Er ist nicht der älteste Friedhof der Stadt Schwäbisch Gmünd, der St. Leonhardsfriedhof. Aber der, mit den ältesten Grabdenkmälern bekannter Persönlichkeiten.

Eigentlich ist es ja nicht unbedingt DAS Ziel eines Spaziergangs – ein Friedhof. Seit mich meine Tochter jedoch bei einer Reise nach Hamburg vor ca. 15 Jahren zum Besuch des Ohlsdorfer Friedhofs bewegt hat, und sie mich mit ihren Augen auf die vielen, teils historischen, Grabdenkmäler aufmerksam gemacht hat, üben alte Friedhöfe einen gewissen Reiz bei mir aus.

Als ich an diesem Morgen zu meinem Mann sagte: „Wir könnten doch zum Fotografieren auf den St. Leonhardsfriedhof?“ bekam ich mit breitem Grinsen zur Antwort: „Du bist grad wohl ein bisschen fotogiergei…“
Da könnte er nicht unrecht haben 😀 Reizt es mich doch gerade extrem, meine neue Kamera vor einer weiteren Reise weiter zu testen. Und da bieten sich doch so kleine Spaziergänge in der Stadt an.

Ja, ihr habt richtig gelesen „fotogieren“.
Eine kleine Anekdote am Rande: Ein Pater kam während unseres Aufenthaltes in Prag in einer Kirche auf uns zugestürmt als wir gerade am Fotografieren waren (erlaubterweise!) „Sie Deutsche?“ – „Jaa!“ – „Deutsche fotogieren, nur Deutsche fotogieren, immer fotogieren!“ Ahaaaa … und jetzt? Was möchte er uns damit sagen? Fast schon schuldbewusst (obwohl fotografieren ausdrücklich auf Tafeln erlaubt war) zog ich das Genick ziemlich ein.
Als wir ihn fragend anschauten, meinte er lachend „Deutsche fotogieren, andere nicht. Die nur schauen.“
Immer noch war uns nicht so richtig klar, was er denn nun von uns möchte. Und so haben wir ihm erzählt, warum wir fotogieren. Dass eben diese Fotos für meinen Reiseblog gedacht sind.
Da ging ein Strahlen über sein Gesicht „Dann fotogieren sie, fotogieren sie alles was sie möchten. Soviel wie sie wollen. Auch meine Fotos von meiner Missionsstation.“
Wir haben uns noch eine Weile sehr nett mit ihm unterhalten. Als wir uns von ihm verabschiedet haben „sie können auch gerne für Mission spenden“ (was wir dann auch getan haben).
Seitdem gehen wir nur noch „fotogieren“ 🙂 und ich denke dann immer an diesen netten Pater in Prag.

Am Rand der Altstadt von Schwäbisch Gmünd liegt der St. Leonhardsfriedhof, der 1477 zum ersten Mal in Bezug mit einem Begräbnis erwähnt wird. In ganz früher Zeit befanden sich die Friedhöfe noch innerhalb der Stadt, nämlich um das Hl.Kreuz Münster und um die Johanniskirche in der Altstadt von Schwäbisch Gmünd. Da der Platz aber rund um die beiden Kirchen doch sehr begrent war, wurde außerhalb der Stadtmauer bereits ein Friedhof angelegt. Nach und nach wurden die beiden Friedhöfe der Stadt 1804 aus gesundheitspolizeilichen Gründen aufgehoben und die Begräbnise auf den Leonhardsfriedhof außerhalb den Stadtmauern verlegt. Als einziger Friedhof der Stadt verlangte er nach mehrmaligen Erweiterungen und Umgestaltungen.
Als Erweiterungen nach dem Zweiten Weltkrieg aber nicht mehr möglich waren, wurde südöstlich von Schwäbisch Gmünd der Dreifaltigkeitsfriedhof eröffnet. Mit viel größeren Erweiterungsmöglichkeiten ist er bedeutend größer als der St. Leonhardsfriedhof.

Seinen Namen verdankt der Friedhof seinem Schutzpatron, dem hl. Leonhard. Er ist Schutzpatron der Gefangenen und Bauern, aber auch der Gmünder Sensenschmiede, die der Reichsstadt zu Ansehen und Wohlstand verholfen haben.

Vom Parkplatz aus, der ein bisschen versteckt hinter kleinen Fachwerkhäusern ist, kommt man direkt zu einem Ort der Ruhe.

Der angelegte Kreis verkörpert Zeitlosigkeit – es gibt keinen Anfang und kein Ende. In der Mitte ein kleines Wasserbecken, das den Quell des Lebens symbolisiert.
Ein Bereich in dem man zur Ruhe kommen kann ….

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Ein paar Schritte weiter geht es zu den Historischen Grabdenkmälern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die 11 Denkmäler sind von bedeutenden Bürgern der Stadt und wurden nach den Ruhezeiten der jeweiligen Gräbern hier aufgestellt.

Auf zwei verschiedenen Grabfeldern befinden sich die Kriegsgräber mit den Verstorbenen des ersten und des zweiten Weltkriegs.
Wenn man das Alter dieser Männer liest … man wird nachdenklich …..

Vor der Herrgottsruhkapelle haben die verstorbenen Ordensschwestern ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Erstmals erwähnt wird eine Kapelle an dieser Stelle 1495. An ihrer Stelle wurde 1622 die Herrgotsruhkapelle erbaut. Viele Umbauten und Besitzerwechsel folgten ehe sie in zweijähriger Umbauzeit 2012 außen aufwendig saniert wurde. Leider war sie bei unserem Besuch geschlossen.

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Am Südeingang zum Friedhof steht die Leonhardskirche, die schriftlich im Sommer 1345 erstmals erwähnt ist. Der Dach des Chores schreibt man dem Jahr 1340/41, das des Langhauses jedoch erst 1471. Man vermutet, dass die Baumeisterfamilie Parler, die auch das Gmünder Münster erbaute und auch beim Veitsdom in Prag mitgewirkt hatte, auch beim Bau der Leonhardskirche beteiligt war. Von 1776-79 wurde die Kirche im Stil des Barocks umfangreich saniert.

Die Kirche wird hauptsächlich als Friedhofskirche genutzt. Ich hätte sie gerne von innen besichtigt, aber leider war sie geschlossen.

Ich nehm euch jetzt noch wortlos mit über den St. Leonhardsfriedhof. Auch mein Mann und ich sind diese Wege wortlos, jeder für sich und mit seinen Gedanken gegangen ….

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