Inmitten eines Wandergebietes findet man in dem kleinen Örtchen Haynsburg die gleichnamige Burg Haynsburg.

Fast könnte man an ihr vorbeifahren, wenn man, so wie wir, die Burg nicht explizit sucht. Denn von außen mutet die gesamte Anlage wie ein großer Hof an. Und so daneben liege ich damit gar nicht, denn in den großzügigen Außengebäuden ist ein Reiterhof untergebracht. Fridolin war mal wieder das einzige Fahrzeug auf dem Parkplatz. Aber das ist auf dieser Reise für ihn ja mittlerweile nichts Neues mehr.  Auf der heutigen Tour zu der Zeitzer Unterwelt und dem Dom und dem Stopp bei Schloß Droyßig stand er auch schon ganz verlassen auf den jeweiligen Parkplätzen da.

Lange war der Aufenthalt in der Burg nicht, denn außer einer Gaststätte mit Hotel (aber auch die hatte geschlossen, wie die vielen übrigen auch) und dem imposanten Bergfried ist hier nicht viel zu sehen. In den Gebäuden rings um den Turm sind eine Kindertagesstätte und Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung untergebracht.

Die Burganlage selber bildet ein, von Gebäuden umschlossenes, Viereck und wurde 1185 erstmals urkundlich erwähnt. Sie wurde mit dem Edelherren „Conradus de Hagensberg“ in Verbindung gebracht, und für einen kurzen Moment verdrängte ich das kühle Wetter und sah mich als Edelfräulein durch den Burghof spazieren …. so mit edlem Gewand und spitzem Hut mit Schleier dran, der im Wind flattert …..

Hab ich mit meinen Träumen jetzt zwei fußballspielende Jungs vertrieben? 🤔 Oder waren die so erschrocken, dass zwei Touristen zu dieser Jahreszeit Einlass zur Burg wollten? Auf jedenfall waren sie blitzartig verschwunden und ich fiel aus meinen Burgfräulein-Träumen. Naja, ob ich zu dieser Zeit überhaupt dort sein wollte? Schließlich diente die Burg zur Straßensicherung von drei vorbeiführenden Höhenstraßen und zum Schutz der kaiserlichen Jagdpfalz und wechselte auch mehrfach den Besitzer. 1305 kam sie dann in den Besitz des Bistums Naumburg-Zeitz (wenn ihr meine Berichte aufmerksam verfolgt habt, dann scheinen die zu dieser Zeit ein sehr einnehmendes Wesen gehabt zu haben) und sie galt als das „stärkste Bollwerk“ im Bistum.

Im Gegensatz zur Burg Schönburg wurde die Haynsburg 1450 im Sächsischen Bruderkrieg nicht erstürmt und wurde zunächst von Bischof Peter von Schleinitz und 1515 unter Bischof Johannes III. von Schönburg ausgebaut, umgebaut und restauriert. Im 15. Jh. wurde die Burg bereits landwirtschaftlich genutzt. Auch nach der Auflösung des Bistums Naumburg-Zeitz und nach dem zweiten Weltkrieg blieb der landwirtschaftliche Charakter erhalten.

Gewaltig steht mitten im Burghof der knapp 25 Meter hohe Bergfried als ältester Teil, vermutlich um 1050 erbaut, der Burg. Mit einem Durchmesser von gut über 12 Meter und den dicken Außenmauern aus Sandstein blieb ein Innenraum von knapp 4,50 Meter übrig. Bis 1880 gab es keinen Eingang. Vermutlich konnte er nur mit Strickleitern bestiegen werden, bot aber bei Notwendigkeit damit eine sichere Zuflucht. Auf einem Unterteil mit 12 Metern Höhe steht ein weiterer Turmaufbau mit nochmal über 24 Metern Höhe. Dieser Aufsatz enthielt die Tür zum Inneren.
Wir waren ja mittlerweile auf unseren Reisen schon auf vielen Burgen, aber so einen Turm habe ich hier in Haynsburg zum ersten Mal gesehen. Der Turm ist übrigens begehbar, ich blieb aber lieber unten.

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