Ein gigantischer Einschlag vor über 15 Millionen Jahren, die Römer und die Staufer sind schuld daran, dass es die herrliche Stadt Nördlingen im Donau-Ries Landkreis gibt. Ein Bummel durch die Altstadt von Nördlingen kann in alte Zeiten zurückversetzen.

Ich habe mich heute freiwillig zurückversetzen lassen und einen Bummel durch Nördlingen unternommen. In der Serie „Heimatkunde“, die durch die Absage unserer Reise im Herbst nach Prag entstanden ist, darf natürlich Nördlingen nicht fehlen. ‚Nearle‘ wie wir Schwaben von der Ostalb die herrliche Stadt abkürzen, liegt kurz nach der Landesgrenze in Bayern und von meiner Heimatstadt in knapp einer Stunde zu erreichen. Wir sind recht früh mit Fridolin Richtung Landesgrenze aufgebrochen, war mir doch schon im Vorfeld bewusst, dass wir Nördlingen nicht in zwei Stunden ‚durch‘ haben. Und wir haben auch nach einem Tag noch nicht alles gesehen.

Nördlingen weiß um die Bekanntheit der Stadt und hat Vorsorge getroffen für die vielen Besucher, die die Altstadt erobern möchten. Rings um die Stadtmauer gibt es reichlich Parkplätze, die das Herz eines Schwaben (aber vermutlich nicht nur deren Herz) zum Hüpfen bringen. Kostenfreies Parken!! Sorry meine liebe Heimatstadt – nehmt euch mal ein Beispiel! Auch Dinkelsbühl möchte keinen Cent für Besucherparkplätze außerhalb der Altstadt. Fridolin hatte an diesem frühen Morgen noch reichlich Auswahl, auch weil wir einen Wochentag als Ausflugstag gewählt haben.

In den Altstadtring von Nördlingen kommt man nur durch eines der fünf Stadtmauertore. Und die liegen alle im Rund verteilt um die Stadt in der Stadtmauer, einer weiteren Besonderheit Nördlingens. In Nördlingen sind eben „die schönsten Ecken rund“ – mit diesem Slogan macht die Stadt Lust auf die Entdeckung. Und zu der nehme ich euch in

meinem persönlichen Bummel durch Nördlingen

mit.
Wir sind durch das Baldinger Tor, aber nicht direkt Richtung Innenstadt. Ich nehme Stadtführer immer nur als eine Richtlinie. Unsere Erkundungen fädeln wir aber meistens von hinten auf 😀 😀

Baldinger Tor in Nördlingen
Baldinger Tor in Nördlingen

Dem Heilig-Geist-Spital in Nördlingen

läuft man auf dem Weg Richtung Innenstadt von diesem Stadtzugang unweigerlich über den Weg. Eigentlich ist es ja ein ganzes Areal und die im Jahr 1233 urkundlich erwähnte Versorgungsstätte gehört zu den Ältesten ihrer Art in Deutschland. Unterstützt durch Stifungen und Besitz von Gütern konnte sich das Spital, damals noch außerhalb der Stadt, ganz um die Pflege von alten und kranken Menschen kümmern. Die Lage außerhalb der Stadt war klar, man wollte die Stadt vor Krankheiten schützen. Dies gelang aber nur bis 1327, als die Stadtmauern erweitert wurden, und das Heilig-Geist-Spital nun in den Altstadtring mit einbezogen wurde. Auch heute ist der ursprüngliche Zweck noch in Teilen erhalten geblieben, ein Pflegezentrum befindet sich in einem Teil des Areals.
In einem anderen Gebäudetrakt ist das RiesKrater Museum untergebracht, dem wir aber nur einen Blick von außen geschenkt haben. Die Spitalkirche aus dem 13. Jahrhundert, und die älteste Kirche der Stadt, hat uns keinen Einlass gewährt.

