Rund 686 Meter über dem kleinen Städtchen Heubach steht die Burgruine Rosenstein als markantes Zeichen auf einem Felsen über der Stadt am Rand der Schwäbischen Alb.

„Heimatkunde“ steht weiter auf meinem Plan, nachdem der kleine Fiesling Corona alle unsere Reisepläne für den Herbst ‚auf später, irgendwann‘ verschoben hat. Mittlerweile habe ich an meinem selbstgewählten Bildungsauftrag richtig Gefallen gefunden. Haben wir doch so viele Kleinode und Städtchen entdeckt, die bisher mit ihren Schönheiten so nicht auf meinem Plan gestanden sind. Ja, man darf in allem Widrigen doch auch immer wieder das Schöne erkennen. Obwohl wir wirklich auf das ‚C‘ verzichten könnten.

Für diesen Ausflug machte ich meinem Mann die Burgruine Rosenstein schmackhaft 😀 😀 Wie ihr sicher mittlerweile wisst, wir sind keine Wandervögel (was aber auch einen Grund hat). Wir sind aber gerne in der Natur, und mit meinem „Guck, da oben die Ruine an der wir so oft vorbei fahren“ stand der Ausflug zum Rosenstein, wie wir Einheimische ihn einfach abkürzen, auf dem Plan. Die markante Ruine, dort oben auf ihrem Felsen, über der Rosensteinstadt Heubach war oft das Ziel in meiner Jugendzeit. Sei es als Wanderausflug in der Schule, oder als Kind mit Eltern, Tante und Onkel. Blöd nur, dass zwar das Ziel in Erinnerung blieb, aber nicht der Weg dorthin. Ja, ihr lieben Insider, die ihr vielleicht diesen Bericht lest – ich weiß, dass man vom Fernsehturm ganz in der Nähe bequem zur Ruine kommt, aber wir wollten doch nicht wandern. 🙈 Wir wollten doch nur ein bisschen auf den Rosenstein 😂

Meine kleinen grauen Gehirnzellen sagten mir, da muss es doch einen Parkplatz da oben geben (nicht der am Fernsehturm) – nur wie kommt man dorthin? ‚Inge, schäm dich! In der Heimat sollte man sich doch vielleicht etwas auskennen?‘
Hmm, ja, möglich, vielleicht – aber mein Heimatort ist ja vom Rosenstein ne kleine Ecke weg 😀
Aber von der Durchgangsstraße in Heubach ist es ja gut beschildert. Wir haben Fridolin zu Fuße des Berges abgestellt – und, ja und nun welcher Weg? Ganz ehrlich, meine Söhne haben sich schief gelacht, als ich ihnen meinen Schwank erzählt habe – hinterher! Die kennen den Parkplatz nämlich sehr gut. Auf die Idee vorher zu fragen kam Mama nicht. Denn Mama ist ja schon groß und findet den Weg! 😂
(Pssst … die Straße führt vom großen Parkplatz unten nach oben)

Man könnte auch sagen – im ersten Moment planlos, denn schnell wurde mir klar, dass wir hier nicht auf dem direkten Weg zur Ruine kommen würden. Auf einem kleinen Trampelpfad kamen wir auf den richtigen Weg. Kommt mit

auf unserem Weg zur Burgruine Rosenstein

Denn da begann unser Weg nach oben, der mir mehr Begeisterung hervorlockt, wie ‚langweilige‘ Wege. Dass es auf einen Berg stetig bergan geht … nunja, das ist eben so. Ich hatte es wohl bei der Planung ausgeblendet, dass ich den oberen Parkplatz nicht auf Anhieb finde 😀 Aber das steigert die Kondition, oder so ähnlich 😀 Viele Wege führen hier nach oben.

