Alt und modern vereint die Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg mitten in der Innenstadt.

Der heutige Tag ist komplett der Innenstadt vorbehalten – so weit wir halt kommen 😀 Nach unserem Besuch in der ältesten Hauptkirche St. Petri in Hamburg, geht es jetzt bei unserem Bummel durch die Innenstadt weiter zur jüngsten Hauptkirche der Hansestadt. Die zwei Kirchen liegen nicht weit voneinander entfernt – ein kleiner Bummel über die belebte Mönckebergstraße, auf der ich unbedingt das Levantehaus besuchen wollte, rechts abgebogen am Levantehaus und schon kommt man zur Jacobikirche. Wenn man sich mit Hamburgs Kirchen der Innenstadt ein bisschen befasst, erkennt man sie schon an den Kirchtürmen 🙂

Die Straße an der sie steht, die Steinstrasse, ändert im Vergleich zur Mönckebergstrasse etwas ihr Erscheinungsbild. In früheren Zeiten war sie eine DER Hauptstrassen in Hamburg. Ihr Aussehen prägen große Kontohäuser und man spürt, man ist vom Kontorhausviertel nicht mehr weit entfernt.

Kommt mit zu

meiner Besichtigung der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

bei der es ähnlich schwierig war wie bei St. Petri sie in dem engen Stadtbild komplett aufs Bild zu bekommen. Schon auf dem Weg zum Eingang signalisiert ein Wegweiser, dass die Kirche etwas mit Pilgern zu tun haben muss. Dazu aber später mehr.

Ihr seht es sicher an den Fotos, es zog ein Regenschauer auf Hamburg zu. Die Sonne hat sich vor Schreck verzogen, und da wir keinen Schirm dabei hatten, kam uns dieser Kirchenbesuch gerade recht. In der Zwischenzeit – so hofften wir – wird der Hamburger Wind die Wolken hoffentlich wegpusten. Deshalb haben wir den direkten Weg ins Innere der Kirche gesucht, und dabei völlig außer Acht gelassen, dass es ein sehr sehenswertes Westportal gibt. Macht also nicht den gleichen Fehler und schaut euch das Bronzeportal an, das über der Türe eine Bildergeschichte zum Jüngsten Gericht erzählt. An der Türe selbst, die der Erzengel Michael bewacht, seht ihr Szenen aus dem Leben von Jacobus, dem Namenspatron der Kirche.

In meiner Heimat konnte ich bereits zwei solcher, ähnlich gestalteten Kirchentüren bewundern. Die Stadtkirche in Göppingen, sowie die kleine Dorfkirche in Strümpfelbach erzählen, wunderschön gestaltet, ähnliche Geschichten.

Jetzt kommt mit in die Kirche und ihr kennt meine Anfangsblicke sicher bereits schon – die

Innenansichten der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

die ja obligatorisch am Anfang meiner Kirchenbesichtigungen stehen.

Bevor ich mir in der Kirche die Sehenswürdigkeiten im Detail anschaue, gibt es

ein bisschen Geschichte zur Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

Vielleicht habt ihr ihn bei den Außenfotos zur Kirche schon gesehen, den Wegweiser zu beliebten Pilgerzielen. Auch Hamburg war für die Pilger schon im Mittelalter ein wichtiges Zentrum, ob es nun reisende Kaufleute waren oder Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela, zum Grab des Apostels Jacobus. Da musste doch für diese Menschen eine kleine Kapelle da sein. Zum ersten Mal wird sie 1255 erwähnt und da sie am Jakobsweg liegt, bekam sie den Namen des Apostels Jakobus.

Damals lag die kleine Kapelle aber noch vor den Toren der mittelalterlichen Stadt Hamburg, die östlich vor dem Heidenwall lag. Schon 845 schützte ein Wall bei einem Angriff der Wikinger, der um 1200 das Stadtgebiet zwischen Alster und Elbe/Bille auf dem Hammaburg, so wurde Hamburg in früher Zeit genannt, entstand. Heidenwall vermutlich deshalb, weil man sich vor heidnischen Völkern, wie es ja z.B. die Wikinger waren, schützte.