Bevor wir in eine Ecke von Nördlingen kommen, die mir persönlich mit als eine der reizvollsten Flecken gefällt, gibt es

ein bisschen Geschichte zur Stadt Nördlingen

In einem Atemzug mit dem Namen Nördlingen wird man mit einem Knall etwa 15 Millionen Jahre zurückgeschleudert. Denn nahe dem heutigen Stadtkern knallte mit voller Wucht ein Asteroid von etwa einem Kilometer Durchmesser auf die Erde und verursachte einen immensen Krater von ca. 4,5 Kilometer Tiefe. Ich möchte mir nicht vorstellen, wieeeee viel Gestein durch die Luft geschleudert wurde, und wieeee viel Glut als Gesteinsschicht wieder auf die Erde geprasselt ist. Dank der Eiszeit ist es zu fruchtbarem Boden geworden, der verbliebene Krater mit etwa 25 Kilometer Durchmesser hat den Namen Nördlinger Ries bekommen. Er ist der beste erhaltene Krater Europas, um den eine wunderschöne Landschaft entstanden ist. Einige der großen Gesteinsblöcke könnt ihr im Wental erleben, das einen eigenen Bericht in meinem Reiseblog hat.

Schon zu Zeiten der Kelten oder Römer sind im Ries Besiedlungen nachgewiesen. Erstmals erwähnt wurde Nördlingen aber erst so zwischen 750 und 805. Gibst du mir, geb ich dir – das war damals schon das Motto, denn es wurde in einer Urkunde belegt, dass ein ostfränkischer König dem Bischof von Regensburg einen Königshof überließ, natürlich samt Gut und Häusern und der den Bewohnern lebenslanges Nutzungsrecht gab. So blieb das viele viele Jahre, der kleine Bereich wuchs zum Markt. Und dann kamen die Staufer, die aus dem kleinen Flecken so etwa um 1215 eine Stadt machten. Belegt ist dies durch den Kaufnachweis von König Friedrich II. (später Kaiser), der Nördlingen vom Bistum Regensburg abkaufte. Der Stauferkönig ließ die erste (kleinere) Stadtmauer errichten und machte die Stadt nach und nach zum wichtigsten Handelsplatz. Dem kam zugute, dass die Stadt an der Kreuzung von zwei großen Handelsstraßen lag, so quasi ‚an mir kommst du nicht vorbei‘. Damit wurde Nördlingen, neben Frankfurt, zu einer der wichtigsten Fernhandelsmessen Deutschlands. Durch ein Recht an Nürnberg, welches Friedrich II. 1219 gewährte, hatte die Stadt dann auch eine Münze. Die Stadt wurde durch viele Privilegien und Sonderrechte 1434 Reichsstadt. Bis dahin war es aber ein harter Kampf, denn 1250 hatte König Konrad IV. die Stadt an die Grafen von Oettingen verpfändet, die die Stadt zu ihrer Territorialstadt machen wollten. 1323 schaffte es die Stadt sich freizukaufen und nach und nach bekam sie die Zusage des Kaisers nicht mehr verpfändet zu werden.

Verlierer sein, war für das Haus von Oettingen aber gar nicht so einfach wegzustecken. Ganze acht Mal versuchten sie über Kriege die Stadt doch noch zu kassieren. Es blieb aber bei den Versuchen. Die Stadt wuchs, es siedelten sich viele Handwerker an und ab 1327 musste die Stadtmauer erweitert werden. Größere Kirchen mussten her, um 1427 entstand so die größere Kirche St. Georg mit dem zentralen Mittelpunktsturm, dem Daniel.

An der Stadt gingen Hexenverfolgungen und vor allem auch nicht der Dreißigjährige Krieg spurlos vorbei. 1634 musste sich die Stadt in der Nördlinger Schlacht geschlagen geben und wurde protestantisch. 1803 fiel Nördlingen an die Bayern und damit wurden wieder katholische Pfarreien eingerichtet. Einige kriegerische Auseinandersetzungen folgten und wirtschaftlich ging es mit der Stadt bergab. Die einst wichtigen Gewerbe verloren durch die Verlegung der Handelswege im 16. Jahrhundert ihre Bedeutung. Und mit Anschluss an die Bayern war es fortan auch keine Reichsstadt mehr. Immerhin hat die Stadt den zweiten Weltkrieg weitgehendst unbeschadet überstanden. Was auch gut war, denn so kann sich die Altstadt noch so präsentieren wie sie einst war. Und gibt ihr damit das Flair, das auch mich in den Bann gezogen hat.

