Die Reeperbahn, eine Amüsiermeile die untrennbar mit dem Stadtteil St. Pauli verbunden ist. Dabei bietet Hamburgs Stadtteil St. Pauli mit einem besonderen Flair noch viel mehr.

Als es an die letzten Reisevorbereitungen für “fünf Tage in Hamburg” ging, schaute ich mir mal genauer an, wo denn unser Hotel liegt. So den groben Überblick hatte ich ja bei der Buchung bereits, aber eigentlich brauchen wir ja für diese Tage nur ein sauberes Bett, ein Bad und ein leckeres Frühstück. Wir sind ja eh den ganzen Tag unterwegs. In der Nähe der Reeperbahn und zentral …. so versprach es die Werbung des Hotels. Als Fridolin in die Hotelgarage einbog und wir auf der Straße standen, erkannten wir mit einem Blick – Stimmt!!

Unser Hotel zählte bereits zu Altona, aber einmal über die Straße und wir stehen auf DER wohl bekanntesten Straße von Hamburg – auf der Reeperbahn. Zentral lag es auch, denn auf der anderen Straßenseite war mit der S-Bahn-Station gegeben, dass wir blitzschnell an die von uns gewünschten Ziele kommen.
Gleich ein Tipp für euch: Gönnt euch die Tageskarten der Hamburg Card, ab zwei Personen seid ihr eine Gruppe. Damit könnt ihr kreuz und quer mit allen Öffis, einschließlich der Hafenfähren, durch Hamburg fahren. Zudem erhaltet ihr noch ermäßigten Eintritt bei vielen Sehenswürdigkeiten. Wir haben diese Option gut ausgenützt und sind oft für nur ‘einen Sprung’ weiter, mal kurz in Bus, S- oder U-Bahn eingestiegen. Meine, und bestimmt auch eure Füße werden es euch danken 🙂

Für den restlichen Ankunftstag haben wir aber ausschließlich unsere Füße bemüht (für Nichtschwaben, die jetzt sagen – Mädel, Beine!! Für uns Schwaben ist alles was von den Hüften abwärts geht Füß 😀 😀 ) Kommt mit zu

meiner Erkundung von St. Pauli in Hamburg

die abseits der Reeperbahn, in einem fast schon ruhigen Wohngebiet beginnt. Ja, solche Ecken gibt es auf St. Pauli zur Genüge. Aber die Verbindung mit diesem Stadtteil beschränkt sich meist nur auf die Amüsiermeile und die Landungsbrücken. Wir haben als erstes (auf dem Weg zu den Landungsbrücken) DER Kirche einen Besuch abgestattet, die dem Stadtteil seinen Namen gab. Obwohl ja heute die Kirche zum Stadtteil Altona gehört. Egal 🙂 ich zähle

die St. Pauli Kirche in Hamburg

jetzt einfach mit zu St. Pauli. Mit viel Glück kamen wir in den Genuss einer offenen Kirchentür, denn normalerweise ist diese Kirche (außer zu den Gottesdiensten) immer geschlossen. 1682 war der Beginn der Geschichte der Kirche mit einer kleinen Fachwerkkapelle, die 1813 auf französischen Befehl hin abgebrannt wurde, so wie der damalige ganze Stadtteil auch. Während es lange Zeit brauchte, um den Stadtteil wieder aufzubauen, war die Kirche schneller.

Wollt ihr mehr über diese außergewöhnliche Kirche erfahren? Es gibt einen kompletten Bericht darüber auf meinem Reise- und Fotoblog.

Einen ersten Einblick für Lust auf mehr bekommt ihr aber ….

Wir suchten uns nach dem Besuch der Kirche den kürzesten Weg hinunter zur

Hafenstraße in St. Pauli

Noch bevor es viele Treppen hinunter ging, kann man von oben einen Blick auf Hamburgs HafenCity werfen. Der Antonipark in der Nähe der Kirche bietet sich für diesen Blick perfekt an. Ein kleiner öffentlicher Park inmitten von vielen Wohngebäuden. Zwischen den Landungsbrücken und der Reeperbahn befinden sich die Häuser, die in den 80iger Jahren für Schlagzeilen gesorgt haben. Denn in Baugutachten wurde den so um 1900 gebauten Häusern teilweise eine Unbewohnbarkeit attestiert. Niemals, dachten sich wohl einige, denn ab Ende 1981 wurden die Häuser nach und nach besetzt, was natürlich für Ärger mit dem Eigentümer, einer Wohnungsgesellschaft, führte. Es ging die Folgejahre nicht positiv hin und her, die Wohnungen sollten von den Besetzern geräumt werden. Schlussendlich gipfelte es 1986 in einem Großeinsatz der Polizei und zu einer Großdemonstration mit so locker mal 12.000 Protestierenden.

