Der Uracher Wasserfall, am Ende des Maisentals und am Stadtrand von Bad Urach, fällt als einer der schönsten Wasserfälle auf der Schwäbisch Alb, die Felsen hinab.

In meinem ‚Dreamteam‘ hat mir der Uracher Wasserfall noch gefehlt. Der Blautopf und der Brenztopf (Brenzursprung) haben bereits Beiträge in meinem Reise- und Fotoblog, und da die drei als die Schönsten beschrieben werden, bekam heute Fridolin den Auftrag: Bring uns zum Uracher Wasserfall.

Ganz ganz viele Jahre habe ich diese Richtung auf die Alb gemieden, hängen mir doch in Verbindung mit Bad Urach traurige Erinnerungen nach, die auch jetzt auf der Fahrt wieder hochgeploppt sind. Ich kann mich auch heute noch ganz genau an diesen Anruf erinnern – Pfingstsonntag, 7 Uhr – komm schnell, Papa ist auf Intensiv eingeliefert worden. Meine Eltern waren zur Reha in der Kurstadt und kein Mensch hätte damit gerechnet, dass er drei Tage nach Kurantritt eine Woche um sein Leben kämpft. Er hat es geschafft, nach einer Woche wurde er in meine Heimatstadt verlegt und ich habe die Stadt verlassen, ohne etwas von ihr gesehen zu haben. Ja, das sind halt so die Erinnerungen die da hoch kommen. Vielleicht wäre ich auch an diesem Tag ohne meinen Reiseblog und dem Ziel euch den Uracher Wasserfall vorzustellen, nicht nach Bad Urach gefahren.

Eine liebe Bekannte fragte mich nach unserem Ausflug ganz entsetzt: Du warst aber nicht an einem Sonntag dort? Doooooooch, aber schon am späten Vormittag. Uiiii, meinte sie lachend – wir Einheimischen meiden am Sonntag den Wasserfall. Auch wenn wir bereits zwischen zehn und elf Uhr dort waren, auf den vielen Parkplätzen noch ohne Mühe eine Ruheplätzchen für Fridolin bekamen – sie hatte Recht! Mit einem einzigen Satz kann ich ausdrücken, was ab Mittag dort los war – es war die Hölle los, und fast eine Völkerwanderung zum Wasserfall. Als wir am Wasserfall diese Menschenmengen kommen sahen, haben wir die Flucht ergriffen (auch wegen der aktuellen Lage mit Corona) und sind auf der gegenüberliegenden Seite, ganz allein für uns, wieder zurück. Bedenkt dies vielleicht bei eurer Ausflugsplanung. Aber soweit sind wir jetzt noch nicht – kommt mit zu

meiner Wanderung zum Uracher Wasserfall

Nein, eine Wanderung war es ja nicht wirklich 😀 – eher ein gemütlicher Spaziergang, der auf diesem Weg auch gut mit Kinderwagen oder Rollstuhl zu bewältigen ist. Es ist ein Weg, wie ich ihn liebe …

Ihr kennt mich ja bestimmt schon – ich bin ein Wasserkind.

Am Brühlbach entlang

geht der Weg Richtung Wasserfall. Weit ist es nicht – sofern man nicht wie ich, gefühlt alle drei Meter, stehen bleibt zum Fotografieren 😀 😀

Die Kühe auf der Weide waren noch mit ihrer Morgentoilette beschäftigt. Wo sie etwas später waren? Dazu später …

Weg zum Uracher Wasserfall 0016
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So ein ums andere Mal hätte ich es gerne wie die Kinder auf dem Weg gemacht, Steinchen in Bach werfen, an den Rand stehen – von manch sorgenvollen Augen der Mama begleitet: ich hab aber keine Ersatzwäsche dabei 😲🙏

Gemütlich, manchmal über kleine Steinstufen, plätschert der Brühlbach Richtung Bad Urach entgegen. Keiner würde es dem kleinen Bächle ansehen, dass das Wasser zuvor über den Uracher Wasserfall in die Tiefe gestürzt ist. Denn etwa 150 Meter südwestlich des Wasserfalls ist die Quelle des Baches. Es ist auch eine Karstquelle, so wie beim Blau- oder Brenztopf auch. Regenwasser sickert auf einer Hochebene in die kalkigen Gesteinsschichten. Nach unten wird es durch eine Mergelschicht aufgehalten und kann nicht weiter versickern, also blubbert es nach gewisser Zeit wieder nach oben an die Oberfläche und wird als Quelle sichtbar. Man wird sich jetzt vorstellen können, dass die Menge je nach Wetter mal mehr, mal weniger ist – oder auch mal gar nix sein kann.