Vor allem bei dem Viertel, das damals mit eins der wichtigsten Handwerke in der Stadt war. Kommt mit mir ins

Gerberviertel in Nördlingen

Ich liebe solche idyllischen Flecken und die Bewohner wissen vermutlich, dass ich da nicht die Einzige bin. Die Häuser sind hübsch hergerichtet und liebevoll dekoriert. Und die Eger, die hier durchfließt, tut noch ihr übriges dazu. Die Gerberei war eines der bedeutendsten Gewerbe in der Stadt und um 1618 soll es hier 152 Gerber gegeben haben. Auch heute zeigen die Dachgeschosse der Häuser die Trockengalerien, in denen die Tierhäute zum Trocknen aufgehängt wurden. Bis 1961 war hier noch eine Gerberei aktiv, und immer noch ist man dabei die Häuser denkmalgerecht zu sanieren. Die Besonderheit hier in Nördlingen ist, dass es eines der größten Viertel dieser Art in Deutschland ist, mit den ältesten Gerberhäusern.

Mit einem Blick auf die Stadtmauer, zu der ich später noch ausführlich komme, geht es ums Eck zur

Neumühle in Nördlingen

die an der schmalen Eger ihren Platz hat. Direkt an der Brücke die aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammt. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ …. nein, ruhig geht es in dieser Ecke von Nördlingen zu, wo sich außer uns kein Tourist hin verirrt hatte.

Durch die Mühlgasse mit ihren vielen Fachwerkhäuschen (und nicht Fachwerk 🙂 ) geht es weiter …

zu den

Schrannen in Nördlingen

„Schranne“ ist im Süddeutschen Raum der Begriff für einen Kornspeicher. Die Straße ‚Bei den Kornschrannen‘ besteht in Nördlingen schon seit 1402, was dafür spricht, dass an diesem Platz damals schon Handel mit Getreide betrieben wurde. Unübersehbar ist auf dem Platz der rote große Bau, an dem zu damaliger Zeit Getreide angeliefert wurde. Ihr solltet euch den Blick ins Innere des Gebäudes gönnen. Wenn der kleine Hunger drückt, bekommt ihr bei dem Metzger drinne leckere Leberkäswecken (zu deutsch: Leberkässemmel) und viele andere Leckereien bietet die kleine Markthalle an.

Auch dem Brunnen am Viehmarkt sei ein Blick gegönnt. Scheinbar könnte man meinen, die beiden wären noch in einem Handel um Borsten- und Federvieh 🙂
Es sind viele kleine Details (auch mit Kopf in den Nacken) die hier zu entdecken sind …

Schon fast in greifbarer Nähe, der Mittelpunkt mit der Kirche St. Georg – wenn, ja wenn wir nicht in die

Judengasse in Nördlingen

abgebogen wären. Kein weiterer Tourist hat sich außer uns in diese Gasse verirrt. Der Gang lohnt sich nicht nur wegen dem schrägen Haus, das sich am Nachbargebäude ‚anlehnt‘. Man darf sich hier auch der jüdischen Gemeinde erinnern, die in Nördlingen bereits im Mittelalter und weiter im 13. Jahrhundert schon bedeutend war. Im 14. Jahrhundert gab es hier eine Synagoge. Nachdem im ersten Judenprogrom 1384 alle Juden der Stadt ermordet wurden, gingen die Häuser und Synagogen in Stadtbesitz über. Lange Jahre waren überhaupt keine Juden mehr in der Stadt ansässig, bis sich im 15. Jahrhundert wieder eine kleine Gemeinde bildete, bis sie eben wieder die Stadt verlassen mussten. Erst 1860 durften sie wieder in der Stadt leben. Eine Stele gedenkt der Juden, die vertrieben wurden und ihr Leben lassen mussten.