Kompromisse mussten her um da endlich Ruhe reinzubringen. 1995 wurden von der Stadt elf Häuser an eine dafür gegründete Genossenschaft verkauft, die die Häuser sanierte. Noch immer bietet die Hafenstraße mit diversen Themen Zündstoff zwischen Bevölkerungsgruppen und der Polizei. Mit den bemalten Häusern und dem ganzen Feeling, der Kulisse von HafenCity und den Landungsbrücken war die Hafenstraße in Hamburg mehrfach Drehort von Filmen.

Wir spürten das besondere Feeling, nachdem wir auf der Hafenstraße angekommen waren. Polizeipräsenz war an der Tagesordnung, und viele Menschen hatten wohl das gleiche Ziel wie wir – den Weg zu den Landungsbrücken. Kommt ihr übrigens mit dem Wohnmobil nach Hamburg, so findet ihr in der Hafenstraße einen Wohnmobilstellplatz.

Auf dem Weg zu den Landungsbrücken, erzähle ich euch noch

ein bisschen Geschichte zum Stadtteil St. Pauli in Hamburg

und der Stadtteil hieß ja erst ab 1833 so. Davor war es der Hamburger Berg, auf dem – man glaubt es kaum – die erste Besiedlung mit einem Zisterzienserinnen Kloster begann. 1247 war es. Und weil (auch heute noch) der Stadtteil auf einem Hang liegt, war es einfach der Hamburger Berg. Fünfzig Jahre lebten die Nonnen hier, aber bis 1306 war Wohnen dort für ‘Normalbürger’ lt. einer Verordnung nicht erlaubt. Aber wen juckt schon so eine Verordnung, oder? Allmählich entstand doch eine Besiedlung auf dem Berg, der den Übergang zwischen Hamburg und Altona, einer Fischersiedlung, darstellte. Zwei Tore sicherten den Stadtteil – das Nobistor und Millerntor.

Dann begann der Dreißigjährige Krieg, der seinen Ursprung im Königspalast auf der Prager Burg mit dem zweiten Fenstersturz nahm. Wenn ihr mehr darüber nachlesen wollt – ich stand im Juni 2020 dort wo alles begann, dann klickt auf meinen Bericht über den Königspalast auf der Burg. Hauptsächlich tobte dieser Religionskrieg ja im Süden, aber auch Hamburg musste sich durch Festungswälle schützen, die sie dann auch vor größeren Schäden bewahrte. Die Wälle zogen sich um die Stadt und legten eine Grenze zwischen Hamburg und dem Hamburger Berg, der fortan außerhalb der Stadt war. Das hatte zur Folge, dass sich viele eine Wohnung in der Stadt nicht leisten konnten und sich dann in den Vororten niederließen. Obwohl dies ja eigentlich verboten war, denn man bot hier so quasi eine Zielscheibe, weil nix geschützt war.

Das störte die Amüsierbetriebe, Prostituierte oder Gastwirte aber reichlich wenig, wollte man sie doch in der Stadt auch eh nicht haben. Auch ein Seuchenkrankenhaus fand seinen Platz auf dem Berg …. und mit der Zeit immer mehr und mehr, auch Handwerker oder Betriebe die in der Stadt nicht arbeiten durften. Alle zogen sie auf den Hamburger Berg. Unter den Handwerkern befanden sich auch Seilermacher, hier in Hamburg wurden sie Reepschläger genannt, die ab 1630 im Stadtteil aktiv wurden. Die benötigten für die Herstellung ihrer Seile lange Straßen, auf denen sie ihre Reepe oder Seile herstellen konnten. Die einzelnen gespannten Reepen wurden dann später miteinander verflochten und wurden zu dicken Trossen. Da die Bahnen locker mal so 400 Meter Länge haben sollten, lag es ja nahe, dass sie auf der längsten Straße des Stadtteils hergestellt wurden. Ahnt ihr jetzt schon, woher die Reeperbahn ihren Namen hat? Richtig! Genau von diesen Reepschlägern.

