Schloss Pillnitz, die Sommerresidenz des Sächsischen Königshauses, ist die größte chinoise Schlossanlage Europas und ist mit dem wunderschönen Park Pillnitz, in der Nähe von Dresden, ein Erlebnis.

Nachdem wir unser Besichtigungsprogramm in Dresden am Vortag mit den für uns wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgeschlossen haben, war der heutige Tag den Schlössern der Umgebung gewidmet. Klares Fazit aber nach diesen (inkl. Anfahrt 3 Tagen) ist jetzt schon – wir müssen nochmal herkommen, da es noch viel viel mehr Interessantes zu sehen gibt. Da sind einfach die Stunden in den vier Tagen zu wenig. Und die Aufnahmefähigkeit lässt halt irgendwann auch ein bisschen nach. Es war uns aber im Vorfeld bereits klar, Urlaub im eigentlichen Sinne von Urlaub sind die vier Tage nicht. Das war uns aber egal, denn am nächsten Tag sollte es für 10 Tage in den Spreewald gehen. Und da kann man dann ja auch ein bisschen entschleunigen. Sollte …..

Da an diesem Tag neben Schloss Pillnitz auch noch Schloss Weesenstein auf dem Plan stand, ging es also wieder zeitig los, auch, weil für den Nachmittag/Abend schwere Unwetter über Dresden angekündigt waren. Fridolin hatte sich mittlerweile an den Stadtverkehr in Dresden gewöhnt (ist schon eine Leistung, denn Fridolin ist ja eigentlich ein ‚Landei‘ 🙂 ) auf Lotte war erstaunlicherweise auch Verlass, und nach 30 Minuten Fahrt hab ich den Blinker zum Parkplatz gesetzt. Hachja – die Auswahl, welchen Parkplatz nehm ich denn jetzt, fiel extrem schwer 😀 Der Platz war nichtmal mit 10 Fahrzeugen belegt. Juchuuuuu 😀 😀  heißt doch, es ist nicht viel los.
Oh Inge, du hast übersehen, dass es ein Stück weiter nochmal einen Parkplatz gibt! 🙄😎

Bedeutet für euch, die ihr Schloss Pillnitz besuchen wollt und von Dresden kommt – beim ersten Parkplatz pirscht ihr euch von hinten ans Schloss an (aber durch eine wunderschöne Baumallee), beim zweiten Parkplatz kommt ihr zur Dampferanlegerstelle und nach der Kasse direkt zu den Schlossbauten. Welchen Weg auch immer ihr wählt, plant euch für den Besuch von Schloss Pillnitz mindestens 1-2 Stunden ein (ohne großartige Pause) wenn ihr alles sehen wollt.

Jetzt gehts los – kommt mit

Zum Schloss und Park Pillnitz

der für uns durch den Gang der langen Baumallee beginnt. Dieser gesamte Teil ist kostenfrei, und auf dem Rückweg zum Parkplatz haben einige dort ihr Plätzchen für ein Picknick gewählt. Auch der Weg direkt an der Elbe, vorbei am Wasserpalais ist im kostenfreien Bereich. Aber ganz ehrlich, nur ein Spaziergang dort an der Elbe entlang und nicht in den Schlossbereich, wäre jammerschade. Und der Eintrittspreis von 8,00 € ist wirklich sehr moderat. Montags ist aber geschlossen.

Die Geschichte zu Schloss Pillnitz

geht wieder auf August den Starken zurück. Zwar wurde im 14. Jahrhundert Pillnitz schon als Herrensitz erstmals erwähnt, aber so richtig ‚Leben‘ erhielt der Ort erst durch Kurfürst Friedrich August, einfach August der Starke. Eigentlich gehörte ja seinem Bruder Kurfürst Johann Georg IV. das Pillnitzer Anwesen, das er durch einen Tausch erhalten hatte. Aber wie ihr vielleicht in meinem Bericht von Schloss Moritzburg schon gelesen habt – nach dem überraschenden und frühen Tod von Johann Georg IV. auf dem Schlachtfeld ging das Anwesen 1706 durch einen Rückkauf an seinen Bruder August. Er schenkte dann das Schloss seiner Mätresse, Gräfin von Cosel. Nachdem die Gräfin bei ihm aber 1718 in Ungnade gefallen war, holte er sich seinen Besitz durch Enteignung wieder zurück. Tja … Pustekuchen, so schnell geht das. Nur zwei Jahre hatte sie das Schloss als ständigen Wohnsitz. Fortan soll Schloss Pillnitz nun als Repräsentationsbau der höfischen Gesellschaft dienen.
Mit der Hochzeit seines Sohnes, dem Kurprinz Friedrich August mit der österreichischen Kaisertochter, wurde Schloss Pillnitz zu einem der Festplätze für die Feierlichkeiten. Dies war aber nicht die einzige Hochzeit die hier gefeiert wurde.

