Hoch über dem kleinen Ort Weesenstein erhebt sich über dem Müglitztal auf einem Felsvorsprung das beeindruckende Schloss Weesenstein. Es weist eine Besonderheit auf, denn es wurde von oben nach unten gebaut.

Nach dem beeindruckenden Besuch auf Schloss Pillnitz geht die Fahrt über kleine Ortschaften weiter zu unserem nächsten Ziel – Schloss Weesenstein. Ein paar Parklätze an der Durchgangsstrasse – sind wir hier richtig? Ja, ein Hinweisschild weist zum Weg nach oben zum Schloss. Und nach dem kurzen Weg wird der Blick von außen auf das Schloss frei. Und man sieht deutlich den Felsen auf dem das Schloss erbaut wurde.

Einlass gibt es an der Kasse im Burgtor. Wir waren wieder mit unserer SchlösserlandKarte App unterwegs und auch hier stellten wir fest, auch mit App ist der Check-in nicht immer so easy möglich – kein Netz!! Und ohne Netz kein Einloggen – und ohne Login kein Abscannen des QR-Codes möglich. Und nun? Die netten Damen an der Kasse kennen dieses Problem wohl schon und nach vielen Versuchen im Freien haben wir es endlich geschafft.
So ein kleiner Tipp deshalb am Rande: Wollt ihr diese Karte nutzen (und wenn ihr Burgen und Schlösser in Sachsen besuchen wollt, empfehle ich die euch nicht nur als Schwäbin 🙂 ) und habt ihr vor eurer Reise noch die Zeit dazu, dann lasst sie euch per Post zuschicken.

Während wir jetzt im äußeren Burghof den Blick auf das Schloss genießen, gibt es ein bisschen

Geschichte zu Schloss Weesenstein

Wer hat’s gebaut?
Sicher ist da gar nichts überliefert. Gottfried Semper (Sempergalerie in Dresden) vermutet die allererste Anlage im 10. Jahrhundert, allerdings ohne jegliche Beweise dafür. Zum ersten Mal taucht das Schloss Weesenstein urkundlich im Dezember 1318 auf. Und das scheint eher wahrscheinlich, denn der Weg über Weesenstein (den gleichnamigen Ort) wurde im 13. Jahrhundert als Handelsweg genutzt. Eine Name wurde auch schnell gefunden, das Quarzitgestein im Felsen wurde früher „Wese oder Waise“ genannt.
Es wird vermutet, dass das Schloss samt dem umliegenden Land als Mitgift einer Tochter des Burggrafen von Meißen in die Ehe mit dem Burggrafen von Dohne mit eingebracht wurde und so in den Besitz der Burggrafen von Dohna kam.

Wenn ein Gebäude reden könnte, bei Schloss Weesenstein wäre es vermutlich ein ganzer Wasserfall an Buchstaben. Und wenn sich einige Menschen bekriegen müssen, dann leiden auch meistens die Gebäude darunter. So wie von 1389-1402 in der Dohnaischen Fehde. Der Klügere gibt aber nach, in dem Fall König Georg von Böhmen. Er hat auf weitere Ansprüche verzichtet und bis 1772 blieb so Schloss Weesenstein im Besitz der Familie von Bünau.
Dann kam 1429 der Hussiteneinfall und die Zerstörungen gingen weiter und einer aus dem Hause Bünau entpuppte sich als ziemlich streitsüchtig. Soooo sehr, dass es bis zum Bischof nach Meißen vordrang. Trotzdem war die Familie sehr einflussreich und im Besitz von vielen Dörfern und Schlössern. Wie sagt man im Schwäbischen „Hosch oimal ebbes, dann kriagsch emmer no ebbes d’rzua.“

Im Dreißigjährigen Krieg, besonders von 1631-1643, ging es dann heftig zur Sache. Weesenstein wurde durch die Schweden schwer verwüstet und die Umgebung von Pirna über Monate schwer gebrandschatzt.

1772 ging dann das Schloss auf die Familie von Uckermann über, was nicht wirklich zu einer friedlicheren Zeit führte. Denn es kam zu Gewalttätigkeiten mit den Untertanen, die sich schließlich 1775 in einem offenen Aufruhr gegen die aufgebürdeten Frondienste beschwerten.