Jetzt aber mit vollem Ernst – auch wenn ich immer wieder stehen blieb und die ’schöne Aussicht‘ genossen habe (Hallooooo? es ging durch den Wald 😀 ), ich hab mich am Anfang über jeden heftigen Atemzug, der immer leichter wurde, gefreut und konnte später sogar den teils schmalen Trampelweg nach oben genießen. Denn, vielleicht wisst ihr es aus anderen Berichten – es hatte mich ja gesundheitlich fast zwei Jahre ziemlich zerbröselt, ich fing damals an, wieder ganz kleine Brötchen zu backen, und so ein Trampelpfad war für mich noch vor einem Jahr heftige Überwindung. Ich war nicht mehr schwindelfrei und ging Anfang des Jahres nur an der Hand meines Mannes so einen ähnlichen Weg zum Hohenstaufen hinauf.

Und heute bin ich schon um einiges sicherer den Weg nach oben. Kommt mit … ist auch gar nicht anstrengend beim Anschauen 😉
Und ganz viel Natur entschädigt ja sowieso auf so einem Weg …

Mit einem Blick nach oben erkannten wir, wir haben mal wieder einen anderen Weg gewählt wie vielleicht üblich – wie halt so oft bei uns. Also rollen wir halt auch hier am Rosenstein das Feld von hinten auf 😀
Die letzten Schritte und wir standen vor der schier riesigen Felsenwand auf der die Burgruine thront.

Und da sahen wir sie auch schon, am

Kletterparadies Rosenstein bei Heubach

Denn die Felswand hat auch heute vier Zweiergruppen zum Klettern animiert. Durch die 40 Meter hohen Felswände hat der Rosenstein nicht nur in unserer Region einen Ruf unter den Kletterer. Lange Zeit haben sich meine beiden Söhne auch an der Wand wie kleine Kletteräffchen nach oben bewegt (von da kannten sie natürlich den Parkplatz und den Weg nach oben 🙂

Aber wie sich später auf dem weiteren Weg nach oben gezeigt hat, auch Mountainbiker sind am Rosenstein unterwegs. Ich stand tatsächlich, fast ein wenig in Sorge später da, und habe zwei Fahrer den Weg, den wir gekommen waren, nach unten fahren sehen. Respekt!!

Wir haben zwei Kletterer bei ihren Vorbereitungen zugeschaut, und wie dann einer der beiden fast lässig und ohne Mühe nach oben geklettert ist, während er vom zweiten Mann gesichert wurde. Schaut mal ….
(Ich habe die ausdrückliche Genehmigung des Kletterers, diese Bilder auf meinem Blog zu veröffentlichen. Herzlichen Dank dafür!)

Die Höhlen am Rosenstein

Es hat auch sein Gutes, wenn man den Weg von hinten aufzäumt, denn so standen wir gleich vor einer der gut 40 Höhlen, die es am Rosenstein gibt.

Die Kleine Scheuer

ist eine davon, und befindet sich direkt unter der Burgruine am Rosenstein. Die entstand schon zu Neandertalerzeit als Aufenthaltsort. Funde in der Höhle haben dies belegt. Auch belegt wurde, dass sich ein Höhlenbär die Aushöhlung im Stein zu seinem Unterschlupf erkoren hat.

Wer mehr Höhlen möchte, die Kleine Scheuer und weitere Höhlen, wie die Große Scheuer oder das Finstere Loch, der ist hier am Rosenstein gut aufgehoben. Wir haben uns mit einem Blick in die Kleine Scheuer zufrieden gegeben.

Über einen Treppenweg ging es weiter zur Burgruine …

So wie wir diesen Weg gleich am Anfang hatte, der darf ihn natürlich auch gehen, wer zum Fels hinunter möchte.

Auf dem Weg nach oben gab es schon einen Eindruck wie die Burg zu damaliger Zeit gesichert war. Da die Burg Rosenstein als eine Höhenburg auf einem Felssporn errichtet wurde, war sie von der Felsseite von drei Seiten her schonmal geschützt. Also brauchte es noch eine Sicherung zur ‚verwundbaren‘ Seite. Die schuf man sich mit einem Halsgraben, der bis zu 20 Meter tief angelegt wurde. War es früher eine Zugbrücke die von dieser Seite zur Burg führte, so ist es seit 1892 eine Stahlbrücke.

