Die Halbinsel Kampa, ein wunderschöner Park zwischen der Moldau und der Prager Kleinseite, ist mit dem Teufelsbach (Čertovka) und den Mühlen einer der romantischten und schönsten Flecken in Prag.

Nachdem wir den Vormittag mit der Besichtigung des Petřín (Laurenziberg) verbracht haben, und wir uns in dessen kleinem Park auf der Kleinseite noch eine kleine Erholung gegönnt haben, stand fest, dass wir uns am Nachmittag durch die Prager Kleinseite treiben lassen. Ja, das haben wir, nachdem der jeweilige Hauptbesichtigungspunkt für den Tag erledigt war, in unseren vier Wochen in Prag des öftern getan. Viel zu viele Besichtigungen kamen bei unserem ersten Aufenthalt im Juni 2020 einfach zu kurz, oder wir haben sie nur am Rand gestreift. So war das auch mit der kleinen Halbinsel Kampa.

Eigentlich ist ja unser Leitsatz ‚was wir einmal gesehen haben, steht nicht mehr auf unserem Besichtigungsplan‘. Es sei denn, man kommt ohne Absicht nochmal vorbei – eben dann, wenn wir uns einfach durch die Stadt treiben lassen. Nachdem wir die Besichtigung des Petřín am Denkmal für die Opfer des Kommunismus beendet haben, wollten wir den Nachmittag an der Moldau beschließen. Für mich als ‚Wasserkind‘ kann es nie genug Wasser sein. Bitte nicht von oben, und auch nicht von unten – aber ich bin eben einfach extrem gerne am Wasser. Zum Schauen, beobachten, fotografieren – oder einfach nur am Wasser entlang gehen.

Auf der Straße Vítězná geht es Richtung Moldau, und damit beginnt

mein Ausflug auf die Halbinsel Kampa in Prag

und zwar an einer Brücke, die schon beim Besuch des Tanzenden Hauses auf der anderen Moldauseite meine Aufmerksamkeit bekam.

Die Brücke der Legionen (Most Legií) in Prag

ist der südliche Beginn der Kampa, und man darf ihr durchaus ein paar Blicke schenken (wie so vielen anderen Moldaubrücken auch). Die Brücke darf sich als zweite Moldaubrücke in Prag rühmen. Die Karlsbrücke schaffte einfach nicht mehr das Verkehrsaufkommen, das von der Altstadt auf die andere Moldauseite, auf die Kleinseite wollte. Also musste dringend eine zweite Brücke her, mit deren Bau 1839 begonnen wurde. 413 Meter wurde sie lang und konnte Anfang November 1841 endlich für die Fuhrwerke freigegeben werden. Obwohl die Ingenieure wohl wirklich ihr Bestes für die Stabilität der Brücke getan haben, zeigte sich bald, dass die Tragkraft doch einfach zu gering bemessen war. So mussten ab 1857 die schweren Gefährte wieder über die Karlsbrücke und die Pferdestraßenbahnen hatten vor der Brücke ihre Endstation. Fahrgäste mussten zu Fuß über die Brücke, um auf die andere Seite zu kommen. Ja, ihr habt richtig gelesen – Pferdestraßenbahn. Die Wagen wurden zu dieser Zeit noch von Pferden gezogen.

1898 wurde dann der gesamte Verkehr über die Brücke eingestellt, und mit dem Bau einer neuen Steinbrücke begonnen. Im Juni 1901 wurde die von Kaiser Franz Joseph für den Verkehr freigegeben. Er gab der Brücke auch seinen Namen. Die neue Brücke wurde 343 Meter lang und steht auf neun Bögen, die sich über die Moldau spannten. Ganz klar, dass hier keiner an die Meisterleistung von Peter Parler bei der Karlsbrücke mit ihren 16 Bögen herankommt.

Rechts und links der Brücke kassierte man in jeweils zwei kleinen Türmchen die Mautgebühr für die Überquerung. Kein Name ist für die Ewigkeit. Die Brücke musste sich an einige neue Namen gewöhnen, der erste neue Name war 1919 Brücke der Legionen. Die Monarchie war zu dieser Zeit beendet und der Staat Tschechoslowakei war gegründet. Aber dieser Name galt nur mit Unterbrechungen,  u.a. durfte sie für fünf Jahre mal Smetana-Brücke heißen. Vermutlich als Ehrung für den tschechischen Komponisten, der auf der anderen Moldauseite seine Heimat hatte. Ab 1990 bekam die Brücke dann wieder den Namen ‚Brücke der Legionäre‘.