Nach weiteren Kriegen rückte Weesenstein durch glänzende Feste in den Fokus und in den Blickwinkel der königlichen Familie. 1830 kaufte König Anton der Gütige (König von Sachsen) das Schloss, welches 1838 von Prinz Johann, dem späteren König übernommen wurde. Er war oft auf Schloss Weesenstein und arbeitete dort unter einem Pseudonym fleißig an seiner Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“.
Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Schloss in bürgerliche Hände und 1933 in den Besitz des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, der im Schloss das erste Museuum einrichtete. Das Schloss hat den zweiten Weltkrieg gut überstanden und wurde in dieser Zeit als Hauptdepot der zigtausend Kunstschätze aus den Dresdner Museen genutzt.

Etwas ganz Besonderes ist

die Bauweise von Schloss Weesenstein

Mit den vielen Besitzern blieb es nicht aus, dass das Schloss aus seiner ursprünglichen Große erweitert werden musste. Aber wie soll das gehen, wenn es in einen Fels gehauen, hoch über dem Müglitztal steht? Normalerweise erweitert man Gebäude ja von unten nach oben. Und jetzt kommt die Einmaligkeit die Schloss Weesenstein auszeichnet – hier wurde von oben nach unten gebaut.
Als erstes Gebäude wurde auf dem Felskegel der Bergfried errichtet, alle Erweiterungen gingen bis acht Stockwerke tiefer. Und trotzdem hat kein einziges Gebäude der Schlossanlage mehr als vier Geschosse. Die Herrschaften von Bünau sind für diese einmalige Architektur verantwortlich.

So findet man den Festsaal auf dem Dachboden, die Pferdeställe sind in der fünften Etage, in der vierten Etage liegen die Kellergewölbe und ein Stockwerk darunter sind die herrschaftlichen Wohnräume zu finden. Die Schlosskapelle befindet sich im sechsten Stock.
Alles kreuz-quer-knuddel durcheinander und bei der Besichtigung verliert man völlig den Überblick in welchem Geschoss man sich eigentlich befindet.

Bevor wir gemeinsam durch die Räume schreiten (merkt ihr was? kaum im Schloss, schreitet man 😂😎), geht es jetzt erst in

die Innenhöfe von Schloss Weesenstein

und ich nehm es den Fotos gleich vorweg – ich war hell begeistert. Das ist mein Faible (auch in den Ortschaften, vor allem in Italien oder Südtirol) – enge verwinkelte Gässchen. So geht es vom ersten zum zweiten Innenhof durch Felsengänge und so engen Wegen, dass der Bierbrauer des Schlosses nur in seinem kleinen Motorrad durchkommt. Einmalig schön.
Und nachdem wir im ersten Schlosshof auch noch Klingelschilder an der Türe gesehen haben – da muss jemand wohnen! Toll! ‚Ich wohne in einem Schloss‘ 😀

Kurz vor dem zweiten Schlosshof gab es noch einen Blick in den Pferdestall – 1658 erbaut – Lage: 5. Stockwerk. Wenn man dies ohne das Hintergrundwissen, wie gebaut wurde, liest, so denkt man im ersten Moment wohl: sind die bekloppt? Pferdestall im 5. Stock??!! 🙂
Im hinteren Schlosshof ist die königliche Hofküche und wie könnte es passend dazu sein? Richtig! Die Gastwirtschaft. Wegen Corona und überhaupt geschlossen. Es wird ein neuer Betreiber gesucht. Wir haben aber trotzdem das Glück gehabt und konnten in die Gasträume spickeln.

Ja, und wo ist denn jetzt der Zugang zu den Besichtungsräumen? Die kleine Türe, die den Zugang erst mit der Eintrittskarte im Scanner freigibt, liegt im vorderen Bereich des Schlosses. Auf dem Rückweg hatten wir noch auf einer kleinen Terrasse den Blick in den herrlichen

Schlossgarten von Schloss Weesenstein

– Besichtigung später. Vermutlich geht die Gestaltung auf die Familie von Uckermann zurück, aber ich denke, da hatte bestimmt jeder seine Hände mit im Spiel.

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Das Schloss kann man in Eigenregie erkunden, was mir persönlich immer am Besten gefällt. So kann ich nach Herzenslust stehenbleiben und fotografieren, wann und wo ich es möchte. Und die Beschreibungen im Schloss sind sooo gut, dass man damit gut einen kleinen Einblick erhält. Es gibt aber auch an der Kasse einen Audio-Guide der Wissenswertes vermittelt. Meine Erfahrung mit diesen ‚Handys um den Hals‘ – sie vermitteln sehr viel Wissen und Input, den ich mir aber anhand unserer vielen Besichtigungen gar nicht merken kann. Man steht oft endlos an einer Stelle und es wird immer noch erzählt …. ja, jedem das Seine. Ich erwerbe mir da lieber einen kleinen Führer und mach mich so schlau.

