Als drittälteste Kirche Böhmens, und als älteste Kirche auf der Prager Burg, steht die St.-Georgs-Basilika östlich des Veitsdoms auf dem Georgsplatz.

Fast geht sie im Schatten des großen und berühmten Veitsdoms ein bisschen unter. So hatte ich bei unserem Besuch auf der Prager Burg an diesem Tag den Eindruck. Bei einer kleinen Kaffeepause konnte ich die Menschen beobachten, wie sie an der St.-Georgs-Basilika vorbei dem Goldenen Gässchen zustrebten. Als wir dann ausgeruht und gestärkt (nach fast zwei Stunden im Veitsdom und ein Rundgang durch den Alten Königspalast war diese Pause hochverdient 🙂 ) durch die Eingangstür der Basilika gingen, hat sich dieser Eindruck noch verstärkt. Es waren ja eh kaum Besucher auf der Prager Burg (die Grenzen zu Tschechien waren nach der Coronabedingten Schließung seit kurzem erst wieder geöffnet) – aber bei vielen dieser Besucher stand diese Kirche nicht auf dem Plan. Für mich natürlich gut, da sich so ungestörte Fotoblicke im Inneren der St.-Georgs-Basilika ergaben.
Aber irgendwie auch schade, da diese Kirche wirklich sehenswert ist. Und damit ihr sie bei eurem Besuch nicht überseht 😉 – ein paar Blicke von außen auf die Kirche.

Es gibt ja viele Wege hinauf auf die Prager Burg, und somit auch viele Eingangsmöglichkeiten. Wir haben das Feld von der Seite her aufgerollt, sind mit der Straßenbahnlinie 22 hinauf gefahren, aber eine Haltestelle zu früh (je nach Sichtweise) ausgestiegen und sind durch den Königsgarten zur Burg.
Wählt man den Weg zu Fuß und über die vielen Treppen hinauf, könnte man mit dieser Sicht auf die St.-Georgs-Basilika begrüßt werden.

Die Geschichte zur St.-Georgs-Basilika (Bazilika sv. Jiří)

Da der Veitsdom zu dieser Zeit noch gar nicht in der heutigen Größe dastand, war natürlich auch der Georgsplatz um einiges größer. An diesem wichtigsten Platz der Prager Burg, so befand Fürst Vratislav I. 920, sollte eine einschiffige Kirche errichtet werden. Somit ist die Kirche der zweitälteste Kirchenbau in Prag, der erhalten geblieben ist. Er wollte in der Kirche die sterblichen Überreste seiner ermordeten Mutter, Fürstin Ludmilla, aufbewahren. Zu ihr später noch mehr.

Als Vratislav 921 starb, war zwar seine Kirche fertig, geweiht war sie aber noch nicht. Sein Sohn Wenzel ließ sie 925 weihen und gleichzeitig auch seine Großmutter Ludmilla hier bestatten. Ihr erkennt schon die Familienzusammenhänge?

Im Zusammenhang mit der St.-Georgs-Basilika steht auch das St.-Georgs-Kloster, das an die Kirche angebaut ist und in dem heute die Prager Nationalgalerie untergebracht ist. 976 soll es gegründet worden sein. Und es geht weiter mit der Familiengeschichte, denn eine Nichte von Wenzel, Madla, die Tochter seines Bruders Herzog Boleslavs I. unternahm ein paar Jahre zuvor eine Reise nach Rom, wo sie vom Papst die Erlaubnis zur Gründung eines Bistums und eines Benediktinerinnen-Klosters in Böhmen einholte. Ihr Vater hat Jahre später seinen Bruder Wenzel ermorden lassen.
So ist sie praktisch für das erste Kloster in Böhmen, das auf dem Prager Burgberg entstand, verantwortlich und wurde die erste Äbtissin des Klosters. Die St.-Georgs-Basilika wurde zur Klosterkirche. Es war nicht nur die Begräbniskirche für die Hl. Ludmilla, die ja auch dem Geschlecht der Přemysliden angehörte, sondern es war Anfangs auch die Grabstätte für das böhmische Herrschergeschlecht. Erst nach dem Bau des Veitsdoms wurden sie dann dort begraben. Mit dem Bau des Klosters und dem dann dort ansässigen Priester-Kollegiat war die Basilika das kirchliche Zentrum des Landes.