Hamburg wurde größer – die Stadtmauer wurde es auch, und da die erste befestigte Straße an der Kirche vorbei nach Hamburg hineinführte, wurde das Kirchlein so um 1260 mit in die Stadtbefestigung eingeschlossen. Wenn Orte wachsen, dürfen die Kirchen nicht klein bleiben, auch nicht die St. Jacobi Kirche. Ab 1350 wurde die kleine Kapelle durch eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil ersetzt. Man orientierte sich da ein bisschen an der bereits 1310 entstandenen Nachbarskirche St. Petri. Die Reste gotischer Architekturkunst könnt ihr noch am Sakristeianbau von 1438 sehen.

Selten hab ich noch ein viertes Kirchenschiff in den Kirchen gesehen, St. Jacobi bekam es Ende des 15. Jahrhunderts auf der Südseite. Ein barockes Häubchen bekam der Turm 1587. Ui, ui, stand da etwa eine Kirche auf wackeligen Beinen? Man bemerkte so Mitte des 18. Jahrhunderts, dass es bei der Statik Probleme gab, sicherte draufhin das Fundament, verstärkte das Mauerwerk und gab der Westfront kurzerhand noch ein anderes Aussehen. Heutzutage gehört es bei einem Haus- oder Kirchenbau ganz einfach dazu – damals war Hamburgs Kirche ein Novum, als 1769 der erste Blitzableiter Deutschlands auf St. Jacobi angebracht wurde.

Dann kam die Zeit von Napoleon und die französische Besetzung der Hansestadt. Das war um 1813. Auch St. Jacobi traf das Los von vielen anderen Kirchen, und wurde – Pferdestall. In dieser Zeit wurde ein bisschen am Turm ‘herumgebastelt’, Spätgotik ade. Auch in der Höhe wurde er geschrumpft und zeigte sich dann mit einem Neugotischen Turmhelm.

Großes Glück hatte die Kirche dann beim großen Brand 1862, sie blieb verschont. Was viele andere Kirchen im Stadtgebiet nicht sagen konnten und ein Raub der Flammen beim großen Stadtbrand wurden. Aber dann kam der Zweite Weltkrieg und bei einem großen Angriff wurde die Kirche in Schutt und Asche gelegt. Der Kirchturm fing Feuer und stürzte ins Kirchenschiff. Welch ein Glück, dass die kostbare Innenausstattung gerettet werden konnten. Der Kirchenvorstand hatte wohl den ‘Riecher’, dass etwas passieren würde und ließ alle Schätze in einen Schutzraum auslagern.

Lange dauerten die Wiederaufbauarbeiten – bis 1963 war man damit beschäftigt, St. Jacobi im mittelalterlichen Aussehen wieder aufzubauen. Das einzige was modern wurde, deshalb in meinem Eingangssatz ‘Alt und Neu’, ist der über 124 Meter hohe Turm, der einen modernen Helm bekam.

Und jetzt schauen wir uns die Schätze der Kirche genauer an. Mein Blick geht in den Chorraum und bleibt am

Trinitatisaltar in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

dem Hauptaltar, hängen. Wie in anderen Kirchen auch so üblich, wurden Altäre oft gestiftet. Die Fassmacher ermöglichten mit ihrer Stiftung so um 1510 diesen mittelalterlichen, wunderschönen Altar, der Szenen von Maria und der Dreieinigekeit zeigt. Zu dieser Zeit war die Marienverehrung in vollem Gange und fand auch in anderen Kirchen, so z.B. in der Petrikirche ihren Platz.

