Weithin ist das Wahrzeichen der Stadt Nördlingen sichtbar – die evangelische Stadtkirche St. Georg mit dem hohen „Daniel“. Sie ist eine der größten spätgotischen Hallenkirchen im süddeutschen Raum.

Völlig klar war, dass wir bei unserem Stadtrundgang durch Nördlingen die Kirche St. Georg nicht auslassen dürfen. Und man kann sie ja auch gar nicht übersehen, da mitten auf dem Marktplatz, der ganz zentral in der Innenstadt liegt. Mir war im Vorfeld schon klar, dass wir für Nördlingen einige Zeit einplanen müssen. Und wir haben an diesem Tag noch lange nicht alles von der Stadt gesehen.

Wer in Nördlingen kurzzeitig die Orientierung verliert, der kann sich an der imposanten Stadtkirche orientieren. Zum einen laufen alle Straßen, die durch die Stadttore führen, direkt auf die Kirche St. Georg zu – und zum anderen sieht man den hohen Kirchturm bereits schon bei der Anfahrt nach Nördlingen. Und wer sich dann auf verlorenem Posten zur Kirche durchwurschtelt, dem wird ganz in der Nähe beim Rathaus mit einem Übersichtsplan weitergeholfen. Also keine Sorge 🙂

Ohne langes Gerede drumrum (davon bekommt ihr in meinem ausführlichen Stadtrundgang durch Nördlingen noch genug ab 😀 ) könnt ihr euch mal zur Orientierung die

Außenansicht der Kirche St. Georg in Nördlingen

einprägen.
Egal wie ich es drehen oder wenden wollte, die Kirche ist einfach zu groß, um sich komplett ablichten zu lassen. (Zumindest von meinen Positionen aus). Kein Wunder, dass sie zu den größten Hallenkirchen in Süddeutschland zählt.

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Vor dem

Kirchenrundgang in der Kirche St. Georg in Nördlingen

gibt es …. ganz klar … auch hier ein bisschen

Kirchengeschichte zur Kirche St. Georg

Wie so fast in jeder Stadt, so war es auch in Nördlingen. Die Stadt wuchs und die Kirche wurde zu klein. Ist so ähnlich wie bei den Kindern, die dann eben größere Klamotten brauchen. Da die Stadt bereits Reichsstadt war, und so ganz unvermögend schien sie auch nicht zu sein, entschieden die Stadträte im Oktober 1427 den Bau einer größeren Kirche.

Bei dieser Größe war klar, dass der Bau einige Jährchen in Anspruch nehmen würde. Der Chor der neuen Kirche wurde 1451 fertiggestellt. Da hatte die Kirche aber noch keinen Turm. Der wurde erst 1454 begonnen.
Es war zu dieser Zeit in ganz vielen Städten so – es gab kein friedliches Miteinander (so wie heute) der verschiedenen Religionen. Ständig stand auch Nördlingen zwischen den Stühlen, Kaiser oder Reformation. Gehörte sie bis Anfang des 1545 noch zum Augsburger Bischof, so trennten sich in diesem Jahr die Wege. Klare Vorgaben wurden dann mit dem Augsburger Religionsfriede 1555 geschaffen. Wer Bürger der Stadt Nördlingen werden wollte, der musste dem evangelischen Glauben angehören. Aber schon 1522 wurde die erste evangelische Predigt in der Kirche gehalten.

So ganz einfach war das dann doch nicht, denn es regierte ein katholischer Kaiser. Und vielleicht habt ihr in meinen Berichten jetzt schon mehrfach vom Dreißigjährigen Krieg gelesen, der mit dem Fenstersturz aus einem Fenster des Alten Königspalastes auf der Prager Burg begann. (Ich hab das Fenster live im Juni bei unserer Pragreise begutachtet) Der begann ja als Religionskrieg. Katholische Kirchen gab es erst wieder zu der Zeit, als die Bayern regierten. Das war so um 1826/27.

Die Kirche St. Georg kann aber nicht nur als größte Hallenkirche im süddeutschen Raum auftrumpfen.

