Ein geschlossener historischer Altstadtkern unter Denkmalschutz, UNESCO Welterbestätte Montanregion Erzgebirge und ein Dom, der viele sehenswerte Schätze vorweisen kann – so kann man kurz und knapp einige Highlights der Silberstadt Freiberg, die als eine der schönsten Städte Sachsens mittendrin liegt, beschreiben. Von mir bekommt die Stadt Freiberg das Prädikat „Sehenswert“!

Beim nicht geplanten Standortwechsel vom Spreewald zurück nach Sachsen haben wir die Stadt Freiberg auf der Fahrt zu unserer Ferienwohnung entdeckt. Sie lag so rein zufällig auf unserer Fahrtroute. Ein Hinweisschild an der Straße hat mich darauf gebracht, bei Google ein bisschen näher über die Silberstadt Freiberg zu recherchieren. Zumal wir ja auch noch auf der Silberstraße unterwegs waren. Und mit meinen Recherchen kam die Stadt auf den Zettel „Da müssen wir unbedingt noch hin“.
Ein paar Tage vor Urlaubsende ging es dann in die 15 km entfernte Stadt. Frech haben wir einfach auf gut Glück einen Parkplatz am Rand der Altstadt gesucht – und auch gefunden. Und waren damit auch gleich am Start zur

Besichtigung der Silberstadt Freiberg

den wir am Schlossplatz beginnen. „Schau mal, wieder ein Schloss mitten in der Stadt“ – so wie wir es auch mit Schloss Wildeck in Zschopau schon gesehen haben. Das

Schloss Freudenreich in Freiberg

ließ der Stadtgründer, Markgraf Otto von Meißen 1168 als Burg zum Schutz des Silberbergbaus errichten. Diese Burg war der Vorgängerbau zum heutigen Schloss. Jedes Schloss oder Burg hat eine Geschichte, bei Schloss Freudenreich ist sie aber schon sehr wechselvoll. Belagerungen und illustre Gäste wechseln sich in früheren Jahrhunderten ab. So war u.a. der Minnesänger Walter von der Vogelweide 1213 genauso hier zu Gast wie 1451 Kurfürst Friedrich II. auf der Durchreise nach Brüx, der mit seinem ganzen Trupp von 400 Mann samt den dazugehörigen Pferden auf dem Schloss Station machte. Die ganze Chronolgie könnt ihr HIER nachlesen.

Heute ist das Schloss eine Vierflügel-Anlage (ähnlich dem Schloss Moritzburg oder Schloss Augustburg) und beherbert die bedeutendste Mineralienshow der Welt.
Uns war aber heute weder nach dem Besuch einer Ausstellung noch zu einer Schlossbesichtigung. Deshalb begnügten wir uns mit einem Blick auf das Schloss . Der Blick nach rechts ging dann zu einem Haus, auf dem nicht nur Tourist-Information draufsteht (und mein Ziel für einen Stadtplan war), sondern es ist auch das

Silbermannhaus

in dem der berühmte Orgelbaumeister Gottfried Silbermann lebte und arbeitete. Im Dom zu Freiberg sind zwei Orgeln von ihm zu bewundern, ebenso eine in der Petri Kirche in Freiberg.Noch so ein altes Schätzchen ist in der Barockkirche in Großhartmannsdorf. Dort hatten wir das Vergnügen und konnten einer Orgelspielerin zuhören – wunderschöööööön!
Direkt neben diesem Haus geht eine schmale Straße zum Dom, der die ‚ausgelagerte‘ Schlosskirche von Schloss Freudenstein ist.

Über die

Burgstraße in Freiberg

geht es weiter – und immer auch mit dem Blick nach oben. Unübersehbar in welcher Stadt und auf welchem Staatsgebiet man sich aktuell befindet. Die Burgstraße war die Verbindung zwischen der Stadt und dem Schloss. Zudem führte sie hier den Fernverkehr von Halle nach Böhmen.
Übrigens, noch selten waren wir in einer so freundlichen Region wie hier rund um Freiberg und im Erzgebirgskreis. Wir wurden zwar nicht mit „Glück auf“ gegrüßt, so wie es die Bergleute gemacht haben, aber selbst Kinder haben uns ein fröhliches Hallo entgegengeschmettert. Das sind so große ‚Kleinigkeiten‘, die einem nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Am Ende der Burgstraße müsst ihr unbedingt nach oben schauen. Hier ist einer der schönsten Erker der Stadt aus der Übergangszeit von der Renaissance zum Barock.

