Das Schloss Augustusburg, 516 Meter über dem Zschopautal und weithin sichtbar ist nicht nur ein imposantes Bauwerk nach außen. Es gilt als eines der schönsten Renaissanceschlösser Mitteleuropas und birgt im Innern einige bedeutende Highlights.

Heute ist Burgen- und Schlössertag. Nachdem wir bereits die Burg Scharfenstein mitten im Erzgebirge besichtigt haben, ging es jetzt wieder zurück Richtung Ferienwohnung. „Lotte, fahre über Augustusburg“ – wir wollen nämlich das Schloss Augustusburg in dem gleichnamigen Ort noch besichtigen. Aus meinen anderen Berichten kennt ihr ja unsere Lotte  Navi) bereits. Ich habe im Lauf der Zeit gelernt, trotz meiner Zweifel doch immer wieder auf sie zu hören. Auch wenn ich dadurch schon verbotene Wege gefahren bin oder einmal mitten in einem Burgpark gelandet bin. Also Vertrauen ist gut, Vorsicht besser 😀

Lotte wollte mich kurz vor dem Schloss eine Straße hochführen, an der eine Ampel ‚rot‘ zeigte. Ne neeeeee Lotte, diesmal nicht! Blinker nach links, da waren Parkplätze am Waldrand, da stellen wir Fridolin jetzt für die Zeit der Besichtigung ab. Bedeutet aber auch, der Weg zum Schloss geht nach oben. Egal! In einem Zick-Zack-Weg führt der Weg durch den kleinen Wald, vorbei an einem schönen Waldspielplatz, stetig nach oben.

Der Weg ist richtig schön und es tat auch gut ihn nach oben zu gehen, aber Lotte hatte doch Recht mit ihrem Vorhaben, durch die Ampelstraße zu fahren.
Deshalb, wenn ihr Schloss Augustusburg besucht –

viele Wege führen nach oben zum Schloss Augustusburg

Den ersten Weg kennt ihr jetzt – durch den Wald. Der zweite Weg – die Straße nach oben wird durch eine Ampel geregelt. Man kann/darf hochfahren und oben am Schloss gibt es viele Parkplätze. Der dritte Weg geht von der Stadt aus nach oben. Hier kommt man dann am Haupteingangstor raus. Über den Haupteingang kann ja jeder, pffff … wir kommen einfach von der anderen Seite ins Schloss. Kommt mit zur

Besichtigung von Schloss Augustusburg

Noch bevor man durch das Tor in den Innenhof des Schlosses kommt, kann man die Bauform des Schlosses erkennen. Mit einem Satz – quadratisch, praktisch, gut! Mich erinnert es sofort an Schloss Moritzburg bei Dresden.
Das Schloss ist in zwei Bereiche gegliedert, und genau an diesem Übergang stehen wir jetzt. Der eine Teil führt über das Tor ins Schloss, der andere Teil zu den Wirtschaftsgebäuden und dem Brunnenhaus.

Der Innenhof von Schloss Augustusburg

Die Lage des Jagschlosses Augustusburg ist einmalig. Auf einem Kegel erbaut, 516 Meter über dem Zschopautal, sieht man es schon von weiter Ferne. Wie auf Schloss Moritzburg, werden die vier Flügel des Schlosses in einem Quadrat mit Eckhäuser geschlossen. Dieser Anblick im Innenhof muss erstmal sacken. Und da es heute noch keinen Kaffee gegeben hat, haben wir diesen Anblick bei einer Tasse Kaffee im Selbstbedienungsrestaurant genossen.

Unser ‚Check-in‘ ging wieder über unsere SchlösserlandKarte App. Wieder einmal haben wir festgestellt, dass in den Burgen und Schlössern, und wenn sie noch so hoch oben sind, nicht immer ein Handynetz da ist. Aber die Damen an der Kasse sind dies wohl schon gewöhnt und an einer anderen Kasse konnten wir dann den QR-Code einscannen. Es gab eine kurze Wegführung und dann waren wir uns mit der Besichtigung der Ausstellungen selbst überlassen. Es gibt auch Führungen durch das Schloss, in der man auch die Schlosskirche besichtigen kann. Zu Corona-Zeiten war an unserem Besuchertag aber keine Führung angeboten. Aber bevor wir mit der Besichtigung loslegen – riiiiiichtig 🙂