Damit sollte Bezug auf die Freiwilligen, die als Armee für die Erlangung der Unabhängigkeit der Monarchie und für einen selbstständigen Staat kämpften, genommen werden. Es gibt neben der Brücke auch auf dem Pod Emauzy-Platz, nähe dem Emmauskloster, ein Denkmal der Legionäre, das den Kämpfer für Prag gewidmet ist.

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Noch auf der Brücke lohnt sich ein Blick Richtung Süden zur

Schleuse Smichov in Prag

Die Vítězná Straße ist der Trenner zwischen den beiden Stadtteile Smichov und der Prager Kleinseite. Die Schleuse hier gilt als eine der häufigst in Anspruch genommenen Schleusen in Prag. Denn egal in welche Richtung man in Prag auf der Moldau eine Ausflugsfahrt mit dem Schiff machen möchte, irgendwann endete diese in einer Schleuse (sofern sie denn länger gehen sollte, als unter drei Brücken durch).

Schleusen hat mich schon bei unserem Urlaub an der Mosel interessiert und fasziniert. Per Zufall kamen wir direkt an einer Moselschleuse vorbei und ‚Schiff sei Dank‘ konnten wir diesen Vorgang bei der Schleuse in Aldegund direkt beobachten. Noch interessanter war es allerdings bei unserer Kanufahrt im Spreewald. Auch dort durften wir mit dem Kanu zweimal durch die Schleuse. Das war vielleicht ein wackeliger Spass kann ich euch sagen 😀 😀 😀

Hier in Prag haben wir uns das Vergnügen einer zweistündigen Schifffahrt auf der Moldau, inklusive Schleuse, gegönnt. Mein Fazit dazu: Wer Geld übrig hat, darf sich dieses Fahrt gerne gönnen. Wir sind um eine Erfahrung für meinen Reiseblog und der Erkenntnis ‚muss man nicht zwingend haben‘ reicher. Warum? Für ca. 30 € pro Person (inkl. Buffet) haben wir von der Moldau alles das gesehen, was man rund um die Altstadt bequem zu Fuß sehen kann. Das Schiff drehte in Holešovice, einem Stadtteil von Prag, den wir später bequem mit der S-Bahn erreicht haben. Und das Essen? Wir haben in unserem Stammlokal zu Zweit für 25 € (inkl. Getränke) fürstlich gespeist. Solltet ihr das bei einer Pragreise unbedingt auf dem Zettel haben, schaut nach einem kleinen Ausflugsboot bei der Karlsbrücke und – vor allem nach den Preisen. Ja, sorry, ich kann leider auch kritisch.

Schon wenige Meter nach der Brücke der Legionen (Richtung Karlsbrücke) beginnt die kleine Halbinsel. Mit den nachfolgenden Fotos könnt ihr schon erahnen, was euch erwartet:
viele kleine und größere Cafés und Restaurants, ein herrlicher großer Park, Romantik pur … und noch viel mehr.

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Bevor es richtig romantisch wird –

ein bisschen Geschichte zur Entstehung der Halbinsel Kampa in Prag

die zum ersten Mal 1169 erwähnt wird. Vladislav II. hatte das Sagen zu dieser Zeit, aber auch die Staufer, auf deren Spuren ich in meinem Reiseblog ja auch unterwegs bin. Kein Wunder, ich leb ja auch im Stauferland. Es war also in der Zeit, als Friedrich I. Barbarossa Kaiser war und bei dem Vladislav nicht die erste Wahl als König von Böhmen war. Also musste man sich halt ein bisschen an den Kaiser ranschleimen und hofieren. Bedeutet zu dieser Zeit – ich begleite den Kaiser auf seinen Feldzügen, vielleicht bringt mir das ja Wohlwollen ein. Dieser Gedankengang ging auf, der Kaiser krönte 1158 Vladislav in Regensburg zum König von Böhmen, gleichzeitig bekam er auch noch Bautzen dazu, heute im nördlichen Zipfel von Sachsen und eine wunderschöne sehenswerte Stadt.

