Der 1534 im Renaissance-Stil von Kaiser Ferdinand I. angelegte Königsgarten wird als einer der schönsten Gärten um die Prager Burg beschrieben.

Heute ist unser erster Tag in Prag und wir haben ihn zum ‚Prager Burg-Tag‘ erklärt. So nach dem Motto, was man weg hat, hat man weg 🙂 Bei der Vorabendplanung blieb dann nur die Entscheidung zwischen ‚zur Burg laufen‘ oder S-Bahn? Da kam dann wieder das Schwäble voll durch „sparen an den richtigen Stellen“.
Bedenkt bei eurer Planung, die Burg liegt oben! Was jetzt schlußendlich von unserer Ferienwohnung aus die bessere Wahl war, darüber ließe sich im Nachfeld diskutieren. Denn direkt aus der Altstadt fährt keine Straßenbahn nach oben zur Burg. Also los (ca. 15 Minuten) Richtung Narodni tridá, von wo aus sich die S 22 über die Kleinseite den Berg hinauf schlängelt. Tja, und da steht man nun an der Haltestelle, kann kein Tschechisch, sieht keinen Fahrkartenautomat, nur Straßenbahnen, die fast im Minutentakt kommen und fahren.

Nach kurzer Beobachtungszeit haben wir uns für ‚wir fragen einfach‘ entschieden und einen kleinen Tabakladen aufgesucht. Treffer!!! Hier werden auch die Fahrkarten für die S-Bahn verkauft. Und da ist es egal wohin man fahren will, es gibt zwei Zeittickets in Prag, und das war es. Einmal bis 60 Minuten, und einmal bis 90 Minuten. Also 60 Minuten und ich war beim Ticketpreis überrascht – gerademal ein Euro kostet eine Einzelfahrt. Nochmal gut 15 Minuten ging die Fahrt hinauf zu Prager Burg. Es gibt da mehrere Haltestellen, an denen man aussteigen kann. Wir haben uns für die Erste entschieden – und haben damit mal wieder das Feld von hinten aufgerollt. 😀 Darin sind wir ja schon geübt 🙂

Heute weiß ich, dass es in den Königsgarten vier Eingänge gibt, wir haben den nördlichen Eingang gewählt. Man kommt ohne Eintrittsgebühr in den Garten, diese wird erst fällig, wenn man die Sehenswürdigkeiten der Prager Burg besichtigen möchte. Aber man kommt nicht in den Park ohne kontrolliert zu werden. Ich habe noch nie soviel Polizei und Militär gesehen wie rund um die Burg. Was ja aber auch kein Wunder ist. Ist sie doch der Sitz des Staatspräsidenten von Tschechien. Freundlich wurden wir durchgewunken und standen direkt vor dem

Lustschloss im Königsgarten

Für seine Ehefrau, Königin Anna, ließ der böhmische König (später Kaiser) Ferdinand I. von 1538 den Bau in italienischem Renaissance erbauen. (Das ist eine Version, eine andere sagt, er wollte es für Repräsentationszwecke. Was genau, werden wir wohl nicht mehr erfahren.) Nachdem das halbfertige Gebäude aber 1541 durch einen Brand zerstört wurde, ließ der König den Bau einstellen. Naja, so halbfertig etwas stehenzulassen, war wohl auch zu diesen Zeiten nicht gewollt. Ab ca. 1555 war der Aufbau wieder in vollem Gange und das Lustschlösschen war 1558 die punkvolle Räumlichkeit zu den drei Tage dauerenden Feiern, mit der die Ankunft von Ferdinand I. als neuer Kaiser des Landes gefeiert wurde.

Rudolf II. nutzte während seiner Regierungszeit einige Räume für sein Observatorim. Er hatte großes Interesse an Astronomie. Nachdem sein Bruder die Macht übernahm, wurde das Schlösschen für ein Jahr, bis zu seinem Tod, sein Wohnort. Und nach seinem Tod blieb es dann verwaist, denn sein Bruder Matthias, verlegte den kaiserlichen Hof nach Wien. Und mit ihm die Kunstsammlung von Rudolf II. Mir fällt bei meinem Blick in die frühere Geschichte sehr oft auf, dass es bei manchen Herrschern, was den Hofsitz anbelangte, ein Hüh und Hott gab. Mal Wien, mal Prag – mal Burg oben, mal Burg unten.

