Man sieht es dem Dom St. Marien zu Freiberg von außen fast nicht an, was im Inneren für Schätze vorzufinden sind. Der Dom ist eine der am reichsten ausgestatteten Kirchen Sachsens, man sagt sogar von Weltrang.

Freiberg ist uns auf der Fahrt vom Spreewald zu unserer Ferienwohnung in Großhartmannsdorf aufgefallen. Nachdem ich dann ein bisschen Tante Google bemüht habe, stand fest – da müssen wir hin. Stadtbesichtigung – und da gibt es ja auch einen Dom! Ihr merkt es sicher an meinen vielen Kirchenberichten. Mittlerweile faszinieren mich Kirchen immer mehr, weil jede anders und auf ihre Art beeindruckend ist. Der ganze Tag (Montag) war also nur der Silberstadt Freiberg vorbehalten, und die 15 km waren im Nu geschafft. Auch ein Parkplatz schien nur für uns freigehalten worden zu sein.

Und dann standen wir vor dem Dom St. Marien und baten um Einlass. Vergebens. „Montags geschlossen.“ Tja, Inge, das hast du Tante Google nicht gefragt gehabt. Aber vielleicht konnte sie das ja auch nicht wissen, denn der Ruhetag war Corona geschuldet. Deshalb ihr seid vorgewarnt: erkundigt euch nach den aktuellen Öffnungszeiten!
Egal, DIE 15 km fahren wir am nächsten Tag gerne nochmal. Und der Weg hat sich gelohnt, er hat sich sooooowas von gelohnt.

Die Reiseaktivitäten haben zu diesem Corona-Zeitpunkt nur sehr langsam und verhalten wieder Fahrt aufgenommen. Man sah es durchweg an den sehr überschaubaren Besucherzahlen. Wir waren im Dom zeitweise ganz allein, was mein Fotografenherz Doppelsalti hat schlagen lassen 🥰 🥰 Aber, dieses Fazit muss ich an dieser Stelle mal schreiben: Wir hatten zu keinem Zeitpunkt Bedenken gehabt. Überall wurde der Abstand eingehalten, überall wo notwendig Masken getragen.

So, jetzt geht es zum

Rundgang durch den Kreuzgang und den Dom St. Marien in Freiberg

Allein schon dieser Bereich im Grünen Friedhof und in den Süd- und Westflügeln des Kreuzgangs habe ich bisher so noch nicht gesehen. Das Bild von einem Kreuzgang war bisher für mich immer geprägt mit – offener Weg mit Grabdenkmälern an der Kirche entlang, so wie z.B. im Naumburger Dom. Dem ist aber nicht so. Der

Grüne Friedhof

liegt als wirklich grünes Band zwischen dem Dom und den beiden Kreuzgängen und war bis 1837 der Friedhof, der sich ursprünglich weit um die Marienkirche zog. Alte Grabsteine lassen in diese Zeit zurückblicken.

An dieser Stelle warne ich euch gleichmal vor – ihr seid auf einem Reise- und Fotoblog 🙂
Bedeutet in manchen Beiträgen, dass ich sooooo begeistert von einem Objekt bin, dass es in diesem Beitrag eben auch viele Fotos gibt. Und wenn ihr von diesen Fotos noch nicht genug habt – sei es, dass ihr den Dom in Freiberg nicht als eurer Reiseziel habt, aber trotzdem viel von ihm sehen möchtet, oder euch vor eurer Reise einen ersten Eindruck verschaffen wollt, was ihr unbedingt dort beachten solltet – dann könnt ihr noch mehr Fotos auf meinem Profil bei Flickr anschauen, welches ich jetzt wieder zu mehr Leben erweckt habe. Den Link dazu bekommt ihr am Ende des Beitrags.

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Kreuzgang mit seinen Kapellen

der eigentlich ein bisschen Stiefmütterlich behandelt worden ist. 1514 war seine Vollendung, und zwar als Gebäude, das den Sinn darin hatte, dass die Prozessionen der Domherren bei jedem Wetter abgehalten werden konnten. Bis ins 18. Jahrhundert wurde der Ort zur Grablege von angesehenen Freiberger Geschlechtern.In der Folge wurde der Kreuzgang aber derart vernachlässigt, dass im bereits ein Jahrhundert später der Verfall, ja sogar der Abriss drohte. Er wurde dann aber sorgfältig restauriert (zum Glück!) und ist seit 2019 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Direkt an den vielen Grabsteinen vorbei gelangt man zur Schönlebschen Kapelle, die 1514 vollenendet wurde. Sie wird auch als Taufkapelle genutzt, auf deren Nutzung auch der Romanische Taufstein von 1230 weist.