Stahlbrücke zur Burgruine Rosenstein 1065

Und da war sie dann –

die Burgruine Rosenstein

die man von unten schon von Weitem sieht.

Bevor noch weitere Fotos folgen,

ein bisschen Geschichte zur Burgruine Rosenstein

und die geht in die Stauferzeit zurück, weshalb ich sie auch mit meinen ‚Stauferspuren‘ verbunden habe. Immerhin liegt die Ruine auch als Sehenswürdigkeit an der Straße der Staufer. Die Westmauer soll in der Zeit des Stauferkaisers Friedrich II. und seines Sohnes König Heinrich erbaut worden sein. Es war eine Zeit in der Buckelquader zum Bau verwendet wurden, so wie auch bei der Burgruine Hohenrechberg oder dem Wäscherschloss. Die Burg befand sich schon im Besitz der Grafen von Dillingen. Irgendwie hatten die ja zu damaliger Zeit alle untereinander ein Gemauschel, denn 1191 kam die Burg als Lehen von den Staufern zu den Hacken von Wöllstein.

Ich nenn es immer das ‚Ringlein-Spiel‘ (Ringlein, Ringlein du musst wandern, von einer Hand zur Andern) das auch auf der Burg Rosenstein begann. Als das Staufergeschlecht ausgestorben war ging die Burg in den Besitz der Grafen zu Oettingen. Die von Wöllstein waren Gefolgsleute von den Oettingern. Die Burg Lauterburg (ganz in der Nähe und noch auf meinem ‚da muss ich hin-Plan‘) gehörte auch in deren Besitz. Und in deren Händen blieb dann die Burg Rosenstein erstmal, so wie die Stadt zu Fuße der Burg, Heubach, auch. Schon damals war es so – brauch ich Geld, verpfände ich meinen Besitz. So war es wohl auch bei den Grafen von Oettingen. Sie verpfänden die Stadt samt Burg an Graf Eberhard II. von Württemberg.

Dieser Herr Graf war ja nur sowas wie ein Landvogt des Gebietes Württemberg, berufen von Kaiser Karl IV., dem Kaiser des Römisch-deutschen Reiches, der mir bei unserer Reise im Juni 2020 nach Prag an allen Ecken und Enden über den Weg gelaufen ist. Jedenfalls passte dem Kaiser nicht, wie Eberhard und sein Bruder Ulrich mit ihrer Macht in ihren Bezirken umgingen. Die beiden haben ja die Regentschaft für Württemberg aufgeteilt, Ulrich war für den östlichen Teil und Stuttgart zuständig, Eberhard für den westlichen Teil, also auch für die Ostalb. Mehr über die beiden könnt ihr in meinen Berichten Waiblingen und Bad Urach nachlesen. Es kam der Rüffel vom Kaiser, mit der Aufforderung ihre Bedrückungen zu unterlassen. Was den beiden wohl, gelinde gesagt, schnurz war. Im Gegenteil, Eberhard wollte dem Kaiser mit seiner Streitmacht Paroli bieten. Lässt sich doch ganz klar ein Kaiser des Reiches nicht gefallen. Bei Schorndorf kam es zur Schlacht zwischen Kaisertruppen und denen von Eberhard, wo es so ähnlich war bei David und Goliath. Der Kaiser konnte ermüdete Männer ablösen, dem Grafen gingen die Mannen aus – er musste sich zurückziehen, gab aber immer noch nicht richtig auf. Erst als Karl IV. mit Verwüstungen begann, gab er klein bei. 1360 war es, und in der Folge musste Eberhard II. Heubach samt der Burg Rosenstein an Kaiser Karl IV. abtreten. Damit wurde Heubach, zumindest für kurze Zeit, eine freie Reichsstadt.

