Hoch über dem Städtchen Freyburg liegt Schloss Neuenburg – die schönste Burg Sachsen-Anhalts und die älteste und größte Burg der Landgrafen von Thüringen. 

Wie oft auf unseren Reisen, packen wir zwei oder drei sehenswerte Orte, die nahe beieinanderliegen, in einen Tagesausflug. So war es auch an diesem vierten Adventssonntag. Ein paar Kilometer außerhalb Naumburgs (dort hatten wir unsere Ferienwohnung) besuchten wir in Roßbach den „Advent in den Weinbergen“ um dann, wieder ein paar Kilometer weiter, das kleine Städtchen Freyburg zu besichtigen. Hoch über dem kleinen Winzerstädtchen und von der Bundesstraße aus unübersehbar liegt Schloss Neuenburg auf einer Hochfläche.

An diesem Tag (und wie wir noch öfter in diesem Urlaub feststellen mussten) hat unsere ‚Lotte‘ sich mit ‚Fridolin‘ mal wieder verbündet und über Straßen gelotst, die uns einen genervten Blick entlockt haben. Auch jetzt zur Burg wählte Lotte einen Wirtschaftsweg quer durch die Pampa aus (warum auch immer), der mir ein Stoßgebet nach oben abrang ‚lass bitte keinen Gegenverkehr kommen und vor allem keinen der uns erwischt.‘ Mein Stoßgebet wurde erhört, der nächste zweifelnde Blick kam aber sehr schnell als wir auf der Straße vor der Burg standen. ‚Häh? Nur drei Parkplätze an der Straße?‘ Vielleicht hat Lotte bereits in Freyburg geahnt, dass einer davon für uns frei ist? Dass das Mädel auch anders kann, hat sie dann auf der Rückfahrt bewiesen. Und da war er dann auch zu sehen – ein riesengroßer Parkplatz! Lotte eben 🙈 🙈

Wie wir in Sachsen-Anhalt mehrfach festgestellt haben, trumpft dieses Bundesland mit vielen Superlativen. So auch bei Schloss Neuenburg. Dieses wurde von Graf Ludwig dem Springer 1090 erbaut. Eigentlich hieß der Thüringer ja Graf Ludwig von Schauenburg, wurde aber nur Ludwig der Springer genannt. Diesen Beinamen erhielt er einer Sage nach durch einen kühnen Sprung in die Saale, mit dem er seiner bevorstehenden Hinrichtung nach dem Mord an Friedrich III. entkam.

Über mehrere Jahrunderte wurde sie unter den Landgrafen von Thüringen prachtvoll ausgebaut. Es entstand eine weitläufige Anlage, die mit ihrer umbauten Fläche dreimal so groß wie die Wartburg ist. Und damit ist sie auch eine der größten Burgen Deutschlands überhaupt. Die Anlage ist in eine Vor- und eine Kernburg aufgeteilt. Noch heute sind große Teile des Mauerwerks aus dieser Zeit erhalten. Begrüßt wird man aber schon vor der Vorburg vom „dicken Wilhelm“. So wird der Turm, der vermutlich im 12. Jh. errichtet wurde,  seit dem 20. Jh. genannt. 23 Meter hoch und 14 Meter im Durchmesser bietet der als Wohnturm genutzte Bergfried. Von vielen Seiten faszinierend wuchtig und für die Vögel ein guter Anflugplatz.

Jetzt geht es in die Vorburg mit ihren vielen Gebäuden und einer Burgschänke.
Bevor es zum Tor zur Hauptburg geht, muss man unbedingt den Blick übers Land genießen. An diesem Tag konnte sich die Sonne nicht so richtig entscheiden ganz hervorzukommen.

Über die Schlosskasse geht es nun in die Innenburg. Die Eintrittspreise sind sehr moderat, mit 6,50 € seid ihr dabei das Schloss zu besichtigen. Mit zwei Euro Aufpreis ist noch eine Führung inclusive. Da im Schloss aber wirklich alles sehr ausführlich beschildert und beschrieben ist, haben wir uns diesen Aufpreis geschenkt.
Fotografieren ist leider in den Innenräumen nicht gestattet – schade. Umso mehr empfehle ich euch den Besuch von Schloss Neuenburg, da einige Räume wirklich sehr prachtvoll eingerichtet sind. Ab dem 13. Jh. fiel die Burg an das Haus Wettin und wurde im 16. und 17. Jh. zum Wohn- und Jagdschloss umgebaut. Unter preußischem Besitz wurde es dann Anfang des 19. Jh. zu einem beliebten Ausflugsziel. Heute zeichnet sich die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt als Träger für das Museum verantwortlich

Kommt mal mit zu einem Rundgang im Innenhof der Burg …

Als Glanzstück an der Straße der Romanik kann man tatsächlich dieses Kleinod im Schloss nennen – die Doppelkapelle. Entstanden ist sie mit dem Umbau der älteren Burgkirche ab 1170/75. Zwei übereiander liegende Kirchenräume, die durch eine kleine Öffnung miteinander verbunden sind. Die obere Kirche sehr prachtvoll ausgestattet. Was hat es damit auf sich?
Die Oberkirche war der fürstlichen Familie vorbehalten. Damit aber auch das übrige ‚Burgvolk‘ dem liturgischen Vorgang folgen konnte, ist für sie die Kirche im Untergeschoss gedacht.