Wenn ich die kleinen und größeren Hindernisse im Bachlauf so sehe – sei es ein aufgeschichteter Blätterhaufen oder ein Ast im Wasser – kommt die Erinnerung an meine Kindheit hoch. Mein Elternhaus war direkt neben einem Bach. Ihr könnt es sicher schon ahnen – Inge war nach Erledigung der Hausaufgaben mit den anderen Kindern aus dem Viertel am und im Bach anzutreffen. Wir haben Lägerle gebaut, Wasser aufgestaut, so dass man sich auch mal in einen kleinen Pool setzen konnte – hach, das war schön. Naja, für meine Mutter nicht immer – ‚zieh dich bloß vor der Haustüre aus‘. Im trockenen Zustand wären meine Klamotten sicher das eine oder andere Mal von alleine stehen geblieben 😀 😀

Ihr könnt anhand meiner Fotos meine Begeisterung erahnen, oder?
So manch einer ist an uns vorbei ‚gestürmt‘, den Blick nur geradeaus. Gerne hätte ich manchmal hinterher gerufen – schaut mal, was ihr da alles in der Natur entdecken könnt!
Immer noch am Bach entlang …

An ganz vielen Stellen gab es einen

Blick auf den Rutschenfelsen

Das gesamte Gebiet um diese dominante Felsenformation ist seit 1983 Naturschutzgebiet. Die etwa 60 bis 90 Meter hohen Felsen sind in bestimmten, festgelegten Zeiten ein Kletterparadies. Ich hab ein bisschen gesucht, woher die Felsenwand denn diesen Namen hat, denn runterrutschen ist wohl wahrlich nicht angebracht. Wiki hat mir geholfen 🙂 Schon vor langer langer Zeit wurden dort oben wohl Siedlungen nachgewiesen. Man sieht es schon ringsum, es gibt da viel Wald, in dem man so ab und an mal auch Bäume schlagen muss. Und wie die jetzt hinunter ins Tal bringen? 1680 begann man beim Felsen mit dem Bau einer Holz- und dann später einer Eisenrutsche, um das geschlagene Holz ins Tal befördern zu können. Von dort konnte es dann auf der Erms und weiter auf dem Neckar geflößt werden. Seitdem ist es der „Rutschenfelsen“.

Eigentlich war es ja unser Ziel, am Wasserfall nach oben zu gehen, um dann weiter zum Rutschenfelsen zu laufen. Von dort hätte man eine tolle Aussicht. Tja, eigentlich! Denn bei den vielen Menschen, die den Weg zum Wasserfall eingeschlagen haben und die weiter nach oben sind, ist uns dieser Plan gründlich vergangen. Corona und Herdenlaufen passen für uns nicht zusammen. Also dann – vielleicht ein anderes Mal. Genossen haben wir den Blick aber von unten.

Für Große und Kleine kann der Weg so kurzweilig sein, dass keine Fragen aufkommen müssen: „Wann sind wir endlich da?“
Wir sind angekommen –

Am Uracher Wasserfall

den man heute fast ein bisschen suchen musste. Ihr seht es auf den Fotos, mit Wasser war er heute ein bisschen sparsam. In 623 Meter Höhe entspringt die Karstquelle des Brühlbachs, die dieses Naturschauspiel dann erzeugt. Es hatte die Tage vor unserem Besuch gar nicht geregnet und der Regen davor war wohl doch ein bisschen zu wenig, um einen ‚tosenden‘ Wasserfall zu erzeugen.

Vermischt sich unter der Erde das Wasser noch mit dem Kalk, so wird er nach Austritt an die Oberfläche wieder abgeschieden. Das wird rund vor der Absturzstelle des Wasserfalls abgelagert, mit jedem bisschen mehr Wasser im Bach der über die Ufer tritt setzt sich der Kalk am Rand ab. In der Mitte dieser Kalkrinne gibt es für das Wasser aber kein Aufhalten – es stürzt aus einer Höhe von 37 Meter über die Kante nach unten. Im freien Fall teilt sich der Wasserstrahl.

Dass er bei Ankunft unten auch mal übers Ziel hinausschießen kann, ist logisch. Bei unserem Besuch nicht, aber stürzt sich mehr Wasser nach unten, kann es sich nach allen Richtungen verteilen, bevor es im Brühlbach weiterfließt. Gutes Schuhwerk ist daher sehr ratsam. Und mein Rat mit Kindern, denkt an Ersatzklamotten und -schuhe 🙂  Auch hier am Fuß des Uracher Wasserfalls konnten sich bei dem wenigen Wasser die Kinder nach Herzenslust austoben. Ich hab es mit einem Schmunzeln verfolgt.

