In einem wunderschönen Naherholungsgebiet, in der Nähe des Kloster Adelbergs, liegt der Herrenbachstausee mit seinen Waldgeistern, die man auf einem Walderlebnispfad besuchen kann.

Wir wollten die Waldgeister kennenlernen. Dies war der Grund, dass wir uns mit Fridolin auf den Weg über die Landesgrenze Richtung Göppingen aufgemacht haben. Und natürlich Wasser! Ihr wißt es ja vielleicht mittlerweile aus meinen Berichten, dass ich ein Wasserkind bin. Ich liebe Flüsse, Seen und das Meer, muss aber nicht unbedingt nass dabei werden 🙂 Es reicht mir, am Wasser zu laufen, zu beobachten und dabei zu entspannen. Und in Kombination heute mit dem Waldgeisterbesuch – und dazu noch an einem herrlichen Oktobertag – Herz was willst du mehr?

Der Herrenbachstausee liegt ein bisschen versteckt im Herrenbachtal an der Verbindungsstraße zwischen Schorndorf und Göppingen. Achtung, wollt ihr zum Parkplatz an der Herrenmühle fahren, dann müsst ihr in einer leichten Kurve abfahren. Der herrliche Rundweg um den See ist absolut Familientauglich, und auch mit Kinderwagen befahrbar.

Wie der Herrenbachstausee entstanden ist

Der Name sagt es schon, der See ist aufgestaut. Auch der östliche Teil des Schurwaldes (in dem der See liegt) wurde in den 1970er Jahren nicht von Überschwemmungen verschont. Irgendwann war wohl das Maß voll, es wurde ein Hochwasserrückhaltebecken im Herrenbachtal angelegt. 22 Meter ist der Staudamm hoch, 220 Meter lang und hält auf einer Fläche von ca. 17 ha. knapp 2 Millionen m³ Wasser zurück. Eine ganz schöne Menge Wasser staut sich da auf bis zu 18 Metern Wassertiefe an.
So ganz ohne Hintergedanke wurde dieser sinnvolle Bau vermutlich wohl nicht da hinten im Tal geschaffen. Wahrscheinlich wussten die Planer schon ganz genau, dass sie damit auch ein herrliches Naherholungsgebiet für die Bevölkerung erschaffen. Und das ist es wahrlich.

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Start des herrlichen, ca. 3 Kilometer langen Rundwegs und Walderlebnispfads um den See ist an der

Herrenmühle

Wann die genau entstanden ist, liegt etwas im Nebel. Aber schon in früheren Zeiten soll in dieser Gegend eine Burg existiert haben. Und keine Burg ohne Mühle. In einer Chronik ist auch der Name erklärt – eine Mühle der Burgherren, also kurz und bündig ist es eine Herrenmühle.

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1181 hat Folknand von Staufen-Toggenburg, ein Vetter des bekannten Kaisers Friedrich I. Barbarossa, auf der Anhöhe über dem Herrenbachsee das Kloster Adelberg gegründet (über das Kloster könnt ihr in meinem anderen Beitrag lesen). So wurde die Herrenmühle zur Klostermühle Die Herrenmühle zählt auch heute noch zum Klosterbezirk. 1860 ging dann die Mühle in den Besitz eines Urahnen des heutigen Besitzers über. Wir haben auf eine Einkehr verzichtet, da zu Corona Zeiten ja auch die Öffnungszeiten ein bisschen anders sind. Aber einen Blick auf die Herrenmühle gibt es trotzdem.

Jetzt kommt mit zum

Rundweg um den Herrenbachstausee

der mit seinem Walderlebnispfad an diesem Sonntag auch vielen Kindern kurzweilig Spaß gemacht hat. Ich kam mir an diesem Tag auch ein bisschen vor wie ein großes Kind – gespannt, wo sich die Waldgeister denn verstecken. Die Macher dieses Erlebnispfades haben sich sehr große Mühe gegeben auf spielerische, kindgerechte Art den kleinen (und auch großen) Besuchern die Geschichte des Waldes näherzubringen. Damit man auch weiß, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet, weißt einem Poldi, der Hirsch den Weg. Manchmal auch mit einem kleinen Rätsel. Die Wegweiser sind auch gut so, denn vom See führt auch ein Weg nach oben zum Kloster Adelberg.