Ein bisschen Geschichte zum Schloss Augustusburg

Ganz früher stand an Stelle des heutigen Schlosses Augustusburg eine ältere Burganlage, die sich zeitweise im Besitz der Herren von Waldenbuch befunden hat. Ja, die von Burg Scharfenstein und Großhartmannsdorf. Man trifft die Namen eben immer wieder. 1210/30 soll diese errichtet worden sein. Nach der Schellenberger Fehde 1324 wurde sie an die Wettiner verliehen. Auch dieses älteste Geschlecht des deutschen Hochadels ist euch in meinen Berichten schon begegnet – in Meißen. Im Dom zu Meißen hat dieses Herrscherhaus ihre Grablege in der Fürstenkapelle.

Mit Kurfürst August wird es dann wieder interessant um das Schloss. Das ist aber nicht August der Starke, der war erst später. Er hat den Neubau 1568 veranlasst, da er zum einen ein repräsentatives Domizil für seine Jagdausflüge wollte, und zum anderen um seine führende Stellung in der Region zu zeigen. Die finanziellen Voraussetzungen waren da und mit der Lage, da oben auf dem Berg, war das Schloss durch den Fürstenweg, der von Böhmen nach Meißen führt, über Freiberg mit seiner Dresdner Residenz verbunden. Zu der früheren Zeit, als die Burg an die Wettiner verliehen war, war sie als Jagdschloss noch nicht interessant. Dafür wurde das Schloss Wildeck in Zschopau genützt.

Ich hab mich ein bisschen in die Biografie von August eingelesen. Als Sohn von Heinrich dem Frommen (ihr seht ihn im Fürstenzug zu Dresden) hatte er noch einen Bruder, Fürst Moritz. August hatte keine Ländereien und erhielt nur finanzielle Zuwendung. Das änderte sich mit seiner Heirat, aus dessen Anlass August eine eigene Hofhaltung in Dresden bekam, zudem Schloss Wolkenstein als Landsitz. Er wurde von seinem Bruder mit der Verteidigung Dresdens beauftragt und führte eigene Truppen. Nachdem Moritz in einer Schlacht gestorben ist wurde August 1553 Kurfürst von Sachsen.
Man könnte fast denken August wäre ein Schwabe 😀 😀 Als einer von wenigen europäischen Fürsten im 16. Jahrhundert, sparte er einen umfangreichen Staatsschatz an. Er war der wohl bedeutendste Bauherr der Sächsichen Renaissance, auch weil er großes Interesse an der Architektur hatte. So wurde der Umbau des Residenzschlosses Dresden, den sein Bruder begonnen hatte, mit ihm vollendet. Er nutzte das Jagdschloss Moritzburg (welches zu der Zeit schon eine ähnliche Bauform aufwies, die von August dem Starken noch weiter ausgebaut wurde) und es gab noch so einige Schlösser die seinen Stempel tragen.

Seine Ehe mit seiner Frau Anna hielt 37 Jahre. Mit ihr hatte er 15 !! Kinder, die aber teilweise nicht sehr lange lebten. Drei Monate nachdem seine Frau gestorben war heiratete er eine 12-jährige Fürstentochter. Dieses Glück durfte er aber nur sechs Wochen erleben, dann verstarb er.

Zurück wieder zum Schloss Augustusburg – der Bau dauerte bis 1572. Und es war schon damals so, spurte jemand nicht, wurde er entlassen und ersetzt. August entließ 1571 seinen Baumeister, weil er verärgert über den Baufortschritt und den steigenden Kosten war und stellte Rochus Guerrini Graf zu Lynar dafür ein. Auf dieser Name ist mir in den Schlossanlagen in Lübbenau im Spreewald schon begegnet.
Da ein Schloss auch Wasser haben muss, und nach vielen erfolglosen Versuchen dies zu berwerkstelligen, wurde von 1568-1577 ein Brunnen in den Fels geschlagen. Für diese schwere Arbeit mussten erst Bergleute herhalten, später gefangen genommene Wilderer. Erst in einer Tiefe von über 130 Meter, so ist die heutige Brunnentiefe, wurde Wasser gefunden. Nochmal – 130 Meter tief!! Er zählt damit zu den zweittiefsten Brunnen in Sachsen.