Wer arbeitet darf sich auch amüsieren, und so wurden es im 17. Jahrhundert immer mehr Amüsierbetriebe im Stadtteil. Ein Jahrmarkt kam dazu und die Städtler entdeckten den Hamburger Berg als Sonntagsziel.

Dann wurde alles anderes, nämlich von dem Moment an, als es mit der Niederlegung der Kaiserkrone von Franz II. keinen Verbund von deutschen Fürstentümer mehr gab, und das Deutsche Reich in Preußen, Österreich und in Napoleons Hände zerfiel. Davon konnte nicht nur Süddeutschland ein Lied davon singen, auch die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck mussten sich dazu zählen. Die bemühten sich zwar neutral zu bleiben, Hamburg sah auch Preußen als Beschützer bei sich, aber was nützt das alles, wenn Preußen gegen die französischen Truppen am 14. Oktober 1806 in einer Schlacht bei Jena und Auerstedt verloren hat? Nix wars mehr mit Schutz, und Napoleon besetzte am 19. November 1806 Hamburg. Es war zwecklos gegen Tausende von Soldaten Widerstand zu leisten, Hamburg ergab sich.

Die Besetzung wirkte sich auch auf den Stadtteil Hamburger Berg aus, denn die Bewohner erhielten von den Franzosen den Befehl, innerhalb von vier Tagen ihre Häuser zu räumen. Aus militärischen Gründen sollte der gesamte Stadtteil komplett abgerissen werden. Wie ging das schneller als mit abfackeln – 484 Gebäude und 297 Holzbuden wurden ein Raub der Flammen. Als die Franzosen dann endlich abgezogen waren, ging man Jahre später ans Werk den Stadtteil wieder aufzubauen – und das schöner und größer, als es vor dem Brand war.

1831 war es dann soweit, dass die Stadtteilbewohner auch die Hamburger Bürgerrechte bekamen. 1833 gab dann die St. Pauli Kirche dem Stadtteil seinen neuen Namen. Der Stadtteil wuchs und wuchs und schaffte es dann 1861 endlich, dass er nicht mehr von der Stadt abgeschnitten war und das Tor auch tagsüber geöffnet war – das Vergnügungsviertel auf der Reeperbahn boomte.

So, das wars erstmal mit Geschichte, wir sind jetzt nämlich bei den

St. Pauli Landungsbrücken in Hamburg

angekommen. Als ich mit meiner Tochter nach meiner Scheidung auf Städtetour ging, durfte Hamburg natürlich nicht fehlen. “Ich fühle mich erst in Hamburg, wenn ich die Elbe und die großen Schiffe gesehen habe.” Auch damals war einer unserer ersten Wege an die Landungsbrücken – genauso wie heute auch. Auch der Satz von damals steht immer noch, und für mich als “Wasserkind” gibt es nichts Schöneres als diesem Treiben da auf der Elbe zuzuschauen.

Natürlich auch nicht ganz uneigennützig, denn so langsam machte sich der Schlafmangel bemerkbar (kennt ihr das? ihr wollt ganz früh in der Nacht wegfahren und man muss doch davor unbedingt noch schlafen? Pffff … ich habe lange die Kirchturmuhr schlagen hören). Dazu die lange Fahrt von Süd nach Nord, und die Sonne, die es an diesem Tag wirklich gut mit uns meinte. An den vielen kleinen Verköstigungsbetrieben war es aber gar nicht so leicht, an diesem Sonntag mit vielen Menschen auf den Landungsbrücken, ein freies Plätzchen zu finden.

Und das bei 700 Meter Länge auf den Pontons, die man über bewegliche Brücken erreicht. Es war vielleicht ein Gewusel dort, denn von den Landungsbrücken legen die Elbfähren, die bis hinaus nach Finkenwerder fahren, hab und natürlich auch die unzählich vielen Schiffe die Hafenrundfahrten anbieten.

Alles über die Landungsbrücken und vor allem die vielen Fotos hier in diesen Bericht packen, wäre zuviel des Guten. Deshalb gibt es einen eigenen Bericht für die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Hamburgs.

