Der Vrtba Garten (Vrtbovská zahrada) auf der Prager Kleinseite weist gleich mehrere Superlative auf: einer der bedeutendsten Barockgärten in Prag und sogar nördlich der Alpen in Europa. Und er ist zudem bei der UNESCO als Kulturdenkmal registriert.

Aber Achtung! Fast könnte man den Zugang zum Eingang des Gartens übersehen. Heute stand die Kleinseite von Prag auf dem Besichtigungsplan, und man kommt hier quasi im Umdrehen von einem sehenswerten Objekt ins Nächste. Dieser Barockgarten stand eigentlich gar nicht auf unserem Plan, so wie wir (bewusst) die ganzen Palastgärten unterhalb der Prager Burg in dieser Woche aus unserem Besichtigungsprogramm gestrichen haben. Man muss, auch in einer Woche Prag, Prioritäten setzen. An der Stelle mag ich mir gar nicht vorstellen, wie das bei nur einem Wochenende in Prag gehen soll? Und ganz ehrlich, auch wenn wir mittlerweile schon ‚hartgesottene‘ Städtereisende sind – irgendwann ist auch bei uns nach so vollen Tagen die Luft raus. Da es uns in den letzten Tagen in Prag schon klar war, dass uns die Stadt mit Sicherheit ein weiteres Mal sieht, wurde dieser Besichtigungspunkt „Prager Palastgärten“ schon auf die neue Liste gesetzt. Und – ihr werdet es in Kürze an meinen weiteren Berichten merken ….. Prag, bald sind wir wieder da 🙂

Wir waren an diesem Tag kaum aus der Kirche „Maria vom Siege“ mit dem Prager Jesulein und sahen dann ein paar Schritte weiter ein Touristenpärchen aus einem Tor kommen. Ist da auch was?  Neugierig sind wir in den Innenhof, um zu schauen.

Spontan haben wir uns dazu entschlossen, diesen Garten (wenn er denn schon so direkt auf unserem Weg liegt 🙂 ) zu besichtigen. Und haben damit dem jungen Mann hinter der Kasse ein Erfolgserlebnis verschafft – kaum jemand hat sich während unserer Besuchszeit in den Garten verirrt. War es jetzt nur Corona geschuldet, und weil die Grenzen zu Tschechien erst kurz vor unserem Besuch wieder geöffnet wurden? Oder lag es an dem kleinen fast unscheinbaren Tor an der Straße?

Die Entstehung des Vrtba Gartens

Fünf Jahre wurde gewerkelt und gebaut, bis dieser Barockgarten im im italienischen Terrassen-Stil fertig war. 1715 wurde er für den Grafen Jan Josef z Vrtby, der ein Burggraf der Prager Burg war, angelegt. Sein Großvater hatte unterhalb des Petřín-Hügels einen Palast, das Palais Vrtba, welches ab 1627 erbaut wurde. Die zugehörigen Weinberge wurden für den neuen Barockgarten verwendet.

Hügel Petřín, Weinberge – man kann sich denken, dass dies dann kein ebenerdiger Garten ist. Für Nichtkenner des Prager Umfelds sei erklärt, dass der Hügel Petřín (Laurenziberg), westlich der Moldau, ein fast vollständig bewaldeter Hügel ist. Es ist eines DER Naherholungsgebiete der Prager Bevölkerung. Und wenn ihr oben auf dem Berg den Eifelturm entdeckt, ist das keine Täuschung. Tatsächlich steht dort ein kleiner Nachbau des Pariser Eifelturms. Es ist eines der Wahrzeichen der Stadt und fast von überall aus zu sehen. Aber nicht nur ihn gibt es als Sehenswürdigkeit zu bewundern, u.a. ist dort das Kloster Strahov und noch vieles mehr zu finden. Wir haben den Hügel Petřín bei unserem nächsten Besuch in Prag ganz oben auf unserer Besichtigungsliste. Ich werde berichten.

Zurück zum Vrtba Garten, dessen Namensgebung ja mit dem Erbauer erklärt ist. Prager Architekten und Baumeister gestalteten das Gelände, das im Eingangbereich schmal ist und sich nach oben weitet.
Der erste Hingucker ist der

Sala terrena im Vrtba Barockgarten

Als solcher wird ein ebenerdiger Saal, der meist auf der Gartenseite eines Schlosses oder Palais liegt bezeichnet. Er schafft einen fließenden Übergang in den Garten und dient im Sommer gerne als Aufenthaltsort. Typisch sind solche Bauten im 17./18. Jahrhundert, werden aber ohne konkrete Vorgaben erstellt. Der Erbauer kann sich also, seiner Zeit entsprechend, nach Herzenslust austoben. Hier wurde er in den Seitenflügel des Palastes eingefügt.

