Eine historische Kulturlandschaft und ein ausgedehntes Niederungsgebiet – das zeichnet die Region für einen Urlaub im Spreewald aus. Und unmittelbar in Verbindung mit dem Namen „Spreewald“ sind die Kanäle auf der Spree und natürlich auch die Spreewaldgurken.

Dieses herrliche Fleckchen Erde sollte jetzt für 10 Tage unser Urlaubsziel werden. „Urlaub im Spreewald“ Sollte …
Schon lange war es unser Ziel, den Spreewald zu erkunden, aber von unserem Wohnort im Schwabenland gefühlt ‚eine halbe Weltreise‘ dorthin. Das muss sich dann schon lohnen, diesen Weg zu fahren. Da wir im Juni eh vier Tage Dresden auf unserem Plan hatten, lag es dann nahe, dass wir kurzerhand die paar Kilometer weiter in den Spreewald fahren.

Und so habe ich mich kurz vor der Reise nach Dresden damit befasst ‚du musst noch eine Ferienwohnung organisieren.‘ Unsere Urlaubsplanung ist durch Corona auf ’spontan‘ umgestellt worden. Da wir, außer mal für ein Wochenende, keine Hotelaufenthalte bevorzugen, ist meine liebste Plattform für die Suche nach einer Ferienwohnung mittlerweile AirBnB geworden. Aber für den Spreewald war es gar nicht so einfach für den, schon festen Zeitraum, dort eine Wohnung zu finden. Es gehört für mich zu einer Reisevorbereitung, dass ich mich im Vorfeld über mögliche Ziele schlau mache – was gibt es dort Besonderes zu besichtigen, wie weit liegen diese Ziele von einer möglichen Unterkunft entfernt usw. Schließlich – und ihr kennt es sicher aus meinen Berichten – wir schaffen es maximal für einen, oder auch mal zwei Tage, weitgehendst gar nichts zu tun. Naja, ich zumindest 🙂 Denn für meinen Mann bedeutet diese Zeit dann, dass er weiter an seinen Kundenaufträge arbeitet, die ja immer mit in den Urlaub reisen. (Obwohl er ja oft auch nach unseren Ausflügen Abends an seinen Aufträgen arbeitet.)

Nach dem Studium der Informationen zur Wohnung haben wir zugeschlagen – DIESE Wohnung sollte für 10 Tagen unsere sein. Aber keine Buchung bei uns, bevor ich mich bei den Vermietern rückversichere „gutes und stabiles Internet vorhanden? Mein Mann ist darauf angewiesen.“ Nach dem „Ja, vorhanden“ habe ich den Button „Buchen“ gedrückt – und mich gefreut wie ein kleines Kind „Wir fahren für 10 Tage in den Spreewald“.

„Fahre aber nicht von Dresden direkt dorthin, wir besichtigen noch Bautzen.“ So der Auftrag an unsere Lotte, die uns mit Fridolin einen geografischen Haken schlagen ließen. Aber was solls, von dort über Landstraßen sind wir auch in gut 2 Stunden in Calau, unserem Standortquartier.

Ich genieße jede Fahrt  quer durchs Land, abseits von Autobahnen. Auch wenn wir vielleicht etwas länger dafür brauchen, Anfahrtstag = Urlaubstag. Der schnellste Weg von Bautzen nach Calau war übers Lausitzer Seenland, vorbei am Senftenberger See – einfach herrlich.
Über lange Strecke führen wir durch die „Produktionsstätte für Streichhölzer“ 😀 Ich war doch sehr erstaunt, denn solch einen Anhäufung von Tannen habe ich zuvor noch nie gesehen. Für uns ist es seitdem die ‚Streichhölzlesstraße“ 😀 😀

Calau, die Stadt der Kalauer und ich war schon ganz gespannt, dem Kalauerweg durch die Stadt zu folgen. Endlich sind  wir da. Neiiiin, doch nicht, es ging noch ein bisschen weiter in einen kleinen, sehr ländlichen Vorort. (Und da sollte man bei einer Buchung über AirBnB wissen, dass man erst nach erfolgter Buchung den genauen Standort bekommt. Es ist also immer noch so ein kleines Überraschungsei dabei.)

Endlich geschafft, Blinker gesetzt – und herzlich wurden wir von dem Vermieterehepaar auf ihrem Hof begrüßt. Es war verkehrsmäßig nicht mehr viel los an diesem Sonntagabend. So habe ich mich nicht um die ‚kleine‘ Durchgangsstraße gekümmert, die am Haus vorbei führt. Auch als mich die Vermieterin mit schwammigen Sätzen darauf aufmerksam machte, winkte ich ab und meinte – „so schlimm wird das ja nicht werden“. Denn ich habe diesen Ort als kleines Dorf eingestuft.