Der erste Raum im Schloss Weesenstein ist ganz

Prinzessin Amalie von Sachsen

gewidmet und lässt gleich einen Einblick in die höfische Wohnkultur zu.
Amalie, die älteste Schwester von König Johann, war unverheiratet und hielt sich des öfteren mit ihrem Bruder und dessen Familie auf Schloss Weesenstein auf.

Ich habe mir lange überlegt, wie ich euch die

Eindrücke von den Räumen auf Schloss Weesenstein

so vermittle, ohne euch den Anreiz, das Schloss selbst zu besuchen, nicht vermassle. Mit meiner Begeisterung über das ‚Innenleben‘ des Schlosses ist das gar nicht so einfach. Das was ihr also hier an Fotos seht, ist nur ein Bruchteil von dem, was euch vor Ort im Schloss erwartet.

König Johann von Sachsen war im 19. Jahrhundert der berühmteste Eigentümer des Schlosses, und auch derjenige, der sich sehr seinem „Felsenschloss“ wie er es nannte, zugetan fühlte. Vor allem im Frühjahr und Herbst hielt sich die königliche Familie auf Weesenstein auf. Nach ihm ging das Schloss in den Besitz seines Sohnes und anschließend seines Enkels über.
Im Unterschloss hatten die Kinder und Gäste ihre Räume, die alle von einem kleinen Flur aus begehbar waren. Über diesen Flur wurden von den Bediensteten die Öfen beheizt oder diskret verborgen hinter Holztüren die Toiletten geleert. Denn auch ‚Königs‘ sind Menschen wie du und ich.
Ob die Ausstattung der Kinderzimmer wirklich ‚kindgerecht‘ ist, darüber lässt sich wohl diskutieren. Aber zu Hofe ist halt alles ein bisschen anders.
Eine Ahnengalerie der Wettiner darf da auch nicht fehlen.

Vielleicht habt ihr es im Bericht über Schloss Moritzburg gelesen, dass August der Starke um König von Polen zu werden zum katholischen Glauben übergewechselt ist. Es hat eine Weile gebraucht, bis er sich öffentlich in einem katholischen Gottesdienst dazu bekannt hatte. Nachdem er der Vorreiter des katholischen Glaubens in der sächsichen Königsfamilie war, bekannten sich auch die übrigen Familienmitglieder dazu. Prinz Johann von Sachsen ließ Mitte des 19. Jahrhunderts für seine Familie im ehemaligen Waschhaus des Schlosses eine katholische Kapelle einrichten. Die gesamte königliche Familie respektierte aber die evangelische Schlosskirche.
Der Raum bekam einen Sternenhimmel und wurde im Stil der Neoromanik und Neorenaissance gestaltet.
Zum 200. Geburtstag von König Johann wurde die Kapelle rekonstruiert. Nicht nur die Bauweise von Schloss Weesenstein ist das Besondere an dem Schloss, sondern auch, dass zwei Kapellen unterschiedlicher Konfessionen in einem Schloss sind.

Auch Prinzenkinder müssen lernen. Das erfuhren auch die drei Söhne von Prinz (später König) Johann.

Der Hausherr (König Johann von Sachsen) und die königlichen Räume ….

Kein königlicher Hof ohne Dienerschaft. In einer Überlieferung von 1891 werden 25 Räume für die Dienerschaft aufgeführt, 34 Wirtschaftsbereiche und 54 Räume für die königlichen Herrschaften.
Diener ist aber nicht gleich Diener, auch hier gab es strenge hierarchische Gliederungen. Als Diener, vor allem auch als Nachtdiener musste man immer zur Stelle sein – gerufen über ein Klingelsystem.

„Ich glaub, ich sitz im Garten“ – dieses Gefühl soll der Chinesische Salon im Schloss vermitteln, der, wie könnte es auch anders sein, mit Szenen aus dem chinesischen Alltag geschmückt sind. Den chinoisen Stil hat ja August der Starke sehr intensiv auf Schloss Pillnitz umgesetzt.
Den Wettinern diente dieser Raum, der zwischen den Gemächern der Schlossherren lag als zentrales Wohn- und Gesellschaftszimmer.