Wenn man bedenkt, dass vor der Reformation noch weit mehr Altäre (auch in vielen anderen Kirchen) vorhanden waren, und die nach der Reformation zumeist entfernt wurden, dann muss man sich glücklich schätzen, dass solche Stiftungen bleiben durften. Ich hab ja in meinem Schwabenländle so ein kleines Problem mit besonders einem der Württemberger, der sich (nicht nur) in einer wunderschönen kleinen Kirche in Waiblingen alles unter den Nagel gerissen hat, was nur ging. Heheee, nein! Das hat nix mit Schwaben und so zu tun, gell 😉

In einem der mittleren Reliefs wird unten Maria gehuldigt, die die Hl. Barbara und die Hl. Margareta neben sich hat. Die Hl. Barbara ist euch bestimmt ein Begriff, werden doch an ihrem Gedenktag, dem 4. Dez. traditionell die Barbarazweige (Zweige von Obstbäumen) geschnitten. Am Weihnachtstag sollen sie dann blühen. Legenden zufolge soll sie eine Frau von Schönheit und Verstand gewesen sei, die viele Fragen von einem Gelehrten beantwortet haben wollte. Getarnt als Arzt schmuggelte sie den Überbringer dieser Antworten ins Haus ihres Vaters und ließ sich von diesem Priester taufen.

Einer weiteren Legende zufolge soll Barbara vom heidnischen Vater in einem Turm eingeschlossen worden sein. Ich mein, Väter sind ja eh immer etwas eifersüchtig auf die Männer die den Töchtern den Hof machen, aber sie deshalb einzusperren, damit sie niemand heiraten kann, geht dann doch zu weit. Aber so war das halt im 3. Jahrhundert. Und dann mißfiel es dem Vater, dass er eine getaufte Tochter hatte. Er lieferte sie an den römischen Statthalter aus, der sie bekehren sollte, aber alle Qualen die er ihr antat, brachten sie nicht von ihrem Glauben ab. Schließlich wurde sie vom Vater enthauptet. Und die Strafe folgt ja bekanntlich auf dem Fuß – den traf nämlich nach der Vollstreckung der Blitz und er verbrannte.

Auch die Hl. Margareta weigerte sich im 3. Jahrhundert hartnäckig dem Glauben zu entsagen. Gemeinsam mit Barbara sieht man sie sehr oft als Begleiterinnen von Maria. Da ihr mehrfach der Teufel in Form eines Drachen erschiens, wird sie mit dem Attribut des Drachens dargestellt. Wenn ihr noch mehr über das Leben der Hl. Margareta nachlesen möchtet, dann klick HIER.

Das oberen Relief zeigt die Dreieinigkeit – Gott Vater mit der Weltenkugel, Jesus mit dem Kreuz. In der Mitte der zur Seite geneigten Köpfe steht die Taube als Symbol für den Heiligen Geist. Links in seiner Rüstung, bewaffnet mit Lanze und Schwert, steht der Hl. Georg. Sein Kampf mit dem Drachen ist sicher jedem bekannt. Rechts neben der Dreieinigkeit seht ihr Vincentius.

Die Seitenreliefs zeigen Szenen aus Marias Leben und der Weihnachtsgeschichte.

An dieser Stelle muss ich doch einmal wieder erwähnen, dass ich euch ohne meiner “Emma” solche Nahaufnahmen nicht zeigen könnte. Sie kam spontan und (fast) lautlos nach einer Begebenheit in der Kirche vom Prager Jesulein in mein Leben. Mit noch stärkerem Teleobjektiv als meine alte Kamera, ist sie bei unseren Touren im Dauereinsatz. 🥰📸❤️

Ich habe sie lange bewundert –

die Glasfenster im Hauptchor von St. Jacobi

Man sieht ihnen an, dass sie jüngeren Datums sind. Entstanden sind sie von Charles Crodel, einem deutschen Maler, der sich ab 1932 mit seinen Arbeiten im Merseburger Dom auch wieder der Glasmalerei gewidmet hat. Zum Glück kann ich nur sagen, denn schaut euch mal diese wunderschön gestalteten Fenster an! In warmen Farben greift er das Leben Jesu auf, und jedes Fenster erzählt ein anderes Ereignis. Jesu Geburt im Weihnachtsfenster, das Leiden und sein Tod im nächsten Fenster, die Auferstehung an Ostern und das Pfingstfenster.