Im 18. Jahrhundert wurde das Schloss als Jagdbesitz aufgegeben und war Sitz der Behörde des Amtes Augustusburg. Es diente lange Jahre als Gefängnis bis etwa 1920 eine Jugendherberge und ein Erzgebirgsmuseum eingerichtet wurden. 2,5 Jahre etwa war das Schloss ein Außenlager des KZ Sachsenburg.

Heute sind im Schloss mehrere Ausstellungen untergebracht, durch die wir jetzt gehen. Wenn ihr aber glaubt, ich zeige euch da alles in Fotos – neeneeee, ein bisschen dürft ihr schon auch selber noch auf Schloss Augustusburg entdecken. Die Fotos sind nur ein Bruchteil dessen, was ihr vor Ort seht. Übrigens ist das Jagschloss Augustusburg eine ausgewählte Stätte des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge.

So, genug geschrieben – jetzt wird das

Halali zur Innenbesichtigung von Schloss Augustusburg

geblasen. Kommt mit ….

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Im Venussaal auf Schloss Augustusburg

Ganz ehrlich, ich hab ja jetzt schon etliche Burg- und Schlossbesichtigungen hinter mir, aber sowas wie in diesem Saal habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Dieser riesige Saal zeigt eine einzigartige Wandmalerei, die der Hofmaler Heinrich Göding 1572 auf Anweisung von Kurfürst August von Sachsen geschaffen hat. Die thematische Anlehnung ist in der Tannhäusersage zu finden und man wird sie im deutschsprachigen Raum in der Form nicht noch einmal finden.

Im

Hasenhaus auf Augustusburg

so nennt man die Räume hier im 2. Obergeschoss, sind Ausstellungsstücke und weitere Inventare aus der damaligen Zeit zu sehen.

Bei den verschiedenen Ausstellungen auf Schloss Augustusburg ist für jeden etwas dabei. Jetzt kommt ein Teil, der bei einem Kind einer Familie große Begeisterung ausgelöst habt.

Im Jagdtier- und Vogelkundemuseum

sind rund 120 ausgestellte Säugetiere und Vögel zu sehen. „Boahhhh, sind die eeeeecht???!!“ So war der Ausruf des Mädchens. Sie sehen aber auch wirklich sehr lebensecht aus ….

Ich wusste tatsächlich nach dem ganzen ‚durch alle Räume‘ nicht, wo ich mich gerade im Schloss aufhalte. Aber egal, irgendwo wird es ja auch wieder nach draußen gehen.
Aber so weit ist es noch lange nicht. Längere Zeit habe ich im nächsten Raum verbracht – dem

Hasensaal auf Schloss Augustusburg

Ja, ihr habt richtig gelesen. Mit den Hasen hatten sie es glaub ich damals. 😀 😀
Wir sind immer noch im Hausenhaus. Hier hatte der Hofmaler von Kurfürst August den Auftrag, in fast 90 Bildern szenisch die privaten und gesellschaftlichen Verrichtungen der Menschen zu beschreiben. Auch die kriegerischen Auseinandersetzungen. Allein die Bilderfolge im Hasensaal ist noch erhalten.

„Verkehrte Welt“ – die Hasen übernehmen die Rolle der Menschen. So sieht man über den Türen die „Siegesfreude und Festvorbereitung der Hasen“ oder den „Reifentanz der Hasen“ oder eine „Hasenmaskerade“ und noch viel mehr. Ich war begeistert wie die einzelnen Themen umgesetzt wurden. Kein Wunder gell, dass ich hier eine Weile stand. Ihr bekommt jetzt auch nur einige Szenen zu sehen – die anderen schaut ihr am Besten selber vor Ort an 😉

Und dann passierte mir der Supergau eines jeden Hobby- und richtigen Fotografen. Mein Akku war leer. Eigentlich nichts aufregendes, ich hab ja immer einen Ersatzakku dabei. Nein, genauer gesagt, hatte ihn bisher meistens mein Mann in seiner Hosentasche mit dabei. „Schatz kannst du mir mal bitte meinen Akku geben?“ – „Welchen Akku?“ – „Ja den Ersatz.“ ….. Längeres Schweigen …. „Der ist im Auto im Fotorucksack, da hab ich ihn wieder rein.“ Ohhhh 😱

