Großhartmannsdorf, die kleine Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen, scheint auf den ersten Blick unbedeutend. Durch ihre sehenswerte Barockkirche und noch andere ‚Schätzchen‘ ist sie aber durchaus einen Ausflug wert.

Dieser kleine Ort, der sich eigentlich aus vier Teilgemeinden zusammensetzt, stand so überhaupt nicht auf unserer Urlaubsplanung. Und bis zu unserer Ankunft war mir selbst der Erzgebirgskreis nur ein Begriff auf einer großen Landkarte. Und trotzdem bekommt Großhartmannsdorf seinen eigenen Beitrag in meinem Reiseblog. Tja, vielleicht wollt ihr ja auch wissen, wie es nach unserer überstürzten Abreise aus dem Spreewald weiterging …

Die Entscheidung auf diesen kleinen Ort fiel eher durchs Zufallsprinzip – freie Wohnungen bei AirBnB aufgerufen, Google Maps dazu – und dann die entsprechenden Gegenden nach Sehenswertem abgescannt. Da unsere SchlösserlandKarte noch einige Tage Gültigkeit hatte, und im Umkreis von ca. 30 Minuten Fahrzeit einige Ziele waren, fiel die Entscheidung leicht. 3-2-1 – unser 😀

Urlaub in Großhartmannsdorf – wir hätten nicht stärker von einem Extrem ins andere fallen können. Waren wir im Spreewald mit dem Bett 1,5 Meter von einer Zubringerstraße zur Autobahn weg, hörten wir in Großhartmannsdorf morgens die Vögel zwitschern und die Pferde wiehern. WAS für eine himmlische Ruhe. Und da hier das Handynetz funktionierte und das Internet im Raketentempo lief, war die Welt wieder zu 100% in Ordnung. Mein Mann konnte wieder arbeiten (auch im Urlaub) 😂 😂

Auch wenn das kleine Häuschen am Ende der kleinen Straße auf den ersten Blick ein bisschen alt wirkte, die Wohnung darin war Top in Ordnung und sauber. Und – wir hatten das Häuschen ganz für uns alleine. Sucht ihr eine Bleibe? Schreibt mich gerne für die Kontaktinfos an.

Schon bei der Anfahrt haben wir die Umgebung der kleinen Gemeinden wahrgenommen, denn unsere Wohnung lag nicht im Hauptort, sondern einem Mini-kleinen Teilort. Mehrere Talsperren liegen um den Ort und auch die Einkäufe waren durch einen kleinen Supermarkt gesichert. Ihr wisst es ja mittlerweile, unsere rege Reisetätigkeit funktioniert nur deshalb so wunderbar, weil mein Mann seine Arbeit auch aus dem Urlaub erledigen kann. Nachdem er am Vormittag für seine Kunden da war, stand der Nachmittag mit

„Großhartmannsdorf erkunden“

auf dem Zettel.

Und das ging schon in der kleinen Gemeinde mit der

Wehrkirche von Mittelsaida

los. Kein Mensch war unterwegs. Hier sagen sich halt doch Fuchs und Hase gute Nacht. Aber das in einer Gegend, deren Landschaft Begeisterung bei mir hervorgerufen hat. Großhartmannsdorf liegt genau an der Grenze zum Erzgebirgskreis. Was DAS bedeutet haben wir bei unseren ganzen Ausflugsfahrten gemerkt – die Berge rauf und runter, durch vieeeeeel Wald, kleine Alleestraßen und dann wieder freie Acker- und Wiesenflächen. Für Wanderer (die wir nicht sind) das Paradies schlechthin. Ich hätte fast hinter jeder Straßenkurve anhalten können um zu fotografieren, aber ich wollte mich dann doch nicht zum Verkehrshindernis machen.

Die Wehrkirche (Wehrgangskirche) von Mittelsaida (eine von fünf solcher Kirchen im Erzgebirge) kann man nicht übersehen. Nach den Hussitenkriegen wurde sie 1450 erbaut und war neben dem Ort für Gottesdienste auch ein Zufluchtsort für die Bevölkerung. Durch Um- und Anbauten im Laufe der Jahrhunderte wurde das Aussehen der Kirche aber stark verändert. Sehenswert wären neben der gesamten Kirche auch die Malereien im Innenraum. Wären …. wäre sie denn geöffnet gewesen. Schade!