Zum Glück zieht in solchen Momenten mein Mann nicht am Ärmelchen ‘komm doch weiter’ und lässt mich geduldig meine Freude ausleben. 😘

Irgendwann hab ich mich dann aber doch losgerissen, da es noch sooo viel anderes in der Kirche zu bewundern gibt. Und schließlich sollt ihr selber in den Fenstern ja auch noch was zu entdecken haben 🙂

Einmal um die eigene Achse gedreht, der Blick nach hinten zur

Arp-Schnitger-Orgel in der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg

die die größte erhaltene Barockorgel norddeutschen Typs ist, und von 1693 stammt. Teile von ihr stammen sogar noch aus der Reformationszeit, aber natürlich wurde sie in jüngeren Jahren auch restauriert. Ihr seht mal wieder, von außen sieht man den Kirchen ihre Innenschätze nicht an. So würde man nie die originalen Pfeifen von noch vor 1700 entdecken. Damit weist die Orgel aus der Werkstatt Arp Schnitgers den umfangreichsten Bestand originaler Pfeifen auf. Ich sag euch, sie klingt wunderschön, denn wir hatten das Glück, dass ein Organist zum Zeitpunkt unseres Besuchs seine Orgelstücke übte.

Nicht fehlen darf bei einer Barockorgel natürlich das Himmelsorchester und ‘meine’ geliebten Engel, die in den Hamburger Kirchen etwas rar vertreten sind.

Nicht zu übersehen sind auch

die Emporenbilder in der Jacobikirche in Hamburg

unter der Orgel oder an den Nebenemporen. Aus dem 17. Jahrhundert stammen sie, und sind biblische Historien. Ich sehe sie öfter bei unseren Besichtigungen, häufig auch in ganz kleinen Dorfkirchen oder sogar in einer kleinen Klosterkapelle im Kloster Adelberg.

Immer noch im Hauptschiff, darf dieser Blick von mir nicht fehlen – ja, ich suche sie in Kirchen förmlich, so auch hier.

Die Kanzel in der Kirche St. Jacobi in Hamburg

stammt von 1610 und ist ein wirkliches Schmuckstück aus verschiedenfarbigem Marmor. Am Kanzelkorb seht ihr wunderschöne Reliefs, die wieder Jesu Leben aufgreifen. Die Verkündigung des Engels ‘Maria du wirst einen Sohn gebären’, die Anbetung der Hirten im Stall, Jesu Kreuzigung und die Auferstehung und Himmelfahrt.

Wie es bei den meisten Kanzeln so üblich ist, dürfen die vier Evangelisten nicht fehlen – hier am Treppenaufgang. Ihr kennt sie mit ihren Attributen? Schnell die Erinnerung: Johannes mit dem Adler, Lukas und der Stier, Markus mit dem Löwen und Matthäus mit dem Engel. Ihr werdet ihnen in der Kirche nochmal begegnen.

Manch eine Kanzel hat ein Portal. Ich hab da schon wunderschön gestaltete Kanzelportale gesehen, von schlicht bis aufwändig. Da die St. Jacobi Kirche bereits früh eine Pilgerkirche war, und auch heute immer noch ist, darf der Jacobus als Pilger hier nicht fehlen. Peterus und Paulus stehen an der Seite, über allem strahlt auf dem Giebel das Pfingstwunder.

Auch ein Blick hinauf zum Schalldeckel lohnt sich – eine kleine Engelschar hat sich versammelt und hoch oben verkündet ein Engel die zehn Gebote auf einer Tafel.

In diesem Bericht merkt ihr mal wieder so richtig, dass ihr auf einem Reise- UND FOTOblog seid. Aber bei solchen Schätzen sind ‘Emma’ und ich einfach im 7. Fotografenhimmel 😀

Weiter geht es ins nördliche Seitenschiff, und in der Mitte könnt ihr es nicht übersehen –

das Gemälde “Stadtansicht” in der Hauptkirche St. Jacobi

Der Historienmaler Joachim Luhn, der 1640 das Licht der Welt erblickt hat, hat es lt. Signatur 1681 gemalt. Seit 1819 darf es in der Kirche St. Jacobi hängen. Wenn man weiß, wie die Türme der einzelnen Hauptkirchen Hamburgs aussehen, ist es auch vom Michel herunter ganz leicht sie im Stadtbild zuzuordnen. Ganz rechts auf dem Bild seht ihr die Kirche, in der ich mich gerade befinde, aber mit völlig anderem Turmhelm, der von 1587 bis etwa 1810 auf dem Turm war.