Das größte Gebäude der Welt aus Suevit Gestein erbaut

DAS ist die St. Georg Kirche in Nördlingen. Eigentlich ist das ja nicht verwunderlich, denn die Entstehung von Suevit war ja quasi vor der Haustüre der Kirche. Damals, vor ungefähr 14,4 Millionen Jahren krachte ein Meteorit ins Ries und warf Unmengen Gestein aus dem Krater. Das als Suevit benannte Gestein war leicht zu verarbeiten. Das haben auch schon die Römer erkannt, die es damals schon als Baustein verwendet haben. Nicht nur die Kirche St. Georg zeigt Suevit, auch das Portal am Rathaus in Nördlingen wurde aus Suevit gefertigt.

Noch ein paar Maße zur Kirche, bevor wir durch das Marktportal ins Innere der Kirche gehen. 93,5 Meter ist die Kirche lang, die breiteste Stelle im Langhaus misst 23,5 Meter und geht 19 Meter in die Höhe.

Die Innenansichten der Kirche St. Georg

stehen wie gewohnt am Anfang meiner Kirchenrundgänge. Immer erstmal einen groben Überblick im Gesamten verschaffen 🙂

 
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Man sagt über die Kirche St. Georg, dass sie nicht nur die größte Hallenkirche in Süddeutschland wäre, sondern auch die Schönste. Im ersten Moment war ich da jedoch ganz anderer Meinung. Ich finde es bei Kirchen sowieso wirklich schwierig von „die Schönste“ zu reden, denn bei der großen Zahl der Kirchen, die ich mittlerweile gesehen habe finde ich, dass JEDE Kirche auf ihre eigene Art wunderschön ist. Auf den ersten Blick fand ich die Kirche im Inneren genauso nüchtern wie im Außen. Denn da wirkt sie wirklich ziemlich schlicht.

Bei meinem Rundgang durch die Kirche habe ich dieses ’nüchtern‘ aber überarbeitet. Nicht immer muss ja eine Kirche mit Schätzen überladen sein, manchmal ist auch weniger mehr. Und die Kirche St. Georg hat da schon einige Schätzchen aufzuweisen, die man im ersten Gesamtblick nicht so sieht.
Tja, wo fange ich da jetzt an? Am Besten mit dem Hauptblickfang in der Kirche

Die barocke Schwalbennestorgel in der Kirche St. Georg in Nördlingen

zieht bestimmt auch eure Blicke gleich an, wenn ihr in der Kirche steht. Aus dem Jahr 1610 ist dieses Schmuckstück an Orgel im südlichen Seitenschiff. 1974 nahm sie durch ein Feuer großen Schaden, konnte aber aufgrund vorhandener Dokumentationen restauriert werden.
Jesus und die 12 Apostel sind an der Brüstung (samt Seiten) dargestellt. Und sie ist keineswegs nur ein ‚Ausstellungsstück‘ in der Kirche. Sie kann noch bespielt werden. Ein so schönes Schmuckstückchen habe ich wahrlich noch in keiner Kirche gesehen.

Wenn wir schon bei der Orgel sind, dann geht auch gleich der Blick zurück zur

Hauptorgel in der Kirche St. Georg

1669 kam sie auf die Westempore die es bereits seit 1508 gibt, und an deren Brüstung in einem Relief die Kreuztragung Christi zu sehen ist. Die heutige Orgel ist aber neueren Datums, nachdem die aus dem Jahr 1889 stammende Orgel 1945 durch eine Fliegerbombe zerstört wurde. Bis 1977 hat es gedauert, bis die neue Orgel in Betrieb genommen werden konnte.

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Auf dem Weg zum Hochaltar führt der Weg im Seitenschiff an dem wunderschönen

alten Altarschrein der St. Georg Kirche

vorbei. Von 1462 ist der Original spätgotische Schrein, der bei Renovierungsarbeiten entdeckt wurde. In einzelnen Tafeln werden u.a. Szenen aus der Leidensgeschichte Christi gezeigt.