Wie die Stadt Freiberg zur Silberstadt wurde

Das war wohl eher Zufall, wie halt so vieles im Leben. 1168 sollen Fuhrleute auf ihrem Weg Richtung Prag auf einem zerfurchten Weg ein Stück Silbererz gefunden haben. Eine bergmännische Siedlung wurde gegründet und war der Anfang der späteren Stadt. Gleichzeitig war damit der Grundstein für den Silberbergbau gelegt, den vor allem der Markgraf Otto von Meißen unterstützte. Wie sagen wir Schwaben: „Hosch ebbes, dann sott emmer no ebbes mehr d’rzua komma.“ 😀
Der Kurfürst hatte ein großes finanzielles Interesse an dem Silberfund und regelte das sehr geschickt: Er erlaubte jedermann das Schürfen des Erzes, verlangte natürlich dafür aber einen kleinen Anteil am Ertrag der Ausbeute. Naja, ein kleiner Betrag kann sich auch ganz schnell anhäufen 🙂
Da Freiberg sozusagen der Vorreiter aller sächsischen Bergstädte ist, verfügt sie über die älteste deutsche Bergbehörde, das älteste Stadtsiegel der Region und eine bedeutende Münzstätte. Durch diese Rolle und als größte Stadt der damaligen Mark Meißen erlebte die Stadt einen finanziellen Aufschwung. Die spätmittelalterlichen Bürgerhäuser in der Altstadt, mit ihren reich verzierten Portalen und steilen Traufdächern, zeugen auch heute noch von diesem damaligen Reichtum.

Auch die Stadt selbst hat eine wechselvolle Geschichte, die ihr HIER ausführlich nachlesen könnt. Sie wurde von Stadtbränden nicht verschont, konnte aber im Dreißigjährigen Krieg den Angriffen der Schweden standhalten. Leider hat der Bergbau aber in dieser Zeit stark gelitten, erst ab 1700 konnte er wieder an Fahrt aufnehmen. Großen Besuch bekam die Stadt 1711 mit dem russischen Zar „Peter der Große“.

Und jetzt sind wir da 😂 – zwei aus dem Schwabenland erobern die Stadt Freiberg. Wir haben sie aber friedlich wieder verlassen.
Davor haben wir uns aber noch auf den

Obermarkt von Freiberg

gestellt.
Prächtige Patrizierhäuser mit den steilen Traufdächern, die wir schon von Naumburg/Saale kennen, sind hier rund um den großen Platz zu bewundern. Der Platz wurde von Marktgraf Dietrich, einem Sohn Otto von Meißen, 1180 angelegt und zählt zu den schönsten Marktplätzen in Deutschland.

Mitten auf dem Platz wacht der Stadtgründer über das Geschehen in der Stadt. Hoch oben auf dem Löwenbrunnen thront Margraf Otto von Meißen, auch Otte der Reiche (warum nur 😀 ) genannt. Vier wasserspeiende meißnische Wappenlöwen sind ihm zu Füßen.

Unübersehbar hat am Obermarkt auch das

Rathaus von Freiberg

aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts seinen Platz. Sehr schön restauriert begrüßt es die Gäste (die Einheimischen kennen es ja schon längst). Abgesehen vom gesamten Gebäude, sind da ein paar besondere Hingucker am Rathaus. Das Glockenspiel aus Meißner Porzellan spielt täglich um 11:15 Uhr und 16:15 Uhr das Steigerlied. Wir waren zur falschen Uhrzeit am Rathaus 🙂

Wenn ihr euch vom kleinen Erker beobachtet fühlt, dann stimmt das. Er schaut aber nicht über den Platz, sondern direkt nach unten auf einen Pflasterstein – der Prinzenräuber Ritter Kunz von Kauflungen. Der Stein markiert die Stelle, an die sein Kopf nach seiner Hinrichtung im 15. Jahrhundert gerollt sein soll.

 
 

Durch ein schmales Gässchen findet man zum

Petriplatz mit der Petrikirche

Auf dem höchsten Punkt der Innenstadt wurde sie 1190 als Pfarrkirche im romanischen Baustil errichtet. Davon sind aber nur noch Reste im Chorraum sichtbar. Ich blieb nach Betreten der Kirche erstmal stehen – diese Verbindung von alt und neu habe ich nach dem Äußeren der Kirche soooo nicht erwartet. Das Hauptschiff ist heute Gottesdienstraum und zugleich ein Fest- und Gemeindesaal. Im Chor ist eine Ausstellung zu sehen.
Die größte zweimanualige Orgel von Gottfried Silbermann findet sich in der Petrikirche. Wir haben ein kleines Orgelkonzert nur knapp verpasst.

In der Kirche kamen wir ins Gespräch mit einer sehr netten Dame, die den Besuchern auf Wunsch Informationen zur Kirche vermittelt. Sie hat uns auf das Werk hinter Glas neben dem Taufbecken aufmerksam gemacht. Es ist ein Relief aus der Werkstatt des Freiberger Bildschnitzers Philipp Koch, und ist ein Teil eines „Schmelzer-Altars“. Koch, auch als „Meister der Freiberger Domapostel“ bezeichnet, ist auch für die Arbeiten im Dom verantwortlich.
Der 74 Meter hohe Petriturm bietet eine einmalige Sicht über die Stadt, war aber zum Zeitpunkt unseres Besuchs wegen Corona geschlossen. Ab dem 15. Jahrhundert bis 1905 wohnten hoch oben die städtischen Türmer, die von hier den besten Ausblick auf Feinde und Feuer hatten.

