Das Tanzende Haus (Tančící dům) in der Prager Neustadt, steht für ein modernes Bürogebäude, das 1997 von einer amerikanischen Zeitschrift für seine besondere Architektur einen Designpreis bekommen hat.

Bei unserer Stadtrundfahrt im Juni 2020 mit Malek im Oldtimer ging die Fahrt schon an diesem Gebäude am Moldaukai vorbei. Mangels Zeit haben wir da aber entschieden, dieser Blick im Vorbeifahren muss für diesen Aufenthalt genügen. Uns fehlte schlicht die Zeit in diesen 5 Tagen, dass wir es uns aufführlich angeschaut hätten. Klar war aber, dass es bei unserem Langzeitaufenthalt, der eigentlich für den Herbst 2020 geplant war, auf unserem ‚das-müssen-wir-anschauen-Zettel‘ steht. Vielleicht habt ihr es auf meiner Seite oder in anderen Berichten bereits gelesen, Corona machte aus ein paar Wochen ein ganzes Jahr. Im September 2021 war es dann aber soweit „Prag, wir sind wieder da“ – für ganze vier Wochen.

Als erstes Ausflugsziel stand einen Tag nach unserer Ankunft die Prager Neustadt auf dem Plan. Eben der Stadtteil von Prag, den wir 2020 nur am Rande mit dem Wenzelsplatz gestreift hatten. Mit einem Ausflugstag ist es aber in der Neustadt wirklich nicht getan. Da ich ja ein Wasserkind durch und durch bin, wollten wir den Tagesausflug an der Moldau beenden. So wie ich vor ein paar Monate in Hamburg gesagt habe ‚Ich fühle mich erst richtig in Hamburg, wenn ich die großen Schiffe auf der Elbe gesehen habe und an den Landungsbrücken war.‘ – so bedeutet das für Prag ‚So richtig Prag ist es erst, wenn man an der Moldau steht und den legendären Blick auf die Prager Burg einsaugt.‘

Alles rund um den Karlsplatz mit dem Neustädter Rathaus haben wir bereits hinter uns. Auf der ‚Resslova‘ die den Karlsplatz in der Mitte teilt und zur Moldau hinab führt, ging es dann nach einem Besichtigungsstopp der Kirche St. Cyrill und Method weiter Richtung Moldau. Kommt mit zu

meinem Besuch im Tanzenden Haus in der Prager Neustadt

bei dem erstmal die

Außenansicht des Tanzenden Hauses in Prag

anstand. Man darf es gerne im Gesamtblick von der anderen Straßenseite oder der Moldaubrücke auf sich wirken lassen.

Wir sahen, dass es ganz oben eine kleine Terrassenbar gab. „Wir könnten doch ….“ – dieser Gedankengang endet bei uns meistens in „Wir tun!“ Der Aufzug brachte uns nach oben 😉
Während der Fahrt gibt es

ein bisschen Baugeschichte zum Tanzenden Haus (Tančící dům) in Prag

Dass man sich überhaupt Gedanken um einen Bau machte, war dem traurigen Umstand geschuldet, dass am 14. Februar 1945 bei einem Luftangriff der Amerikaner das Wohnhaus, das hier bis dato stand, zerstört wurde. Nachdem die Fläche nach der Trümmerbeseitigung eingeebnet war, lag sie jahrelang als unbenutzte Fläche. Da die Familie des späteren tschechischen Präsidenten Havel in direkter Nachbarschaft zu dieser Baulücke lebte und einem Architekten Pläne für eine Nutzung im Kopf schwirrten, besprachen sich die beiden über die Möglichkeiten, was dort entstehen könnte. Wenn ihr euch in Prag ein bisschen auskennt, dann wisst ihr, dass die Straße an der Moldau direkt weiterführt zum Rudolfinum. Für alle anderen: an dieser großen Uferstraße liegen in einer Reihe schon einige von Kulturmöglichkeiten, so das Nationaltheater und am Straßenknick, der dann weiter führt zur Prager Burg oder in gerader Linie weiter in die Josefstadt, liegt das Rudolfinum. Dies beherbergt Konzertsäle, Galerien und Ausstellungsräume.