Die kleine Kirche wurde, anhand dieser großen Bedeutung, zur dreischiffigen Basilika umgebaut. Bei diesem Umbau entstanden die Krypten für die böhmischen Herrscher. Bei der Belagerung der Prager Burg 1142 wurden aber auch das Kloster und die Kirche nicht verschont, und durch einen Brand schwer beschädigt. Zunächst mussten die Schwestern des Ordens fliehen, dann krempelte ab 1145 die Äbtissin Bertha die Ärmel hoch und unter ihrer Leitung wurden Kirche und Kloster wieder aufgebaut. Dank ihrer Tatkraft wird sie deshalb auch als zweite Klostergründerin bezeichnet. Die Kirche wurde größer, zwei ca. 40 Meter hohe Türme kamen dazu. Und es tut dem Aussehen keinen Abbruch, dass einer der beiden ein bisschen schäps (schief) dasteht.
Die Äbtissinen wechselten im Laufe der Jahre, bis dann Kaiser Karl IV. kam, der die bisherige Tradition der Přemysliden fortführen wollte und die hohe Stellung des Klosters weiter stärkte. Er sicherte die Rechte der Äbtissin, verlieh ihr den Titel einer Fürstäbtissin und damit das Recht, eine künftige Königin bei der Krönung zu begleiten. Auch förderte er den Kult um die Hl. Ludmilla.

Zählte das Kloster vor den Hussitenkriegen noch zu den reichsten Institutionen in Böhmen – selbstständig politisch und wirtschaftlich geführt und mit reichem Grundbesitz – so kam mit den Kriegen eine Wende. Das Kloster wurde verwüstet, die Bewohner mussten flüchten und der Klosterbesitz wurde verkauft. Im 16. Jahrhundert wurde der Königshof wieder aktiv, davon zeugt ein Renaissance Portal von etwa 1515, das den hl. Georg im Kampf mit einem Drachen darstellt.  Eine lange, wechselvolle Geschichte endete dann in den Zeiten von Joseph II., der das Kloster aufheben ließ. Es wurden dort Kasernen eingerichtet und er agierte nach dem Motto ‚Was geht mich das Geschwätz meines Vorgängers an‘ (Karl IV.), die Rechte der Fürstäbtissin waren nichts mehr wert. Ihr könnt es auch in meinen anderen Berichten, z.B. über die Prager Kleinseite lesen, sorry, mir ist dieser Kerl alles andere als sympathisch. Vielleicht wurde er unter dem Einfluss seiner strengen Mutter so hart? Keine Ahnung.
Im Zuge dessen verkam natürlich auch die St.-Georgs-Basilika. Von 1887-1908 wurde sie aber renoviert und man versuchte, ihr das romanische Originalaussehen wieder zurückzugeben. Ich finde, dieses Vorhaben ist wunderbar gelungen. Diese Kirche ist so ganz anders, als die vielen anderen Gotteshäuser, in denen wir schon waren.

Aber seht selber – nach dem Gesamteindruck, haben mich die Bogenfenster in den Wänden fasziniert, die teilweise angestrahlt waren und damit auch Reste von Freskenmalereien freigaben.

Noch bevor es zu der Empore zum Chor hochgeht, kann man am

Grabmal von Fürst Vratislav I. und Fürst Boleslav II.

vorbeigehen. Ganz klar, dass dem Kirchengründer, Fürst Vratislav I., der Platz vor dem Chor gebührt. Im Alter von nur 33 Jahren ist er verstorben und hat seinen, damals noch minderjährigen, Sohn Wenzel zu seinem Nachfolger gemacht. Die Regierungsgeschäfte tätigte bis zu seiner Volljährigkeit seine Mutter.

Auf der linken Seite des Chors hat Fürst Boleslav II. sein Grabmal. Wie es auch schon bei den Regenten in Dresden so üblich war, bekamen auch böhmische Herrscher Beinamen. Der Chronist Cosmas von Prag gab ihm den Beinamen „der Fromme“ – für einen christlichen Mann, der an die allgemeine Kirche glaubte und als Beschützer und Tröster gesehen wurde. Sein Vater Boleslav I. erhielt von ihm den Beinamen „der Grausame“. Na, wen wundert das? Für den, der seinen eigenen Bruder Wenzel ermorden ließ? Seinen Platz vor dem Chor verdiente er sich wohl als exzellenter Herrscher des Böhmischen Reiches.

Es sollte eine würdige Aufbewahrungsstätte für die Hl. Ludmilla werden. So entstand im 13. Jahrhundert

die Ludmilla-Kapelle

die sich südlich an den Chor anschließt. Ihre Tumba fällt jedoch in die Zeit von Karl IV., der sie im 14. Jahrhundert anfertigen ließ. Und es verwundert nicht, dass auch hier sein Baumeister (und unser Schwäble) Peter Parler damit beauftragt wurde. Von ihm stammt auch die Westfassade der Kirche.

