Prag, die „Goldene Stadt“, die Stadt der vielen hundert Türme, das historische Stadtzentrum als UNESCO Welterbestätte, die Prager Burg. das pulsierende Leben in der Millionenstadt – es gibt viele Gründe, die Stadt an der Moldau zu besuchen.

Wir waren ganz einfach neugierig, ob der vielen Beschreibungen, die man über die Stadt Prag liest. Eine der schönsten Städte Europas – wir wollen sie sehen und entdecken.
Schon einige Zeit steht die Stadt auf unserer „da müssen wir hin“ Liste. Aber nur so über ein Wochenende? Nein, ich glaube, so ein Kurzbesuch würde dieser Stadt in keinster Weise gerecht werden. So haben wir alles auf ’später‘ verschoben, durfte ich doch auch fast 1,5 Jahren aufgrund Krankheit das Land nicht verlassen. Ich wollte mir ja schließlich keinen Ärger mit meiner Krankenkasse einhandeln.
Auf einmal waren wir durch unseren Urlaub in Sachsen nur einen Katzensprung von dieser „Goldenen Stadt“ Prag entfernt. NUR zwei Stunden Fahrt! Wir könnten doch? …..

Keine Ahnung was mich noch daheim veranlasst hat, mir einen Reiseführer durch die Stadt zu erwerben. Vielleicht werden Träume ja dadurch wahr?
In Corona Zeiten war aber alles etwas anders, und doch wagten wir den Urlaub in Sachsen – und haben es zu keinem Zeitpunkt bereut. Alles ging Corona-konform seinen Weg, mit Abstand und Masken. Und, die schönste Nachricht während dieser Tage – Tschechien öffnet vorzeitig wieder die Grenzen zu Deutschland. Dann könnten wir doch? ….

Es war irgendwie wie Blümchen rupfen. Das letzte imaginäre Blütenblatt entschied dann – Prag, wir kommen!
Vier Tage vor unserer Ankunft buchten wir über unsere, mittlerweile liebste Plattform, eine Innenstadtwohnung. Ich war erstaunt, wieviele Wohnungen, und vor allem zu welchem Preis angeboten wurden. Hey, braucht es da noch eine Überlegung? 32 € für eine Wohnung, die verspricht, in fünf Minuten bist du in der historischen Altstadt? Ganz ehrlich, ich wäre kein Schwäble, hätte ich da nicht zugeschlagen 😂😂

Ja, was wird aber aus Fridolin? Alle Innenstadtwohnungen bieten keinen Parkplatz an. Die kommen wohl alle mit dem Zug nach Prag?

Das Abenteuer Prag beginnt

Wir fanden für Fridolin ein Parkhaus ganz in der Nähe. Sein Zuhause auf Zeit mussten wir vorbuchen und auch bereits bezahlen. „Sie haben zu jeder Zeit Zugang zu ihrem Fahrzeug!“ – so versprach es die Webseite des Parkhausanbieters. Super, dementsprechend habe ich dann für den Aufenthalt in Prag gepackt. Mit zweimal laufen haben wir alles in der Wohnung. Hey, das ist nicht viel Gepäck, wenn man bedenkt, dass wir jeder nur zwei Hände zur Verfügung haben?!

Die Fahrt nach Prag

war herrlich! Quer durchs Erzgebirge – die Straßen rauf und runter – durch viel Wald und Berge. Ich liebe solche Straßen. Wie ihr sicher aus meinen ganzen Berichten wisst, ich bin die Frau am Lenkrad 😀 Das ist eine der Altlasten, die mir aus früherer Zeit geblieben ist. Mein Mann erträgt es ohne Murren, meint er doch auch immer „Du bist ein guter und sicherer Fahrer, ich fühle mich auf dem Beifahrersitz auch wohl“ – und er der beste Beifahrer und Lotse, den Frau sich wünschen kann. 😘
Ich hätte gefühlt an jeder Kurve für ein Foto anhalten können, was natürlich nicht ging. Deshalb müsst ihr euch die herrliche Fahrt einfach in Gedanken vorstellen.
Allmählich merkte man, wie sich das Ortsbild der kleinen Örtchen, durch die wir fuhren, veränderte. Und auf einmal stand das große Schild „Tschechische Republik“, was uns veranlasste, Blinker zur Tankstelle setzen, Vignette kaufen.