Vorbei an wirklich sehr beeindruckenden Grabsteinen geht es zur

Grabkapelle der Familie von Schönberg

ein sächsisches Uradelsgeschlecht, welches bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgbar ist. Ab 1542 leiteten einige Familienmitglieder die sächsische Bergbauverwaltung. So auch Georg Friedrich von Schönberg als Oberberghauptmann. Sein Sohn Caspar ließ 1671/72 die Grabkapelle für die Familie errichten und schmückte sie mit einer wunderschönen barocken Stuckdecke.

In dem kleinen Prospekt „Übersicht Freiberger Dom“ war dann zu lesen, der Eingang zum Dom geht über das

Portal „Goldene Pforte“ zum Dom zu Freiberg

Ja, wo ist es denn? Denn mit dem Blick vom Kreuzgang auf den Dom lässt sich nichts erahnen was einer „Goldenen Pforte“ ähnlich sehen könnte. Man steht vor ihr, wenn man durch dieses Tor geht ….

Und da war es dann – und ich stand erstmal total baff vor diesem riesigen Portal.
Nachdem in der Stadt Freiberg der Silberbergbau immer mehr florierte, bekam die spätromanische Marienkirche 1225 ein prachtvolles Rundbogen-Portal an der Südseite des Doms. Die „Goldene Pforte“ ist das erste vollständige Statuenportal in Deutschland und zählt zu den Hauptwerken der deutschen Kunst im 13. Jahrhundert. Kopien gibt es einige, das Original ist in Freiberg.

Im Bogenfeld über dem Portal thront die Muttergottes mit den anbetenden Heiligen Drei Königen, einem Engel und Joseph. Mit den Figuren werden Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament symbolisiert. In den mittleren Bögen werden die 14 Apostel gezeigt. Die Botschaft, die im äußersten Bogen vermittelt wird, ist die Erlösung des Menschen bei Gott, die Engel, die die Verstorbenen erwarten und in den Himmel führen – und nicht, dass über sie gerichtet wird. Sehr beeindruckend!!
Es wird angenommen, dass ein Abt des Zisterzienserklosters Altzella bei Nossen für dieses geistliche Programm verantwortlich ist.

Ein bisschen Geschichte zum Freiberger Dom St. Marien

1180 erhielt die junge Stadt Freiberg ihre romanische Basilika „Unserer lieben Frauen“. Schon zeitig nach dem Bau bekam die Kirche sehr bedeutende und auch noch heute erhaltene Kunstwerke. Eben die Goldene Pforte um 1230 und die Triumphkreuzgruppe am Lettner um 1225. 57 Jahre hielt das Kollegiatstift der Pfarrkirche, zu der sie 1480 Papst Sixtus IV. erhoben hat. Es fiel der Reformation in Sachsen zum Opfer.
Auch Freiberg wurde nicht von einem großen Stadtbrand 1484 verschont, dem die Kirche fast völlig zum Opfer fiel. Nur die Kreuzigungsgruppe, die Goldene Pforte und Teile des Chores blieben erhalten. An der gleichen Stelle wurde dann der Dom St. Marien als dreischiffige, sechsjochige spätgotische Kirche wieder aufgebaut.
Eigentlich eine völlig unspektakuläre Geschichte – nach außen. Die Schätze im Inneren der Kirchen machen den Dom aber alles andere als unspektakulär. Und die schauen wir uns jetzt an, kommt ihr mit?

Allein schon als ich die Kirche betreten habe, kam ich ins Staunen. Das Gewölbe mit den schönen Malereien und er Blick zu einem Taufstein von 1531.

Rechts vom Eingang, hinter verschlossenen Toren und nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist die

Kurfürstliche Grablege im Dom zu Freiberg

Durch die Gitter haben wir aber dann doch einen Blick, in die aus vier Räumen bestehende Grablege werfen können. Wowwwww!!!
An dieser Stelle wieder ein ganz liebes Danke an meinen Mann, der mir mit seinem Teleobjektiv diese Einzigartigkeit eingefangen hat 😘 Die meisten Fotos aus der nachfolgenden Bilderserie stammen von ihm.