Den Abstecher Richtung Hafenmarkt haben wir ausgelassen. Es ist die höchste Erhebung der Stadt und der älteste Siedlungsbereich in Nördlingen. Wir sind eine Straße davor in die Eisengasse abgebogen, und haben

dem Schneidt’schen Haus

einen Besuch abgestattet. Das fällt euch in dieser Straße gleich auf. Wuchtig groß in einem warmen Gelbton präsentiert sich das ehemalige Bürgerhaus, das nach einem Brand 1567 neu aufgebaut wurde und anschließend 1794 noch eine Veränderung erfuhr. Der Reichsvizekanzler war in früherer Zeit Besitzer und es hat hochrangige Gäste beherbergt. 1513 wählte es Kaiser Maximilian I. als Quartier und 1632 der Schwedenkönig Gustav II. Adolf. Werft einen Blick in den Durchgang. Hier können Künstler ihre Werke ausstellen.

Am Ende der Straße gibt es einen Blick auf das

Leihhaus in Nördlingen

​Es steht im Schutz des Rathauses und ist 1522 erbaut. Bevor ab 1851 das städtische Pfand- und Leihhaus sein Domizil hier aufschlug, diente es als Kanzlei und Waage. Außerdem konnten es die Tuchhändler zu Verkaufszwecken nutzen. Fehlt euch die Übersicht über die Stadt, so wird euch bestimmt in der Tourist-Info weitergeholfen, die ihren Sitz im Leihhaus hat.

 

 

Einmal umdrehen bitte, und ihr seht die Rückseite vom

Rathaus in Nördlingen

Es ist eines der ältesten Rathäuser in Deutschland und gehörte einst den Grafen von Oettingen. Ja, genau denen, über die ich weiter oben geschrieben habe und die gerne immer in Nördlingen das Sagen gehabt hätten. 1313 haben die aber nichts besseres zu tun gehabt, als es an das Kloster Heilsbronn zu verkaufen. Nachdem es die Stadt zunächst vom Kloster gepachtet hatte, gehörte es 1525 wieder zum Eigentum der Stadt. Aber von 1382 bis zum heutigen Tag, wird es ununterbrochen als Rathaus genutzt.

1618 wurde die Freitreppe angebaut. Und natürlich komplett aus dem Suevit Stein, den der Meteoriteneinschlag hinausgeschleudert hat. Das ist schon so ein kleines Schätzchen da am Rathaus, das auch noch gotische und Renaissanceelemente zeigt. Zwei Löwen im Portal halten das Stadtwappen hoch. Seht ihr die kleine Türe unterhalb dem Treppenaufgang? Sie geht in ein fensterloses Gefängnisverlies. Keine Sorge, die ist fest verschlossen. Genauso wie das kleine Verlies mit dem vergitterten Fensterchen. Das war früher das „Narrenhäuslein“. Kleine Vergehen hat die Stadt, bzw. haben die Bürger der Stadt mit Spott bestraft. Denn wer ein leichtes Vergehen begangen hat, landete im „Narrenhäuschen“ und war sich der mit der zur Schaustellung dem Spott der Bürger sicher.

Auf dem

Marktplatz mit dem Brot- und Tanzhaus

macht da auch noch das Hohe Haus auf sich aufmerksam. Nicht in die Breite, sondern in die Höhe – war wohl hier das Ansinnen. Ich könnte mir vorstellen, dass man damals einfach nicht mehr Geld hatte um weiteren Grund zu erwerben? 36 Meter ist es hoch und hat neun Stockwerke, und ist damit das älteste mittelalterliche Hochhaus in Deutschland. Vor 1296 soll es erbaut worden sein. Beachtliche Leistung!