August der Starke ließ ab 1720 das bisherige Renaissanceschloss in seinem Stil, dem Barock um- und ausbauen. Die Pläne dazu ließ er von seinem Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann erstellen. Er war auch für den Bau des Zwingers in Dresden verantwortlich. Neben Schloss Moritzburg war es somit das dritte Hauptwerk, das im Stil des Dresdner Barocks erstellt wurde. Diese Bauform wurde vor allem von August dem Starken und seinem Sohn Friedrich August II. gewählt, da seine italienischen Vorbilder in diesen Baustil mit einflossen.
1721 wurde am Elbufer

Das Wasserpalais auf Schloss Pilnitz

erbaut. August der Starke wollte das Gebäude im Stil der damals herrschenden Chinamode errichten. Und so entstand unter Verwendung ostasiatischer und orientalischer Elemente dieses Wasserpalais. Die geschwungene Schlosstreppe wurde 1724 als großartige Schiffstreppe bis hinunter zur Elbe verlängert. So konnte man mit den Gondeln, mit denen man von der Residenz in Dresden nach Pillnitz schipperte, direkt am Palais anlanden.

Ich war fasziniert von den vielen Malereien am Gebäude, den Verzierungen – ein Hingucker schlechthin. Schaut selbst ….

Durch ein kleines Tor kommt man vom Park hinunter an den Flussweg. Für den Rückweg benötigt man aber die Eintrittskarte, denn das Wasserpalais ist auch von der Parkseite her sehenswert.

Das genau gleiche Gegenstück hat August der Starke 1722-23 auf der anderen Seite mit dem

Bergpalais auf Schloss Pillnitz

erstellen lassen und ließ so die größte chinoise Schlossanlage Europas entstehen.

Zwischen den beiden Palais wurde ein Lustgarten angelegt, an der Südseite lag das alte Schloss.
Kurzzeitig mit geschlossenen Augen kann ich mich  in herrlichem Barockgewand mit Schirmchen gegen die Sonne flanieren sehen. So stelle ich mir die ‚Arbeit‘ zu diesen Zeiten vor.
Als August der Starke dieses herrliche Reich mit Schloss Pillnitz fertiggestellt hatte, verlor er das Interesse an Pillnitz und wandte sich seinen anderen Schlössern Moritzburg und Großsedlitz zu. Pfff …. kann ich nicht verstehen. Ich hätte zwischen allen Schlössern gewechselt.

1765 machte der Enkel von August dem Starken, Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen, Schloss Pillnitz zu seiner Sommerresidenz. Das bedeutete neue Anbauten beidseits des Berg- und Wasserpalais. (deshalb der andere Baustil)
Nachdem das Schloss am 1. Mai 1818 komplett einem Brand zum Opfer fiel, beauftragte König Friedrich August I. den Bau des

Neuen Palais im Park Pillnitz

Irgendwie fällt mir jetzt langsam der Durchblick mit den vielen Friedrichs und Augusts schwer. Deshalb beende ich an dieser Stelle die Geschichte zu Schloss Pillnitz. In schwäbischem Dialekt würde ich jetzt sagen: Do blickt ja koi Mensch me durch 😀

Und jetzt, wo ich mich mit dem Bericht noch ein bisschen tiefer mit Schloss Pillnitz beschäftige, kommt gleich der nächste schwäbische Spruch hinterher: Heiligs Blechle, mir hend en groaßa Toil bei onsra Besichtigung vergessa, tzzzzz.
Keine Ahnung ob es der zunehmenden Sonneneinstrahlung an diesem Tag geschuldet war oder ob diese Ausstellung (Kirche, Fest- und Speisesaal und die Schloßküche) wegen Corona geschlossen war – ich weiß es nicht mehr. Ich will es auch gar nicht schönreden. Vielleicht wenn ihr dort seid, ihr seid jetzt vorgewarnt, gell 🙂

Ein bisschen Ausstellung gab es dann aber doch mit dem

Kunstgewerbemuseum im Bergpalais Schloss Pillnitz

Das große WOW gab es gleich im ersten Raum, dem Gelben Teezimmer das im chinoisen Stil gestaltet ist. Wir waren die ersten Besucher an dem Tag in diesen Räumen. Mit Corona ist halt alles ein wenig anders, es war trotz einem Samstag, sehr wenig los.

