung 1834 auf den Abt Hieronymus Zeidler zurück geht. Seit sie im ersten Stock des Klosters eine neue Bleibe gefunden hat, können die mehr als 1500 Gemälde zum Teil besichtigt werden.

Gerade als wir zur Besichtigung in den langen Flur treten wollte, wurde uns mit Blick auf die Uhr signalisiert – wir haben gleich Mittagspause. Mittagspause? Was ist eine Mittagspause? Aber nur weil es eine solche in unserem Vokabular nicht gibt, dürfen ja andere eine solche machen. Ich hab es im Vorfeld tatsächlich nicht in Betracht gezogen, in den Öffnungszeiten genauer zu lesen. Bedeutet für uns …. hurtig den Gang auf und ab, Emma mal kurz für ein paar Fotos im Akkord arbeiten lassen – und wieder die Treppe hinunter ins Freie.

Ich bin zwar am Anfang meines Berichts kurz in die Bibliothek abgeschweift, die stand jetzt aber aufgrund der Mittagspause auch noch in der Warteschleife. Also dann doch gleich in

die Basilika Mariä Himmelfahrt (Bazilika Nanebevzetí Panny Marie na Strahově) im Kloster Strahov in Prag

denn erfahrungsgemäß dauern mittlerweile jetzt Kirchenbesichtigung (und vor allem die in Prag) immer etwas länger 😉 Bis wir da fertig sind, wird wohl auch die Mittagspause dem Ende zu gehen. Pfff, war aber auch ein klarer Fall von Denkste. Warum? Das könnt ihr in meinem ausführlichen Bericht zur Kirche lesen. Für den Vorgeschmack gibt es aber dann doch schon ein paar Fotos.

Dann auf zur nächsten Kirche auf dem Klostergelände, zur

St.-Rochus-Kirche im Hof von Kloster Strahov in Prag

Kaiser Rudolf II. gab den Kirchenbau 1603 in Auftrag als Dank für das Zurückweichen der Pest in Prag. Diese schicksalhafte Seuche hat schon lange vor der Regentschaft Rudolfs Prag in Atem gehalten. 1582 forderte sie 14.000 Opfer.

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Rudolf tat mit einer Veränderung der Hygienevorschriften in der Stadt alles dafür, diesen schwarzen Tod zurückzudrängen, was nur kurzfristig Erfolg hatte. Während der Pestepidemie 1599 zog Rudolf II. mit seinem Hofstaat sogar kurzzeitig nach Pilsen um.

Die kleine, aber hohe Kirche ist dem Pestheiligen Rochus geweiht, und dient heute als Ausstellungssaal. Bei unserem Besuch wurde noch an der Umgestaltung gearbeitet.

Tja, dann machen wir jetzt eben auch Mittagspause – und zwar in der Gaststätte der Klosterbrauerei. Die gibt es seit dem 12. Jahrhundert, war zeitweilig geschlossen und bietet seit 2000 als „Klösterliche Bierbrauerei Strahov“ (Klášterní pivovar Strahov) das für manche zwingende Lebenselexier an. Wie ich gehört habe, soll es wirklich hervorragend schmecken, das Bier. Ich kann hier nur von der böhmischen Küche schwärmen, der wir in Prag nicht widerstehen konnten, und die hier in der Klostergaststätte wirklich köstlich ist. Das Bier überließen wir gerne anderen. Lieber ein Glas Wein – aber auch nicht mitten am Tag 😀

Fazit des ersten Programmteils des Tages: Nix mit ‚kein ausschweifendes Besichtigungsprogramm heute‘ 😳🙈 denn wir hatten ja noch das Prager Loreto auf dem Zettel 😀

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