Aus einer einfachen Mauer auf der Prager Kleinseite wurde eine Mauer, und ein Mahnmal, mit dem weltbekannten Beatle John Lennon – die John Lennon Mauer.

Wenn wir schon auf der Kleinseite in Prag sind, dann durfte sie nicht fehlen. Die John Lennon Mauer, die bekannteste Wand in Prag. Ich muss zugeben, auf den ersten Anhieb haben wir sie nicht gefunden. Und wir waren schon verleitet zu sagen „dann eben nicht“ bevor wir noch weiter in den kleinen Gässchen der Kleinseite umherirren. Aber plötzlich war dann doch (dank des Stadtplans) der Durchblick wieder da – und wir gar nicht so weit von der berühmten John Lennon Mauer entfernt.

Bevor ihr in den Gässchen in Prags Klein Venedig herumirrt – ihr könnt euch an der Malteserkirche St. Maria unter der Kette auf dem Malteserplatz orientieren. Wenn ihr vor der Kirche steht, nach rechts abbiegen, an einem kleinen Restaurant vorbei und ihr kommt auf den Platz mit der Französischen Botschaft. Übrigens sind ganz viele Botschaften, auch die deutsche Botschaft, auf der Prager Kleinseite angesiedelt. Wenn ihr vor der Botschaft steht, einfach umdrehen und ihr seht ihn ganz groß – den John Lennon.

Diese geschmückte Wand ist die Wand, die an den Garten der Malteserkirche angrenzt und wurde von dieser zur Verfügung gestellt.

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Wie kam John Lennon auf die Mauer in der Prager Kleinseite?

Eigentlich, wenn man sich mit dieser Mauer und ihrer Entstehung näher befasst, ist es ein Stück tschechische Zeitgeschichte, die da auf der John Lennon Mauer abgebildet ist.
Weltberüht ist John Lennon als Mitgründer der „Beatles“. Er war aber nicht nur Musiker und Komponist, sondern u.a. auch Friedensaktivist. Nachdem sich die Beatles aufgelöst hatten machte ihn sein Titel „Imagine“ weltreich erfolgreich. Eine Vision von einer besseren und gerechteren Welt. Also nahm er in der Folge mit seiner Frau Yoko Ono politische Protestlieder auf, so auch „Give peace a chance“.

Zu dieser Zeit war in dem kommunistischen Staat Tschechoslowakei westliche Musik grundsätzlich verboten. Wenn auch nur besungene Freiheit, vor allem die von John Lennon, so sahen sie die Machthaber als Bedrohung für ihr Konzept an. Aber wie auch noch heute, so auch damals – wenn etwas verboten ist, dann wird es besonders interessant. Und so wurde die Musik von John Lennon trotzdem von der Jugend des Landes gehört. Er stieg damit zum ‚Held der Jugend‘ in der Tschechoslowakei auf.

Nach dem tödlichen Attentat auf den weltberühmten Musiker 1980, löste dies nicht nur weltweit Entsetzen aus, auch die Jugend in Prag trauerte um ihr Idol. Und das, obwohl John Lennon nie in Prag war.
Über Nacht war plötzlich das Portrait von John Lennon auf der Mauer und mit ihm Zitate aus seinen Songs, so auch „Give Peace a chance“. Undenkbar für eine kommunistische Staatsführung. Immer mehr Jugendliche schrieben ihre Träume und Wünsche an die Mauer. Eine Aktion erzeugt eine Reaktion – und die sah seitens der Regierung so aus, dass sie die Wand überstreichen ließ.

Aber „no chance“ – kaum war die Wand wieder ’sauber‘ drückten die jungen Landesbewohner ihre Verärgerung wieder über Beschwerdeparolen an der Wand aus. 1988 kam es dadurch schließlich zu einem Zusammenstoß von hunderten von jungen Studenten und Jugendlichen und den Sicherheitspolizisten der Regierung auf der Karlsbrücke. Die Bewegung wurde fortan als Lennonismus bezeichnet, und die Regierung sprach nicht gerade schön von diesen jungen Menschen, die etwas in ihrem Land bewegen wollten.
Und genau das was John Lennon in seinen Liedern aussagen wollte, gebt nicht auf, passierte auch an der Wand auf der Kleinseite von Prag. Die jungen Menschen ließen sich nicht mundtot machen und äußerten sich weiter an der Wand für ihre Ideale, für Frieden und Liebe. Egal wie oft die Wand auch überstrichen wurde, es war nicht von langer Dauer.

1992 war der Staat „Tschechoslowakei“ dann schließlich Geschichte, und die Demokratie zog in Tschechien ein. Damit waren Rebellionen an der Wand nicht mehr notwendig. Trotzdem blieb die Wand, aber sie wurde neu gestaltet.
Mehr als 30 Künstler aus fünf Ländern schmückten neben einem großen Portrait von John Lennon die Wand mit vielen Graffitis. Auch heute ist es wohl noch erlaubt, sich an der Wand zu verewigen, allerdings nicht als Sprayer. Dies ist verboten.

Man muss schon sehr genau acht geben, dass man vor lauter Bäumen und Grün die Wand nicht übersieht. Und während wir geduldig auf freie Sicht für das Gesamtobjekt gewartet haben, kamen immer wieder (wenn auch zur Corona-Zeit wenige) Menschen, die sich direkt mit John Lennon ablichten ließen.
Die Wand ist also nicht nur ein Denkmal für John Lennon, sondern auch ein Mahnmal für eine freie Meinungsäußerung und einer friedlichen Rebellion gegen das damalige kommunistische Regime.

Mit einem letzten Blick auf den geschichtsträchtigen Hintergrund, sind wir durch ein kleines Seitengässchen weiter Richtung der prachtvollen St. Nikolaus Kirche. Aber davor machten wir noch beim Prager Jesulein und im Vrtba Garten Halt.

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