Die Idee des Architekten war, ein weiteres Kulturzentrum zu erbauen. Ideen sind aber nur so richtig gut, wenn es auch Unterstützer in Form von Investoren gibt. Man tüfftelte noch ein bisschen an den Plänen und Ideen und gewann dann die Niederländische Real estate für die Finanzierung des Baus. Im September 1994 war es dann soweit, der Bau eines ganz besonderen Gebäudes konnte beginnen. Inzwischen war aufgrund der Samtenen Revolution Václav Havel Präsident des Landes, der sich eine Gebäudeform wünschte, die die Gesellschaft zu dieser Zeit widerspiegeln sollte: auf der einen Seite statisch, und auf der anderen Seite dynamisch. Was zu dieser Zeit die Änderungen im Land symbolisieren sollten.

So ganz einfach war der Bau nicht – direkt an der Moldau und in direkter Nähe zu einer Moldaubrücke, musste der Bau auf vielen Betonpfeilern stabil stehen. Der Wunsch des Staatspräsidenten wurde in zwei Gebäuden realisiert: Statisch der rechte Bauteil mit neun Etagen – das Dynamische mit dem geschwungenen Glasbau zur linken Seite. Weil die beiden Gebäudeteile wie ein tanzendes Paar aussehen, wurde es zum Tanzenden Haus und die beiden Hausteile bekamen die Namen Ginger und Fred.

Auch wenn Skeptiker Anfangs meinten, so ein modernes Gebäude hat zwischen den alten Gebäudekomplexen in der Stadt nichts verloren, so ist es doch inzwischen eine Sehenswürdigkeit in Prag geworden. Und das nicht nur wegen dem Äußeren.

Ich bin inzwischen (im statischen Teil) in dem kleinen Café ganz oben angekommen. Nur mal zum Gucken raus auf die kleine Dachterrasse geht nicht. Ihr müsst euch schon ein Getränk mit hinausnehmen, was ja aber völlig verständlich ist. Aber egal, ob ihr das im Stehen genießen müsst (wegen zeitweiliger Überfüllung ging es uns so) – das ist ganz egal. Dafür werdet ihr dort oben mit vielen Blicken entschädigt.

Mein erster Blick geht zur

Turmspitze des Tanzenden Hauses in Prag

Von unten scheint es ein geordneter und doch ungeordneter Kopf von Edelstahlgeweberöhren zu sein, oder eine Kugel, je nachdem wie man es definieren möchte. Tatsächlich soll es einen geformten Kopf darstellen – der Kopf der Medusa. Ob man sich beim Anblick der, scheinbar wild durcheinander, gewundenen Edelstahlstreifen gleich an den wilden Lockenkopf der Medusa aus der griechischen Mythologie erinnert? Hmm … ich wusste es erst nachdem ich mich belesen hatte. Aber ihr wisst es ja jetzt gleich, und könnt meine Detailaufnahmen deuten.

Was aber gleich jede Kaffeepause oder einfach ein Glas zwischendurch sehr aufwertet, sind

die Blicke vom Tanzenden Haus über Prag

Es gibt ja in Prag wirklich viele Möglichkeiten wunderschöne Blicke über die Stadt zu haben. Vom Tanzenden Haus sind sie nicht so weitläufig wie z.B. von der Prager Burg oder vom Letna Park. Trotzdem sind sie wunderschön. Ganz vorne dabei, ist

der Blick vom Tanzenden Haus zur Prager Burg und zur Prager Kleinseite

DAS Highlight von Prag und jedem Prag-Besucher. Wunderschön zu sehen, die Kleinseite, der Stadtteil unterhalb der Burg. Euch hier, in diesem Beitrag, Wissens- und Sehenswertes n diesen beiden Bereichen vorzustellen, würde den Rahmen des Berichts ziemlich sprengen. Beide Bereiche haben ihre jeweils eigene Seite in meinem Reise- und Fotoblog. Dort könnt ihr nach Herzenslust stöbern und virtuell auf Entdeckungstour gehen.