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Im Schlosshof findet sich ein Reiterstandbild von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels, leider unvollständig. Es wurde 1722 anlässlich des 10jährigen Regierungsjubiläums des Herzogs im Barockstil errichtet und vor dem Schloss aufgebaut. Da das Schloss als Jagdschloss galt, war entsprechend die Ausstattung des Herzogs im Jagdkostüm. Nach dem Tod des Herzogs veranlasste sein Nachfolger die Verlegung des Standbilds in die Jagdanlage Klein-Friedenthal. 1774 wurde es an die Stadt Freyburg verkauft. Diese ließ das Monument vergolden und auf den Marktplatz überführen.
In der Nacht vom 8.-9.7.1948 wurde das Denkmal auf Geheiß eines FDJ-Funktionärs mit einem Traktor vom Sockel gerissen und achtlos im Stadtgraben liegen gelassen. 1993 wurden diese Fragmente bei Sanierungsarbeiten gefunden und geborgen.

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Es ist schon ein eigenartiges Gefühl beim Schlossrundgang durch die Zimmer und Türen zu gehen, durch die auch schon Elisabeth von Thüringen gegangen ist. Wer meinen Beitrag über den Dom in Naumburg gelesen hat, wird sich erinnern? Da war doch was? Ja, die Elisabethkapelle im Dom, die zu Ehren der Hl. Elisabeth von Thüringen errichtet ist.
Wie kommt sie zu Schloss Neuenburg? Unter ihrem Gatten Landgraf Ludwig IV. (1217-1227) erfolgte die letzte große Bauaktivität der Romanik auf Neuenburg. Mit seinem Tod endeten diese Baumaßnahmen. Als 14-jährige heiratete sie 1221 Ludwig, mit dem sie drei Kinder hatte. Es ist überliefert, dass diese Ehe sich sehr von den Gepflogenheiten zu dieser Zeit unterschied. Sie saß bei den Mahlzeiten neben ihrem Mann und begleitete ihn auch regelmäßig auf seinen Reisen. Er unterstütze ihre Tätigkeiten, die sich der Hilfe für Bedürftige und Kranke widmete. Gemeinsam gründeten sie 1223 ein Hospital in Gotha.

Auch Jahre nach dem Ableben von Ludwig hielt sie sich noch zeitweise auf Neuenburg auf. So wie ‚unser Schwob‘ auch 🙂 Immer wieder taucht er an verschiedenen Orten meiner Reiseberichte auf, Kaiser Friedrich Barbarossa, der mit dem roten Bart aus dem Geschlecht der Staufer. Tja, wir Schwaben sind halt ein reiselustiges Völkchen 🙂

Irgenwie hatte ich auf unserem Rundgang im Hof das Gefühl beobachtet zu werden. Dass dies tatsächlich so war, darauf hat mich mein Mann aufmerksam gemacht 😀
Das kleine Schlossgespenst hatte uns im Blick.

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Bevor es in den Weinkeller weitergeht, kann Schloss Neuenburg noch mit etwas aufwarten, was auch in dieser Zeit ein dringendes Bedürfnis war – soooo aber nicht überall auf den Burgen zu finden ist. Die Rede ist vom stillen Örtchen. Auf Schloss Neuenburg wurde dies ausgeklügelt umgesetzt, und zwar so, dass nicht alle angrenzenden Räume von diesem Duft erfüllt waren. Und ich weiß noch, wie sich dieser Duft ‚anfühlt‘. Als ich noch ganz kleines Kind war und auf dem Bauernhof meiner Oma zu Besuch war, gab es auch noch so eine Latrine. Kalt wars da, der Geruch erfüllte das Treppenhaus ….. nein, ich gehe jetzt nicht weiter darauf ein. Wir können uns glücklich schätzen, dass dies der absoluten Vergangenheit angehört, zumindest bei uns.
Eindrücklich vermittelt Schloss Neuenburg die Funktion der Latrinentürme, weitab von den Gemächern und nur über Außenwege zu erreichen. Es hat mich verblüfft, dass es schon zu dieser Zeit eine Wasserspülung gab. Laut gelacht habe ich allerdings bei der Doppeltoilette. Es ist ja auch heutzutage noch ein ‚Gerücht‘, dass wir Frauen nur zu zweit zur Toilette gehen. War das damals auch schon so?? 🤔

Aber jetzt – Themawechsel – wir gehen in den Weinkeller.

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Schon seit mehr als 1000 Jahren wird an Saale und Unstrut Weinbau betrieben. Unterhalb des Schlosses zeugt auch der Königliche Weinberg davon. Die Ausstellung im Weinkeller zeigt eindrücklich den hohen Stellenwert des Weinbaus in der Region. Und wie hoch dieser Stellenwert zu dieser Zeit war, zeigt die „Weingebürgsordnung“ die Kurfürst Christian I. von Sachsen 1588 erlassen hat. Zudem gab es im Mittelalter eine sogenannte „Krongutordnung“ von Karl dem Großen, in der es Anweisungen gab, wie das Weinland zu bearbeiten ist, zur Weinlese und zur Abgabenordnung, zur Rechnungsführung und zur Hygiene.
Im Mittelalter wurde auch der Totschlag an Weinbauern, der Diebstahl von Wein oder die Zerstörung von Rebflächen mit empfindlichen Bußen und Leibesstrafen belegt.

Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an den Besuch der Reichsburg bei Cochem und der Schlossführung, in der erklärt wurde, dass Wein zu der Zeit das wichtigste Getränk überhaupt war. Es war, anders als das damalige Wasser, nicht verseucht. Und genauso eindrucksvoll wurde dies im Rahmen der Führung „Unterirdisches Zeitz“ in Bezug auf Bier erklärt, das damals mit dem minderwertigen Wasser hergestellt wurde und nicht das prickelndste Getränk geschmacksmäßig war.

Fazit meines Besuchs auf Schloss Neuenburg – DA muss man hin! Prädikat sehenswert!