Jetzt seid ihr ein bisschen dran – ob ihr es findet?
Das Cafe Hartmann, das seit 1911 seine Gäste verwöhnt? Oder die Tratschweiber am Brunnen, die über die Neuigkeiten der Stadt tratschen (und vermutlich auch über deren Bürger?) Und da wäre noch der Bergmann der an den Bergbau der Region erinnert. Ein Blick wert ist auch die Darstellung der Anna Selbdritt, die Hl. Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesusknaben.
Und auch dem Theater Freiberg darf man einen Blick gönnen – es ist das älteste Stadttheater der Welt und wird wegen seiner Innenausstattung auch die „kleine Semperoper“ genannt.

Und dann standen wir – vor

der Nikolaikirche in Freiberg

und vor verschlossenen Türen. Denn die Kirche, die sie nach außen ist, wird nicht mehr als Kirche genutzt. Sie entstand zweichen 1185 und 1190 und ist damit die zweitälteste Kirche in Freiberg. Romanisch sind heute im Wesentlichen nur noch die Türme. Ein Stadtbrand hat auch auch diese Kirche nicht verschont, sie erhielt anschließend einen barocken Umbau. Heute ist sie Konzert- und Tagungshalle.

Ihr wundert euch in meinem Bericht vielleicht schon etwas – noch gar keine Kaffeepause? 😂 Doch – JETZT! Nein, eigentlich war es an diesem Tag auch uns zu heiß für Kaffee. Jetzt durfte was Kühles, erfrischendes her – zusammen mit einem leckeren kleinen Mittagessen ‚vom Griechen‘. Ich kann euch diese Gaststätte die am

Untermarkt von Freiberg

mit einer großen Außenbewirtschaftung ist, wärmstens empfehlen. Es war megaaaa lecker.
Der Untermarkt hat keine so strenge Anordnung wie am Obermarkt. Mit den kleinen Gässchen und den Gebäuden, die meist aus dem 16. Jahrhundert stammen ist es hier irgendwie … hmmm … wie soll ich sagen, gemütlich.
Während der Pause ging der Blick immer wieder hinüber zum

Stadt- und Bergbaumuseum

Es wurde im Stil der Gotik vor ca. 500 Jahren als Wohnstätte für die Geistlichkeit des Doms gebaut. Seit 1903 ist hier eines der ältesten städtischen Museen von Sachsen untergebracht. Es soll außergewöhnliche Schätze beherbergen. Wir haben auf einen Besuch verzichtet. Irgendwann nach zwei Wochen ist jetzt buchstäblich die Luft raus für Besichtigungen. Wir haben mit Sicherheit auch nicht alles gesehen, was die Silberstadt Freiberg weiteres zu bieten hat. Aber man soll es ja auch nicht übertreiben und immer noch etwas für einen eventuell weiteren Besuch übrig lassen. Vielleicht habt ihr ja nach diesem Bericht Lust auf eine Besichtigung?

Jetzt bleibt nur noch der

Dom St. Marien zu Freiberg

für die Besichtigung übrig. Und da hat es mich ganz gehörig ‚vom Hocker‘ gerissen mit diesem Dom und den herrlichen Schätzen in ihm. Aber die könnt ihr alle ausführlich in meinem Bericht zum Dom St. Marien bewundern. Das wäre alles viel zu viel für diesen Beitrag. Informiert euch aber bitte zu Corona-Zeiten wegen den Öffnungszeiten.

Altar Dom St. Marien zu Freiberg
Dom St. Marien zu Freiberg
Kurfürstliche Grablege im Dom St. Marien zu Freiberg

Abgesehen von den drei Tagen im Spreewald, waren wir fast zwei Wochen in Sachsen unterwegs. Ich war begeistert über die Vielfalt die dieses Bundesland, das bis vor zwei Jahren noch überhaupt nicht auf unserem Reiseplan stand, zu bieten hat. Und wir waren ohne Diskussion der Meinung, Sachsen, genauso wie Sachsen-Anhalt kommt auf den „Wiederholungszettel“. Es gibt ja noch sooooviele andere Regionen in den beiden Bundesländern, die von uns noch entdeckt werden wollen.

Da wir jetzt durch den Umzug wieder näher der tschechischen Grenze waren, lebte während unseres Urlaubs der Gedanke Prag zu besuchen wieder auf. Prag stand schon länger auf der „da müssen wir unbedingt hin“ Liste, aber nur mal so über ein Wochenende? Vieeeeeel zu wenig 🙂
Wir haben kurzerhand für 4 Tage eine traumhafte Wohnung in der Innenstadt gefunden. Dies war auch dem Umstand „Corona und die Folgen“ geschuldet. Die Grenze wurde erst ein paar Tage vor unserer Ankunft geöffnet, und wie überall, wollten die Vermieter ihre Wohnungen an die Leute bringen – für die Innenstadt Prag mit ‚Spottpreisen‘ (was ja unser Vorteil war).
Ob wir tatsächlich dann nur 4 Tage in Prag waren? Lasst euch überraschen und seid weiter mit mir auf Reisen.
Das Abenteuer Prag beginnt …..

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