Auch er darf im Panoramabild nicht fehlen –

der Blick vom Tanzenden Haus auf den Berg Petřín

das Naherholungsgebiet der Prager schlechthin. Wenn es nur das wäre! Beim ersten Besuch in Prag dachte ich, ich seh nicht richtig. Das ist doch der Eifelturm da mitten im Wald? Genau, auch er zieht Besucherscharen auf den Berg – die fünffache Verkleinung des Pariser Eifelturms. Mit seinem großen Bruder hat er eines gemeinsam: Die Spitze auf dem 58,70 Meter hohen Aussichtsturm liegt auf gleicher Höhe über dem Meeresspiegel wie der Eifelturm in Paris.

Der hohe Turm links steht vor dem Strahov-Stadion, dem größten Stadion der Welt, und dient als Abluftturm für den 2 km langen Strahov Straßentunnel, der unter dem Stadion verläuft.

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Der Blick vom Tanzenden Haus auf die Prager Stadtteile Smíchov und Anděl

linksseits der Moldau. Früher war Smíchov ein Arbeiterdorf mit Industriefabriken. Die zweitgrößte tschechische Bierbrauerei Staropramen hat heute noch ihren Sitz in dem Stadtteil, der 1922 zu Prag kam. Prag nummeriert ihre Stadtteile wie ein Schneckenhaus durch, Smichov und Anděl haben die Nummer 5.

Während Anděl ein pulsierende Einkaufszentrum darstellt und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist, habe ich Smíchov mit hohen Wohn- und Geschäftshäusern eher ruhig erlebt.

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Blick vom Tanzenden Haus auf den Wasserturm Sitkov

Es verwundert wirklich nicht, dass Prag den Beinamen hat „Stadt der 100 Türme“. Etwas über 1000 Türme soll es tatsächlich in Prag geben. Aber nicht mitgezählt sind da, die oft an den Hausbauten zu findenden kleine Türmchen. Und klar gibt es Türme in Prag, die auf Platz 1 sind. Das sind die beiden Brückentürme an der Karlsbrücke.

Auch die Neustadt kann an der Moldau mit einem Turm aufwarten, dem Wasserturm Sitkov (gegenüber auf der anderen Moldauseite steht der Kleinseitner Wasserturm), der um 1488 als Holzturm mit einer Mühle erbaut wurde. Schließlich mussten die Bürger von Prag ja mit sauberem Wasser versorgt werden.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert wurden Turm und Mühle ein Raub der Flammen, der Aufbau erfolgte dann ab 1588 mit Steinen. Wenn Steine reden könnten, dann hätten die vom Wasserturm viel zu erzählen. Im Dreissigjährigen Krieg wurden sie von Schweden beschossen, nachdem sie die Altstadt nicht einnehmen konnten. Er wurde wieder instand gesetzt und bekam 1651 sein Kuppeldach, das er heute (jetzt in Kuper) noch trägt.

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1847 durfte der Wasserturm dann in Rente. Das Wasser wurde immer mehr in Stauseen außerhalb von Prag gefiltert, das Wasserwerk neben dem Turm wurde deshalb abgegrissen. Heute ist der 47 Meter hohe Turm Teil der Galerie Mánes, und immer noch ein Hingucker am rechten Moldauufer.

Ich schmuggel da noch ein paar Fotos dazu, die ich von unten an der Brücke gemacht habe. Weil’s einfach zuuuu schön ist 🙂

Der Blick vom Tanzenden Haus auf die Prager Neustadt

zeigt den von Kaiser Karl IV. 1348 neu geschaffenen weiteren Stadtteil von Prag. 3,3 km² umfasst der größte Bereich in der Altstadt von Prag, die sich bis über den Wenzelsplatz bis zum Prager Hauptbahnhof zieht. In der Prager Neustadt vereint sich alles – man findet von quirligen Geschäftsviertel, herrlichen Jugendstilhäusern, unzählig viele sehenswerte Kirchen auch ruhige Orte und Plätze.