Vor 1541 befand sich die Grablege des Fürstenhauses Wettin im Meissner Dom, bis sie anschließend (bis 1696) ihren Platz im Hohen Chor im Freiberger Dom fanden. Der erste der an diesem neuen Ort beigesetzt wurde, war Herzog Heinrich der Fromme, ihm folgte sein Sohn, der bei einer Schlacht im Alter von 32 Jahren ums Leben kam. Vielleicht kennt ihr ihn schon aus meinem Bericht über Schloss Augustusburg. Seine Verdienste, er kämpfte u.a. an der Seite des katholischen Kaisers Karl V., spiegeln sich in dem 1563 geschaffenen Moritzmonument, der 1. Kurfürst der Albertiner kniet vor dem Gekreuzigten.

Im Hohen Chor fasziniert das plastische Bild eines offenen Himmels am jüngsten Gericht – große Prophetenfiguren und 34 Engel mit originalen Renaissanceinstrumente. Die Gestaltung der Wände ist aufwendig gestaltet, bronzene, lebensgroße zeigen Abbilder der Fürstinnen und Fürsten, die hier bestattet sind. Man weiß überhaupt nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Diese prachtvolle und einzigartige Grablege ist in einem Atemzug mit den Grablegen in Innsbruck und Madrid zu nennen. Die 29 in den Boden eingelassene Grabplatten sieht man nur bei einer Führung, die leider bei unserem Besuch nicht angeboten wurde.

In der nördlichen Seitenkapelle sind die Prunksärge von den insgesamt 38 Mitglieder der sächsischen Fürstenfamilie zu sehen. Acht Kurfürsten, zwei Herzöge, zehn Frauen und achtzehn Kinder fanden hier ihre letzte Ruhe.
Beim zweiten Foto ist die südliche Kapelle, die Schwesterngruft von 1812) zu sehen, in der zwei Skulpturen von zwei Kurfürstinnen aufgestellt sind. Es ist die Ruhestätte der Mutter von August dem Starken, sowie seiner Tante.

Wenn ihr jetzt denkt, das wars mit den Highlights im Freiberger Dom, dann täuscht ihr euch gewaltig. Der ganze Dom ist ein einziges Highlight!!

Wie ihr es aus meinen Kirchenberichten gewohnt seid, erst kommt der Blick fürs Ganze übers

Langhaus im Freiberger Dom

Dieser Hallenbereich wurde um 1500 fertiggestellt.

Normalerweise ist der Eingangsbereich der meisten Kirchen ja so angeordnet, dass man sie in der Mitte oder der Altar gegenüberliegenden Seite betritt. Der

Altar im Freiberger Dom

ist direkt auf Höhe des Eingangs.
Im ersten Moment dachte ich, der Altar zeigt ein Bild von Lucas Cranach, dem ist aber nicht so. Vermutlich stammt der Altar von einem Freiberger Meister. Das von 1560 stammende Altarretabel zeigt das Abendmahl in beiderlei Gestalt – für die katholische und lutherische Feier.

Der Blick geht nach oben zur

Triumphkreuzgruppe über dem Lettner

Sie stammt von 1225/30 und zeigt Christus, aber nicht nur als den Leidenden, sondern auch als siegreicher Überwinder des Todes. Bei ihm Maria und Johannes.
Ein Lettner trennt mit einer „Wand“ den Bereich der Geistlichkeit von den Laien deutlich ab. Zumeist findet sich nur zu einer Seite ein Lettner. Einzigartig ist im Naumburger Dom die Abtrennung des Langhauses mit zwei Lettnern.

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ich habe sie noch nie im Doppelpack in Kirchen vorgefunden – hier im Dom gibt es gleich zwei Kanzeln

die Bergmannskanzel und die Tulpenkanzel im Dom St. Marien zu Freiberg

Die Bergmannskanzel von 1638 zeigt zwei Trägerfiguren, die bestimmend für den Namen der Kanzel sind: Ein Knappe in Arbeitskleidung und ein Steiger in seiner Tracht, der den Kanzelkorb trägt. Neben der Kanzel den früheren Zeitmesser. Die Stifter des Doms wirken im Aufgang bei der Passion Christis mit.

Direkt neben der Bergmannskanzel steht in einer völlig anderen Form die Tulpenkanzel.
Beide Kanzeln so direkt nebeneinander ist für einen Fotografen nicht unbedingt optimal. Aber beim Bau hat man damals natürlich in keinster Weise geahnt, dass viele Jahrhunderte später Menschen mit Kameras in den Kirchen herumlaufen.

Warum die Kanzel diesen Namen bekommen hat, ist mit der Form einer Tulpe einfach zu erkennen. 1505 wurde dieses freistehende Kunstwerk geschaffen, im 19. Jahrhundert erhielt es den Namen. Zwei männliche Figuren bilden den Mittelpunkt der Kanzel, bei der sich im vorderen Teil verschiedene pflanzliche Elemente miteinander verschlingen. Nach oben in den Korb geht es nur über steile Trittstufen.