Auf dem Weg weiter lohnt sich ein Blick auf

das Chorgestühl

das aus dem Jahr 1490 stammt und ebenfalls Original erhalten ist. Bequem war zu dieser Zeit was anderes, denn die Messen damals wurden alle im Stehen abgehalten. Die Schnitzereien am Gestühl zeigen Fabelwesen, aber auch Köpfe mit menschlichen Zügen. Auch den Bänken im Mittelschiff darf ein Blick geschenkt werden.

Es gibt im Chorumgang noch etwas zu bewundern, bevor man dann tatsächlich vor dem Hochaltar steht,

das Sakramentshaus in der Kirche St. Georg

In sehr vielen Kirchen finden sich diese Sakramentshäuser, die meist sehr filigran gearbeitet sind und in die Höhe gehen. Hier in der Kirche ist dieses spätgotische Werk 16 Meter hoch. In den Häuschen werden die Hostien aufbewahrt, und es war schon 1470 der Plan, dafür auch in St. Georg ein Sakramentshaus zu errichten. Umgesetzt wurde der Plan dann aber erst 1511. Das alles wurde ein bisschen knapp, denn nach 14 Jahren Bauzeit stand dann 1522 die Reformation in Nördlingen an.

Ich finde diese Häuschen unglaublich schön und ausdrucksvoll gestaltet. Hier sind Szenen aus der Bibel zu sehen, die vier Evangelisten, musizierende Engel und und und …
Ganz oben thront

der Namenspatron der Kirche, der Hl. Georg

Viele Kirchen sind nach dem Hl. Georg benannt, so auch das Münster St. Georg in Dinkelsbühl. Er ist der beliebteste Heilige in der christlichen Welt und soll aus Kappadokien in der Türkei stammen. Der hl. Georg wird in der Regel mit einem kämpfenden Drachen abgebildet. Dieser Drache soll die Einwohner einer Stadt in Angst und Schrecken versetzt haben, denn er forderte, dass man ihm täglich Lämmer als Mahl servierte. Die Bewohner der Stadt kamen eines Tages in schwere Bedrängnis, es gab keine Lämmer mehr und der schreckliche Drache forderte nun die Kinder der Stadt. Eines Tages soll das Los auch die Königstochter treffen, die sich in dieses Schicksal fügen wollte.
Georg, der als Prophet gilt und sich zur Aufgabe gemacht hat, das Christentum zu verbreiten, rettete die Königstochter noch bevor sie der Drache töten konnte und durchbohrte ihn mit seiner Lanze. Er hieß das Mädchen an, den noch lebenden Drache mit ihrem Gürtel in die Stadt zu ziehen. Die Einwohner waren entsetzt. Und da griff Georg nun zu einem Deal, den man heute eine Erpressung nennen würde. Ich töte den Drachen, wenn ihr euch zum Christentum bekennt. Genauso kam es dann auch, der König mitsamt seinem Volk ließ sich taufen, der Drache wurde erschlagen. Ein mutiger Kampf gegen das Böse, das soll das Symbol hinter dieser Legende sein.

Es gibt noch mehr Legenden um den hl. Georg, wirklich bekannt ist aus dem Leben von Georg nicht viel. Er steht in der gesamten Christenheit für Tapferkeit und Nächstenliebe und wurde 305 enthauptet. Der hl. Georg wird als einer der 14 Nothelfer angerufen. Hier am Sakramentshäuschen wollte er nicht von mir fotografiert werden. Ich traf ihn dann aber am Hochaltar wieder.

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Der Hochaltar in der Kirche St. Georg

stammt aus dem Jahr 1683 und ist im barocken Stil gestaltet. Und da stand ich dann davor und dachte – sooooo schlicht ist diese Kirche doch nicht. Sehr ausdrucksstark sind die spätgotischen Figuren die von 1462 stammen. Den Altar zieren viele Engel, die mich ja in jeder Kirche in den Bann ziehen. Neben dem Kreuz sind Maria und der Jünger Johannes, beide voller Trauer, dargestellt.

Rechts und links des Altars stehen die beiden Kirchenpatrone von St. Georg – der Hl. Georg und Maria Magdalena.

Im Gewölbe findet sich

ein Fresko über dem Hauptaltar

welches von 1497 stammt. Wunderschön …..
Christus umrahmt von den vier Evangelisten, Maria mit dem Jesuskind – den Rest dürft ihr dann vielleicht bei eurem Besuch selber entdecken.
Ich habe euch dieses Fresko mit dem Teleobjektiv ein bisschen näher geholt.