Auch der nächste Raum veranlasste mich zum genauen Hinschauen –

Der Watteau-Saal im Schloss Pillnitz

Er ist nach dem Maler des französischen Rokoko, Jean-Antoine Watteau benannt, denn die Gemälde an den Wänden wurden von einem Dresdner Künstler seinen Werken nachempfunden. Der Speisesaal gibt die Atmosphäre zur kurfürstlich-königlichen Zeit wieder.

In der übrigen Ausstellung gibt es neben einem herrlichen Fliesenbild, welches 1900 auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt war und 1903 dem Museum von Villeroy & Boch geschenkt wurde, auch noch ein Lüsterweibchen zu sehen. Zum ersten Mal ist mir diese Art von Kronleuchter auf der Reichsburg Cochem aufgefallen, in der Folge dann in ganz vielen anderen Burgen und Schlössern.
Es lohnt sich …

Nach einer ausgiebigen Kaffeepause für Kopf und Füße ging es dann im Rundgang durch den

Schlosspark Pillnitz

der in Verlängerung des Lustgartens in Heckengärten angelegt ist.

Es gibt im Park Pillwitz einige Highlights zu bewundern – so wie die Rotbuche vor dem Bergpalais, die 1867 bereits gepflanzt wurde und heute eine Höhe von über 22 Metern aufweist. Der Stamm bringt es auf einen Durchmesser von knapp 1,20 Meter.

Oder die Schirm-Magnolie …. oder die übergroßen Palmen …

Auch sollte man die rote Elbgondel, die Tritonengondel, von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen nicht übersehen, die um 1800 gebaut wurde. Solche Gondeln dienten als Fortbewegungsmittel auf der Elbe zwischen der Residenz in Dresden und der Residenz auf Schloss Pillnitz. Die ausgestellte Gondel ist nach dem historischen Vorbild nachgeschaffen.

Durch den Koniferenhain geht es weiter zur Orangerie.
Eigentlich war der 1725 von August dem Starken errichtete Bau ein zweites Ringrennhaus. Die Damen konnten hier sitzend mit Lanzen nach Ringen stechen. Nach dem Schlossbrand wurde es als Sommertheater genutzt. Ab 1879 erfolgte der Ausbau zur Orangerie.

Dann kommt ein weiteres Highlight im Schlosspark Pillnitz –

das Kamelienhaus und die Pillnitzer Kamelie

Die über 8,90 Meter hohe und über 230 Jahre alte Kamelie gilt als botanische Sehenswürdigkeit. Bereits 1801 wurde sie an dem heutigen Platz gepflanzt und zählt damit zu einer der ältesten japanischen Kamelien in Europa. Die Blütezeit war zwar bereits vorbei, aber doch aber wir noch eine gesichtet.
Für die kalte Jahreszeit hat die Kamelie ihr eigenes Haus bekommen. Ein Glashaus – 54 Tonnen schwer, 13,2 Meter hoch und klimatisiert wird einfach über die Kamelie gefahren. Gigantisch ….

Wir haben nun ein bisschen abgekürzt, zumal das Palmenhaus in diesem Bereich auch geschlossen war.
Am Ende des Schlossparks liegt zwischen Bäumen fast versteckt

Der Englische Pavillon und Englische Garten

1778 hat Friedrich August der Gerechte (im Dresdner Fürstenzug reitet er auch mit) diesen Teil des Landes aufgekauft, mit dem Gedanke, dort einen Garten nach englischem Vorbild anzulegen. 1780 wurde der Pavillion als Rundtempel erbaut. Nach dem Vorbild des Tempietto, einem Rundtempel im Hof eines ehemaligen Klosters in Rom.
Der Pavillon ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber ein kleiner Blick durch die Scheiben war zu erhaschen.

Friedrich August wollte aber keinen strukturieren, geometrisch angelegten Garten, sondern einen naturverbundenen, sich selbst überlassenen Garten. Was ihm auch hervorragend gelungen ist.

Genug gesehen von Schloss Pillnitz, das zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten Dresdens zählt. Wie ich finde – zurecht!

Wir sind über die Baumallee, schattenspendend wieder zurück zu Fridolin, der hitzeaufgeladen vor sich hindöste. Baumloser Parkplatz nennt man es auch. Nach kurzer Lüftungspause sind wir dann als Rundfahrt nach Schloss Weesenstein zur nächsten Schlossbesichtigung.

So kommt ihr zum Schloss und Park Pillnitz