Vladislav war in seiner langen Regentschaft (bis 1172) ein fleißiger Herrscher, und brachte das Land zum Blühen. Wie später Kaiser Karl IV. auch, holte Vladislav II. schon zu der Zeit Orden in die Stadt und gründete Kirchen und Klöster. So fällt z.B. die Gründung von Kloster Strahov in seine Zeit. Auf die Kleinseite holte er auch den Johanniterorden. Diesem Orden dachte er aber noch eine andere Aufgabe zu: bis dato gab es ja nur eine Furt über die Moldau (die Karlsbrücke in heutiger Form kam erst unter Karl IV.) und da musste man schon aufpassen wer da von einer Seite auf die andere wollte, und was da alles auf der Moldau schipperte. Der Regent hat in seiner Amtszeit die erste Steinbrücke an Stelle der Furt bauen lassen und sie nach seiner Frau Judith, Judithbrücke, benannt. Dem Orden sprach er die Aufgabe zu, alles zu kontrollieren und entsprechend Zoll zu verlangen. Dafür bekam der Orden gehörig Besitz, der u.a. auch den westlichen Teil der Kampa betraf. Da entstand wie so ne kleine Stadt, die sogar die eigene Gerichtsbarkeit hatten. Wenn man links an der Karlsbrücke abzweigt, gelangt man zur Kirche der Malteser. An dieser Stelle ist man weit davon entfernt zu denken – das ist ja eine Halbinsel. Kein Wunder, die Kirche liegt außerhalb und damit links vom Teufelsbach.

platz na kampe prag halbinsel kampa 6679Das Feeling einer Halbinsel bekommt man erst südlicher. Ob sich der Name von dort herleitet? Campus – das Feld? Denn an dieser Stelle gab es zu dieser Zeit noch keine Bebauung. Die Moldau hätte alles bei einer Überschwemmung weggespült. Als es nach einem Brand auf der Prager Burg 1541 richtig viel Bauschutt gab, der irgendwie versorgt werden musste, kam man auf die Idee, diese Trümmer auf dem freien Feld aufzuschütten. Damit schuf man sich eine Bausubstanz, die Halbinsel wurde höher und konnte dann von den Leuten bewohnt werden. Einfache Leute waren es, die den Anfang der Bewohnung machten. Die Adeligen kamen erst später, im 17. Jahrhundert und bauten sich südlich der Karlsbrücke ihre Häuser. Die sind übrigens auch heute auf dem Platz Na Kampe noch teilweise erhalten.

Zu einer Halbinsel macht diesen Bereich

der Teufelsbach (Čertovka) auf der Halbinsel Kampa in Prag

der vor der Brücke der Legionen auf einer Länge von 740 Meter seinen Weg durch das 2,65 ha großem Gebiet auf der Kleinseite nimmt. Er macht damit diesen Bereich an der Moldau zu einer Halbinsel. So ganz ohne Hintergedanken wurde das Wasser aber nicht von der Moldau abgeleitet. Dazu später aber noch mehr.

Jetzt schau ich mir diesen kleinen Bach mal genauer an.

Richtig weit sind aber nicht gekommen. Noch am Anfang des großen Parks sah ich eine kleine Brücke über den Teufelsbach. Die Türe des Hauses war geöffnet, und beim zweiten Blick fiel mir auf, dass es sich um eine Gaststätte handelt. Oh Kaffeepause, DAS wäre jetzt mal eine richtige gute Idee …

die alte Mühle Hut‘ (OsMühle Huťtaš) auf der Kampa in Prag

wurde in eine Cafè/Kneipe umgewandelt und löste bei mir und meiner ‚Emma‘ einen kleinen Begeisterungsschock aus 🙂

Denn am Teufelsbach/Čertovka klappert nicht nur eine Mühle. So richtig viel über die alte Mühle und das noch existierende Mühlrad am Steg habe ich nicht gefunden. Nur dass es viele Besitzer und Nutzungszwecke im Laufe ihres Dasein gehabt hatte. Dass es einmal ein barockes Gebäude gewesen sein soll, sieht man heute nicht mehr. Seit 1995 ist es eine Anlaufstelle für eine kleine Pause zwischendurch. Wir hatten Glück und haben auf der kleinen Terrasse am Bach noch einen Tisch bekommen. Kurze Zeit später hätten wir da allerdings Pech gehabt. Die Tische füllten sich blitzschnell, und spätestens, nachdem wir unsere Bestellung bekommen haben, wussten wir auch warum.