Der Stadtwall schützt die Stadt zur Elbe hin, und der grüne Teil davor mit weidendem Vieh ist die Grasbrookinsel. Über sie habe ich in meinem Bericht “An den St. Pauli Landungsbrücken” mehr dazu geschrieben. An dieser Stelle entstand ab 1883 die Speicherstadt und ist heute ein Teil der HafenCity.

Links neben St. Jacobi ist der Mariendom, der sich heute nicht mehr in der Innenstadt, sondern im Stadtviertel St. Georg befindet. 1805 wurde er abgerissen. In unmittelbarer Nachbarschaft die älteste Hauptkirche, St. Petri. St. Katharinen Richtung Speicherstadt schließt sich an. Sofort am Turm erkennbar ist auch die zerstörte Hauptkirche St. Nikolai, die neben dem Turm nur noch Reste einer Ruine aufweist. Ganz links – und jeder kennt sie – St. Michaelis, oder einfach der Michel.

Stadtansicht von Joachim Luhn St. Jacobi Hamburg 7045
Stadtansicht von Joachim Luhn St. Jacobi Hamburg 7208
Auf ein Schätzchen mache ich euch noch im nördlichen Seitenschiff aufmerksam, den Rest dürft ihr bei eurem Besuch dann selber entdecken –

“Der reiche Mann und der Tod” in der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg

1622 hat es David Kindt gemalt und symbolisiert unsere Lebenszeit. Keiner weiß, wann unsere Zeit abläuft. Während hier der Reiche noch Zeit damit vergeudet, zufrieden seinen Reichtum zu zählen, kommt der Tod zu ihm.

Der reiche Mann und der Tod in der Kirche St. Jacobi Hamburg 7216
Vielleicht wäre es sinnvoller, stattdessen bewusst zu leben?
Wenn ihr mehr über den den Maler des Barocks, und vor allem mehr zu dem Bild in der Jacobikirche erfahren wollt, dann klickt HIER.
Kommt mit ins südliche Seitenschiff in die

Taufkapelle in der Jacobikirche in Hamburg

wo ich im ersten Moment nicht weiß, wohin als erstes mein Blick gehen soll.

Ich fang mal mit dem

Fischeraltar in der Hauptkirche St. Jacobi an

der, der Name verrät es bereits, so um 1510 vom Amt der Fischer gestiftet wurde. Wie könnte es da anders sein, als dass die Mutter Maria von den beiden Schutzheiligen der Fischer begleitet wird. Links Gertrud von Nivelles, die so um 625 geboren wurde. Als ihre Mutter verstarb bekam sie als deren Erbe ihr Kloster in Nivelles, und wurde dort Leiterin. Komischerweise wurde sie wohl aber offiziell nie als Äbtissin erwähnt, das Kloster wurde aber durch sie zu einem großen Wallfahrtsort. Es ranken sich ja immer viele Legenden um die Heiligen, so um die Hl. Gertrud, dass sie Schiffsreisende vor einem Meeresungeheuer gerettet habe.

Petrus, der eigentlich Simon Petrus heißt, wird als Apostel Jesu bekannt. Es ist der, der bei der Gefangennahme von Jesus einem Diener des Hohenpriesters ein Ohr abschlägt und Jesus dreimal verleugnet. Über sein Leben berichten? Ihr würdet morgen noch lesen. Wen es genauer interessiert, der darf HIER klicken.

Die Flügel des farbenfrohen Altars erzählen aus dem Leben der beiden Heiligen.