Das Ringlein wandert weiter – 1377 wurde Heubach und die Burg wieder an Württemberg zurück verpfändet. Der Nachfolger von Eberhard II., die nur durchnummeriert haben, also Eberhard III. belehnte dann 1413 (unter Vorbehalt des Rückkaufs) die Herren von Wöllwarth. Ein Erbe der Herrschaft war es auf der Burg wohl zu unbequem. Er baute sich in der Stadt Heubach ein Schloss und verließ so vor 1524 die Burg. Später wird die Burg von den Württembergern wieder zurückgekauft. Aber die Burg verfällt, weil sich ja keiner mehr kümmert. Den Heubachern wars wohl recht, für sie wurde die Burg mit den verfallenden Mauern zum Steinbruch. Schon 1572 gibt es Ansichten der Burg Rosenstein, die sie als Ruine zeigen. Von der Westwand ließen sie aber die Finger weg. Diese Mauer des Palas ist fünf Meter hoch und hat zwei Meter starke Mauern.

Vier Fenster in der Ruinenwand bieten herrliche

Ausblicke von der Ruine Rosenstein

ins Umland und hinunter zur Stadt Heubach.

Ausblicke von der Ruine Rosenstein 1117
Ausblicke von der Ruine Rosenstein 1119
Ausblicke von der Ruine Rosenstein 1125

Die Sage vom Herrgottstritt

soll sich am Rosenstein und dem gegenüberliegenden Scheuelberg ereignet haben. Zwei Überirdische wollten ihre Kräfte messen – der Teufel und Christus. Vom Rosenstein aus wollte der Teufel Christus die Reichtümer der Welt zeigen, und auch schenken. Aber nur, wenn er ihn, den Teufel anbeten würde.
WAS für ein Ansinnen! Christus befahl dem Teufel, dass er weichen solle. Entweder stürzte er – oder wurde geworfen (da teilen sich die Aussagen) in die Schlucht, die heute Teufelsklinge heißt.
Christus schritt über das Tal bei Heubach. Sein rechter Fußabdruck soll lange Zeit am Rosenstein gesehen worden sein, der linke Fuß am Scheuelberg (rechtes Foto in der oberen Reihe). Das Wasser, das sich im Hergottstritt gesammelt hat, soll ein Heilwasser für Augen- und Beinleiden gewesen sein. Soll … denn es ist eine Sage. Auch findet sich auf beiden Seite heute kein Fußabdruck mehr.

Der Teufel wäre kein Teufel, würde er dies so klaglos hinnehmen. Er soll – wohl auch heute noch – grummeln und rumoren und in seinem unterirdischen Gefängnis toben.

Aus den Deutschen Sagen von den Gebrüder Grimm

Die Stahlbrücke zur Burgruine Rosenstein

habt ihr ja schon weiter oben von unten gesehen. Über diese kommt ihr, wenn ihr den Parkplatz oben anfahrt oder von der kleinen Wirtschaft herkommt.
Wenn man den Schlüssel so weit in die Tiefe werfen kann, ist die Brücke auch ein ideales Plätzchen für Liebesschlösser. Für immer und ewig …

Noch ein Blick zurück zur Ruine und wir gehen anschließend weiter.

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Aussichtspunkt vom Rosenstein

Da der nur so etwa 700 Meter vom Parkplatz entfernt liegt, bietet sich das Plätzchen auch für schöne Sonnenuntergänge an.
Damit man von diesem Standort ganz genau weiß, wo liegt eigentlich was, kann man dies auf einer Platte wunderbar ablesen und hat den vollen Überblick 🙂

Wer über 15.000 Jahre Siedlungsgeschichte etwas erfahren möchte, der kann auf dem 2018 geschaffenen

„archaeopfad Rosenstein“

wandern. 6 km ist der Rundweg lang und führt von der Steinzeit bis hin zum Mittelalter. Mittendrin kann man sich bei der „Waldschenke Rosenstein“ stärken, die aber bei unserem Besuch im Lock-down light bereits geschlossen hatte.

 

Ein herrlicher Ausflug ging mit dem Rückweg zu Fridolin zu Ende. Ihr seht, ein Ausflug zum Rosenstein kann schon einen Tag ausfüllen und bietet dazu Natur in Hülle und Fülle. Und wer weiß 🙂 – da ich Fridolin ja jetzt abstellen kann ohne dass ich den Berg hochschnaufen muss, vielleicht wird uns der Rosenstein auch wieder einmal sehen.

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