Nakladany Hermelin Inges ReiseblogGanz ehrlich, zwei begeisterte Hobbyköche waren hier wirklich begeistert. Ich habe mir ja schon bei unseren vorherigen Pausen angewöhnt, nach einer Selfmade-Limonade auf der Karte zu schauen. Die sind einfach zuuuuu lecker in Prag und die deutschen Preise können da nur erstaunt schauen. Das Preis-Leistungsverhältnis in Prag und Tschechien ist einfach nur Top. Für 0,5 l Limonade mit Unmenge an frischen Früchten und Minze wird gerade mal 2,50 € verlangt. Für den kleinen Hunger zwischendurch hat mein Mann der „Hermelin“ angelacht. Offen für Neues stand er kurze Zeit später vor ihm. Nakládaný Hermelín ist in Tschechien ein Klassiker- ein in Öl eingelegter Käse, gefüllt mit Knoblauch, Zwiebeln und Gewürzen. Der Käse ähnlich einem Camembert. Tja, was soll ich euch sagen 😀 😀  – mein Mann war derart begeistert, dass der Hermelin im Schwabenland bei uns eingezogen ist. Da ich unseren Camembert selber mache, können wir ihn uns jederzeit mit einem Griff in den Kühlschrank gönnen.

Das Lokal ist in die Liste unserer Lieblingslokale in Prag aufgenommen worden, und wenn ihr mal in Prag ein besonderes Flair sucht, im Kavárna Mlýnská seid ihr richtig.

Frisch gestärkt ging unser Spaziergang weiter – links der Teufelsbach mit immer wieder kleinen Brücken, rechts der große

Kampa-Park in Prag

der in den 50er Jahren in dieser Form entstanden ist. Davor waren es kleine Adelsgärten. Doch die wurden irgendwann nicht mehr gepflegt, so dass dieser gut 2,5 ha großer Park mit vielen Bäumen entstand.

Während es am Teufelsbach entlang doch recht ruhig zugeht, steppt Richtung Moldau, in dem Park, der Bär. Zelte waren aufgebaut, es hatte den Anschein einer Kinderveranstaltung – und ‚Emma‘ hatte Fotografierverbot.

Dafür hat sie dann die Parkbänke entdeckt. Schaut mal genauer hin, wie die Füße der Bänke gestaltet sind …

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Ein Anziehungspunkt direkt an der Moldau ist

das Kampa-Museum in Prag

Man würde es diesem herrlichen weißen Gebäude nicht ansehen, dass es früher einmal eine Mühle war, die Sovas Mühlen. Jetzt haben wir schon die zweite Mühle am Teufelsbach.

Möglicherweise war es sogar die erste Mühle, die es in Prag überhaupt gab. Und spätestens jetzt darf klar sein, warum man den Čertovka, den Teufelsbach von der Moldau abgeleitet hat. Die ersten Mühlen tauchen in diesem Gebiet erstmals 1393 erwähnt auf. Sich den Namen einer Mühle zu merken, hmm … wer den Wechsel liebt, der durfte das gerne tun. Denn jedesmal wenn ein Besitzerwechsel war, wechselte auch der Name. Ist ja irgendwie auch verständlich.

1478 fing Václav Sova mit dieser Mühle an. Die Hussitenkriege waren vorbei und der Bereich an der Moldau war ein verlassener Ort, der damals noch zur Altstadt von Prag gehörte. Heute würde man es Gemauschel nennen, damals war es wohl so üblich. Ein Ratsherr bekam das Gelände, damit er hier eine Mühle errichten konnte. Aber nicht einfach so eine einfache Holzmühle – DAS wurde schon was größeres. Ein Haus, Wirtschaftshöfe und Gärten scharten sich um nicht nur eine Mühle.

Seine Nachfolger schätzten diesen Besitz und vergrößerten weiter. Die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs brach an, und die Halbinsel war für die Schweden der perfekte Ort, um auf die Altstadt hinüber zu schießen. Danach wanderte der Besitz der Mühle weiter, deren Besitzer 1850 im großen Stil umbaute. Ein Gebäude im neugotischen Stil entstand, eben auch im Wandel der Baustile. Und František Odkolek, der Besitzer gab der Mühle dann gehörig Dampf und ließ sie zur Dampfmühle werden. Ein Brand hauchte der Mühle 1896 das Leben aus, sie brannte vollständig nieder.

Die Stadt Prag nahm sich der Brandruine an, und nach langer Überlegung entstand im Jahr 2000 eine Rekonstruktion der Sovas Mühlen. Aber nicht zu dem Zweck eines Mühlenbetriebs, sondern für Kunst. Es entstand eine Galerie.