Bevor es wieder zurück Richtung Hotel ging, mussten wir unbedingt noch bei der

Schwedischen-Gustaf-Adolfs-Kirche in Hamburg

vorbei. Ja, ich weiß, die älteste Seemanskirche im Portugiesenviertel gehört bereits nicht mehr zu St. Pauli, sondern zur Hamburger Neustadt. Aber so ein kleiner Schlenker ist erlaubt, zumal wir diese Ecke ansonsten nicht mehr auf unserem ‘Da-müssen-wir-unbedingt-hin-Zettel’ haben. Wenn ihr die Zeit habt, macht einen Bummel durch dieses Viertel mit engen Sträßchen und kleinen urigen Restaurants und Kneipen quer durch die Welt der Länderküchen. Kleine Lädelchen tun ihr übriges zu einer ganz besonderen Atmosphäre, in der zugewanderte Familien in den 1960er Jahren eine Heimat fanden.

Dass im Norden die Klinkerbauweise überreichlich zu finden ist, habe ich ja schon bei der St. Pauli Kirche gemerkt. Das 1907 erbaute, denkmalgeschützte Backsteingebäude ist schon ein Hingucker, sieht aber in keinster Weise nach einer Kirche aus. Sie soll auch im Inneren ein wahres Schätzchen sein, mit ihren wertvollen Malereien und Schnitzereien. Ihr merkt schon an meiner Wortwahl “Soll”, denn gesehen haben wir sie nur von außen. Unser Los “geschlossen” hat wieder voll zugeschlagen.

Damals, als seit 1883 viele schwedische Seeleute in Hamburg eine Kolonie hatten, wurden bereits schwedische Gottesdienste gehalten, aber halt nicht in einer eigenen Kirche. Zu Ehren des schwedischen Königs Gustav II. Adolf wurde die Kirche 1907 geweiht und soll 300 Menschen Platz bieten. Als wäre ein besonderer Schutz über dem Gotteshaus, hielt es den Angriffen im Zweiten Weltkrieg stand, und wurde nicht, wie viele unzählige andere Gebäude, beschädigt.

Die Flagge am Gebäude zeigt schon von weitem, dass ihr hier richtig seid. Und weht auch gleichzeitig für das Schwedische Konsulat, welches im gleichen Gebäude untergebracht ist.

So, nach diesem kurzen Abstecher geht es jetzt aber wieder zurück nach St. Pauli und so richtig hinein in das Bild, das man von St. Pauli wohl so landläufig hat. Wir gehen

auf der Davidstraße in Hamburg

entlang, die die St. Pauli Hafenstraße mit der Reeperbahn verbindet. Wenn ihr euch die Straßennamenschilder in dem Viertel genauer anschaut, so werdet ihr lauter männliche Namen vorfinden – Davidstraße, Gerhardstraße, Erichstraße, Friedrichstraße. Es wurde zu damaliger Zeit so entschieden, dass dieses Viertel nur männliche Vornamen für Straßennamen bekommt. Und dann ist hier natürlich noch DIE Straße der Straßen in St. Pauli –

die Herbertstraße auf St. Pauli

mit dem Touch von verrucht, geheimnisvoll – und die bekannteste Straße im Rotlichtviertel. Wüsste man nicht, dass die etwa 100 Meter lange Seitenstraße von der Davidstraße abgeht, man könnte sie glatt übersehen. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Prostitution und Stiptease verboten, was jedoch auf St. Pauli kaum jemand scherte. Also wurde dieses Gewerbe nur in einer Gasse geduldet, und dann bitteschön auch so, dass niemand etwas davon mitbekommt. Und wie kann man dies besser verhindern, als mit einem großen Tor als Sichtblenden? Noch heute stehen vor den bunten Häusern der Herbertstraße diese Sichtblenden – und mit einem großen Schild wird hier deutlich gemacht, dass Frauen und Minderjährigen der Zutritt zur Straße verboten ist. Versteht sich, wenn hinter den Toren die Frauen ihre Dienste anbieten.