Der Besitzer dachte sich vielleicht auch, mit dem Brot- und Tanzhaus kann ich in der Länge nicht mithalten, geh ich in die Höhe 🙂 Bis ins 17. Jahrhundert wurden im Erdgeschoss die Läden an die Bäcker vermietet, was einen Teil im Namen des im 15. Jahrhundert entstandenen Gebäudes erklärt. Zu Messezeiten diente der 1. Stock als Verkaufsfläche für die Tuchhändler, die sich aus ganz Europa hier versammelten. Wenn keine Messe war, feierten und tanzten dann in dem großen Saal die ‚besseren‘ Leute aus Nördlingen.

An der Ecke des großen Gebäudes schaut Kaiser Friedrich II. auf den Marktplatz herunter. Er wird sich vielleicht heute noch freuen, dass er 1215 mit dem Tausch mit dem Bischof von Regensburg die Grundlage für das heutige Nördlingen geschaffen hat. Aber ganz klar wird auch noch ein weiterer Kaiser mit einer Statue geehrt – Kaiser Maximilian I., der sich mehrfach in Nördlingen aufgehalten hatte und dort auch einen Reichstag abgehalten hatte.

Jetzt endlich ist die

evangelische Kirche St. Georg in Nördlingen

an der Reihe. Schon vor den Stadttoren ist der Kirchturm „Daniel“ weithin sichtbar. Und bei ihm die Kirche St. Georg. Eigentlich ist der knapp 90 Meter hohe Turm ja wie die Türme in der Stadtmauer ein Wachturm. Die Türmer hier oben hatten den besten Überblick, soll man doch von hier weit ins Umland sehen können. Noch immer ertönt jeden Abend der Ruf „So, G’sell, so“ der in früherer Zeit dann die Runde um die Mauer gemacht hat. So wurde sichergestellt, dass kein Turm ohne Bewachung ist und der Türmer nicht schläft. Die Geschichte hinter diesem Ruf könnt ihr bei meinem Stadtmauerrundgang nachlesen.
Als eine der letzten und größten Hallenkirchen im süddeutschen Raum ist St. Georg ab Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden. Auf den ersten Blick scheint sie den äußeren schlichten Eindruck auch innen wiederzugeben. Aber der Schein trügt manchmal und auch bei mir ist oft ein zweiter Blick nötig, um das erste Urteil zu revidieren. Warum ich diese erste Meinung geändert habe, das könnt ihr ausführlich im Bericht über die Kirche St. Georg nachlesen. Glaubt mir, es lohnt sich!

Wir sind der Meinung, JETZT haben wir uns eine Kaffeepause redlich verdient. Gar nicht so einfach hier um den Marktplatz zu Corona Zeiten.

Wir haben ein Plätzle im Rathauscafe gefunden. Ein nettes Gespräch mit der Inhaberin gab es gratis dazu 🙂

Bei warmem Wetter sind das herrliche Fleckchen um seinen Kaffee zu genießen. Ich haderte bis zu diesem Zeitpunkt, ob ich mich mit dem Wettergott etwas anlegen sollte.

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 Hatte doch der Wetterbericht noch am Vorabend ein anderes Wetter verkündet. Aber man soll sich ja nicht mit den Personen anlegen, die einem noch nützlich sein sollen? Vielleicht hat Petrus meine Gedanken gespürt – war es vor unserem Aufwärmbesuch im Cafe noch gefühlt ‚Gesäßkalt‘, erwartete uns anschließend herrlicher Sonnenschein. Tja, da oben im Ries dauert es halt immer etwas länger, so wie bei uns auf der Ostalb im Härtsfeld bis die Sonne sich raus traut. 😎 (gottlob lebe ich nicht in dieser Ecke).

Dankbar über die jetzt wärmenden Sonnenstrahlen haben wir unseren Bummel durch Nördlingen fortgesetzt. Und wer glaubt, dass man ja mit dem Marktplatz schon das Meiste von Nördlingen gesehen hat, der irrt. Wir haben den Marktplatz über

die Polizeigasse

verlassen und dort so manch Sehenswertes entdeckt.

