Mitten in der Bautzener Altstadt steht mit dem Dom St. Petri eine der größten Simultankirchen Deutschlands. Und er ist das höchste Bauwerk in der Stadt Bautzen.

Wir haben Dresden nach vier Tagen ‚tschüss‘ gesagt und sind auf der Weiterfahrt in den Spreewald. Aber wie immer liegt auf der Anfahrt noch ein Besichtigungsziel. Heute ist es Bautzen und da darf ganz klar der Dom St. Petri zu Bautzen nicht auf der Besichtigungsliste fehlen. Mitten in der Altstadt überragt der Dom sämtliche Gebäude der Stadt.

Der Dom zu Bautzen ist einer der wichtigsten Kirchenbauten in Sachsen und zählt in der Oberlausitz als ältester Kirchenstandort. Die Oberlausitz liegt am östlichsten Zipfel von Sachsen und zur Region zählen neben etwa 67% Anteil von Sachsen auch 30% zu Polen und 3% zu Brandenburg. In dieser Region sind alle Straßenschilder zweisprachig. Jetzt werdet ihr denken, aber in den Spreewald geht es doch in anderer Richtung. Stimmt! Aber wenn wir etwas unbedingt sehen möchten, und es in östlicher Richtung nichtmal 60 Minuten von Dresden entfernt liegt? Wir haben doch Zeit – ist immer unser Motto, wenn wir auf Reisen sind.

Und ganz ehrlich – hätten wir diesen Schlenker nach Osten nicht gemacht, wären wir um die Besichtigung eines wirklich sehenswerten Städtchens und den Dom ärmer gewesen.

So, jetzt kommt mal mit

in den Dom St. Petri zu Bautzen

Groß ist ja immer so eine Definition. Tatsächlich muss man am Dom knapp 84 Meter in die Höhe schauen und das ist nicht dem geschuldet, dass sich die Kirche am höchsten Punkt der Stadt befindet. Stattliche 2250 m² Grundfläche weist der Dom auf. Und er hat schon einige Jährchen auf dem Buckel

Die Geschichte zum Dom St. Petri

Graf Eido von Rochlitz war 1000 dafür verantwortlich, dass eine Kapelle für die deutsche Burgbesatzung erbaut wurde. Bald darauf folgte der Bau der ersten Stadtkirche und der Meißner Bischof gründete 1213 das Kollegiatstift St. Petri. Sieben Priester hatten den Auftrag, das Kirchenwesen in der Oberlausitz auszubauen, neue Gemeinden zu gründen und Priester auszubilden. 1221 erhielt die Petrikirche die Stadt- und Stiftsweihe.

Seine heutige Gestalt bekam der spätgotische Dom St. Petri 1430. Drei Hallenschiffe reichten aber nicht aus, und so wurde von 1456-63 der Dom südlich um ein weiteres Schiff erweitert. Die Reformation begann 1523, nachdem Michael Arnold in der Kirche nach der Lehre Luthers predigte. Eine übergroße Mehrheit folgte den evangelischen Lehren, das Kollegiatstift blieb aber weiterhin der katholischen Kirche treu.
1543 und 1583 wurde die gemeinsame Nutzung der Kirche durch beide Konfessionen vertraglich festgeschrieben. Klar bei zeitlicher und räumlicher Trennung. Und diese Nutzung ist bis heute noch aktiv. Drei Sonntage nutzen die evangelischen Gläubigen (da sie in der Überzahl in Bautzen sind) den Dom St. Petri, eine Woche die Katholiken.

Nur drei Simultankirchen gibt es in Ostdeutschland. Nachdem es immer wieder Streitigkeiten um die Nutzung gab, wurde diese in einem Vertrag geregelt. Demzufolge konnten der Chor für die katholischen Gottesdienste genutzt werden, das Langhaus für die evangelischen.

Nach einem großen Stadtbrand 1634 wurde beim Wiederaufbau das Innere der Kirche im barocken Stil gestaltet, auch der Turm bekam 1664 eine Barockhaube.

Ihr kennt es ja sicher bereits von meinen Besichtigungen –

der Innenraum des Doms St. Petri in Bautzen

bekommt von mir immer erst einen Gesamtblick nach vorne. Hier im Dom ist das aber gar nicht so einfach – es gibt soooo viele Blicke. Schaut mal ….