Oh Inge 🙈 es ist Sonntagabend, nach 17 Uhr, da kehrt auf dem Dorf die Ruhe ein!!!
Müde, aber in Vorfreude „Spreewald“ verräumte ich unser Gepäck und wir haben es uns noch ein bisschen im Hof gemütlich gemacht. Und auf dem Plan für den nächsten Tag stand – NICHTS! Außer Ausschlafen und in den Tag hinein bummeln. Denn in Dresden mit unseren vielen Ausflügen war das ein Fremdwort. Oh, was habe ich mich gefreut! Denn immer wieder bin ich ein bekennender Langschläfer. Und dann eine schöne Tasse Kaffee – vielleicht auch draußen in der Sitzgruppe ….. *träum* …. denn das Wetter war traumhaft.

Aber am nächsten Morgen …… Hilfeeeeeeee …. was ist DAS??! Um 4.30 Uhr saß ich im Bett und dachte, es ist gerade ein LKW durchs Zimmer gefahren. Menno, Inge, du hast doch nichts getrunken am Abend. Hast du geträumt? Und ich kuschelte mich wieder ins Kissen. Wwwuuuuuummmmm …. der Nächste. Und noch einer, und noch einer …. ich hab aufgehört zu zählen, und an schlafen war gar nicht mehr zu denken.
Und es wurde nicht besser – auch nicht, als sich mein Mann um neun Uhr an seinen Laptop gesetzt hat. 30 Grad im Anmarsch und alle Fenster geschlossen …. Wwwwwummmmm, wwwwummmm, wwwwuuuuummmm
Mein Blick ging aus dem Fenster, und ich stellte mit Schrecken fest – von der Straße bis zum Schlaf- und Wohnzimmer sind es gerademal knapp 2 Meter. Allmächtiger 🙈🙈🙈🙈, das darf doch nicht wahr sein. (Im Garten ist es nicht aufgefallen und wir sind von der anderen Seite auf das Haus zugefahren. Das Vermieterwohnhaus stand auch mind. 5 Meter von der Straße weg.) So lässt es sich weder relaxen noch arbeiten.

Dann Programmänderung, wir gehen Lübbenau anschauen. Noch bevor wir uns ausgehfein gemacht haben, der nächste Schock.
Mein Mann: „Ich hab kein Handynetz, duuu???“ „Nein, ich auch nicht.“ Hmm ….  Mein Mann in den Hof zur Sitzgruppe … Hmm, nur ein Strich. „SO kann ich nicht arbeiten!“ Und er muss doch für seine Kunden erreichbar sein, auch deshalb, weil er eigene Server betreibt. Auch er kann ja nicht telefonieren.
Wir sahen uns ratlos an, aber in der Hoffnung dieses Problem mit einer zweiten Handynetz-Karte lösen zu können. Also noch ein Grund nach Lübbenau zu fahren.

Auf dem Hof trafen wir den Vermieter. „Na, haben sie gut geschlafen?“ Ich musste mich sehr zusammennehmen und meinte noch höflich „Nicht wirklich, ich saß um halb fünf im Bett.“ „Achsoooo, ja das kennen wir, vor allem am Wochenanfang. Da fahren sie alle zur Autobahn und am Freitag wieder zurück.“ Hääääääää????? Wie jetzt?? „Durch unseren Ort geht der Zubringer zur Autobahn.“ Neee, oder? 😱
Diese Nachricht hat meine Höflichkeit innerlich dann derart zusammenschrumpfen lassen, wie ich mich selbst so nicht kenne. Nach außen hin meinte ich dann beherrscht: „Das ist aber nicht die Art von Erholung und Urlaub, die wir uns vorgestellt haben. Jeden Morgen um halb fünf Uhr wach zu sein. Und Handynetz geht auch nicht.“
Zu diesem Zeitpunkt war ich noch gewillt, den nächsten Morgen abzuwarten – ich will doch Spreeeeeeewald!!!!

Optimistisch haben wir uns die zweiten Handykarten besorgt und haben dann Lübbenau erkundet. Schon schnuggelig, der Ort mit den vielen Fließen und Kähnen – aber auch gut gefüllt mit Touristen (denen man aber immer noch gut aus dem Weg gehen konnte). Bei einem Kaffee hielten wir Krisenrat ab. Was, wenn morgen früh genau dasselbe Spiel losgeht mit den LKWs und Autos? Aber wir wollten der Wohnung noch eine Chance geben, haben jedoch unsere Planung jetzt so ausgerichtet, dass wir das, was wir unbedingt im Spreewald erleben wollten, eben dann gleich morgen machen – eine Kanufahrt durch den Spreewald.