Auch das Tanzende Haus liegt in diesem Stadtteil und es würde auch hier wieder den Rahmen sprengen, alles über die Neustadt hier aufzuzählen. Dafür hat mein Reiseblog eine eigene große Übersichtsseite, auf der ihr ganz bequem von zuhause aus bummeln könnt, oder euch Anregungen für einen Pragaufenthalt holen könnt.

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Da konnte ich stundenlang schauen –

die Blicke vom Tanzenden Haus in Prag auf die Moldau

Ganz Wasserkind halt 😀 An diesem herrlichen Herbsttag, und vor allem auch weil Sonntag, war doch einiges los da unten auf der Moldau.

Auf 430 km fließt sie den größten Teil durch Tschechien und mitten durch Prag. 18 Brücken überbrücken im Stadtbereich die Moldau. Für den Komponisten Bedřich Smetana war sie die Vorlage für seine Komposition „Die Moldau“. Ihr werdet ihr verschiedentlich in meinen anderen Beiträgen noch begegnen. Aber jetzt gleich mogel ich noch ein paar Fotos, wieder aufgenommen auf der Brücke, dazu.

Noch mit ein paar Detailblicken habe ich mich von der Dachterrasse und vom Tanzenden Haus verabschiedet. Nicht ohne einen Gedanken an unsere, erst im Juni 2021, unternommene Reise nach Hamburg. Die Hansestadt hat nämlich auch so ein ‚Wahrzeichen-Haus‘ – die Tanzenden Türme, die am Eingang zum Hamburger Stadtteil St. Pauli stehen. Ich finde die Symbolik solcher Häuser treffend umgesetzt. Zwar mit komplett anderem Hintergrund wie hier in Prag, symbolisieren die Tanzenden Türme ein Tangotanzendes Paar, sinnbildich für die Reeperbahn. Tango, ein Tanz der Erotik und Sinnlichkeit.

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Wieder auf dem Boden in der Prager Neustadt, gibt es noch einen ‚kunstvollen‘ Blick auf den Wasserturm, bevor mich gegenüber dem Tanzenden Haus noch ein Denkmal anzieht.

Das Alois-Jirásek-Denkmal vor dem Tanzenden Haus auf dem Jirásek-Platz in Prag

Einen großen Park dürft ihr an dieser Stelle nicht erwarten. Was mich aber insgesamt in Prag begeistert, sind die vielen großen und kleinen Gründflächen und kleine Ruheoasen in der gesamten Stadt. In einem Bericht habe ich neulich mal gelesen, dass es so an die 400.000 Bäume in Prag geben soll, und jetzt wieder gut 100.000 neue Bäume dazukommen sollen. Diese Unterteilung mit den grünen Oasen lässt wirklich nicht das Großstadt-Gefühl aufkommen.

Und nirgenwo anders als in Prag habe ich eine so große Dichte an Denkmälern, Statuen und Gedenktafeln gesehen, als hier. Mir scheint, dieses Viertel so rund um den Karlspark ist den tschechischen Schriftstellern vorbehalten. (Nein, die stehen auch anderswo.) Direkt vor dem Neustädter Rathaus und im Karlspark wurde auch zweien ein Denkmal gesetzt.

Dieses hier steht für den bedeutenden tschechischen Schriftsteller und Historiker Alois Jirásek, und ist in der Liste der Kulturdenkmäler von Tschechien. Der Platz wurde direkt vor dem Haus gewählt, in dem er von 1903 bis zu seinem Tod 1930 gelebt hat. Zum 30. Jahrestag seines Todes wurde die Statue des Schriftstellers enthüllt. Und treffend dargestellt mit Heft und Feder in seinen Händen. 1921 wurde er sogar für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen.

Prag ehrt ihn nicht nur mit dem kleinen Platz an der Straßenecke der Resslova, auch die Brücke gegenüber über die Moldau, wurde nach ihm benannt.

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Auf St. Pauli in Hamburg unterwegs

So kommt ihr zum Tanzenden Haus (Tančící dům) in der Prager Neustadt