Eigentlich ist die Davidstraße eine kleine normale Straßen, wie wir sie z.B. in Prag sehr oft gesehen haben. Es reihen sich kleine Imbisse, Gaststätten und Souvenierläden wie an einer Perlenkette auf beiden Straßenseiten auf. Wäre da nicht der Ruf des Verruchten – man ist auf St. Pauli. Ja, man ist immer noch ‘auf’ St. Pauli, einfach, weil der Hamburger Berg (und jetzt St. Pauli) auf einer Anhöhe liegt.

Am Ende (oder am Anfang, je nach Beginn des Bummels) liegt die

Davidwache an der Davidstraße auf St. Pauli

das wohl bekannteste und berühmteste Polizeirevier, nicht nur in Hamburg. Direkt auf dem Kiez, an der Reeperbahn wurde der Bau 1914 erstellt. Auch in einem Vorort muss für Recht und Ordnung gesorgt werden. Deshalb wurde 1840 vom Hamburger Senat der Bau einer Polizeiwache genehmigt. Der platzte jedoch 1867 schon aus allen Nähten, und so zog die Wache 1868 an den heutigen Standort um.

Je größer ein Vergnügungsviertel wird, desto mehr braucht es die Präsenz der Polizei. Selbst wenn wir Abends ins Hotel zurückkamen, sah man ständig Polizeiautos fahren, mal mit, mal ohne Martinshorn. Ich glaube, über mangelnde Arbeit können sich hier im Kiez auf St. Pauli die Polizisten nicht beschweren. Irgendwann wurde der Bau wieder zu klein, und man entschloss sich nach vielem Hin und Her zu einem Neubau am gleichen Standort. Was nicht wirklich jedem gefiel, denn auch hier direkt am Spielbudenplatz und einen Steinwurf von der Reeperbahn entfernt, wollte man nicht ständig unter der Aufsicht der Ordnungshüter sein. Pech, das Gebäude wurde 1914 gebaut. Ganz offiziell erhielt die Davidwache im Oktober 1970 das Recht, sich offiziell so zu nennen, was ja bereits seit über 100 Jahren so genannt wurde. Aber halt nur im Volksmund.

Ich war mal wieder als ‘Hans guck in die Luft’ unterwegs. Fast könnte man meinen, die Köpfe an dem denkmalgeschützten Gebäude nehmen den Beamten durch ihre Beobachtungsposten ein bisschen Arbeit ab.
Weltbekannt wurde das kleinste Polizeirevier von Europa durch Film und Fernsehen, vor allem durch die Serie “Großstadtrevier” mit dem unvergessenen Jan Fedder (dem wir auch einen Besuch an seiner letzten Ruhestätte abgestattet haben).

Wir sind mittlerweile am

Spielbudenplatz auf St. Pauli

angekommen, der sich auf der Südseite der Reeperbahn befindet. Dass ihr hier richtig seid, könnt ihr auch an einem Hochhausbau erkennen. So wie Prag sein bekanntes Tanzendes Haus hat, so hat St. Pauli seine

Tanzenden Türme in Hamburg

Zwei Hochhäuser, die ihr am Besten in voller Kulisse vom Michel herunter sehen könnt, stehen am östlichen Eingang zur Reeperbahn. War früher, so um 1889, hier ein beliebtes Tanzlokal, verwaiste Anfang 2000 dieser Bereich. Man wollte etwas ganz Neues auf diesem Grundstück, rief einen Architekturwettbewerb aus, aus dem 2003 der Sieger hervorging. Der Architekt präsentierte zwei Türme in Form eines tanzenden Paares, das sich dem Tangotanz hingibt. Was würde besser zur Reeperbahn passen, als die Vereinigung von Musik und Sex (der Tango versprüht ja Erotik pur) in Form eines Hochhauses. Naja, diese Idee kam wohl bei den Bewohnern des Stadtteils nicht so wirklich gut an. Ein reiner Bürokomplex, ein Luxushotel? – und das auf dem Kiez, der so ein ganz anderes Erscheinungsbild hat? Alles Murren und Motzen half nichts, in drei Jahren Bauzeit entstanden ab September 2009 die zwei Glas- und Stahltürme, die sich 75 und 85 Meter in die Höhe strecken. Mehrere hundert Menschen haben heute hier ihren Arbeitsplatz.

Und wenn ihr die zwei Türme seht wisst ihr, dahinter liegt St. Pauli.