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Also ging es direkt weiter nach

Großhartmannsdorf

Ein Ort mit ca. 2.500 Einwohnern, viel Landwirtschaft und sage und schreibe mehr als 200 Handwerksbetriebe – wow.
Im 12. Jahrhundert wurde der Flecken als Waldhufendorf gegründet. Diese typisch ländliche Siedlungsform zeichnet sich dadurch aus, dass die Häuser sich in einer Reihe an der Straße gegenüberliegen. Breite Streifen des landwirtschaftlichen Grundbesitzes, der Hof immer am straßenseitigen Rand, nach hinten das Land. Und in der Mitte des Dorfes die Kirche. Im sächsischen Gebirgsvorland können sich solche Dörfer aneinandergereiht bis zu 25 km in den Tälern entlangziehen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1368. Die Namensgebung war zu dieser Zeit wohl einfach: Es war das Dorf eines Herrn Hartmanns. Den Zusatz ‚Groß‘ gab es deshalb, weil es auch ein ‚Klein’hartmannsdorf gibt.

Die Besiedlung hatte damals einen strategischen Hintergrund, sie liegt an der alten „Salzstraße“ auf der das in Halle gewonnene Salz nach Böhmen transportiert wurde. Aus dem 15 Kilometer entfernten Freiberg wurde in einer weiteren Verkehrsverbindung, der „Silberstraße“, das dort geförderte Silber transportiert. Tja, vielleicht seid ihr dann schonmal an dem kleinen Ort vorbeigefahren?

Nachdem der Ort in den Besitz des Benediktinerklosters in Chemnitz gekommen war und diesen 1375 gegen die im Besitz der Herren von Waldenburg befindliche Herrschaft Rabenstein eingetauscht hatte, gehörte es lange Zeit den Waldenburgern. Einer dieser Herren war sogar mit unserem König Friedrich I. Barbarossa (dem Schwäble) auf Reisen. Vielleicht kennt ihr von meinem Bericht über den Hohenstaufen. Nachdem die Herren von Waldenburg ausgestorben waren kam der Ort 1479 an den sächsischen Kurfürsten …. und dann an Freiberg … und dann wieder zu Wolkenstein. Wie es halt so war in früherer Zeit, jeder bekam es mal ab.

Nicht zu übersehen ist die

Barocke Dorfkirche in Großhartmannsdorf

die auf einer kleinen Anhöhe gebaut ist.

Früher stand an der Stelle der heutigen Kirche eine kleinere mittelalterliche Kirche. Nachdem 1730 Carl Adolph von Carlowitz (ein altes sächsisches Adelsgeschlecht) das Rittergut Goßhartmannsdorf gekauft hatte übernahm er damit auch das Patronat auf die Kirche und die Orgel. Er ist dafür verantwortlich, dass 1737/38 die Vergrößerung der Kirche als barocke Saalkirche erfolgte. Damit die Gottesdienste auch während der Bauzeit stattfinden konnte, wurde die neue Kirche um die alte herumgebaut. 

Ja, sie ist alt. Das sieht man der Kirche schon von außen an. Durch eine kleine Vorhalle, über die es auch hinauf auf die Emporen geht, gelangt man in die Kirche.

Da eine neue Kirche auch eine neue Orgel braucht, veranlasste von Carlowitz den Neubau einer

Silbermann Orgel in der Dorfkirche Großhartmannsdorf

Er schloss den Kontrakt direkt mit Gottfried Silbermann, zahlte 100 Taler Vorschuss und bekam oben an der Orgel sein Wappen. 1741 wurde die Orgel geweiht und zählt zu den Werken Silbermanns, die auch heute noch weitgehend im urspünglichen Zustand erhalten sind.

Wir hatten das Glück, diese wunderbare Orgel hören zu dürfen. Denn kurz vor uns ging eine junge Frau in die Kirche. Wie sich herausstellte, um auf der Orgel zu üben. Nein, üben kann man es tatsächlich nicht nennen, sie spielte wunderschön. Für mich ein Grund mehr, mich langsam und genau in der Kirche umzusehen.

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Im Zuge der Umbauten erhielt die Kanzel, die bis dato in der Mitte des Altarraums stand, ihren Platz in der rechten Hälfte der Kirche. Der Taufstein wanderte nach links.
Wie es so üblich ist, bekam der Patronatsherr seine eigene herrschaftliche Loge, auf der natürlich auch sein Familienwappen angebracht ist.

Schaut euch einfach mit mir ein bisschen um …..

Klein, aber sehr fein – die Dorfkirche in Großhartmannsdorf – und wirklich einen kleinen Stopp wert, wenn ihr in der Gegend seid.

So kommt ihr nach Großhartmannsdorf