Taufkapelle und Fischeraltar in der Kirche St. Jacobi Hamburg 7140
Fischeraltar in der Kirche St. Jacobi Hamburg 7145
Fischeraltar in der Kirche St. Jacobi Hamburg 7148
In wunderschönen warmen Farben könnt ihr auch in der Taufkapelle

Glasfenster von Charles Crodel in der Jacobikirche in Hamburg

bewundern. Alt und Neu vereint sich hier hervorragend – das alte Taufbecken von 1814 harmonisiert mit dem Lichterbaum von 1996.

Die Statue links vom Altar hat ein bisschen zuviel Hitze abbekommen – es ist

die verkohlte Jacobus-Figur in St. Jacobi

Kein Wunder, ist sie doch aus Holz. Man fand den Namenspatron der Kirche in den Trümmern der Kirche, nachdem 1944 bei einem Luftangriff der Turm getroffen und brennend in das Kirchenschiff fiel.

Jetzt setzen sich nochmal die vier von der Kanzel in Szene –

die vier Evangelisten in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

Die Figuren stammen vom zerstörten barocken Hauptaltar von 1720 und haben am Ende der Seitenschiffe ein neues Zuhause gefunden. Wie ich finde, ein wunderschönes … schaut mal …

An Altären ist die Kirche reich gesegnet, denn jetzt geht es weiter

zum Osterkirchenaltar in der Kirche St. Jacobi

Er ist noch nicht so lange in der Hauptkirche St. Jacobi, hat aber schon einige Jährchen ‘auf dem Buckel’. Aus dem Spätmittelalter stammt er vermutlich und wenn er reden könnte, dann würde er von einigen Umzügen erzählen, bis er hier seinen Platz fand. Ich war fasziniert von allen Altären in der Kirche, denn soooo farbenfroh und wunderschön habe ich sie noch selten in Kirchen gesehen.

Die Szenen auf den Tafeln zeigen die Menschwerdung Gottes und die Passion Jesu. Schaut mal das Bild von der Geburt Jesu – von Engeln umgeben mit seiner Mutter Maria. Ursprünglich hatte hier der Hl. Jacobus in Pilgertracht seinen Standort. Er darf nun innerhalb der Kirche umziehen, zuvor wird er noch in der Werkstatt ein bisschen aufgehübscht.

Im vierten Seitenschiff gibt es nochmal einen Altar zu bewundern –

der Lukasaltar in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

ist ebenfalls eine Stiftung von einem Handwerkerverbund, nämlich den Malern. Wunderschön gemalt von dem Hamburger Hinrik Bornemann stammt er von 1499. Ursprünglich war er ja einmal für den Marien-Dom gedacht gewesen. Nachdem dieser aber 1805 abgerissen wurde, fand er ein Plätzchen in St. Jacobi.

Wann Lukas, der der Überlieferung nach ein Arzt gewesen ist, genau geboren ist – darüber hüllt sich ein Nebel. Er wurde ein Gefährte von Paulus auf den Reisen nach Rom, wo er auch in Gefangenschaft geriet. Auf Lukas geht das gleichnamige Evangelium zurück, auch soll er für die Apostelgeschichte verantwortlich sein. Als Evangelist wird er mit dem Attribut, dem Stier dargestellt. Seinen Tod fand er Legenden zufolge an einem Olivenbaum, an dem er gekreuzigt wurde. Lukas wird eine große Marienverehrung nachgesagt, er soll sogar der Begründer der Marienbilder sein. Aus diesem Grund hat ihn die Malerzunft als seinen Schutzheiligen erwählt. Noch heute pflegt diese Zunft einen schönen Brauch in Hamburg – die Freisprechung der Maler findet hier in St. Jacobi statt.

Ein Flügelaltar, so wie es der Lukasaltar ist, hat ja immer zwei Ansichtsbilder – geschlossen und geöffnet. Ich konnte ihn leider nicht bei seiner Arbeit betrachten, denn die Altarflügel waren weit geöffnet. Aber auch auf dem großen Bild ist er in Aktion zu sehen, wie er Maria mit dem Jesuskind malt. Links eine Szene aus dem Lukasevangelium mit dem Emmaus-Mahl, rechts der Tod von Lukas.

