Der alte Jüdische Friedhof (Starý židovský hřbitov v Praze-Josefově) im Jüdischen Viertel Josefov in Prag, zählt zu den bekanntesten jüdischen Friedhöfen in Europa. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Zwischen der Klausen– und der Pinkas-Synagoge liegt der alte Jüdische Friedhof, den man ansonsten von außen nicht einsehen kann. Er ist durch eine hohe Mauer geschützt. Auch für den Friedhof benötigt ihr ein Ticket, so wie für alle Synagogen und den Zeremoniensaal. Es gibt keine Einzeltickets. Ihr könnt an einer zentralen Verkaufsstelle das Kombiticket erwerben, das dann auch fünf Tage Gültigkeit hat.
Wir haben für das gesamte Jüdische Viertel nicht mal einen ganzen Tag benötigt. Sei es aber zum Einem dem geschuldet, dass wir in den Ausstellungen nichts lesen konnten (es gab keine deutschen Erklärungen) – es war also reines optisches Erfassen. Oder zum anderen, dass wir zwar auf der herrlichen Nobelmeile Pariser Straße bis zum Moldauufer gelaufen sind, wir es uns aber irgendwann verkniffen haben, die Schaufenster näher zu betrachten.

Sehr nachdenklich mit den ganzen Eindrücken aus der Pinkas-Synagoge ging es durch ein Tor direkt auf den alten Friedhof. An diesem Tag waren insgesamt nicht viele Besucher unterwegs. Auf dem Friedhof waren wir zeitweise ganz alleine. Im ersten Moment dachte ich noch ‚der ist aber doch nicht so groß, wie ich es gelesen hatte‘, aber diesen Eindruck habe ich nach der nächsten Wegbiegung komplett ad acta gelegt.

Eng an eng, kreuz und quer stehen die alten Grabsteine hier.

Wissenswertes zum alten Jüdischen Friedhof in Prag

Bis Anfang des 15. Jahrhunderts wurden die jüdischen Bürger der Stadt auf dem Judengarten beigesetzt. Dies ist der erste historisch nachgewiesene jüdische Friedhof in Prag und befand sich in der Prager Neustadt in der Nähe vom Jungmannplatz. Vermutlich wurde dieser Friedhof Anfang des 13. Jahrhunderts, damals noch vor den Mauern der Prager Altstadt, angelegt.
Wie es heute auch vorkommt, hatten wohl auch damals Menschen keine Ehrfurcht vor diesem Ort, denn 1255 erließ König Ottokar II.Přemysl ein Privileg für diesen Friedhof. In diesem hieß es unter anderem: „Ebenso wird ein Christ, der durch irgendeine böswillig Tat ihren (der Juden) Friedhof verwüstet oder dort mit Gewalt einbricht, zum Tode verurteilt, und sein gesamtes Eigentum verfällt der königlichen Kammer.“

Auch König Wenzel IV. bestätigte den Juden die Nutzung des Friedhofs ‚für alle Ewigkeiten‘. Ja, was sind schon Ewigkeiten, die Nutzung des Friedhofs hielt nicht für alle Ewigkeit. Man könnte auch fast sagen bei den jeweiligen Königen: Was geht mich das Geschwätz von meinem Vorgänger an. 1478 wurde der Judengarten durch König Wladislaw II. Jagiello geschlossen. Dafür wurde nun der schon bestehende Friedhof im Jüdischen Viertel in Josefov zur Hauptbegräbnisstätte der Prager Juden.

Nachdem aber auch in Prag Begräbnisse in der Innenstadt durch Kaiser Joseph II. verboten wurden (so war es ja auch in Dresden um die Frauenkirche), wurden ab 1787 die Verstorbenen der jüdischen Bevölkerung auf dem Friedhof im Stadtteil Žižkov bestattet.
Im Ortsteil Olšany, im Osten Prags, wurde dieser Friedhof zur Nekropole ausgebaut, und für ca. zwei Millionen Bestattungen ausgelegt. Nekroplen sind so genannte Totenstädte, die oft abseits von Wohnsiedlungen angelegt sind. In dieser ‚Totenstadt‘ entstanden eine Vielzahl von Kapellen für verschiedene Religionsgemeinsschaften. Auch die Jüdische Gemeinde hat hier einen großen Bereich, auf dem u.a. auch Franz Kafka bestattet ist. Nicht weit davon entfernt ist der Nationalfriedhof, der Friedhof Vinohrady, auf dem auch die verstorbenen Staatspräsidenten begraben sind.

Da wir für unseren nächsten Aufenthalt in Prag eine Wohnung auf Zeit fast ums Eck von diesen Friedhöfen haben, ist es für uns jetzt schon klar, dass diesen Stätten ein Besuch abgestattet wird. Ich werde berichten.

Zurück zum alten jüdischen Friedhof – er ist für die Anzahl der Menschen die hier begraben sind, doch recht klein. Nur ca. 1 ha Fläche hat er. Aber vermutlich sind hier die Gebeine von 100.000 Menschen und 12.000 Grabsteine stapeln sich neben- und fast übereinander.

Grabsteinfragmente aus dem Judengarten wurden auf den Alten jüdischen Friedhof verlagert und in einer Mauer eingefügt.

