Er wird als einer der schönsten und größten Quelltöpfe der Schwäbischen Alb beschrieben. Der Brenzursprung bzw. Brenztopf in Königsbronn im Landkreis Heidenheim.

Unsere Erkundung in Königsbronn unter der Überschrift ‚Heimatkunde‘ geht nach dem Besuch des ehemaligen Klosters Königsbronn in die zweite Runde. In wenigen Schritten ist man am südlichen Ende des Ortes und steht wieder in einem kleinen Park. Und wie so oft 😀 – wir gehen nicht der Straße entlang, sondern kürzen ab und kommen zu den

Masselhäuschen in Königsbronn

Zwei kleine Häuschen aus dem 18. Jahrhundert, die zu Fuße des großen Schmiedefelsens stehen. Vielleicht habt ihr es in meinem Bericht zum Kloster Königsbronn schon gelesen, in Königsbronn waren Hüttenwerke beheimatet. Zur weiteren Verarbeitung brauchte man Material, das man in diesen kleinen Häuschen lagerte. Da man Roheisen auf Vorrat herstellte, wurde in einem ersten Schritt das flüssige Material gegossen und in einem nächsten Schritt mit dem Hammer zertrümmert. Und diese kleine Stückchen, die später im nächsten Verarbeitungsschritt wieder geschmolzen und weiterverarbeitet wurde, nennt man Masseln.
Schon geschickt gelöst, denn kleine Stückchen sind ja viel handlicher im Lagern oder Transport wie riesengroße Stücke.

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Ein bisschen Geschichte zur Eisenverhüttung in Königsbronn

Diese Geschichte geht ca. 800 Jahre v. Chr. zurück, denn bereits die Kelten fanden in dieser Gegend die nötigen Rohstoffe zur Eisenverarbeitung. Auch die Römer und Alamannen nutzen die Möglichkeiten. Ab 1361 wurden die Mönche des Klosters aktiv, da sie das Nutzungsrecht über Mühlen und Bergbau erhielten. Und Kaiser IV. sattelte nochmal eins obendrauf, als er dem Grafen von Helfenstein das Recht einräumte, Hämmer an der Brenz (und auch am Kocher) einzurichten. Aber erst fast 100 Jahre später wird das nahe Itzelberg als Eisenschmiede der Region urkundlich erwähnt.

Schwaben sind Cleverle, das zeigen die vielen Tüftler und Erfinder in Baden-Württemberg. Und im Kloster Königsbronn saß auch so ein Cleverle. Der Abt des Klosters dachte sich, wozu alle Arbeit mit eigener Muskelkraft schaffen, wenn es doch um die Ecke eine Quelle gibt, nämlich den Brenzursprung. Er lässt dafür die Eisenschmiede direkt am Brenztopf bauen, die dann mit Wasserkraft betrieben wird. Da war richtig mächtig was los, am Rand der Ostalb.

Wohl immer wenns gut läuft, kommen die Rückschläge. So war es auch beim Hüttenwerk mit dem 30-jährigen Krieg. Und Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Holz knapp. So nach dem Motto ‚wenn du es nicht im eigenen Wald hast, dann holen wir es aus einem Anderen‘ ging es Ende des 18. Jahrhunderts wieder steil bergauf. Der Königsbronner, der dafür mit verantwortlich war – Johann Georg Blezinger – war aber geradeso ein schlauer Kopf wie der Abt des Klosters. Mit seiner Idee und Umsetzung erreichte der Pächter der Eisenwerke ein Aufsehen weit über Deutschland hinaus, denn er ließ unmittelbar am Brenztopf 1772 einen sogenannten „Eisernen Wasserkasten“ bauen. Kein geringerer als Herzog Carl Eugen kam zur Einweihung des Bauwerks nach Königsbronn und Blezinger widmete ihm dafür eine Schmucktafel am Wasserkasten.

Das heutige Gebäude wurde 1860 erstellt und kann nach einer Generalsanierung heute als Kulturhalle genutzt werden.

