In der Größten der Synagogen im Jüdischen Viertel in Prag, der Klausen-Synagoge, ist heute eine Ausstellung über das jüdische Leben der vergangenen Jahrhunderte untergebracht.

Unser Rundgang durch die Synagogen geht weiter – und er ist beeindruckend, wenn auch in manchen Momenten bedrückend. Die Eintrittskarten gibt es nur gebündelt, in einer zentralen Verkaufsstelle, für alle Synagogen, den Jüdischen Friedhof und den Zeremoniensaal. Ich finde, man sollte sich alle Synagogen anschauen. Sie liegen nicht weit auseinander – die Maisel-Synagoge, die Pinkas-Synagoge und der Jüdische Friedhof mit dem Zeremoniensaal. Auch die Altneu-Synagoge lässt sich in einer Nachbarstraße leicht finden.
Etwas weiter weg, aber in knapp 20 Gehminuten zu erreichen, ist die Jerusalem-Synagoge am Rand der Prager Altstadt zur Neustadt. Ich lege sie euch gerne ans Herz diese zu besuchen, sie ist so ganz anders als die Synagogen im Jüdischen Viertel – beeindruckend schööööön! Die Spanische Synagoge war bei unserem Besuch wegen Bauarbeiten geschlossen.

Zur Geschichte der Klausen-Synagoge (Klausová synagoga)

Auch hier hat, wie schon bei der Maisel-Synagoge Mordechai Meisel eine Rolle gespielt. Er hat am Rand des jüdischen Friedhofs einige Klausen gegründet. Also Räume, in denen Schulen untergebracht waren, in der die Juden ihre Thora und Talmudstudien betreiben konnten. Meistens sind dies Klaus an eine Synagoge angeschlossen, so wie es auch hier Synagogen und eine Talmudschule des berühmten Rabbi Löw gab.
Nachdem 1689 bei einem großen Brand die gesamte Judenstadt in Schutt und Asche lag, auch die Klausen, wurde an dieser Stelle die Klausen-Synagoge in barockem Stil errichtet. 1694 wurde sie fertiggestellt und war die größte Synagoge in Prag.

1883/84 wurde die Synagoge renoviert und verlängert. Sie bekam eine Frauenempore auf der die Frauen dem Gottesdienst folgen konnten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Inneneinrichtung zerstört, wurde aber wieder renoviert. Das Haus diente damals dann als Lagerraum für das Jüdische Zentralmuseum.

Wer ist Rabbi Löw?

Eigentlich hieß er Judah Löw, war aber als Rabbi Löw bekannt, und wird auf dem Jüdischen Friedhof an seinem Grab immer noch verehrt. Er wirkte in Prag ab seinem 60. Lebensjahr als bekannter Rabbiner und Talmudist. Er lehrte die Thora, die fünf Bücher Mose, und den Talmud, die bedeutendsten Schriftwerke des Jugentums. Man schreibt ihm auch die Erschaffung des Golem zu. Eine Figur aus dem frühen Mittelalter, die ein aus Lehm gebildetes stummes, menschenähnliches Wesen darstellt. Der Golem kann Aufträge ausführen und hat oft eine gewaltige Größe und Kraft.

Viel ist aber über seine frühen Jahre nicht bekannt, Rabbi Löw sprach nie darüber. Er wurde durch die Legende des Golem aber zum Sinnbild für das mystische Prag. Auch um ihn und Kaiser Rudolf II. ranken sich viele Geschichten und Legenden. Heute wird er weithin als einer der bedeutendsten Denker und Rabbiner des Judentums betrachtet.

Die Legende zur Erschaffung des Prager Golems

Ich finde diese Geschichten ja faszinierend, deshalb möchte ich sie euch nicht vorenthalten.
Rabbi Löw wollte dem bedrängten Judenvolk in Prag helfen, die sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt sahen, sie bedienen sich zu rituellen Zwecken des Blutes kleiner Kinder, an denen sie angeblich Ritualmorde verübten. Im Traum gab ihm der Himmel eine Idee, wie er den Juden helfen konnte, die ihnen Übles wollten. Also rief Rabbi Löw seinen Schwiegersohn und einen Schüler zu sich, und erzählte ihnen von dieser Vision und bat sie um Unterstützung. Er wollte einen Golem erschaffen. Dafür waren aber die vier Elemente, Erde, Wasser, Feuer und Luft notwendig. Die Eigenschaften wurden auf die drei aufgeteilt, und den beiden nahm er den Eid ab, dass sie nichts über das Vorhaben zu irgendjemand berichten werden.
Sein Schwiegersohn sollte das Feuer verkörpern, der Schüler das Wasser und Rabbi Löw selbst der Wind.

Im März 1580 soll es gewesen sein, dass die drei Männer zu einer Lehmgrube an der Moldau außerhalb der Stadt gingen und aus feuchtem Lehm eine hohe Figur fertigten. Dieser Figur gaben sie menschliche Züge. Als dieses Werb beendet war, befahl Rabbi Löw seinem Schwiegersohn, dass er siebenmal unter Ausspruches einer Formel um den Golem herumgehen solle. Die Figur begann zu glühen, als wäre sie im Feuer. Auch der Schüler umschritt den Golem siebenmal. Sein Ergebnis war, dass der Körper des Golem feucht wurde und ihm Haare und Fingernägel wuchsen.
Zum Abschluss ging auch Rabbi Löw siebenmal um den Golem herum und hauchte ihm mit einem Satz aus der Schöpfungsgeschichte Leben ein.

Die Augen des Golems öffneten sich und die drei Männer gaben ihm ein Gewand eines Synagogendieners und den Namen Joseph und nahmen ihn mit. Kein Leben war im Golem zu erkennen, wenn er im Zimmer von Rabbi Löw in einer Ecke saß. Zum Leben erweckt wurde er erst, als er in der Zeit vor dem Pessachfest in der Nacht durch die Straßen zog und jeden kontrollierte, der etwas bei sich trug. Nicht dass jemand ein totes Kind in die Straßen der Juden warf und es dadurch zum Verderben der Prager Juden führen sollte. Dazu wandte der Rabbi mehrere Rituale an.

Es gibt noch mehrere Legenden zum Golem. Irgendwann waren die Dienste des Golem aber nicht mehr notwendig. Wie Rabbi Löw diesen dann losgeworden ist, erzähle ich euch im Beitrag zum Jüdischen Friedhof, am Grabmal von Rabbi Löw.

Das Museum in der Klausen-Synagoge

wurde bereits 1946 durch Überlebende des Holocaust eingerichtet. Sie zeigten in einer Ausstellung die jüdischen Gebräuche und der religiösen Feste. Seit 1997 ist die neue Ausstellung zu sehen.

Der Toraschrein aus dem Jahr 1696 ist dreiteilig und mit Holz und künstlichem Marmor angefertigt. Ursprünglich befand sich in der Mitte des Raumes eine Bima, von der aus die Tora während des Gottesdienstes verlesen wurde. An den Wänden, an denen sich heute die Vitrinen des Mueseums befinden, waren früher die Bänke.

Direkt gegenüber der Klausen-Synagoge liegt auf der anderen Seite des Jüdischen Friedhofs die Pinkas-Synagoge. Aus dieser bin ich tief bewegt wieder raus. Warum? Kommt mit ….

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