Neben dem Wasserfall kommt ihr auf vielen Stufen nach oben. Wie schon geschrieben, wir haben auf diesen Weg schweren Herzens wegen zu vieler Menschen verzichtet. Auch wenn ihr auf meinen Fotos keine seht 🙂 Ich hab da viel Ausdauer gezeigt, dass mir mal keiner durchs Bild lief.

Bevor wir auf der anderen Seite des Brühlbachs wieder das Maisental zurück sind, hab ich

ganz viel Natur am Uracher Wasserfall

getankt. Das Wetter war herrlich, und für uns ist es bei so einem Ausflug nicht unbedingt wichtig ‚Kilometer‘ zu machen (ihr wißt ja vielleicht, Wanderfreaks sind wir eh nicht 😉 ). Wir halten da lieber nach Fotomotiven Ausschau.

Die Kühe, die am Morgen noch beobachtend am Weg standen, haben sich zurückgezogen.
Licht und Schatten …. Mamaaaaa, ich will in Ruhe trinken …

Hatten wir auf dem Weg zum Uracher Wasserfall den Rutschenfelsen im Blick, so war auf dem Rückweg

der Blick zur Burgruine Hohenurach

unser Begleiter. So zwischen 1030 und 1050 ist die Höhenburg nach der Burg Achalm bei Reutlingen über Bad Urach von den Grafen von Urach erbaut worden. Als Wahrzeichen der Stadt verhalf sie dem Ort 1140 zu Marktrechten. Lag sie doch strategisch günstig an wichtigen Handelsstraßen.
Zuerst dachte ich, da haben ‚meine‘ Staufer, auf deren Spuren ich ja auch unterwegs bin, nicht die Finger mit im Spiel. Pustekuchen Inge, klar hatten sie! Die Grafenbrüder unterstützten 1235 König Heinrich VII., einen Sohn des Stauferkaisers Friedrich II., der salopp gesagt, ein bisschen renitent gegen seinen Vater wurde. Burg Achalm konnten sie in einer kriegerischen Auseinandersetzung gegen die Kaisertreuen gerade noch retten, bei einer Schlacht im Swiggertal 1235 wurden die Uracher Grafenbrüder und Heinrich jedoch geschlagen. 1239 wurde die Burg Hohenurach dann an die Grafen von Württemberg verpfändet. Nachdem das Staufergeschlecht um 1250 ausstarb, ging auch das Uracher Grafengeschlecht unter, bzw. spaltete sich auf.

Wenn Ruinenmauern noch reden könnten, ich glaube, sie würden dem Uracher Wasserfall Konkurrenz machen. Soviel hätten sie zu erzählen. Nachdem 1694 ein Blitzschlag Teile der Burg zerstörte, gab man 1761 die einstmalige Festung auf. Teilweise wurde sie abgebrochen, um damit Schloss Grafeneck zu bauen. Mit ihren Ausmaßen in den Längen von ca. 280, 230 und 110 Metern zählt Hohenurach zu den größten und bedeutendsten Burganlagen in Süddeutschland.

Bei uns kam sie auf den „Wiederholungszettel“, da wir auf der Fahrt nach Bad Urach auch Burg Teck erspäht haben, die da ebenfalls schon auf dem Zettel stand, im Moment aber wegen Corona geschlossen. Da können wir dann  ‚Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen‘. Ich bleib dran! Ihr auch? – An meinem Reise- und Fotoblog? 🙂

Dass unsere Entscheidung (für uns) richtig war, wieder zu Fridolin zurückzukehren, haben uns die vielen Parkplatz suchende Menschen gezeigt. Nix wie weg und Platz machen für den Nächsten. Und wir? Was machen wir nun mit dem angebrochenen Nachmittag? Wir haben uns für einen kurzen Stadtrundgang in Bad Urach entschieden. Mit weit weniger Menschen, die heute Erholung in der Natur gesucht haben.

Ihr lest schon mein Fazit aus diesem Ausflug heraus? Prädikat ‚wirklich empfehlenswert‘, ein Ausflug zum Uracher Wasserfall mit der herrlichen Umgebung und Natur pur. Aber ob gerade an einem Sonntag? Jeder darf seine Entscheidung selber wählen.

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