Wir haben dem Museum, das 2003 die Türen für Besucher öffnete, nur einen Seitenblick geschenkt. Eine ausführliche Besichtigung war uns heute, nach unserem vollen Programm auf dem Berg Petřín, zuviel. Schon wieder ein Punkt für unseren nächsten Pragbesuch 🙂

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Aller guten Dinge sind drei. Deshalb führt unser Weg weiter zur nächsten Mühle

die Großpriormühle auf der Kampa in Prag

wurde 1597 unter der Regentschaft von Rudolf II. als Renaissancemühle am Čertovka gebaut. Eigentlich befand sich an dieser Stelle ja schon seit dem Mittelalter eine Mühle. Ich hab euch im Geschichtsteil dieses Berichts über den Malteserorden berichtet, der wie so eine kleine Stadt auf der Kleinseite hatte. Die Großpriormühle war ebenfalls im Besitz des Ordens, deren Kirche gleich ums Eck steht.

Wem gehört die Mühle eigentlich? Irgendwann fingen die Einwohner der Kleinseite mit dem Orden an, genau darüber zu streiten. Über hundert Jahre ging dieses Hin und Her und Gezetere, bis die Bürger 1629 sogar die Mühle besetzten. Mit Sicherheit nicht friedlich. Beide Seiten hatten einen ziemlich langen Atem, denn erst 1795 wurde dieser Streit beiglegt. Ob der Klügere jetzt nachgegeben hat? Der Orden hat die Mühle nämlich verkauft 😉

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Zurecht kann man doch hier von einem der romantischsten Flecken mitten in der großen Stadt Prag sprechen. Man nennt diese Stelle auch ‚das Prager Venedig‘. Ich liebe ja solche Ecken einer Stadt. Und vermutlich nicht nur ich, denn eine große Ehrung wurde Prag vom Server Virtual Tourist zuteil – er erkor die Kampa zur zweitschönsten Stadtinsel der Welt.

Jetzt aber,

wie kam der Teufelsbach durch die Kampa in Prag zu seinem Namen

denn als Teufelsbach konnte ich ihn ja nun wirklich nicht erleben. Okay, vielleicht bei Regen? Reitet dann der Teufel auf dem Bach daher?

Es gibt in der Nähe des Baches ein Haus, U sedmi čertů, Zu den sieben Teufeln wird es genannt. Anfang des 19. Jahrhunderts soll dieses Haus im Besitz einer Frau gewesen sein, die als ein bisschen verrückt galt. Wie weit diese ‚Verrücktheit‘ ging, wussten wohl nur ihre Mieter, an die sie eigenartige Bedingungen stellte. Eben ein bisschen verrückt vielleicht. Einer ihrer Mieter soll sich wohl in der Art an ihr und diesen Bedingungen ‚gerächt‘ haben, indem er an der Arkade das Wort „Teufel“ schrieb.

Nach dem Tod der Frau erlebte das Haus das „Ringlein-Spiel“. Ihr kennt es sicher aus anderen Berichten aus meinem Blog „Ringlein, Ringlein, du darfst wandern – von einer Hand in die andern.“ Schlussendlich wurde das Blindeninstitut Deyl Besitzer, ließ das heruntergekommene Gebäude instandsetzen und entdeckte bei den Renovierungsarbeiten im Inneren wunderschöne Fresken an den Wänden. Auch heute ist das Gebäude noch im gleichen Besitz. Dort befindet sich das Jan Deyl Konservatorium, ein großer Schulkomplex, der sich mit ihrem Bildungsauftrag vor allem an Sehbehinderte richtet. Inklusion wird, mit Schwerpunkt Musik oder Gesang, an diesem Konservatorium gelebt.

Von der Großpriormühle lohnen sich ein paar Schritte Richtung Kleinseite, zur legendären John Lennon Mauer. Sie zählt nicht mehr zur Kampa, aber bei diesen paar Schritten wollen wir mal nicht kleinlich sein 😉

Die Wand an der Malteserkirche wurde für dieses Mahnmal mit dem weltbekannten Beatle von der Kirche zur Verfügung gestellt. Wie dann das große Portrait von John Lennon auf die Mauer kam, und warum das bis heute so ist, darüber könnt ihr meinem Bericht auf meinem Reiseblog lesen.