Wie ihr in meinem Bericht zur Prager Kleinseite – kompakt lesen konntet, wurde während des Dreißigjährigen Krieges die Kleinseite durch die schwedischen Truppen besetzt und die letzten Stücke der Kunstsammlung im Prager Kunstraub geplündert. Diese Kriegsbeute gelangte später nach Frankreich und viele dieser Schätze sind heute im Pariser Louvre zu sehen.

Einem völlig anderen Zweck führte 1782 Kaiser Joseph II. dem Gebäude zu. Er übergab es der kaiserlichen Artillerie, die in einem Labor dort unter anderem auch Schießpulver herstellte. Zum Glück kam dann später die Idee auf, das Gebäude öffentlich zu machen. Es wurde saniert und in eine Gemäldegalerie umgestaltet. Ich erspare mir Infos zur Ausschmückung des Schlösschens, das als der bedeutendeste Renaissancebau von Prag gilt.
In solchen Momenten, vor solch herrlichen Gebäuden und schönen Gärten, könnte ich mich geradewegs zum ‚Lustwandeln‘ in die damalige Zeit zurückbeamen. Das ging mir schon beim prachtvollen Schloss Moritzburg in Sachsen so 😀

Deshalb, schaut selbst …  ich träum derweil noch ein bisschen 🙂

Direkt vor dem Lustschloss steht

der Singende Brunnen im Königsgarten der Prager Burg

Auch er wurde von Kaiser Ferdinand I. in Auftrag gegeben und steht seit 1568 immer noch an der originalen Stelle. Ich finde ihn wunderschön mit der Figur des Hirtengottes Pan auf dem oberen Becken. Und warum singt jetzt der Brunnen? Ganz ehrlich, obwohl ich ihn aus nächster Nähe fotografiert habe, blieb er bei mir stumm. Vielleicht entdeckt ihr das Geheimnis? Achtet einfach auf die Wassertropfen, die von oben heruntersprudeln 🙂

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Da unser Ziel die Prager Burg war, blieb kein anderer Weg, als durch den herrlichen

Königsgarten

Noch vor dem Lustschlösschen ließ Kaiser Ferdinand I. 1534 den Königsgarten anlegen. Da unter Karl IV. alle freien Flächen rund um die Burg mit Weinbergen angelegt wurden, musste Ferdinand dafür erst Land aufkaufen. Ursprünglich war er als Renaissancegarten angelegt, wandelte sich aber im Lauf der Jahre zum Barock. Es ist ein wunderschön angelegter Garten, mit Bäumen und Pflanzen, die sich nicht in jedem Park finden. Wir waren an diesem Vormittag fast allein im Park unterwegs.
Schaut mal, einfach nur schöööön …..

Immer wieder gibt es von dieser Stelle wunderbare

 

Blicke zur Prager Burg und zum St. Veits Dom

Auf dem Weg zur Brücke, die über den Hirschgraben hinüber zur Burg führt, kommt man noch am

Ballhaus im Königsgarten

vorbei. Es wurde 1567 mit zwei Jahren Bauzeit erstellt. Wunderschön das Sgraffiti des Gebäudes. In der Prager Altstadt gibt es neben dem Altstädter Rathaus auch ein Gebäude, das über und über mit Sgraffiti gestaltet ist. Wie es der Name schon sagt, wurde es für Ballspiele, die am königlichen Hof ‚in‘ waren genutzt. Später wurde es, wie schon das Lustschloss, unter Joseph II. zum Militärlager genutzt. 1945 brannte es aus.
Es gäbe noch so unzählig viel zu diesem Gebäude zu berichten. Wollt ihr mehr erfahren? Dann werdet ihr HIER mit mehr Wissen zum Ballhaus versorgt.

Wer nur ein bisschen Grün um sich haben möchte, für den ist der Königsgarten ein wunderschöner Ort der Ruhe und Entspannung. Da wir über die Brücke die zur Prager Burg, die ja heute unser Tagesziel war, abgebogen sind, haben wir den weiteren Teil des Königsgartens (noch) nicht gesehen. Der Plan ist, bei unserem nächsten Besuch in Prag und des Loreto, dann diesen Teil des Parks noch zu erkunden.

Wir sind über den Hirschgraben zur Burg. Der Hirschgraben trennt in einer natürlichen Schlucht die Prager Burg mit dem nördlich der Burg befindlichen Land. Kaiser Rudolf II. soll während seiner Regierungszeit dort Hochwild gehalten haben. Der Hirschgraben ist für die Öffentlichkeit aber nicht zugänglich, leider – als ich mir die Fotos dazu angeschaut hatte.

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