In der ersten Station wird erklärt und beschrieben, dass wir alle von den Bäumen bekommen.

Hölzerne Zeiten am Herrenbachstausee

werden aufgezeigt. Ein sehr wichtiges Produkt, das uns der Wald schenkt ist die Imkerei, die früher Zeidlerei hieß. Oder wird die Glasverhüttung beschrieben, die es im Mittelalter mit vielen Glashütten gab, und die im Auftrag des Klosters gearbeitet haben. Wenn ihr den Bericht zum Kloster lest, dann kann man sich ganz schnell von dem Gedanken verabschieden – Kloster = arm. Auch zu dieser Herstellung brauchte es Holz. Viele Handwerke zu denen es Holz benötigt, sind hier beschrieben. Dieser Kreislauf des Gebens und Nehmens wird bei dieser Station mit einem Ring symbolisiert. Es ist alles ein Kreislauf ….

Es war einmal ….

die Geschichte des Waldes

geht ganz weit zurück. Während zur Zeit der Germanen so bis 260 n. Chr. schon ein Besitzrecht von Grund und Boden Einzug hielt, gehörte der Wald aber allen. Jeder durfte hier jagen oder Brennholz sammeln und so wie es bei manchen Landwirtschaften auch heute noch der Fall ist (oder wieder) erlebten Rinder oder Schweine den Wald als ihren Lebensraum. Das änderte sich jedoch so um 1750. Jetzt wurden die Tiere im Stall gefüttert und hatten vielleicht noch Auslauf um den Stall. Ob das aber für den Wald die beste Lösung war?

Ab 1848 gab es das Gesetz, dass jeder im Wald auf Jagd gehen darf, was zuvor nicht möglich war. Da durfte nur der König samt seiner Gesellschaft den Rehen oder Hasen an den Kragen gehen. Ja, es hat sich viel verändert. Was? Das wird an dieser Station beschrieben.

Über die Staumauer geht es zur nächsten Station weiter. Aber nicht ohne

Ausblicke auf den Herrenbachstausee

Es ist immer wieder faszinierend schön, welche Farben der Herbst malt …

Darum brauchen wir den Wald

Oh, da gibt es viele Gründe. Schaut euch nur in eurer Wohnung um, was da alles aus Holz ist. Oder warum da heute viele Menschen sich hier einen schönen Tag gemacht haben?
An dieser Station solltet ihr für den Rundweg nach links abbiegen. Nicht damit es euch so geht wie mir, die da, ob weiterer Möglichkeiten, etwas unschlüssig davor stand. Rechts geht der Weg hinauf zum Kloster Adelberg.

Ein paar Schritte weiter kommt die Erklärung

wie der Baum zum Holz wird

und dass so mancher Holzscheit uns wohlige Wärme geben kann.

An dieser Station

Ein Baum erzählt

fällt mir die Geschichte „Ein Märchen“ von Hans Körner ein. Eine Geschichte von einem Baum, der nicht wachsen durfte wie er wollte. Ein Ehepaar hatte ihn in ihrem Garten gepflanzt. Wuchs er nach links, wurde er in Form geschnitten, dass er gerade nach oben wachsen solle. Brach er nach rechts aus, wurde er wieder geschnitten und wuchs er zu schnell nach oben, ereilte ihn das gleiche Schicksal. Todunglücklich stand der Baum da. Liebte man ihn denn nur, wenn er so wuchs, wie es die beiden Menschen haben wollten? Was war denn mit seinen Bedürfnissen, mit seiner Freude zu wachsen? Bis ein kleines Mädchen die Traurigkeit des Baumes erkannte und sich um ihn kümmerte und ihn ließ, so wie er war. Der Baum blühte auf ….
(Eine zufällige Ähnlichkeit mit uns Menschen ist in dieser Geschichte gewollt!)
Denn Bäume behalten erhalten das Erlebte in ihrem Innern, wir Menschen in unserem Gedächtnis.