In den Hamburger Kirchen ist mir aufgefallen, dass es manchmal recht sparsam mit Epitaphien hergeht. Dabei ist doch dies das Privileg der Schwaben 😀 *Ironiemodus aus* An der Kirche z.B. in Schwäbisch Hall können sich die Hamburger was abgucken 🙂 (die ist im gesamten Chorrund mit sehr aufwändigen Epitaphien gefüllt). Hmm … aber dazu ist es jetzt wohl zu spät, denn Hamburger Bürger haben damals diese Erinnerungstafeln oder -bilder zum Andenken an Ihre Verstorbenen gestiftet. Dabei natürlich, wie es zu dieser Zeit verstärkt der Brauch war, um damit auch für deren oder ihr eigenes Heil zu bitten. In einigen Kirchen im Schwabenland gab es zu dieser Zeit und zu diesem Zweck auch die sogenannten Ablassbriefe, mit der man sich das Seelenheil erkaufen konnte und dabei der Kirche (mehr oder weniger viel) Geld zukommen ließ. Ja, so war es eben damals ….

Wenn es in den Kirchen aber Epitaphien gibt, dann sind sie wirklich sehr schön gestaltet. Ihr entdeckt bei einem Besuch doch ein paar in der Kirche. Eins möchte ich euch aber doch genauer zeigen –

das Epitaph von Jost Rogge in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg

Von 1610 stammt es und soll vom Bildschnitzer Rogge selbst gefertigt, bzw. die Malerei in Auftrag gegeben worden sein. Im Alter von 63 Jahren soll er lt. Inschrift am Denkmal verstorben sein. Aber das kinderlos Paar hat vorausschauend 1590 in der Kirche schon einen Grabstein gekauft. Früher war es ja teilweise noch üblich in Kirchen bestattet zu werden. Und da kommt er, der Deal mit der Kirche: Rogge ‘stiftet’ der Kirche dieses Denkmal, dafür bekommt er weiterhin seinen Ruheplatz in der Kirche.

Aber ich finde diesen Deal auch berechtigt, hat doch Rogge einige Arbeiten für die St. Jacobi Kirche geschaffen. Muss ja schon auch verdient sein, so ein großes Epitaph. Da es sehr hoch hängt, hat sich meine ‘Emma’ heftig bemüht, es euch näher ranzuholen. Meist gliedern sich die Epitaphien in drei Teile – das Hauptbild in der Mitte, einem Aufbau samt einer Bekrönung und ein Sockelteil in dem oft Informationen zum Verstorbenen zu lesen sind.

Wie es sich für einen Bildschnitzer gehört, ist der Rahmen reich geschnitzt. Die Gemälde zeigen unten die Kreuzigung Christi und im oberen Teil die Auferstehung.
Wenn ihr das untere Gemälde aufmerksam anschaut, dann seht ihr links unten Jost Rogge und seine Frau Marta. Auf dem oberen Teil sind die christlichen Tugenden in Form von weiblichen Figuren dargestellt. Ihr kennt sie? Der Glaube symbolisiert mit dem Kreuz, die Hoffnung als Anker, die Gerechtigkeit mit den Gesetzestafeln. Die Tauben symbolisieren die Klugkeit, in der Nische oben die Liebe mit den Kindern und ganz oben ist die Stärke, symbolisiert mit einer zerbrochenen Säule.

Es gibt ganz schön viel zu entdecken und bewundern in der Kirche St. Jacobi. Am Ende meines Rundgangs, und der hat diesmal ganz schön lange gedauert, saß ich noch in einer der Kirchenbänke und hab meinen Blick schweifen lassen ….
In der Hoffnung, dass sich die dunklen Wolken während unserem Kirchenbesuch verzogen haben, ging es wieder hinaus auf die Steinstrasse.
Doch schon mit dem ersten Schritt ins Freie war klar, dass dies Wunschdenken war. Tja, und nun? Wir sind doch nicht aus Zucker, wegen dem bissle Nieselregen aufgeben? Nö, kommt nicht in Frage! Und da wir ja doch so nahe am Kontorhausviertel sind, gehen wir einfach zum Chilehaus. Kommt ihr weiter mit auf unserem Rundgang?

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