Freyburg, die Weinhauptstadt an der Unstrut liegt inmitten von sanften Hügeln, Wäldern und Terrassenweinbergen – zu Füßen von Schloss Neuenburg.

Nach unserem kurzen Stopp beim Advent in den Weinbergen in Roßbach ging es ein paar Kilometer weiter nach Freyburg an der Unstrut. Vielen von euch vielleicht ein Begriff? Die Rotkäppchen Sektkellerei hat dort ihren Sitz. Unser Besuch in Freyburg war fast wie Blümchen rupfen … soll ich, soll ich nicht, soll ich …. die Möglichkeiten der Besichtigungen in Freyburg verlangte eine Entscheidung. 14 Uhr Kellereiführung? Oder 14 Uhr Schlossführung? Der Blick zum Himmel brachte die Entscheidung. Nein, keine Erleuchtung von oben, sondern trockenes Wetter mit dem Versuch, dass es die Sonne vielleicht doch noch hinter den Wolken nach vorne schafft. In die Kellerei kann man noch bei Regen.

Es gab keine Parkplatzprobleme in der kleinen Stadt. Wir waren fast alleine unterwegs. Sofort ins Auge fielen die Terrassenweinberge am Rand der Stadt mit den schönen Weinberghäuschen. Wir waren ja an der Mosel viel unterwegs, aber solch schöne Häuschen haben wir dort nicht gesehen. Der Wegweiser machte die Wahl des Weges einfach – und so standen wir schnell auf dem großen Kirchplatz der evang. Stadtkirche St. Marien. Ähnlich wie in Naumburg besitzt auch Freyburg noch einen fast intakten Stadtmauerring, an der Stadtkirche sehr schön sichtbar.

An der Stadtmauer fallen sofort die Scherenschnitte zur Edelacker-Sage auf. Ich habe ein bisschen recherchiert, was es mit diesen Scherenschnitten auf sich hat, und bin auf folgende Geschichte gestoßen:
Landgraf Ludwig II., zu Beginn seiner Herrschaft als milder und gutmütiger Herr bekannt, bekam später den Beinamen „der Eiserne“. Warum? Er lebte im 12. Jahrhundert in einer Schmiede, als er von Rittern und Edelleuten hörte, die mit Handelsleuten und Bauern nicht gerade fein umgingen und sie unterdrückten. Es kam zum Kampf, Ludwig nahm die Ritter und Edelleute auf der Neuenburg gefangen. Zur Strafe spannte er sie immer zu viert vor einen Pflug, als seine Pferde. Hatten diese vier eine Furche gezogen, spannte er die nächsten vier vor – solange bis das ganze Feld geackert war. Zur Mahnung ließ er den Acker mit weißen Steinen einfassen und er hat bis heute den Namen Edelacker. Da er sich damit aber nicht nur Freunde gemacht hatte, trug er stets unter seiner Kleidung einen eisernen Panzer, der ihm seinen Beinamen eingebracht hat.

Die Geschichte der Stadt beginnt eigentlich mit der um 1090 erbauten Neuenburg hoch über der Stadt. Erstmals wurde Freyburg 1203 urkundlich erwähnt und gehörte zum Territorium der Landgrafen in Thüringen. 1261 erhielt sie Stadtrechte. Die Stadt kann aber nicht nur mit einer über 1000 Jahre alten Weinbaugeschichte aufwarten, sondern darf sich zusätzlich zur Weinstadt auch Jahnstadt nennen. Der Turnvater Jahn ist in Freyburg verstorben.

Wir sind jetzt aber immer noch auf dem Kirchenvorplatz der Stadtkirche, die als spätromanische dreischiffige Basilika ca. 1225 erbaut wurde. Oft wird sie als kleine Schwester des Naumburger Doms bezeichnet. Wir hatten an diesem Tag Pech, die evangelische Kirche war verschlossen, und lt. Anhang gibt es außerhalb den Gottesdiensten in den Wintermonaten keine Öffnungszeiten. Schade, sie wird als sehr sehenswert beschrieben. So blieb uns nur der Anblick von Außen.

Der Weg ging weiter zum Marktplatz – immer noch war der ganze Ort verschlafen und kaum jemand unterwegs. Oder saßen sie alle brav zur Mittagszeit beim Essen 🙂 1425 ist der Bau des Rathauses zu lesen, wurde jedoch nach Stadtbränden von 1551 und 1682 umgebaut.
Die meisten Häuser der Altstadt sind erst nach den Stadtbränden entstanden. Allerdings sieht man am Marktplatz auch noch ein Gebäude von 1554, das Haus Nr. 14, mit seinem schön verzierten Portal. Faszinierend sind die vielen unterschiedlichen Giebelfenster.

Durch Seitenstraßen ging es wieder zurück zum Auto. Und fast kann man hier beim Anblick einiger Häuser denken … innen (Innenstadt) hui, außen pfui. Leider, wie noch so oft hier gesehen, sind einige Häuser dem Verfall preisgegeben.

Bevor wir zum Schloß Neuenburg hochfuhren, kamen wir eher per Zufall am Herzoglichen Weinberg vorbei. Lotte wollte uns wohl noch etwas Gutes zukommen lassen und führte uns über eine Nebenstrecke. Die Geschichte dieses Weinbergs lässt sich bis 1774 zurückverfolgen, wo auch das Weinbergshaus mit Rokoko-Ausstattung entstand. Dieser Weinberg mit seiner Terrassenanlage erinnert etwas an die Weinberge an die Mosel, nur dass diese viel steiler sind. Die ältesten Weinstöcke im Weinberg stammen übrigens von 1925.

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