Für Tschechien braucht ihr nämlich eine solche, sonst könnte es teuer werden. Es ist auch ratsam, sich über die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu informieren: Landstraße 90, Autobahn 130, Ortschaft 50. Es ist auch tunlichst gut, diese Zahlen einzuhalten, sonst könnte es wirklich teuer werden. Lotte hat irgendwie verpeilt, dass auch eine Autobahn Richtung Prag führt, sie meinte, über Landstraßen sehen wir mehr von der Umgebung. Gut so Lotte! Alles richtig gemacht. Es war wirklich herrlich, auf diese Weise Richtung Prag zu fahren.
Als sie ankündigte, nur noch wenige Kilometer nach Prag, wurde ich dann doch zunehmend etwas hibbeliger. Inge fährt in die Großstadt, Allmächtiger, ob DAS gut geht? 🙈🙏 Aber ein zurück gab es nicht mehr, die letzten Kilometer nach Prag hinein gehen nur noch über die Autobahn.
Irgendwie muss ich das Nachdenken dann ausgeschaltet haben, nur noch Augen zu und durch. Mit dem Verkehr mitfließen, nennt man das wohl.

Prag-Strasse

Ich fand mich in einer engen Straße, der Zufahrt

zum Parkhaus

wieder, und übersah diese Zufahrt erstmal! Ja menno, das sind keine solchen Parkhauszufahrten wie wir sie von Deutschland kennen? Im Vorbeifahren sahen wir, aber zu spät, ein einzelnes Tor, DAS musste es wohl sein? Also nochmal eine Ehrenrunde. WO ich da gefahren bin, erzähle ich euch später.
Blinker gesetzt und vor das Tor – und jetzt? Wir mussten bei der Buchung eine Handynummer angeben, mit der wir uns quasi die Tür öffnen können, aber wohin anrufen? Ein netter Mensch hat wohl unsere hilflosen Blicke aufgefangen (oder war es, weil wir die Einfahrt blockierten??) und nach einem kurzen Gespräch, hat er für uns die Rezeption informiert „Da wollen zwei aus dem Schwabenland Einlass“  Ich erspar euch an dieser Stelle meine Gedanken, denn es kam noch schlimmer 😱😂

Um die Ecke kam ein junger Mann geflitzt, ließ wie von Geisterhand das Tor öffnen und rief, neben uns herlaufend, ziemlich energisch „Go, go, go“ Derart eingeschüchtert, trat ich aufs Gas und fuhr – bis vor ein Tor. Und in dem Moment ahnte ich Schlimmes! Das war genau SO ein Parkhaus wie in Dresden, in dem ich Fridolin auf Nimmerwiedersehen hab verschwinden sehen. 🙈

Ich sah den jungen Mann entsetzt an und stammelte in meinem zusammengekratzten Englisch „Und unser Gepäck“. Ich möchte NICHT wissen, was er in diesem Moment gedacht hat. „Was machen die Landeier in einer Großstadt?“ wäre vielleicht noch das harmlostete gewesen. Möglicherweise hat er gesehen, dass ich fast einem kleinen emotionalen Zusammenbruch nahe war, und wollte sich das nicht antun. „Come with me and wait!“ Ahhh … wohin? Und Fridolin? Same procedure wie in Dresden, Fridolin wurde wieder ausgelöst, kam wie von Geisterhand gesteuert in einem Tor wieder zum Vorschein – und wir wurden angewiesen, alles was wir brauchen aus dem Fahrzeug zu nehmen. Nix war’s mit zweimal zum Fahrzeug laufen.

Mein Mann und ich hatten nicht mal Zeit uns augenrollend einen Blick zuzuwerfen. Konzentriert haben wir ausgeladen, wussten wir doch, so schnell sehen wir Fridolin nicht mehr. Leute, NEIN, auch wenn euch jetzt das Grinsen übers Gesicht geht – mir war zu dem Zeitpunkt alles andere als zum Grinsen zumute.

Standen wir dann doch mit dem ganzen Gepäck vor dem Parkhaus. Der Weg zur Wohnung zwei Straßenzüge entfernt. Ja, das ist doch nicht weit, werdet ihr jetzt denken. Dooooooooch, wenn ein Straßenzug gefühlt ein Kilometer lang ist, schon. Wir sind ja schon sehr praktisch und flexibel veranlagt, was in dem Fall bedeutete, mein Mann geht mit dem was er tragen, und auf den Koffer packen konnte, zur Wohnung, und ich warte vor dem Parkhaus.
Fast hätte mir noch ein Schild um den Hals gefehlt „Inge möchte bitte mit Gepäck vor dem Parkhaus abgeholt werden!“ als ich da wartend an der Hauswand zum Parkhaus stand.

