Religion und Luxus liegen in in der Josefstadt (Josefov), einem Stadtteil von Prag, ganz eng beieinander.

Nachdem wir bei unserer Stadtrundfahrt mit Marek schon kurz durch diesen Stadtteil ‚geholpert‘ sind (Oldtimer mit Plattfedern auf Kopfsteinpflaster 😂) – und uns Marek bei seinen Erklärungen angefügt hatte ‚da ist die teuereste Straße in Europa‘ haben wir das ganze Stadtviertel Josefstadt auch zu Fuß erkundet. Das Jüdische Viertel mit seinen ganzen Synagogen und der Alte Jüdische Friedhof liegen in Josefov und in Bezirk 1 von Prag.

Prag hat links und rechts der Moldau insgesamt 10 Stadtbezirke und 57 Ortsteile. Je höher die Zahlen, desto weiter entfernt man sich vom Altstadtkern, der zu Prag 1 gehört. Bei unserem Aufenthalt hatten wir das Glück, eine Ferienwohnung direkt in Prag 1 zu bekommen. ‚Dank‘ Corona zu einem absoluten Tiefpreis. Allerdings darf man bei so einer Wohnlage nicht außer Acht lassen, dass man (reist man mit dem Auto an) für sein Fahrzeug einen Parkhausplatz benötigt. Wir haben Fridolin während der Woche in einem Parkhaus mit Boxensystem abgestellt. Für saftige 20 € am Tag. Eine andere Variante gibt es nicht, denn auf Langzeitparkplätze zu hoffen – vergesst es. Als ich einmal einem Einparkmanöver einer Dame zugeschaut habe (und sie konnte wirklich grandios einparken!!) habe ich den Gedanken „Parken am Straßenrand in Prag“ ganz dick und fett mit Rot durchgestrichen. Mit einem großen Fahrzeug sowieso. Es geht recht eng und schmal her in den Straßen Prags. Vielleicht ist es auch gut, wenn man bei seinem abgestellten Fahrzeug keine Handbremse anzieht? Hmm … Jene Dame war bei ihrem Parkvorgang Stoßstange an Stoßstange, da hatte kein Blatt Papier mehr dazwischen Platz. Vor – zurück – vor – zurück – in Millimeterarbeit hat sie es geschafft, ihr Fahrzeug in die Lücke zu bugsieren. Vielleicht darf man es in einer Millionenstadt nicht so eng mit einem Rempler an der Stoßstange nehmen? 😯🙈
Vielleicht sind in der Josefstadt deshalb in manchen Straßen die Parkplätze quer zur Straße angelegt? Warum? Dazu später …

Vom Altstädter Ring in der Altstadt geht vor der St. Nikolaus Kirche eine Straße rechts ab zur Josefstadt. Und nach wenigen Metern steht man auf der luxuriösten Einkaufsmeile in Prag, der Pariser Straße (Pařížská Straße).

Aber der Reihe nach –

die Entstehung der jüdischen Josefstadt (Josefev)

Im 10. Jahrhundert werden zum erstenmal Juden in Prag erwähnt. Vermutlich auch deshalb, weil es jüdische reisende Händler wie z.B. Ibrahim ibn Jakub in Prag gab. Er war ein Gesandter des Kalifen von Córdoba, der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts Mitteleuropa bereiste. Die ersten Siedlungen jüdischer Bürger soll es unter der Prager Burg, links der Moldau und in Vyšehrad gegeben haben. Vyšehrad ist einer der bekanntesten frühmittelalterlichen Burgwälle in Böhmen und ist auf einem Hügel in der Prager Neustadt. Sie wurde als zweite Prager Burg im 10. Jh. gegründet. (Bei meinem nächsten Aufenthalt in Prag steht die Besichtigung dieses Viertels auf dem Plan – ich werde euch berichten.) In einem Werk von Cosmas von Prag wurden die Juden zu dieser Zeit als sehr wohlhabend beschrieben. Der böhmische Fürst sah jedoch die Juden als sein Eigentum an, und wies seine Leute an, diese auszurauben. Die Folge war, dass ein Teil der jüdischen Bevölkerung nach Polen und Ungarn auswanderte. Ein Historiker bezeichnete diesen Vorfall bereits als erstes staatlich organisiertes Progrom in Böhmen.