Und wenn ich schon den Kopf so im Nacken habe, dann zeige ich euch noch

das Gewölbe der Kirche St. Georg in Nördlingen

Fast 20 Meter oben zeigt sich das Netzrippengewölbe. Die herrlichen Schlußsteine habe ich euch auch ein bisschen näher hergeholt.

Rings um das Langhaus sind

Epithaphien in der Kirche St. Georg

zu sehen. Ich glaube, die Anzahl der Denkmale kann es locker mit derer in der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall aufnehmen. Verstorbene Bürger konnten sich mit einer Spende ein Gedenken auf alle Zeiten in der Kirche anbringen lassen. So konnte ihrer immer in der Kirche gedacht werden. In der reichhaltigen Ausschmückung der Denkmale kann man den Reichtum der Stadt und ihrer Bürger zu dieser Zeit erahnen.

Verschiedene Stilepochen versammeln sich in diesen Gedenkdenkmalen, die großen Epithaphien sind der Renaissance und dem Barock zuzuordnen, die vielen runden Tafeln der Gotik. Und manch einer hat seinen ganzen Stammbaum in der Kirche verewigen lassen. Das letzte Foto ist dann noch eine Besonderheit. Der trauernde Ehemann hat es seiner Frau Eva Christina zu Egk zu Ehren, hochwohlgeborene Freyin von Weltz und zu Eberstein und Spiegelfeld, errichten lassen. Wie in der Inschrift zu lesen ist, ist sie am Pfingstmontag, den 19. Mai, Anno 1684 Nachts nach 11 Uhr seligst in Gott verschieden. Das Epitaph ist vollkommen aus Holz angefertigt.

Auf dem Rückweg vom Hauptaltar habe ich mir dann noch

die Kanzel in St. Georg

etwas genauer angeschaut. Auch sie verdient zwei Blicke. 1499 ist die gotische Kanzel angefertigt werden und zeigt die vier Evangelisten beim Verfassen ihrer Schriften. Schaut mal genau hin, wenn ihr in der Kirche seid, jeder Evangelist hat hinter sich sein eigenes Symbol. Auch hier an der Kanzel ist wieder eine Abbildung des Hl. Georgs zu finden. Und ja, ich gestehe, ohne meine kleinen Engelchen geht es halt nicht 🙂

Es gibt da noch so ein paar Dinge in der Kirche zu entdecken. Die zu finden, überlasse ich euch aber selber. Ich will ja nicht alles verraten 🙂

Jetzt noch ein paar Worte zum

Daniel in Nördlingen

der eigentlich unvollendet mit seinen knapp 90 Metern dasteht. Wer ein Sportprogramm absolvieren möchte kann hochsteigen, ob jetzt zu Corona Zeiten geöffnet ist? Erkundigt euch vorher, ich weiß es nicht, da ich mir dieses Programm von vorneweg ersparen wollte. Seinen Namen „Daniel“bekam er erst im 19. Jahrhundert, wohl nach seinem bliblischen Namensvetter.

In früherer Zeit war der Daniel genauso ein Wachturm wie die in der Stadtmauer. Zwei Wächter hielten dort oben Wache über die Stadt und warnten bei Feuer, einem Angriff von außen oder wenn in der Stadt Krawall war. Zu jeder Stunde fing der Türmer an zu rufen „So, G’sell, so“ (im Stadtmauerrundgang erfahrt ihr noch eine Geschichte dazu). Und jeder in den Stadtmauertürmen hatte diesen Ruf an den nächsten Turm weiterzugeben. So war sicher gestellt, dass nicht einer in den Türmen schläft.

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Wir haben uns nach der Kirchenbesichtigung – und immerhin haben wir damit auch die Hälfte der Stadtbesichtigung geschafft – nun wahrlich eine Kaffeepause verdient. Im Rathauscafe am Ende des Marktplatzes konnten sich die Füße und wir ein bisschen erholen.

Kommt ihr mit zum Stadtrundgang ?

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