Ich hatte Zeit, das Geschehen in der Straße zu beobachten – vieeeeeel Zeit, seeeehr viel Zeit. Denn rollt mal auf Kopfsteinpflaster einen Koffer? Mein Mann hatte echt das Superlos gezogen, auch weil er auf den ersten Blick die Wohnung nicht fand. Um es abzukürzen, er kam dann doch irgendwann wieder, die Sonne brannte, mir war heiß – und meine Arme wurden während des gemeinsamen Marsches zur Wohnung immer länger. Zum ersten Mal während unserer gemeinsamen Reisen fing ich wie ein Kind an zu quängeln: „Wie weit ist es noch?“
Bis ich irgendwann nicht mehr konnte. Keine Ahnung was die Ursache war, mein Kreislauf signalisierte mir – kein Schritt mehr weiter! Da wir beide uns schon länger kennen, und ich weiß, wenn dieses Signal kommt, dann ist mit dem keine Kirschen mehr zu essen, zog ich die Bremse. Und so saß ich dann an der Hauswand auf der Kühltasche und mein Mann zog das nächste Superlos. Ich liebe ihn!! Ob er mich in diesem Moment auch, wagte ich nicht zu fragen.
Als er zurückkam, sah ich ihn sehr ungläubig fragend an: „Sag mal, bin ich diese Straße entlang gefahren?“ Lachend kam sein „Ja“
NEIN! Echt jetzt? – Es war eine ganz normale Straße, zwei Spuren, die sich Auto und Straßenbahn teilten. Ohne jegliche Ampelregelung! Allmääääächtiger, da bist du gefahren?? 🙈🙈🙈
In diesem Moment musste ich es schlicht ausblenden, dass ich auf dieser Straße Prag auch wieder verlassen musste.

Irgendwie haben wir es dann zur Wohnung geschafft. Hätte ich nicht schon Fotos der Wohnung gesehen, ich glaube ich wäre auf der Stelle umgedreht. Ein abgeratzter Hinterhof vom Feinsten. Ich habe bereits vor dem Parkhaus aufgehört, mir hier Gedanken zu machen. Zwei Stockwerke hoch – und dann kam ich ins Staunen, was wir für ein Schnäppchen ergattert haben.

Unsere Wohnung in Prag

Man könnte sagen „vom Feinsten“. Seht selber ….

Zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine geniale Küche – Herz was willst du mehr? Und das für schlappe 32 € für ca. 100 qm. Neugierig wie ich bin, gab ich später in dem Portal noch einen anderen Zeitpunkt ein. Ich konnte fast nicht glauben, dass sie durchgängig so günstig ist? Nein, ist sie auch nicht, wir haben aufgrund Corona rund 100 € pro Tag gespart. Sie hatte einen kleinen Balkon zum Innenhof, und von der Küche hatten wir den direkten Blick zur Jerusalem Synagoge. Und sie war – ruuuuhig! Man hätte denken können, man ist auf dem Land.

Nachdem ich mich etwas von meinem Parkhaus Erlebnis und dem ganzen drumherum erholt hatte, sind wir natürlich gleich auf Entdeckungstour. Und jetzt, mit etwas Abstand habe ich mir die Straße nochmal genau angeschaut, mit dem

Heinrichturm in Prags Altstadt

der uns für die nächsten Tage immer signalisierte – ums Eck ist die Wohnung 🙂

Das Abenteuer Prag beginnt – um es gleich vorweg zu nehmen: Aus gebuchten vier Tage sind sechs Tage geworden. Wir waren schockverliebt in die Stadt 😍🥰. Und diese Verliebtheit hat Folgen. Wir sind in Kürze für längere Zeit wieder in Prag. Dann aber nicht mehr in der direkten Innenstadt. Einmal das Erlebnis mit Straßen, Parkhaus & Co. hat gereicht. Auch, weil Parkpreise in der Innenstadt exorbitante Preise haben. Dieser ‚Luxus‘ ging nur, weil wir an der Wohnung extrem viel gespart haben. Denn mit ca. 20,00 € pro Tag seid ihr dabei! Und Dauerparkplätze in der Innenstadt? Vergesst es! Da wir in der historischen Altstadt eh schon weitgehendst alles gesehen haben, geht es nun in einen Randbezirk der Millionenstadt. In eine kleine alte Villa, und Fridolin direkt im Hof vor dem Haus.
Juchuuuuuu …. das Abenteuer Prag geht dann weiter!

Update 28.09.2020:
Das Abenteuer – Teil 2 muss Coronabedingt noch etwas warten. Wohnung war gebucht, Koffer waren gepackt – und dann, DANN kam die Reisewarnung für Prag. Wir haben beobachtet, mit dem Vermieter gesprochen – die Zahlen stiegen – und wir haben schweren Herzens abgesagt. Safty first!
Aber wir sitzen quasi in den Startblöcken – sobald die Lage es sicher wieder zulässt, beginnt Prag, Teil 2 🙂

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