Die Pinkas-Synagoge (Pinkasova synagoga) am Rand des Jüdischen Friedhofs in Prag stammt aus dem 16. Jahrhundert und erinnert an die jüdischen Opfer des Holocaust.

In diesem Bereich im Jüdischen Viertel in Prag liegen die Synagogen dicht beieinander. Der Jüdische Friedhof trennt die Pinkas- und die Klausen-Synagoge. Alle Synagogen im Jüdischen Viertel (ausgenommen der Jerusalemsynagoge in der Prager Neustadt) könnt ihr mit einem einzigen Kombiticket besuchen. Überrascht waren wir, dass die Gültigkeit dieses Tickets 5 Tage beträgt. So lange braucht man jedoch nicht, um all die Ausstellungen in den Synagogen und den Friedhof, samt Zeremoniensaal zu besuchen.

War es insgesamt sehr beeindruckend an diesem Tag, so war ich in der Pinkas-Synagoge doch ziemlich wortkarg. Sie hat, ob der Geschichte die sie dokumentiert, doch sehr nachdenklich gestimmt.

Auf wen geht die Erbauung der Pinkas-Synagoge zurück?

Die Familie Horovic hatte zwischen seinem Haus und dem Alten Jüdischen Friedhof ein Grundstück, auf dem sie das heutige Gebäude erbauen ließen. 1492 ist ein privates Bethaus dieser Familie nachgewiesen, das 1519 in den Besitz des jüdischen Bürgers Aron Meschullam Zalman Horowitz kam. Da er sehr angesehen war, ließ er, seinem Status entsprechend, 1535 die heutige Synagoge errichten. Vermutlich gegen Ende des 16. Jahrhunderts wird die Synagoge nach dem Enkel des Hausbesitzers, Pinkas, benannt. Eine Gedenktafel erinnert an den Erbauer.
Von 1607 – 1625 wurde ein Anbau im Stil der Spätrenaissance errichtet, der eine Empore, ein Frauenschiff und ein geräumiges Vestibül bekam. Nach Beschädigungen durch Überflutung wurden 1758 und 1771 der Thoraschrein und die Bima im Barockstil erneuert. Auch 1860 erfuhr das Gebäude Veränderungen, die jedoch später wieder rückgängig gemacht wurden.
Jahrhundertelang waren in der Pinkas-Synagoge ein Wimpel und das Gewand des aus Portugal stammenden Märtyrers Salomon Mocho, der 1532 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Die Ausstattung der Pinkas-Synagoge

in dem einschiffigen, länglichen Raum wirkt der barocke Toraschrein mit seinen Doppelsäulen. An der Wand links und rechts die Namen der KZ-Stätten. Die ursprüngliche Bima wurde 1775 mit rotem Marmorstuck verändert und erhielt 1793 eine Rkokogitter aus Schmiedeeisen. Ansonsten ist der Raum leer. Er wird heute noch zu hohen Feiertagen benutzt.

Die Pinkas-Synagoge als Teil des Jüdischen Museums Prag

Ja, dieser Teil der ‚Ausstellung‘ in der Synagoge lässt einen schon sprach- und fassungslos dastehen. Bei dem Umbau Anfang der 50er Jahre wurde der Innenraum als Denkmal an die Holocaustopfer Böhmens und Mährens umgestaltet. Dabei geht es nicht nur darum an die Gräueltaten des Holocausts zu erinnern, sondern vor allem darum, den Opfern, die zum Zeitpunkt ihres Todes nur mit Nummern gekennzeichnet waren, Namen zu geben.

In fünf Jahren Handarbeit wurde von zwei Malern in Handarbeit und ohne jegliche Schablonen die Wände zur größten Grabaufschrift. Knapp 80.000 Opfernamen, die den Völkermord nicht überlebt haben, konnten ermittelt werden und wurden alphabetisch angeordnet. Allein im Hauptschiff sind ca. 40.000 Namen von Menschen, die ihren letzten Wohnsitz in Prag hatten. Familien wurden an der Wand wieder zusammengeführt, wenn Verbindungen hergestellt werden konnten. Bei den jeweiligen Namen sind zwei Zeitangaben dabei – das Geburtsdatum und das Datum der letzten Nachricht. Es ist grausam zu lesen, dass manche Kinder nur wenige Tage oder Jahre Lebenszeit hatten.

Hier jetzt noch mehr zu schreiben – nein, jedes Wort würde hier nicht passen.
Sehr schweigsam sind wir aus der Pinkas-Synagoge zum nächsten Ort, der uns erneut hat schweigen lassen, zum jüdischen Friedhof.
Und immer wieder dachte ich mir nur – hoffentlich wird sich diese Zeit nie wieder wiederholen ……

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