Immer wieder wenn wir im Wald unterwegs bin, schaue ich zu den Bäumen hoch. Die dürfen wachsen wie sie sind. Nur bei Krankheit oder wenn sie zu alt sind, wird eingegriffen. Hier um den Herrenbachstausee hat man viel Gelegenheit zu beobachten, nach oben zu schauen, und zu sehen, dass diese Bäume fröhlich wachsen …

Nein, nein, ich werde euch jetzt nicht Station für Station auf diesem Rundweg vorstellen. Die dürft ihr ruhig selber entdecken. In die

Koboldklinge am Herrenbachstausee

muss ich euch aber doch genauer hineinführen. Ich kam mir vor wie ein kleines Mädchen auf Entdeckungstour 😀
Der Wald als Symbol für das Unbewusste – der Wald als Ort für das Reich der Zwerge, Riesen, Feen und Kobolde – der Wald als ein Ort an dem man einen Schatz findet oder einen Drachen töten kann.

Peng, ich fühlte mich mit einem Katapult in meine Kinderzeit zurück versetzt, in der es meine liebste Freizeitbeschäftigung war, durch die Bäume die Bachböschung hinunter zu rutschen um am Bach ‚Lägerle‘ zu bauen. Alle Kinder im Viertel trafen sich dort. Nicht immer zur Freude von meiner Mutter, die mich manchmal komplett mit Haut und Haar hätte zum Trocknen aufhängen oder mich vor der Haustür vom Dreck abklopfen können. Zu meiner Jugendzeit war dieses Vergnügen noch gefahrlos möglich.

Und da waren sie auch, die Waldgeister die ich gesucht hatte …

Ich habe auf meinen Erkundungen schon so viele romantische Orte gesehen, die zum Märchenerzählen verleiten. In Dinkelsbühl wohnt z.B. die Märchenerzählerin in einem Turm. Hier an diesem Ort mitten im Wald – was für eine schöne Stelle für ein Märchen. Spontan fällt mir da ein Bild vor Augen, wie viele Kinder, vielleicht an einem Kindergeburtstag, hier auf den Bänken und Stämmen sitzen und an

der Märchenquelle

der Märchenerzählerin lauschen.

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„Die Geschichte vom Wasserkrug“
Vor langer Zeit gab es eine große Dürre. Die Quellen versiegten und die Bäche trockneten aus. Die Erde wurde hart. Die Blumen verwelkten, das Gras verdorrte und die Bäume im Wald ließen ihre Zweige hängen und warfen ihre Blätter ab. Die Tiere hatten großen Durst, viele mussten sterben. Auch den Menschen erging es nicht anders. Viele waren den ganzen Tag auf der Suche nach Wasser.
Ein kleines Mädchen sorgte sich um seine kranke Mutter. Es wusste, sie brauchte dringend Wasser, sonst würde sie sterben.
Das Mädchen nahm einen Krug und machte sich frühmorgens auf, um einen Brunnen zu suchen. Den ganzen Tag ging es unter der heißen Sonne, aber es konnte kein Wasser finden.
Am Abend legte es sich enttäuscht und durstig auf die harte Erde und schlief ein. Im Traum hörte es eine Quelle plätschern und sah, wie der Krug bis zum Rand mit klarem Wasser gefüllt wurde.
Als es am Morgen aufwachte, stand neben ihm der gefüllte Krug. Es hatte zwar großen Durst, aber die kranke Mutter zu Hause hatte das Wasser sicher nötiger. Eilig nahm es den Wasserkrug und wollte nach Hause laufen. Beinahe wäre das Mädchen über einen kleinen Hund gestolpert, der vor ihm auf dem Boden lag, schwach vor Durst. Dem MÄdchen tat das Hündchen leid. Es schöpfte mit seiner Hand Wasser und gab dem Tier zu trinken. Schon fand der kleine Hund Kraft und sprang davon.
Der Wasserkrug aber war nicht leerer geworden. Er war aber auch nicht mehr aus Ton, sondern aus Silber und schimmerte wie der Mond.
Voll Staunen eilte das Mädchen weiter. Es traf eine alte Frau und einen alten Mann, die am Weg saßen, elend vor Durst. Das Mädchen gab auch ihnen zu trinken. Jetzt strahlte der Krug in leuchtendem Gold und war noch immer bis zum Rand voll Wasser ………..