Die Grabstellen auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Prag-Josefov

wurden immer mehr auf diesem Friedhof, der sich aber aufgrund der nicht erweiterbaren Größe nicht weiter ausdehnen konnte. Da es die religöse Tradition der Juden untersagt, alte Gräber aufzulösen, bestatteten die Menschen in die Höhe. Was bedeutet, dass auf dem Friedhof immer wieder neue Schichten Erdboden aufgebracht wurden, die Grabsteine wurden der neuen Ebene angepasst und die Menschen wurden in dieser Ebene beerdigt, bis sie wieder gefüllt war. So wurden im Lauf der Zeit 12 Schichten übereinander angehäuft, was die Ansammlung der Grabsteine aus verschiedenen Jahrhunderten, eng beisammen, erklärt. Die Prager Bestattungsbruderschaft kümmerte sich um den Friedhof. Direkt am Friedhof befindet sich auch eine Zeremonienhalle, die von dieser Bestattungsbruderschaft erbaut wurde. Mehr dazu aber in einem extra Beitrag.

Bis Ende des 16. Jahrhunderts waren die Grabsteine eher einfach. Erst ab dieser Zeit wurden auf den Grabsteinen plastische Symbole, oder Zeichen von Geschlechtern, Namen oder Berufe angebracht. Auch Symbole aus der jüdischen Tradition wurden dann auf den Steinen angebracht. So z.B. die Weintraube als Fruchtbarkeits- und Weisheitssymbol, eine Sparbüchse für die Wohltätigkeit oder der sechszackige Davidstern. Die Texte auf den Grabsteinen beinhalten oft auch Lobreden oder andere wissenswerte Angaben über den Verstorbenen.

Der Alte Jüdische Friedhof, dessen Grabmale im Schatten von vielen alten Bäumen stehen, ist seit 1995 ein Volkskulturdenkmal.

Es gibt einige

Gräber bekannter Persönlichkeiten

auf dem Friedhof. So auch das Grab von Mordechai Maisel, der Erbauer der Maisel-Synagoge.

Grab des Begründers der Maisel-Synagoge in Prag
Grab des Begründers der Maisel-Synagoge in Prag

DSC 0247Auch der berühmte Rabbiner Rabbi Löw hat seine Grabstätte auf dem alten jüdischen Friedhof. Die auch heute noch anhaltende hohe Verehrung zeigt sich an den vielen niedergelegten Steinen. Nach jüdischem Brauch werden Steine an seiner Grabstelle abgelegt, oft mit einem schriftlichen Wunsch oder Bitte versehen.

In dem Bericht zu Maisel-Synagoge habe ich euch ja in einer Legende erzählt, wie Rabbi Löw den Prager Golem erschaffen hatte. Diese Figur aus der Mystik, ist ein aus Lehm gebildetes, menschenähnliches, aber stummes Wesen. Es besitzt oft gewaltige Kraft und kann Aufträge ausführen – so wie es der Prager Golem für den Rabbi Löw auch getan hat.

Nachdem Rabbi Löw aber die Dienste des Golem nicht mehr benötigte, war es an der Zeit, sich Gedanken zur

Vernichtung des Prager Golems

zu machen. 1593 entschied der Rabbi, nachdem es gegen die jüdische Gemeine auch keine verleumderischen Anwürfe mehr gab, dass er die Dienste nun nicht mehr benötigte. Auch deshalb, weil ihm Kaiser Rudolf II. in einer Audienz das Versprechen gab, dass gegen Ritualmordbeschuldigungen gegen Juden zukünftig in voller Härte und unnachsichtig vorgegangen wird.

Joseph, so hatte Rabbi Löw den Golem genannt, wurde angewiesen nicht wie sonst in seiner Wohnung zu schlafen. Er solle sein Bett auf dem Dachboden der Altneu-Synagoge aufstellen. Wie schon bei der Erschaffung des Golems zog Rabbi Löw auch jetzt seinen Schwiegersohn und den Schüler zu Rate, ob denn der in Lehm zurückverwandelte Golem (aus solchem wurde er ja erschaffen) eine Verunreinigung bewirken würde. Bei gewöhnlichen Verstorbenen war dies ja der Fall. Nach längerem Überlegen verneinten sie, und so versammelten sich die Drei am Bett des Golems um ihn zu zerstören. Sie gingen jetzt in genau der entgegengesetzten Reihenfolge wie bei der Erschaffung vor, standen aber nun, anstatt zu seinen Füßen, zu seinem Kopf.

Nachdem der Golem in einen Haufen Lehm zerfiel, deckte ihn Rabbi Löw mit alten Gebetsmänteln und Schriftrollen zu. Am nächsten Tag ließ der Rabbi im Viertel verbreiten, dass der Golem mit unbekanntem Ziel verschwunden sei. Er verbot aber allen, den Dachboden der Altneu-Synagoge zu betreten. Gemäß dieser Legende soll ein Lehmhaufen der auf dem Dachboden der Altneu-Synagoge gefunden wurde, (die Synagoge wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört) als sein Überbleibsel angesehen worden sein.

Da es ja immer verschiedene Versionen gibt, gibt es auch hier eine weitere Version zum Ausssterben des Prager Golems. Nach dieser Version hat sie Rabbi Löw sogar das Leben gekostet. Denn es wird berichtet, dass der Rabbi dem Golem befohlen haben soll, ihm die Schuhe auszuziehen. In diesem Moment hätte er ihm das „Siegel der Wahrheit“ vom Kopf gerissen. Der tot umfallende Golem hätte im Fallen den Rabbi erschlagen. Mir gefällt die erste Version besser.

 

Wir haben uns beim Gang über den alten jüdischen Friedhof viel Zeit gelassen, vor allem auch nach dem bedrückenden Besuch zuvor der Pinkas-Synagoge. Ja, wir waren auch in dieser Zeit wortkarger als sonst. Es ist ein Ort zum Nachdenken, zum Innehalten und zum in seinen Gedanken verweilen.

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