Bereits 1174 wurde das erste belegbare Privileg erlassen. Ottokar II. Přemysl erweiterte es, und erkannte den Juden weitere Bürgerrechte zu. Außerdem wurde es in diesem Privilegium den Christen verboten, Juden zu schlagen oder gar zu ermorden, auch das Zerstören von Gräbern oder Synagogen werde geahndet.
Diese Schutzmaßnahmen ermöglichte dann im 13. Jahrhundert die Bildung einer abgeschlossenen Judenstadt in Prag, eben im heutigen Stadtteil Josefov. Die erste frühgotische Altneu-Synagoge wurde 1270 erbaut. 1389 kam es zu einem weiteren schweren Progrom, bei dem ca. 3000 Menschen ihr Leben verloren.

Ab 1502 verbesserte sich das Leben der Juden in Prag. Vor allem während der Regierungszeit von Kaiser Rudolf II. erfuhr die jüdische Gemeinde ein wirtschaftlicher Aufschwung, auch durch den Gemeindevorsteher Mordechai Meisel, der die Maisel-Synagoge erbauen ließ. Prag entwickelte sich zum Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit in ganz Europa. Viele jüdische Gelehrte lebten in Prag, so auch der bekannte Rabbi Löw, der Erschaffer des Prager Golems. Die Geschichte zum Golem und zu Rabbi Löw könnt ihr bei der Klausen-Synagoge im Detail nachlesen.

Es war kein einfaches Leben für die Juden in Prag, die bis Ende des 17. Jahrhunderts zu einer der wichtigsten Judengemeinden in der damaligen Zeit angewachsen war. Bis 1726 Karl VI. wieder eine Gemeinheit gegen die Juden einfiel. Er führte die Familiantengesetzte ein, mit dem Ziel, die Zahl von Juden möglichst niedrig zu halten und ihren Wohnort zu regeln. Wieder flohen viele Juden nach Polen und Westungarn. Kaiserin Maria Theresia setzte noch eins obendrauf und ließ alle Juden aus Prag vertreiben, was aber einen wirtschaftlichen Rückschlag nach sich zog. Deshalb gewährte sie 1748 einen befristeten Aufenthalt von 10 Jahren in Böhmen. Wer ins Prager Ghetto zurückkehrte, der musste eine jährliche Judensteuer bezahlen.

Nachdem Kaiser Joseph II. (Sohn von Kaiser Maria Theresia) den Juden 1781 mit einem Toleranzpatent größere Freiheiten, auch in ihrer Religionsausübung, zugestanden hat, wurde das Viertel 1850 auf seinen Namen umbenannt, und hieß ab sort Josefstadt (oder Josephstadt) Josefov.

Wohlhabende Familien zogen aber aus dem Viertel weg – die Wohnhäuser verfielen. Die Folge war, dass der größte Teil zwischen 1893 und 1913 abgerissen wurden. Unschlüssig blieb man sich bei dem Warum? War es wegen der schlechten hygienischen Bedingungen und der Verslumung des Viertels – oder war es wegen dem Verkauf lukrativer zentrumsnaher Flächen. Mit Bürgerprotesten wurde aber verhindert, dass sechs der Synagogen, der alte Jüdische Friedhof mit der Zermonienhalle und auch das alte Jüdische Rathaus nicht dem Abriss zum Opfer fielen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden neue prachtvolle Jugendstilgebäude errichtet. Vorbild waren Bauten aus Paris. Es wundert nun auch nicht, dass die prächtigste Straße, die eine zentrale Achse zwischen dem Altstädter Ring und der Moldau darstellt diesen Namen erhielt:

Die Nobelstraße Pariser Straße in Prag

und damit zurück zu den Parkplätzen in dieser Nobelstraße. Hier reihten sich die Fahrzeuge der oberen Kategorie auf – von den ganz großen SUV, bis hin zu Bentley und Rolls Royce war alles (nicht nur einmal) vertreten. Undenkbar, dass man bei diesen Fahrzeugen eine Stoßstange antitschen kann. Deshalb sind die Parkplätze hier sehr groß, oder quer zur Straße angelegt. Bevor ich euch noch ein bisschen zu der Straße berichte, schaut euch mal die Häuser an ….

Auf über fast 700 Meter reiht sich alles auf was Rang und Namen hat. Man findet nicht nur Rolex und Tiffany & Co. – bei der Mode ist alles vertreten was seinen Preis hat. Dior, Gucci, Hugo Boss, Louis Vuitton oder Prada, hier werdet ihr fündig. Mir wurde fast schwindlig, welche Preise die Schaufensterauslagen ausgewiesen haben. Allmääääächtiger 🙈🙈🙈
Mein Mann ist ja ein begeisterter Sammler von mechanischen und automatischen Uhren und wollte so ein bisschen (ausgiebig) die Auslagen von Hulbot anschauen. Betonung auf ‚WOLLTE‘, denn kaum haben wir den Weg zum Schaufenster eingeschlagen, stand da auch schon Security in der Ladentüre und wir wurden von oben bis unten mit Blicken abgescannt. Und er stand da ganz breit in der Türe. So als wolle er uns damit signalisieren – ‚IHR kommt da nicht rein, das könnt ihr euch eh nicht leisten.‘ So kann man einem Sammler auch ganz schnell die Lust am Schauen versauen, gell. Bei Rolex zu schauen, hat er dann gar nicht mehr versucht 😀

Abgesehen von der Nobelmeile gibt es auch in den Seitenstraße Geschäfte mit Preisen jenseits von Gut und Böse – oder nur für die dicke Geldbörse. Ach nein, hier wird mit Sicherheit nur mit Karte bezahlt 😀
Waren um die Synagogen noch ein paar Menschen zu sehen, kamen wir uns in der Pariser Straße vor wie ‚Außerirdische‘ – glaubt es mir, wir waren zeitweise komplett alleine auf dem Boulevard unterwegs. Wenn es dann schon nicht mehr die Schaufensterauslagen waren, dann waren es für mich die Details an den prachtvollen Häusern die mich anzogen.

In einer Seitenstraße zur Pariser Straße befindet sich das

Jüdische Rathaus in der Josefstadt.

Es ist auch heute noch Sitz der jüdischen Gemeindeverwaltung in Prag. Erbaut wurde es im 16. Jahrhundert und nach Umbauarbeiten 1763 bekam das Eckgebäude den Stil des Spätbarocks. Am Giebel sind zwei Uhren unterhalb der Glocke angebracht – eine mit römischem und eine weitere Uhr mit hebräischem Zifferblatt. Bei dieser dreht sich der Zeiger in umgekehrter Richtung, als von rechts nach links. Entsprechend der Schreibrichtung im Hebräischen. Sie wurden 1764 hergestellt.

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Ganz klar, dass wir im Jüdischen Viertel in Prag natürlich auch

die Synagogen in Josefov

besucht haben. In diesen sind jeweils Teile des Jüdischen Museums untergebracht. Sehr bewegend und sehr sehenswert.

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Synagogen in Prag

Nachdem wir bei unserem Gang durch die Pariser Straße am Ende des Boulevards an der Moldau angekommen waren, haben wir nach links den Weg zurück zur Altstadt gewählt.
Und es war gut, dass wir nach den vielen, teilweise doch sehr bedrückenden Einblicke, hier am Wasser den Kopf ein bisschen ‚auslüften‘ konnten.

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