Und jetzt folgt, wofür wir im Schwabenland nur drei Worte benötigen: „Dädsch m’r net?“ Mein Mann wurde zu meinem Dädsch m’r net – übersetzt: Würdest du für mich bitte fotografieren?
Was mein Mann natürlich übernahm, vor allem ganz in meinem Sinne. Er fotografiert normalerweise nur ausgesuchte Objekte, die er auch mal auf einer Plattform zum Verkauf anbietet. Ich fotografiere ‚mehr Masse‘ um mir anschließend die schönsten Fotos für meinen Blog auszusuchen.

Alle Fotos die ihr in diesem Bericht ab jetzt seht, sind also von meinem Mann fotografiert. Ein dickes DANKE an ihn 🥰😘
Und glaubt mir, ab diesem Tag war der Ersatzakku immer in meiner Gürteltasche dabei. Man kann ja nicht die Verantwortung auf andere Schultern verladen.

Weiter geht es zu einer der bedeutendsten und umfangreichsten Zweiradsammlungen Europas – in das

Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg

Demzufolge ist das Schloss ein beliebtes Ziel für Biker, auch mit Open-Airs die Fans aus ganz Europa anziehen. Ca. 175 Exponate sind in diesem Museum zu bewundern. Und weltweit findet man die museale Darstellung der Zschopauer Motorradfirmen DKW, Auto Union und MZ nur hier auf Augustusburg.

Ich hab euch ja gesagt, dass es im Schloss einige Highlights gibt. Ja, eigentlich ist das ganze Schloss ja ein Highlight, denn jede Ausstellung für sich ist absolut sehenswert. Für die nächste Ausstellung haben wir jetzt das Hauptschloss verlassen und sind wieder in diese Richtung von wo wir hergekommen sind, und weiter in den Wirtschaftsbereich. Dieser Bereich bot damals auch Platz für 138 Pferde, und Autos gab es in dieser Zeit ja noch nicht. Also musste eine Kutsche her, und wir gehen jetzt

ins Kutschenmuseum auf Schloss Augustusburg

Hier bekommt man auf einer großen Ausstellungsfläche einen Eindruck davon, dass Reisen in früheren Jahrhunderten nicht wirklich bequem sein konnten. Ich stelle mir in Gedanken gerade vor, wie diese Räder auf unbefestigten Straßen oder über Kopfsteinpflaster holpern.

Ein Highlight unter den ganzen Kutschen hat es mir angetan – ein viersitziger Wagen der als Staatswagen zu Kaiserkrönung am 09.10.1790 diente. Lt. Auskunft sind das alles Originale die hier im Museum stehen. Wow ….

Eindrucksvoll und schön war der Besuch, hoch oben auf dem Berg, auf Schloss Augustusburg. Aufgrund dieser herrlichen Lage nennt man es auch die „Krone des Erzgebirges“.
Wir sind den gleichen Zick-Zack Weg wieder nach unten zu Fridolin, aber nicht ohne einen Blick auf die weite Umgebung zu werfen.
Eine Eingabe versteht unsere Lotte halt leider nicht „geb mir den besten Blick auf das Schloss“. Das hat sie schon bei der Albrechtsburg in Meißen nicht kapiert, wie soll sie es dann hier. Wir sind dann losgefahren in der Hoffnung, irgendwo diesen Blick zu erhaschen. Denn schon von Großhartmannsdorf aus (unser Standquartier) sieht man das Schloss schon von weitem. Aber wenn man den Blick hat, kann man nicht anhalten, kann man anhalten, hat man keinen Blick. Meine Reaktion war gut, als mein Mann auf einmal rief „kannst anhalten?“ und mit Warnblinker haben wir dann doch noch einen Blick aus der Ferne von Schloss Augustusburg erhascht (in der Qualität aber leider nicht so gut).

Meine klare Empfehlung für dieses Schloss, aber wie für alle anderen Burgen und Schlösser genauso, die wir in Sachsen besucht haben – erlebt es mit den interessanten Ausstellungen selber. Ich wünsch euch viel Freude dabei.

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