Ich hab schon lange den Überblick verloren, wo ich mich jetzt eigentlich im Schloss befinde. Über Treppen ging es

zum Kellergewölbe im Schloss Weesenstein

Sie dienten der Lagerhaltung von Lebensmitteln, wie ein Kühlschrank aus frühen Zeiten zeigt.
In den Räumen ist auch Wissenswertes zur damaligen Zeit vermittelt. Ich habe ja Eingangs schon geschrieben, dass kriegerische Auseinandersetzungen an der Tagesordnung waren. Zum Beispiel konnten Steinkugeln von weit über einhundert Kilo zielsicher mit Bliden geworfen werden. Oder ist ein Kreuz zu sehen, was vermutlich in direktem Zusammenhang mit der Dohnaschen Fehde stand und 1988 bei Weesenstein in der Erde gefunden wurde.

Wieder über kleine Treppen und Öffnungen bei denen man fast freiwillig den Kopf einzieht, kommt man in den Gerichtssaal des Schlosses. In dem wurde seit mind. dem 15. Jahrhundert das Recht von der Herrschaft auf Weesenstein gesprochen.

Noch zur Zeit, als sich das Schloss noch im Besitz von einer Familienlinie derer von Bünau befand, setzte auf Schloss Weesenstein eine rege Bautätigkeit ein. Der Bauherr, dessen Frau eine nicht unerhebliche Erbschaft erhalten hatte, war kein geringerer als ein Kammerherr von August dem Starken am Hof in Dresden. War ja klar, dass da von seinem Herrn was abfärbte – er wandelte, vor allem auch äußerlich, Schloss Weesenstein in eine beeindruckende Barockanlage um. In der dritten Etage entstanden einige Säle.

Der rege Bauherr, Rudolf von Bünau, war es auch, der von 1738-41 ein glanzvolles Highlight mit

der Schlosskapelle auf Schloss Weesenstein

setzte.
Über den Kirchhof in der 6. Etage!! gelangte man zur Kirche. Dies ist die älteste und höchstgelegende Plattform im Schloss und war einst der Burghof. Vom Kirchhof geht noch eine kleine Treppe hinauf in die Herrschaftsloge über der Kirche. Von dort konnten die Burgherren dem Gottesdienst beiwohnen.

Der Bau der barocken Schlosskapelle stand unter dem Einfluss des Baumeisters der Frauenkirche in Dresden, George Bähr. Sie wurde aber von seinem Amtsnachfolger erbaut, da Bähr im Jahr des Baubeginns verstarb. Den Einfluss Bährs zeigt sich ganz deutlich am Gestühl der Kapelle.
König Johann von Sachsen gestattete den Einwohnern von Weesenstein das Nutzungsrecht an der evangelischen Schlosskapelle. Somit war sie ab 1870 Pfarrkirche der Gemeinde.
Mehr möchte ich gar nicht über diese herrliche Kapelle schreiben – schaut selbst – oder noch besser, besucht das Schloss und erlebt die Pracht live.

Wir haben uns soooo lange mit der Schlossbesichtigung in den Schlossräumen aufgehalten, dass wir es nicht mitbekommen haben. Die Gewitterfront wälzte sich auf Dresden und Umgebung zu. Und da der Wetterbericht diese als ’sehr heftig‘ angekündigt hatte, fiel der Programmpunkt ‚Besichtigung des Schlossgartens‘ kurzerhand vom Plan. Und damit entging mir ein Foto mit der kompletten Sicht auf das Schloss.
Das holt ihr sicher bei eurer Besichtigung von Schloss Weesenstein nach, oder?

Ein letzter Blick zurück aufs Schloss und den Ort Weesenstein, und dann ging es wieder zurück zu Fridolin, der uns zu unserer Ferienwohnung nach Dresden zurückbrachte. Damit waren vier Tage in Dresden im Flug vorbeigegangen – reich gefüllt mit vielen interessanten Sehenswürdigkeiten. Am nächsten Tag sollte es ins Nachbar-Bundesland Brandenburg weitergehen, genauer in den Spreewald. Wie wir es fast immer auf unseren Fahrten machen – fahre nicht direkt dortin. Heißt, wir fahren mal kurz einen Umweg und besuchen Bautzen.

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So findet ihr Schloss Weesenstein