Der Prager Stadtteil Josefstadt (Josefov) ist auch heute noch das Jüdische Viertel von Prag und entstand schon im 13. Jahrhundert. Die vielen Synagogen in diesem Stadtteil sind im Rahmen des „Jüdischen Museums“ zu besichtigen.

Dieser Tag war ganz dem Jüdischen Viertel in der Josefstadt gewidmet, nachdem wir am Tag zuvor, nur ein Gebäude neben unserer Ferienwohnung, bereits die Jerusalem-Synagoge besichtigt hatten. In gemählichen 20 Minuten Fußweg gingen wir zur heute teuersten und exklusivsten Wohngegenden von Prag.
Wenn ihr die Synagogen, die wirklich sehr interessant ob ihrer Geschichten sind, besichtigen möchtet, dann könnt ihr euch ein Gesamtticket für alle Synagogen erwerben. Inklusive ist auch der Alte Jüdische Friedhof, sowie der Zeremoniensaal. Es gibt eine zentrale Verkaufs- und Informationsstelle, die ihr am Schild an der Hauswand erkennt (in der Nähe der Maisel-Synagoge). Für 270 Kč könnt ihr euch die Synagogen 5 Tage lang anschauen, denn so lange ist das Ticket gültig.
Wichtige Info: Die Synagogen sind Samstags und an allen jüdischen Feiertagen geschlossen.

Das Jüdische Viertel

erhielt seinen Namen 1785 von dem Reformer Josef II., als römisch-deutscher Kaiser auch für Prag zuständig. Er gestand den Bewohnern des Viertels gewisse Freiheiten zu. Vielleicht auch deshalb, weil sein Finanzminister aus diesem Viertel kam. Ist dieser Stadtteil heute der Teuerste und Exklusivste in Prag, so war es früher das krasse Gegenteil. Es gab weder eine Kanalisation noch sanitäre Einrichtungen. Man mag es sich nicht vorstellen …

Erst ab 1848 erhielten die Juden, so wie die anderen Bürger auch, normale Rechte und durften auch außerhalb des Ghettos (der Josefov) wohnen. Über Jahrhunderte aber lebten die jüdischen Menschen immer wieder am Rand der Gesellschaft. Sie litten unter Unterdrückung, Verfolgung, unsinnige Auflagen oder schrecklichen Progromen. Jedes Jahr wird z.B. in der Altneu-Synagoge am Feiertag Jom Kippur an die mehr als 3.000 Menschen gedacht, die 1398 bei einem Progrom ermordet wurden. Aber unvorstellbar waren die Ziele der Nazis. Sie ließen die Bewohner der Josefstadt alle fast ausnahmslos nach Theresienstadt deportieren und dort grausam ermorden – über 36.000 Menschen!!

Im Zweiten Weltkrieg blieben der Jüdische Stadtteil in Prag unversehrt. Adolf Hitler hatte beschlossen, diesen Teil von Prag in ein Museum umzuwandeln – ‚für eine ausgestorbene Rasse‘. Immer wieder habe ich mir beim Gang durch die Synagogen gedacht – bitte, lass diese Zeit nie wieder geschehen. Mein Mann und ich sind tatsächlich doch sehr schweigsam und jeder mit seinen eigenen Gedanken durch diese Stätten. Der Raum für unsere Spässchen war an diesem Tag für sehr lange Zeit komplett weg.

Jede der Synagogen hat einen eigenen Bericht bekommen. Denn zu jeder einzelnen Synagoge gibt es doch einiges zu berichten.

 

Die Synagogen im Jüdischen Viertel in Prag auf einen Blick

Die Altneu-Synagoge

Sie ist die älteste Synagoge in Europa, die auch heute noch in Nutzung ist. Im gotischen Stil wurde sie Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Nichts konnte dieser Synagoge über die Jahre etwas anhaben, nicht einmal die Stadtbrände. Vielleicht ist ja doch etwas dran was die Legende sagt?

Mehr zu dieser Legende und zur Altneu-Synagoge lest ihr im ausführlichen Bericht.

Altneu-Synagoge in der Prager Josefstadt

Die Klausen-Synagoge

Sie ist die größte der Synagogen und wurde 1694 im Barockstil fertiggestellt. Ursprünglich waren in dem Gebiet einige Klausen untergebracht gewesen, also Schulen. In einer wirkte der bekannte Rabbiner Rabbi Löw. Er soll für die Erschaffung des Prager Golem verantwortlich sein.

Mehr zu dieser Legende um den Golem und zur Klausen-Synagoge lest ihr im ausführlichen Bericht.

Klausen-Synagoge in Prag

Die Maisel-Synagoge

1961 wurde die Synagoge nach einem Brand wieder aufgebaut, die Anfänge hat die Synagoge aber 1591. Mordechai Meisel, Primas der jüdischen Gemeinde ließ seine eigene Synagoge erbauen. Heute wird es als ein Teil des Jüdischen Museums genutzt und präsentiert über 8 Jahrhunderte die jüdische Geschichte Böhmens.

Mehr zur Maisel-Synagoge lest ihr im ausführlichen Bericht.

Maisel-Synagoge in Prag

Die Pinkas-Synagoge

Diese Synagoge stammt aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist ein großes Denkmal in der Erinnerung an die jüdischen Opfer des Holocaust. Über ein Band werden die Namen aller 80.000 Opfer vorgelesen, die an den Wänden, handgeschrieben, aufgeführt sind. Familien die auseinandergerissen wurden, wurden an der Wand wieder zusammengeführt ……

Mehr zur Pinkas-Synagoge lest ihr im ausführlichen Bericht.

Pinkas-Synagoge in Prag

Die Spanische Synagoge

war zum Zeitpunkt wegen Bauarbeiten, die bis 2021 noch andauern sollen, geschlossen. Wir haben uns den Weg zu ihr, die etwas abseits der ganzen anderen Synagogen liegt, gespart.
Wir konnten jedoch in der Jerusalem-Synagoge, die in der Prager Neustadt (am Rand der Altstadt) liegt, eine Vorstellung davon bekommen, wie sie aussehen könnte. Denn die Farben und die Art der Ausstattung ähnelt der Spanischen Synagoge.

 

Den Alten Jüdischen Friedhof solltet ihr auf keinen Fall auslassen. In 12 Schichten wurden die Menschen damals beerdigt, weil der Platz des Friedhofs in dem Stadtviertel begrenzt war. Kreuz, quer und schief stehen die alten Grabsteine eng an eng. Wir haben uns in der Josefstadt, und vor allem in den Synagogen, sehr sicher gefühlt. Jede Synagoge wird von einem Sicherheitsdienst bewacht, der auch im Innenbereich jeden Winkel ständig kontrolliert.
Es war ein Besuch in einem Stadtteil von Prag, der mir nachhaltig in Erinnerung blieb.

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