Tanzende Türme Hamburg 8612
Tanzende Türme Hamburg 8614

Zwischen den Tanzenden Türmen und der Davidwache haben noch viele bekannte Sehenswürdigkeiten ihren Platz, z.B. das Wachsfigurenkabinett Panoptikum, das Operettenhaus oder das Schmidt Theater. Direkt neben der Davidwache befindet sich

das St. Pauli Theater in Hamburg

als das älteste private Theater in Hamburg und eines der Ältesten in ganz Deutschland. Ende Mai 1841 öffnete es zum ersten Mal die Türen. Die Besitzer wechselten im Laufe der Zeit, und 1884 wurde es als Ernst Drucker Theater mit seinen Volksstücken erfolgreich. Nach dem Tod des Inhabers wanderte das Theater in andere Hände weiter, bis 1941 den Nationalsozialisten auffiel, dass der frühere Namensgeber des Theaters ein Jude war. Nein, unmöglich dass der Namen so bestehen blieb – eine lange Traditon wurde beendet und das Theater bekam einen neuen Namen – St. Pauli Theater.

Das Glück war dem Theater im Zweiten Weltkrieg hold, es wurde nicht beschädigt, und konnte Ende August 1945 den Spielbetrieb mit der “Zitronenjette” wieder aufnehmen. Aus dem Leben der Zitronenjette muss ich euch doch ganz kurz erzählen, ist sie doch ein Hamburger Original. Klein, aber oho kann man da nur sagen, denn sie brachte es auf nur 1,32 Meter Größe. Für ihren Lebensunterhalt von ihr und ihrer jüngeren Schwester verkaufte sie tagsüber Zitronen in der Innenstadt Hamburgs. Nachts traf man sie dann in den Kneipen auf St. Pauli an, was nicht ohne Folgen blieb. Sie wurde zur Alkoholikerin und die Polizei fand sie auch tagsüber mehrfach in betrunkenem Zustand. Bis zu ihrem Tod lebte sie dann – obwohl nicht geistesgestört – in der Irrenanstalt Friedrichsberg.

Bereits zu Lebzeiten wurde ihr Leben in einem Volksstück auf St. Pauli aufgeführt. Die Figur von der Zitronenjette findet ihr in der Nähe vom Michel – in dem Viertel hatte Henriette Johanne Marie Müller (so hieß die Zitronenjette mit richtigem Namen) ihre Wohnstätte. Die Älteren unter meinen Lesern werden den Schauspieler der die Zitronenjette verkörperte bestimmt noch kennen – Henry Vahl. Es war seine letzte große Rolle.

So richtig bekannt wurde das denkmalgeschützte St. Pauli Theater mit ihm – Freddy Quinn“Der Junge von St. Pauli”. Dieses Musical wurde mit vielen anderen niederdeutschen Mundarttheaterstücken ab 1970 aufgeführt. Mit den Jahren änderte sich aber das Theaterangebot mehr und mehr.

St. Pauli Theater Hamburg 6139
St. Pauli Theater Hamburg 6136

Wer meine Berichte kennt, der weiß, dass ich mich mit meiner “Emma” immer so richtig fotografisch austobe. Dagegen ist dieser Bericht Fototechnisch gesehen ja wirklich nichts. “Hattest du keine Lust zum Fotografieren?” – Oh doch, Lust schon – aber es war auch ganz schön was los, an diesem Sonntagnachmittag auf St. Pauli. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich schmückendes Beiwerk in Form von Menschen auf meinen Fotos überhaupt nicht mag. Fast ein Ding der Unmöglichkeit ein Foto ‘ohne’ zu bekommen.

Es gab aber noch einen Grund, warum ich meine “Emma” meist verdeckt unter einer leichten Jacke hatte. Das Publikum auf St. Pauli ist sehr vielfältig, das hat uns ja der nette Herr bei der Kirchenbesichtigung der St. Pauli Kirche schon angedeutet. Man findet tatsächlich auf St. Pauli jedes Klientel. Da wird sogar auf offener Straße gedealt. Als ich Anfangs die Blicke auf meine Emma bemerkte, tat ich mich doch besser daran, sie nicht offen zu tragen. Denn auch offensive Betteleien sind hier auf St. Pauli mehr an der Tagesordnung als in anderen Stadtbereichen.