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Kurz vor der Karlsbrücke geht es noch an einem großen Gebäude vorbei. So richtig in seinem prachtvollen Außmaß sieht man es von der Prager Altstadt aus, denn es ist direkt an die Moldau gebaut –

das Palais Liechtenstein auf der Kampa in Prag

Nur von außen anschauen, nicht zu besichtigen – so könnte es über dem Eingang des großen Gebäudes stehen, denn das Palais befindet sich im Besitz der Tschechischen Regierung. Der barocke Palast war einstmals die Wohnstätte der Familie von Lichtenstein. Lichtenstein? Das sind doch die aus dem Fürstentum Liechtenstein, der kleine Staat neben der Schweiz? Ja auch, wie mir Google verraten hat, aber nicht nur, denn dort lebt nur ein Teil dieser Familie. Ursprünglich zählen die Liechtensteiner als ältestes Adelsgeschlecht in Mitteleuropa und stammen aus Österreich. Im Mittelalter besaßen sie aber schon Ländereien in Tschechien, und erhielten schon zu König Přemysl Otakar II. Zeiten dort Ländereien geschenkt. Nach der Schlacht am Weißen Berg und dank der Treue zum Kaiser, kam das Haus von Liechtenstein zu weiteren Besitzungen und wurde zu einer der reichsten Familien in Böhmen und Mähren.

Auch in diesem Palast gaben sich verschiedene Besitzer die Klinke in die Hand. Aus Barock wurde 1864 bei einem Umbau Klassizismus. Und nicht immer ging es hochherrschaftlich in dem Gebäude zu. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Leitungssitz von der NSDAP in Beschlag genommen.

Nah am Wasser zu bauen, hat nicht immer Vorteile. Der größte Nachteil – man ist von Hochwasser bedroht. 2002 traf es das Palais. Heute dient es, nach grundlegender Sanierung, den hohen Staatsgästen der Regierung als Unterkunft. Sogar die britische Königin Elisabeth II. durfte hier residieren. Könnte mir auch gefallen – mit Blick auf die Moldau, die Prager Altstadt und auf die Karlsbrücke.

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Wir sind jetzt an der Karlsbrücke angekommen, die unter der Brücke wieder ein romantisches Fleckchen hergibt. Aber auch

Blicke auf die Karlsbrücke von der Kampa in Prag

Aus der Judithbrücke wurde unter Karl IV. die Karlsbrücke. Nachdem der Kaiser unser Schwäble Peter Parler aus meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd als seinen neuen Hofbaumeister abgeworben hat, stellte er Parler vor die Herausforderung die Brücke über die Moldau zu bauen.

Hier mehr über die Brücke und vor allem über die 30 Brückenheiligen zu schreiben, würden diesen Bericht sprengen. Dazu gibt es zwei Einzelberichte hier auf meinem Reise- und Fotoblog. Aber der Perspektivwechsel mal von unten auf die Brücke schauen, und nicht nur von der Brücke selbst, ist schon interessant.

Lohnenswert ist beim Treppenaufgang auf die Karlsbrücke auch der Blick Richtung Prager Kleinseite.

Da muss man bei den vielen Türmen erstmal einen Überblick bekommen. Die Kleinseite ist mit der Anzahl an Kirchen und Türmen nicht zimperlich. Unverkennbar der Kleinseitner Brückenturm und die Kuppel der St. Nikolaus-Kirche. Mehr über alle Ziele die ich auf der Kleinseite erkundet habe, könnt ihr auf dieser Hauptseite sehen.

blick von der karlsbruecke auf die kleinseite in prag 6681
blick von der karlsbruecke auf die kleinseite in prag 6710

Direkt am Kleinseitner Brückenturm geht unser Weg geradeaus weiter. Jetzt aber links vom Teufelsbach und nicht mehr auf der kleinen Halbinsel.

Wo der Teufelsbach (Čertovka) in Prag wieder in die Moldau mündet

Das möchte ich jetzt genau wissen. Richtung Kampa Museum, das ist die Grobrichtung in die es uns jetzt treibt. So richtig sieht man die Vereinigung Teufelsbach mit der Moldau aber nur von der Altstadt Seite aus. Ich habe diesen Zusammenfluss bei unserer Schifffahrt auf der Moldau aus fotografiert.

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Und da muss doch noch etwas sein, was ein Reiseführer als Sehenswert angibt –

die kleinste Gasse in Prag

Auf dem oberen Foto seht ihr auf der rechten Seite eine kleine Gastronomie-Terrasse. Genau dort hinunter führt die kleinste Treppengasse von Prag. Eine Ampel regelt den Fußgängerverkehr, in der oft nur 50 cm breiten Gasse.

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Ob man sich jetzt dort unten den vielleicht teuersten Kaffee in Prag gönnen muss? Das bleibt jedem selbst überlassen.

Wir haben jedoch dankend verzichtet, und haben uns nach einem besichtigungsreichen Tag mit der Straßenbahn wieder hinauf auf ‚unseren‘ Berg und zurück zu unserer Ferienwohnung bringen lassen.

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