Wir haben uns bei einem Verleih gleich das Kanu für den nächsten Tag reservieren lassen und sind mit schönen Eindrücken aus der Stadt wieder in die Wohnung zurück.
Wwwuuuuum, wwwwuuuum, wwwuuuum – alles was morgens in die eine Richtung gefahren ist, scheint jetzt wieder zurückzufahren. Ich wurde zunehmend gereizter, was weder mein Mann noch ich an mir so kennen.
Als dann auch noch mein Mann mit der Botschaft kam „Auch das andere Handynetz funktioniert nicht in der Wohnung, nur draußen auf dem Hof, aber mit Abbrüchen“ und die nächste Hiobsbotschaft mit Internetabbrüchen, und seine ganze Arbeit der letzten halben Stunde für die Tonne war, hat dies meine Stimmung nicht in Höhenlage versetzt. Und wenn du nach jedem Schritt abspeicherst? Mein Mann sah mich an, wie wenn ich von einem außerirdischen Stern gelandet wäre. Ja, zugegeben, war eine blöde Idee jeden Arbeitsschritt zu speichern. Auch ich mache das nicht beim Blog schreiben.
Eigentlich war es jetzt schon beschlossene Sache – hier können wir nicht bleiben. Erholungsfaktor gleich null.

Lange Rede, kurzer Sinn – da Vermieter auch berufstätig sind, haben wir nach einer herrlichen Kanutour nach unserer Rückkehr mit ihnen geredet. In der Hoffnung, dass uns wenigstens der Gast-Zugang Internet in einen normalen Zugang gewährt wird.
Ich weiß nicht, was in diesem Gespräch den endgültigen Ausschlag gegeben hat, wieder die Koffer zu packen. War es die Aussage wegen dem Internet „Ich weiß ja nicht, ob ich ihnen trauen kann?“ oder wegen dem Verkehr „stand doch in der Beschreibung drin, 3fach verglaste Fenster und Straße!“ oder wegen meinem schlechten Gewissen zu stornieren „Machen sie, wir sind auf das Geld nicht angewiesen.“ oder die Aussage „Die meisten bleiben auch nur 3 Tage, sind den ganzen Tag unterwegs. So lange wie sie hat noch kaum jemand gebucht.“ Hmmm …..

Vermutlich war es alles zusammen! Und ich hörte mich unter Zustimmung meines Mannes sagen „Dann reisen wir morgen ab!“
Aber wohin? (An der Stelle war ich mega happy über AirBnB gebucht zu haben, mit einem Klick war storniert und eine halbe Stunde später war das Restgeld auf dem Konto.)
Jetzt ging die Suche los, die ich mir im Vorfeld mit dieser Buchung ersparen wollte. Ich war auf der Tourismusseite unterwegs – und im Hof (Wohnung ging ja nicht) hat mein Mann sieben Wohnungen angerufen – alle „leider belegt“. (Leute pflegt eure Belegungskalender!!) Okayyyyy ….. gibt es einen Plan B?

Ja, den gibt es. Wir setzen Brandenburg samt Spreewald für einen anderen Zeitpunkt auf unseren „Da möchten wir hin Plan“ und fahren wieder zurück nach Sachsen. Unsere SchlösserlandKarte hat noch einige Tage Gültigkeit und wir haben noch lange nicht alles in Sachsen gesehen.
Der Ort war uns jetzt egal, nur nicht an einer Durchgangsstraße und bitte mit funktionierendem Internet und Handynetz. Nach kurzer Suche und Austausch mit der Vermieterin, haben wir ein kleines Häuschen für uns allein in einem kleinen Ort an der Grenze zum Erzgebirgskreis gefunden. Und um es gleich vorweg zu nehmen – wir sind von einem extrem ins andere gefallen. Letztes Haus der Straße, neben uns Kühe und Pferde auf der Weide, keine vielbefahrene Durchgangsstraße, bzw. weit weg – wir waren happy, dann eben Urlaub in Großhartmannsdorf.

Tja, so spontan können wir in unseren Entscheidungen sein, die damit in diesem Urlaub auch noch nicht zu Ende sind 😀
Da wir ja jetzt wieder näher an der Grenze zu Tschechien lagen, kam der langgehegte Wunsch nach Prag zu fahren wieder hoch. Sind ja nur zwei Stunden bis dahin. Warten wir mal ab, wie bis in ein paar Tagen die allgemeine Coronalage ist, und im Besonderen im Nachbarland, die ab dem 15. Juni die Grenzen wieder öffnen.

Tja, so schnell können aus 10 geplanten Urlaubstagen nur 2 Tage im Spreewald werden.
Und so sammelt man eben auch seine Erfahrungen auf Reisen. Aber trotzdem bleiben die herrlichen Erinnerungen an diese zwei intensiven Tage im Spreewald über allen anderen Erfahrungen stehen.
Wir kommen wieder …..

Da ist der Spreewald