Auf dem Weg zurück ins Hotel – mittlerweile rief mein ganzer Körper nach ausruhen – kamen wir an der wohl bekanntesten Straße Hamburgs vorbei,

Große Freiheit auf St. Pauli

DIE Vergnügungsmeile in Hamburg. Für mich steht ‘Hamburg’ als Tor zur Welt tatsächlich für die große Freiheit, zwar in einem anderen Kontext als sie die Vergnügungsstraße symbolisiert. Aber vielleicht war es 1611/12 auch das Besondere an Freiheit, als dieser gleichnamige Bezirk eingerichtet wurde. Es gab eine Kleine und eine Große Freiheit, in denen Handwerker völlig frei von einer Zugehörigkeit zu einer Zunft ihr Gewerbe ausüben konnte. Natürlich gegen eine Abgabe versteht sich. Gleiches galt auch für religiöse Minderheiten – die Freiheit, hier unbehelligt leben zu können. Während die Straße früher noch zu Altona gehörte, zählt sie heute zu St. Pauli.

Heute ist die Große Freiheit die Heimat der Szene auf St. Pauli, das Nachtleben spielt sich hier ab. Aber nicht nur heute ist es so, ab den 40er Jahren war es die Partymeile Hamburgs und die Beatles hatten ihren ersten Auftritt in der Großen Freiheit, bevor sie dann weltberühmt wurden.

Ihnen wurde direkt an der Einmündung zur Großen Freiheit ein Denkmal gesetzt –

Der Beatles-Platz auf St. Pauli

der in der Gestaltung ganz den Pilzköpfen entspricht. Optisch an eine Vinyl Schallplatte angelegt, wurde der 29 Meter kreisrunde Platz mit schwarzem Bodenbelag versehen. Am Rand des Platzes, neben Sitzbänken sind die Beatles verteilt als fünf Silhouetten-Skulpturen zu bewundern. Auch hier war ein Foto unmöglich, da reges Treiben auf dem Platz herrschte. Ihr müsst ihn also wohl selber vor Ort anschauen 🙂

Viele laufen bestimmt achtlos daran vorbei – ist ja ‘nur’ eine Laterne. Ja, ist sie, aber wie ich finde doch eine beachtenswerte. Und DA stand mir dann auch wirklich keiner im Weg 😀
Kurz vor dem Straßenübergang stand sie da, man sieht Altona ist nicht weit …. und damit auch unser Hotel.

Dann könnten wir doch heute Abend etwas Essbares auf der Reeperbahn suchen? Denn große Lust für Innenstadt hatten wir an diesem vollbepackten Tag mit Anfahrt und erstem Sightseeing nicht mehr. Schließlich bieten hier viele Lokale ihre Speisen an. Es blieb jedoch bei dem Vorsatz hier etwas zu essen – und das nicht etwa, weil wir die Zeit verschlafen hätten. Nein! Passt auf, wenn hier noch die bisherigen Coronaregeln gelten, denn um 19 Uhr werden die’Gehwege auf St. Pauli hochgeklappt’ – nix geht mehr – Ruhe im Kiez!

Das alles wussten wir noch nicht, als wir uns in einem Lokal niederließen und bestellten. Der Kellner kam mit zwei Bier daher. Hääää … wir hatten doch gar keins bestellt!?! Zähneknirschend und mit dem nettesten Lächeln machte er uns klar, dass die Küche aufgrund dieser Regeln nichts mehr hergab – wir waren etwas zu spät. Dafür gabs ein Bier aufs Haus. Er erklärte uns, dass dies hier auf St. Pauli und im Schanzenviertel die Bestimmungen wären. So leid es mir für die ganzen Betriebe hier auch tat, mein Herz hat doch auch etwas gejubelt ….. wir hatten ruhige Nächte 🙂

Auch unsere Mägen haben noch etwas bekommen, dem Hotel sei Dank, das kleine Bistro-Gerichte im Angebot hatte. Und ich war an diesem Abend ratzfatz im Reich der Träume – und in Vorfreude auf den nächsten Tag in Hamburgs Innenstadt.

Auf St. Pauli Hamburg 6145
Auf St. Pauli Hamburg 6147
Auf St. Pauli Hamburg 6149

So kommt ihr nach St. Pauli in Hamburg