Die hl. Ludmilla von Böhmen war die erste christliche Herrscherin von Böhmen und ist auch die erste Heilige des Landes. Während die Mutter des kleinen Wenzel für ihn die Regierungsgeschäfte führte, wurde der Großmutter Ludmilla (Mutter des Fürsten Vratislav I.) die Erziehung des hl. Wenzels übertragen. Sie erzog ihre Enkel Wenzel  und seinen Bruder Boleslav nach christlichen Grundsätzen, während die Mutter der Kinder aber nach Überlieferungen wohl noch nicht getauft war. Insgesamt sah aber die Mutter von Wenzel mit dieser Entscheidung eine Schwächung ihrer Machtposition als faktische Herrscherin des Landes. Es kam wie es kommen musste, die beiden Frauen gerieten in einen offenen Konflikt. Ludmilla unterlag und übergab die Enkel an deren Mutter, erbat sich aber die Freiheit, an einem anderen Ort weiter Christus zu dienen. Sie begab sich auf eine der Přemysliden-Burgen, was aber ihrer Schwiegertochter Drahomira nicht genügte und sie ihre Schwiegermutter immer noch als Gefahr sah.

Und so gab die Mutter von Wenzel den Auftrag, seine Großmutter Ludmilla zu töten. Als die Krieger in ihr Haus eindrangen, versuchte die Fürstin noch mit ihnen zu reden. Aber es half nichts. Nach einem letzten Gebet, das ihre Mörder ihr noch zugestanden, erwürgten sie Ludmilla. Die einen sprechen von einem Strick, die anderen von einem Schleier. Mit einem solchen ist sie als Brückenstatue auf der Karlsbrücke dargestellt. Für die beiden Mörder von Ludmilla ging es dann aber auch nicht gut aus. Die Fürstin ließ beide, samt ihren Angehörigen, töten. Und jetzt passierte etwas, was ich schlicht scheinheilig nenne – die heidnische Fürstin Drahomira ließ über dem Grab ihrer von ihr ermordeten Schwiegermutter eine Kirche errichten und dem Erzengel Michael weihen.

Als Wenzel die ersten selbstständigen Amtshandlungen tätigen durfte, war eine seiner ersten Aufgabe, 925 die Gebeine seiner Großmutter Ludmilla nach Prag in die St.-Georgs-Basilika auf der Prager Burg zu überführen. Damit war der Status von Ludmilla als Heilige begründet, offizielle Heiligsprechungen waren im 10. Jahrhundert aber nicht üblich. Kirchlich heilig gesprochen wurde sie erst 1143/44. Ende des 12. Jahrhunderts wurde Ludmilla Schutzpatronin von Böhmen, und ist damit eine der vier Hauptpatrone des Landes.

Der direkte Blick auf ihr Grabmal bleibt durch eine Absperrung vor dem Chor verwehrt. Aber die prächtigen Wand- und Deckenmalereien und die Ausstattung lassen sich auch so erahnen.

Bevor es zu einer weiteren herrlichen Kapelle in der Basilika geht, gibt es auf dem Weg durch die Kirche noch einiges zu entdecken.

Man kann es schon vor dem Außenportal erahnen, wem die Kapelle hinter der Türe gewidmet ist. In Prag, aber auch anderswo ist er allgegenwärtig. Nicht nur auf der Karlsbrücke steht er als Brückenfigur, im Veitsdom ist ihm zu Ehren eine Kapelle gewidmet und es gibt auch eine

Johannes-Nepomuk-Kapelle in der St.-Georgs-Basilika

Man erkennt den hl. Nepomuk an seinem Sternenkranz um sein Haupt. Die Kapelle ist nur über die Basilika zu besuchen und krasser könnte der Kontrast zwischen Romanik und Barock unter einem Dach nicht sein.

Ihr seht schon, die St.-Georgs-Basilika ist es absolut wert, ihr einen ausführlichen Besuch abzustatten (nur mit Eintrittsticket). Und mit all dem Sehenswertem auf der Prager Burg dürft ihr euch dort oben insgesamt ein bisschen Zeit einplanen. Zu ’normalen‘ Zeiten sowieso, da bei uns wegen Corona einige Sehenswürdigkeiten nicht zu besichtigen waren. Unser nächstes Ziel ist jetzt das Goldene Gässchen.

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