Ich finde ihn einfach nur WOW. Schaut selbst ….

Schon hier aus dem Sala Terrena lässt der Blick in die untere Gartenebene erahnen, dass den Besucher hier ein herrlicher Garten erwartet.
In der Vogelvoliere leben vom Zoo in Prag ausgesuchte Vögel. Und der Brunnen in der Mitte zeigt eine Putto-Statue, die mit einem Meerungeheuer zu kämpfen hat.

Durch den Vrtba Garten

der sich über Terrassenplattformen nach oben ’schafft‘. Die einzelnen Ebenen verbinden geschwungene Treppen.
Wunderschön auf der zweiten Terrassenebene angelegte, kleingehaltene Buchshecken mit Blumen aufgelockert. Im Bogenteil laden Bänke zum Verweilen ein … und der Blick von oben auf die untere Ebene … einfach schön.

Über zwei geschwungene Treppen geht es hinauf zur nächsten Ebene.
Und da lacht doch mein Herz ganz laut 😍 – vielleicht wisst ihr es aus meinen anderen Beiträgen: Mich faszinieren Steinstatuen. Sie sind teilweise so ausdrucksstark gearbeitet, so dass sie mir immer wieder aufs Neue als Fotomodels herhalten müssen. Mein Mann lässt mich immer lächelnd gewähren, wenn ich fast jeder Statue ‚hallo‘ sage 😂 😂

Wer ist Wer im Vrtba Garten?

So könnte man bei den Statuen auf der mittleren Terrassenebenen fragen 🙂
Apollo, Diana, Jupiter, Merkur, Juna und noch drei weitere tummeln sich da, neben sonstigem Vasenschmuck, dem Brückengeländer entlang.

Ich hätte nie gedacht, dass allein für die Buchsbaumreihen auf der mittleren Terrasse anscheinend mehr als 12000 Pflänzlinge notwendig waren. Und bei den großen Buchsbäumen, die den Weg zur nächsten Ebene säumen, könnte man denken, sie sind mit der kleinen Schere in Form geschnitten worden.

Und dann steht man auf der letzten Terrasse, bevor eine kleine Treppe hinauf auf den Aussichtspunkt führt. Drei Bögen, wunderschön mit Grotto-Muscheln geschmückt. Im Mittelgiebel ist ein Wassergottrelief zu sehen, während auf den Seiten Wassernymphen neben den geschmückten Ovalen sind.
Wie ich nachlesen konnte, soll der Garten eine prächtige Kulisse für Hochzeiten, Empfänge und kleinere Konzerte sein. Sein Wunder, bei dieser herrlichen Gestaltung.

Oben auf der kleinen Aussichtsterrasse angekommen, liegt einem Prag und die Kleinseite zu Füßen.

Die Ausblicke vom Vrtba Garten auf Prag

sind wirklich beeindruckend.
Zur linken Seite sieht man die St. Nikolaus Kirche. Die Barockkirche mit einer Kuppel von 20 Metern Durchmesser zählt zu den wertvollsten und bedeutendsten barocken Kirchenbauten in Europa. Die Decke in der Kirche ist ein einziges durchgängiges Deckenfresko, einmalig schön.
Auf der rechten Seite ist die Kirche „Maria vom Siege“ mit dem weltberühmten Prager Jesulein zu sehen, die wir vor dem Gartenbesuch besichtigt haben.
Und der Blick über die Schulter nach links geht hoch zur Prager Burg, wo die Türme des St. Veits Doms alle Gebäude überragen. Wir hatten bei unserem Besuch im Dom das unfassbare Glück, dass in der Kirche kaum Besucher waren und ich ständig freie Sicht zum Fotografieren hatte.

Und dann der einmalige Blick über Prag mit seinen hunderten von Türmen. Ihr erkennt von dort oben die Brückentürme der Karlsbrücke. Weiter im Hintergrund die auffälligen beiden Türme der Teynkirche am Altstädter Ring. Rechts im Hintergrund der Fernsehturm der Stadt, den wir bei unserem nächsten Besuch näher in Augenschein nehmen.

Man könnte lange dort oben stehen und immer wieder etwas Neues entdecken…..

Ein letzter Blick hinunter über den Vrtba Garten, der in seiner Gesamtheit so wohl einzigartig ist. Und er macht tatsächlich Lust darauf, die anderen Palastgärten irgendwann auch noch zu besuchen.
Vergesst bei eurem Besuch auf der Kleinseite nicht, Ausschau nach dem kleinen Eingangsportal an der Straße zu halten.

Unser Weg auf der Prager Kleinseite geht jetzt jedoch weiter zum nächsten Highlight – der St. Nikolaus Kirche.

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