Jetzt schauen wir uns aber erstmal den so gelobten und derart nützlichen

Brenzursprung oder Brenztopf in Königsbronn

an. Und wer mich da am Brenztopf beobachtet hat, der könnte sich, wie so oft auf unseren anderen Erkundungen, gefragt haben – was sieht die da so viel, weil sie so lange hier steht? Oh, ich habe da ganz viel gesehen. Vermutlich ist diese Stelle bei Fotografen beliebt, denn als wir gegangen sind, hat ein Fotograf mit mehreren Teilnehmern hier eine ‚Fotosession‘ abgehalten. Ich kann ihn voll verstehen. Schaut mal, wie schön es da ist …

Das Wetter war heute aber auch wirklich ideal für solche Spiegelbilder.

Aus der kleinen Öffnung im Fels entspringt die Brenz, die sich auf ihrem weiteren gemächlichen Weg ca. 52 km durchs Brenztal schlängelt, um dann ganz groß in der Donau zu landen. Der Brenzursprung entspringt einer Karstquelle, so wie ihr größerer Bruder, der Blautopf in Blaubeuren. Dieser ist die zweitreichste Karstquelle Deutschlands. Ich möchte mich jetzt nicht festlegen, wer da von den beiden mehr mit einer blaugrün-Färbung des Wassers auftrumpft.
Fakt ist, sie sind beide aus dem Untergrund entstanden. Fast könnte man meinen, dass da auf der Ostalb jemand sitzt, der Niederschlagswasser klaut. Denn davon gibt es bei uns reichlich genug. Aber irgendwie suchte sich hier das Wasser im felsigen Untergrund seinen Weg. Und die Schuld daran liegt etwa 160 Millionen Jahre zurück. Aus der Zeit des Jurameeres besteht das Gestein der Schwäbischen Alb nämlich vornehmlich aus Kalk. Kalk in Verbindung mit Wasser erzeugt einen Prozess, der das Gestein löchrig wie Schweizer Käse macht. Und in diesem kann sich das Wasser vortrefflich unsichtbar machen. Oft entstehen auch so die Trockentäler mit herrlichen Felsformationen wie im Felsenmeer Wental gleich ‚um die Ecke‘ von Königsbronn.

Aber wiederum an anderen Stellen drückt das Wasser eben dann doch an die Oberfläche, so wie hier am Brenztopf. Wie sich der Wasserlauf von zig Millionen Jahren verändert hat, das ist anschaulich am Brenzursprung auf einer Tafel dokumentiert. Der ca. 4 Meter tiefe Quellsee wird hier auf eine Länge von gut 42 Meter und einer Breite mit knapp 20 Metern aufgestaut. Schließlich sollte das Wasser dem Hüttenwerk hilfreiche Dienste leisten. Aber nicht nur dem, wie ihr später noch erfahrt. Ganzjährig beträgt die Wassertemperatur 7°.

Und warum ist das Wasser blau? Da ist die Sonne mit schuld dran, und ich kann das nur sehr ‚laienhaft‘ so erklären: Wasser kann ab einer bestimmten Tiefe, blaue Anteile des Sonnenlichts streuen, die gelben und rote Anteile aber verschlucken. Ist das Wasser dazu noch so klar wie hier am Brenztopf und hat einen hohen Kalkgehalt, wird dieser Effekt noch verstärkt und das Wasser leuchtet blau.

Ich hatte auf jeden Fall meine Freude beim Fotografieren ….

Der Park am Brenzursprung

lädt zum Verweilen ein und ist erholend und informativ zugleich. Ja, man kann der Eisengewinnung hier in Königsbronn wirklich eine Krone aufsetzen – so wie am Brunnen mit seinen vielen Informationstafeln.

Immer wieder ging mein Blick hinauf

zum Schmiedefelsen in Königsbronn

Sehe ich da richtig? Da steht der Eifelturm? Ich wurde ja in Prag eines besseren belehrt, dass viele kleine Nachfolger des großen Eifelturms die übrige Welt erobern. Gegenüber der Prager Burg auf dem Berg Petrin steht eines der Wahrzeichen von Prag – der kleine Bruder des Eifelturms. Wir wollten ihn jetzt bei unserer Herbstreise nach Prag ausgiebig besichtigen. Aber der kleine Fiesling Corona meinte – pfff, nix Prag, du kannst den Eifelturm in deiner Heimat entdecken. Und dieser kleine Nachbau auf dem Schmiedefelsen über den Masselhäusern ist nicht der einzige Nachbau in Königsbronn.