Leo Tolstoi

1828-1910

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Ihr könnt euch vorstellen, wie die Geschichte endet? Wenn nicht – in voller Länge könnt ihr sie an der Märchenquelle lesen (oder vorlesen).
Die Botschaft hinter dieser nachdenklichen Geschichte ist aber klar erkennbar – ohne Wasser kein Leben. Auch nicht im Wald.

Die Mythologie der Bäume

ist wieder eine Station, die ins Nachdenken bringen darf. Können Bäume reden? Buche und Birke machen es an dieser Station, und erzählen aus ihrem Leben. Ihr kennt doch sicher diesen Spruch „Buchen sollst du suchen?“ Bei Gewitter würde ich sie zwar sicherlich nicht suchen, aber bei Regen könnten sie einem schon Schutz gewähren. Viele viele Blätter, dicht an dicht und ausladend geben an ihrem Stamm Schutz.

Und Birken mit ihrem weißen Stamm sieht man meist an hohen Kirchenfesten vor den Kirchentüren. Sie hat so was fröhliches. Spontan fällt mir da eine Begebenheit ein, die vielleicht nicht nur im Schwabenland am 1. Mai Tradition ist. Einem Mädchen, für das man schwärmt, stellt man in der Maiennacht ein bunt geschmücktes Birkenbäumchen vor die Haustüre. Auf diese Idee kam auch in Jugendzeit einer meiner Söhne. Was war das für eine Gaudi, als wir mit bunten Kreppbänder das kleine Bäumchen geschmückt haben, das mein Exmann besorgt hatte. Dann musste man das Bäumchen bei Dunkelheit ja auch unbemerkt vor die Haustür des Mädchens bringen. Um es kurz zu machen – Mama stand Schmiere, Sohn hat das Bäumchen  gesteckt 😂 Wenn der Mai vorbei ist, wird dann in einem Fest das Bäumchen ‚versoffen‘. Ja, so sind eben die Bräuche.

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Immer wieder dazwischen gibt es

traumhafte Blicke auf den Herrenbachstausee.

Ihr könnt euch mit meinem Bericht vorstellen, warum wir keine ‚Wandersleut‘ sind 😂 Wir bräuchten für drei Stunden Wanderzeit locker das Doppelte. Da ein Blick, dort ein Fotomotiv. Und manch ein Wanderer oder Spaziergänger hat sich wohl gewundert ‚vor was bleibt die denn stehen‘?
Im Felsenmeer Wental haben uns mal zwei Frauen angesprochen, meinem Blick folgend den ich mit der Kamera einfing ‚was sehen sie da so Interessantes?‘ Erst nach Erklärung, dass die Anordnung der Baumgruppe mit lebenden und toten Bäumen für mich interessant war, ließen sie ebenfalls bewusster schauen ’stimmt, sie haben recht‘.

Vielleicht nicht gerade im Herbst, aber im Sommer stelle ich mir das ‚erdend‘ vor –

auf dem Barfuss-Pfad am Herrenbachstausee

den Rundparcour zu gehen. Man kann ihn nicht übersehen. Schaut nach dem Wanderstiefel, den da jemand auf dem Stamm nach seinem Gang vergessen hat wieder anzuziehen.

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Wir sind auf dem Rückweg zu Fridolin, der es ja schon gewohnt ist, dass es mal wieder länger dauert 🙂

Blicke in den Wald um den Herrenbachstausee

lassen mich halt wie schon geschrieben, mehrmals stoppen.

Zwölf interessante Stationen

sind auf dem Waldlehrpfad rings um den Herrenbachstausee angelegt und sorgen für einen kurzweiligen Rundgang um den See.
Wir haben uns mit einem letzten Blick auf den See verabschiedet, denn ein Besuch von Kloster Adelberg stand auch noch auf meinem Plan. Kommt ihr noch mit?

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