Am Weinmarkt und dem Hallgebäude

war der nächste längere Stopp. Einmal im Kreis gedreht sieht man die Renaissangebäude, von denen das Hallgebäude das imposanteste ist. 1544 wurde es fertig, damit es als Lagerstätte und Verkaufsgebäude für Salz, Getreide und Wein dienen konnte. Fünf Jahre später wurde es der Amtssitz der städtischen Zahlmeister.
Auch in Nördlingen war die Zeit der Hexenverfolgung recht schlimm. Innerhalb acht Jahren wurden 34 Frauen und ein Mann wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Da half auch nicht, dass der Theologe Lutz gegen dieses Gebaren war, welches durch den damaligen Bürgermeister der Stadt 1589 begann. Der Rat der Stadt verbat sich seine Einmischungen und richtete weiter. Auch eine Ehefrau eines Zahlmeisters wurde Opfer des Hexenwahns.

Ein Ende der Hexenverfolgung setzte 1594 Maria Holl, der mit einem Brunnen auf dem Weinmarkt gedacht wird. Sie verweigerte trotz Folterungen jegliches Geständnis, was zunehmend Zweifel aufkommen ließen. Waren es tatsächlich wahre Geständnisse, die unter Folter erpresst wurden?

Insgesamt soll es in Nördlingen 15 Marktplätze als Umschlagplätze für Güter gegeben haben. Puhhh …. wir haben ganz schön ausgelassen. Aber es wäre ja langweilig, wenn ich euch einen kompletten Stadtrundgang vorlegen würde, oder? Schließlich soll ja mein Bericht nur eine Anregung sein, Nördlingen selber zu entdecken.

Wir haben uns in eine Ecke verirrt, wo wir mal wieder als einzige Touristen unterwegs waren. Immer weiter vom Zentrum entfernt durch die

Lange Gasse in Nördlingen

unserem nächsten Ziel entgegen.

Dieses Ziel heißt

die St. Salvator Kirche in Nördlingen

1381 soll sie nach einem Wunder erbaut worden sein. Zunächst als kleine Kapelle. Nachdem der Zustrom an Wallfahrer immer größer wurde und die Kapelle zu klein, bautte der dort angesiedelte Orden eine größere Kirche, die 1422 geweiht wurde. Auch hier, wie bei der Kirche St. Georg, sollte man sich vom äußeren schlichten Eindruck nicht täuschen lassen. Wir hielten uns eine Weile in der St. Salvatorkirche auf, die einen eigenen Beitrag in meinem Reiseblog bekommen hat.

Jetzt standen wir da, fast am gegenüberliegend von DEM Stadttor, vor dem Fridolin geduldig auf uns wartet. Für den Rückweg haben wir uns den Weg gewählt, den es einzigartig in Deutschland so nur in Nördlingen gibt. Auf 2,6 Kilometern Länge geht um die Stadt Nördlingen ein komplett intakter begehbarer Wehrgang, der zudem auch noch überdacht ist. Auf dem Weg

zum Stadtmauerrundgang um Nördlingen

sind wir noch an schön hergerichteten und liebevoll dekorierten Häusern vorbeigekommen.

Die Seelhäuser in Nördlingen

waren Mitte des 15. Jarhunderts sowas wie der soziale Wohnungsbau der Neuzeit. In sechs kleinen Wohnungen bekamen alleinstehende bedürftige Frauen ein Unterkommen. Entstanden ist die Siedlung, um ganz genau zu sein, 1453 und ist damit älter als die Augsburger Fuggerei. Die gestiftete Reihenhaussiedlung stammt nämlich erst aus dem Jahr 1521. Inzwischen wurden die ursprünglich kleinen Wohnungen auf 12 Wohnungen aufgestockt. Sie befinden sich heute in der Verwaltung der Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen.

Hab ich euch Lust auf Nördlingen gemacht? Dann nichts wie los und selber die mittelalterliche Stadt erkunden. Vielleicht entdeckt ihr dann auch die Fleckchen, die wir bei unserem Bummel durch Nördlingen ausgelassen haben. Aber wer weiß? Soooo weit ist Nördlingen ja von meiner Heimatstadt nicht weg. Vielleicht sehen wir uns ja wieder?
Viel Freude bei euren Entdeckungen!

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