Die Fürstenlogen im Dom

verweisen darauf, dass der Freiberger Dom als Schlosskirche gedient hat. Nur eine Straße vom Dom entfernt steht das Schloss Freudenstein. (Mehr dazu im Stadtrundgang) Üblicherweise befinden sich die Kirchen ja im Schloss, aber in früheren Zeiten war hier die Kirche zwar innerhalb des beschützten Herrschaftsgebietes der Burg, aber kirchenrechtlich nicht an den Fürsten gebunden. Später lag es für die Fürsten nahe, diesen herrlichen Dom zu nutzen und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden im Barockstil die Fürstenlogen von Matthäus Daniel Pöppelmann entworfen. Auch dieser Name taucht ja immer wieder auf. Bei Kurfürst August dem Starken stand er in Diensten und prägte den Dresdner Barock. Sein berühmtestes Werk ist der Zwinger in Dresden.

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Habt ihr ihn schon vermisst? Meinen fast immer am Anfang stehenden Blick zur Orgel? Jetzt kommt er –

die Silbermann-Orgeln im Freiberger Dom

Genau, Mehrzahl, es gibt nämlich zwei Orgeln. Auf der Empore gegenüber dem Hohen Chor ist die älteste und bis heute weitgehend unverändert erhalten gebliebene dreimanualige Orgel von Gottfried Silbermann. Der berühmte Orgelbaumeister lebte und arbeitete in der Stadt Freiberg. Im Stadtrundgang zeige ich euch in welchem Haus.
Der Orgelprosekt dieser Orgel von 1714 ist mit musizierenden Engeln geschmückt.

Tja, wenn ihr geglaubt habt, der Rundgang in der Kirche geht mal so eben schnell – falsch gedacht. Es lohnt sich wirklich, das Innere des Doms genauer zu betrachten.

Die zweite Orgel im Dom, die kleine Silbermann-Orgel ist von 1719 und steht auf dem Lettner des Doms.
Ein weiteres Silbermann-Orgel Schätzchen, und nur geringfügig jünger, nämlich von 1741 ist in der barocken Dorfkirche in Großhartmannsdorf, ca. 20 km von Freiberg entfernt. Die größte zweimanualige Orgel (1735) von Gottfried Silbermann findet ihr ein paar Straßenzüge weiter in der Petrikirche in Freiberg (auch dazu mehr im Stadtrundgang).

So, jetzt seid ihr an der Reihe die

weiteren Schätze im Freiberger Dom St. Marien

zu finden. Der Apostelzyklus mit 13 Apostelfiguren von 1510 dürfte die einfachste Aufgabe sein. Das Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen kennt ihr sicher, die einen meist mit Krone und marienähnlich – die anderen erkennt man an der Mimik und Gestik. 10 um 1520 erstellte Figuren sind im Dom.
Eine eindrucksvolle Pietá von 1430/40  ist ebenso zu bewundern wie das Knappschaftsgestühl mit Bergmannsfiguren um 1520.

Und auch hier im Dom sind sie zu sehen – die vielen verschiedenen Grabdenkmale aus dem 16.-18. Jahrhundert. Aufwendig gestaltet mit Darstellungen biblischer Themen oder Gleichnissen – oder Themen der Verstorbenen.

Habt ihr Lust bekommen, den Freiberger Dom St. Marien selbst zu besuchen? Ich kann euch nur dazu raten. Er schafft es bei unseren bisherigen Kirchenbesichtigung nach ganz weit vorne.
Wie ich es so oft in unseren besuchten Kirchen mache – ein DANKE für alle Besonderheiten, die wir in unseren zwei Wochen in Sachsen und im Spreewald sehen durften. Und dankbar dafür, dass alles ohne Zwischenfälle ablief.

Ja, ablief, denn Freiberg war die letzte Besichtigungsstation in unserem Urlaub, der aber noch nicht zu Ende ist. Ganz spontan haben wir ein paar Tage zuvor eine Ferienwohnung in Prag gebucht. Wenn man denn schon fast vor den Toren der Stadt ist, kann man sie einfach nicht auslassen. Ich freu mich unheimlich darauf, die Schätze dieser Stadt zu entdecken.

Zum Abschluss gibt es noch den

Blick auf den Freiberger Dom

– und dann heißt es bye byeeeee ……

Möchtet ihr noch mehr Fotos vom Dom sehen?
Oder vielleicht meine anderen Fotogalerien?

Inge’s Reise- und Fotoblog bei Flickr

Da werdet ihr fündig.

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