Katholisch und evangelisch vereint im Dom St. Petri zu Bautzen

Zum katholischen Teil des Doms gehört der barocke Hochaltar, der 1723 geschaffen wurde. Er wurde zu Ehren des Hl. Petrus und der Ehre des Dreieinen Gottes geweiht.

Was dein ist, ist nicht unbedingt auch mein. Deshalb hat der katholische Teil des Doms St. Petri seine eigene Orgel. Erbaut wurde sie 1866, die Metallpfeifen wurden aber 1927 fast sämtlich ersetzt. Das Chorgestühl mit seinen wunderschönen Schnitzereien ist ein Werk um 1723.

Die Orgel im evangelisches Teil des Doms ist größer als ihre katholische Schwester. Erbaut wurde sie 1910 und ist eines der größten Werke der Orgelbau-Werkstatt Eule. Klanglich sind die beiden Orgeln aber aufeinander abgestimmt. Die Kanzel von 1817 zählt ebenfalls zum evangelischen Teil. Denn in diesem Bereich haben die evangelischen Gläubigen versetzt vor dem katholischen barocken Hochaltar ihren eigenen Altar.

An der rückwartigen Seite des Langhauses fasziniert mich eine wunderschöne, mit viel Schnitzwerk verzierte hölzerne Empore. Sie ist die Fürstenloge, den die Lausitzer Stände 1673/74 in der Hoffnung erbauen ließen, der sächsische Kurzprinz Johann Georg II. würde in Bautzen residieren. Johann Georg II. war Landvogt der Lausitz.

Den wunderschönen Abendmahlsaltar im angebauten Südschiff dürft ihr euch nicht entgehen lassen. Ich musste ein bisschen warten um ihn näher betrachten zu können, da gerade eine Führung direkt vor dem Altar stattfand. Und in Zeiten von Corona ist Abstand ja eh das Beste. Also saß ich in einer Bank und konnte mir in der Zeit den Altar genauer anschauen, der auch zum evangelischen Teil zählt. Ein unbekannter Bildschnitzer hat ihn um das Jahr  1640 entstehen lassen (von 1995-99 wurde er restauriert). Das untere Feld zeigt das Abendmahl, in der Mitte die Kreuzigung Christi und im oberen Teil die Auferstehung Christi. Als Abschluss ist Christus auf dem Regenbogen als Weltenherrscher und Weltenrichter dargestellt. Eine wirklich schöne Arbeit ….

Euch jetzt noch mehr Fotos aus dem Dom St. Petri zu zeigen, verkneife ich mir. Schließlich sollt ihr dort noch genug anderes selber entdecken.

Der Dom zu Bautzen ist aber nicht nur die größte Simultankirche Deutschlands, es gibt auch

einen Achsenknick im Dom St. Petri

Eigentlich kennt man die Kirchenbauten ja geradlinig, nicht so beim Dom zu Bautzen, der von dieser geraden Linie stark abweicht. Man sieht es von außen auch, wenn man vom Domstift auf den Dom blickt. Es gibt viele Erklärungsversuche, aber keiner ist gesichert. Eine Variante ist, dass der Dom auf den Grundmauern einer anderen Kirche gebaut wurde. Bei der Erweiterung hat man sich dann an die umliegenden Gebäude angepasst. Aber sicher ist gar nichts.

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Der Dom St. Petri als Wettermelder

Ja, ich musste zweimal lesen, aber eine Regel unter den Bürgern der Stadt Bautzen besagt das wohl. Wenn nämlich schlechtes Wetter aufzieht, fängt der Dom zu „orgeln“ an. Da ja oftmals Unwetter von beginnendem stürmischen Wind angekündigt werden, soll der Kirchturm des Doms bei stürmischem Wind ein stetiges Geräusch erzeugen, das wie ein Heulen erklingt, und weithin über die Stadt hörbar ist. So wird ein Kirchturm zum Wettermelder. 🙂

Ich war nicht nur vom Dom begeistert, sondern von der gesamten Stadt Bautzen. Kommt ihr mit zum Stadtrundgang durch Bautzen?

So kommt ihr zum Dom St. Petri in Bautzen