Energiegewinnung mit Wasserkraft – das wurde am Brenztopf mittels einer Turbine umgesetzt. Der so gewonnene Strom musste dann ja auch weiterverteilt werden. Dafür bot sich der Schmiedefelsen an, auf den man kurzerhand den kleinen Eifelturm aus Eisen setzte, der den Strom hoch über den Dächern des Ortes zum Kloster weiterleitete und weiter zum Itzelberger See.

1889 wurden die alte Hammerschmiede, der „Eiserne Wasserkasten“ und noch weitere Bauten abgerissen und die Produktion am Brenzursprung wurde eingestellt. Einige der damaligen Bauten blieben erhalten. Die Produktion wurde auf die andere Talseite verlegt zum Pfefferursprung, dem zweiten Karstquelltopf in Königsbronn, der nicht so leicht einsehbar ist wie der Brenztopf.

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Einmal um die Hammerschmiede und damit ein Blick auf

das Rathaus in Königsbronn

welches das Wahrzeichen der Gemeinde ist. 1775 wurde es von Johann Georg Blezinger, den ihr als den Pächter der Eisenwerke in Königsbronn weiter oben schon kennengelernt habt, umgebaut. Arm war der Mann wahrlich nicht, so wie er den Bau mit einer spätbarocken Fassade erstellen ließ. Wenn Mauern erzählen könnten, dann wäre vermutlich dieses Haus ein kleiner Wasserfall, mit dem was es schon erlebt hat.
110 Jahre mit verschiedenen Nutzungen, als Gasthaus und Wohnhaus oder als Jagschloss für die württembergischen Herzöge, so u.a. für Herzog Carl Eugen von Württemberg, der des öfteren hier zu Gast war. Im Dachgeschoss hatte er sein Fürstenzimmer. Bevor es ab 1885 zum Rathaus wurde, durfte noch für gut 100 Jahre eine Kerzenfabrik hier arbeiten.

Tja, und vor diesem prachtvollen Gebäude hatte ich dann ein fototechnisches Problem. Ihr kennt mich ja vermutlich mitterweile – egal wo ich fotografiere, ich möchte kein schmückendes Beiwerk in Form von Menschen haben. Ich habe meistens die Geduld und kann warten bis ich freie Sicht habe. Aber genau vor dieser schönen Kulisse parkte ein Fahrzeug mit einem riesengroßen Firmenaufdruck. Grmpf! Mir war bewusst, dass selbst Photoshop in diesem Fall versagen würde. Deshalb bekommt ihr eben jetzt nur die obere Hälfte des Rathauses von Königsbronn 😀 Die untere Hälfte müsst ihr euch vor Ort selbst anschauen.

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An dieser Stelle noch ein Wort in eigener Sache:
Man könnte in manchen Berichten, so vielleicht auch hier in Königsbronn denken ‚die wird bestimmt von einzelnen Einrichtungen oder Gemeinden gesponsert‘ damit diese Objekte in meinen Reiseblog kommen. NEIN! Ich werde weder von irgendjemand gesponsert noch dazu aufgefordert Berichte über die jeweiligen Sehenswürdigkeiten oder Orte zu schreiben. Wie sagt man so schön ‚das wächst allein auf meinem Mist!‘ Wenn MIR etwas gefällt und ich denke, ich möchte meine Begeisterung mit der Welt teilen, dann wird ein Bericht draus. Ich frage dann vielleicht schon mal um eine Fotoerlaubnis nach (so wie im Kloster Adelberg) oder (wenn es passt) ob ich ein Zitat verwenden darf.
Aber mein Reise- und Fotoblog ist komplett frei von Werbung und hat nicht die Absicht damit Geld zu verdienen oder mir andere Vorteile zu verschaffen. Und das wird auch so bleiben!

Deshalb ist die Begeisterung, die der kleine Ort Königsbronn bei mir ausgelöst hat, alleinig meine. Ich hoffe aber doch, dass ich euch mit dieser Begeisterung vielleicht angesteckt habe, aus euren Augen vielleicht noch mehr zu entdecken – so wie mir auf dem Rückweg zu Fridolin noch kleine Details aufgefallen sind.

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