Mittelalterliches Flair, schmale Gässchen und ganz viel Fachwerk – das erwartet den Besucher südlich des Kochers. Die Katharinenvorstadt, ein Stadtteil von Schwäbisch Hall, hat was zu bieten.

Ein Tag in Schwäbisch Hall, das stand heute auf unserem Plan. Oder auch anders ausgedrückt: erkunde die kleinen Fachwerkstädtchen, die rings um deine eigene Stadt Schwäbisch Gmünd liegen. Das habe ich mir zur Aufgabe gemacht, nachdem Fiesling Corona uns mal wieder einen richtig fetten Strich durch unsere Planung gemacht hat. Nix weiter Prag erkunden! Nein! Lerne deine Heimat noch besser kennen. Und nachdem wir am Vortag mal wieder ausgiebig in meinem Heimatstädtchen Schwäbisch Gmünd unterwegs waren, starte ich diese Serie in der Stadt, die einiges mit meiner Stadt gemeinsam hat. Und nicht nur das Schwäbisch im Ortsnamen. In beiden Städten waren die Staufer aktiv. Und beiden Städten wird nachgesagt, dass sie eine der Schönsten im Süddeutschen Raum sind.

Bei diesem Beitrag muss ich mein Fazit gleich mal an den Anfang holen. Diesem Ruf wird auch Schwäbisch Hall gerecht, und es ist mir schlicht unmöglich, euch das Flair dieser Stadt in nur einem Beitrag zu vermitteln. Deshalb habe ich dieser kleinen Katharinenvorstadt von Schwäbisch Hall auf der südlichen Seite des Kochers einen eigenen Beitrag gewidmet. Am Ende des Berichts werdet ihr wissen warum. Wir waren knapp zwei Stunden hier unterwegs. Und erleben auf unseren Entdecker-Fototouren auch immer kleine Anekdoten. Eine Frau, auf dem Weg zum Einkauf, ging meinem Mann bewusst aus dem Weg, als sie ihn mit der Kamera an der Straße am Kocherufer stehen sah. Ich rief ihr lachend zu „Keine Sorge, wir fotografieren immer ohne schmückendes Beiwerk.“ Was ihr ein Schmunzeln entlockte.
Als wir nach unserer ausgiebigen Erkundungstour durch die Katharinenvorstadt auf der Kocherbrücke Richtung Altstadt standen, kam sie uns mit ihren Einkäufen entgegen und lachte: „Ja, sie sind ja immer noch am Fotografieren!“ – „Jaaaa, Hall hat soooo viele wunderschöne Motive.“ Sie schaute mich etwas überrascht an und meinte „Da gibt es doch schon so viele Fotos im Internet zu finden.“
„Stimmt! Aber nicht auf meinem Reiseblog!“

Das war der Moment, in dem ich ihr gerne eine Visitenkarte zugesteckt hätte, damit sie sich die fertigen Berichte über ihre Stadt anschauen könne. Es war …. tadaaaaa …. die Geburtsstunde meiner Visitenkarten für den Reiseblog 🙂

Schaut selber, liegt sie nicht wie gemalt da am Kocher entlang da?

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Ich informiere mich bei unseren Städtetouren schon meistens über einen Stadtführer. Das dient aber nur für den Überblick. Denn wir sind Meister darin, das Feld ganz oft von hinten aufzurollen. Und so war das auch in Schwäbisch Hall. Fang nicht beim Rathaus an, sondern zuerst in der Katharinenvorstadt. Naja, sie lag ja auch wirklich präsent vor unserer Fotolinse 🙂 Nein, eigentlich war es

die Weilervorstadt in Schwäbisch Hall

die uns vom Parkplatz sofort auf die andere Seite des Kochers zog. Malerischer geht ja wohl kaum mehr, oder?

Um auf die andere Seite zu gelangen, haben wir den einfachsten Weg gewählt – über die

Henkersbrücke zur Weilervorstadt

1228 wurde die dreiteilige Bogenbrücke zum ersten Mal erwähnt. Damals aber noch als Holzbau und als Ritterbrücke oder St.-Johanns-Brücke. Diese Namen gefallen mir eindeutig besser, zumal ja auch ein Ritter das Eck eines Gebäudes ziert. Zu Stein wurde sie 1502 und einfach so kam man damals nicht über die Brücke. Es wurde vom reichstädtischen Henker ein Holzzoll erhoben, und hatte so ihren Namen. Wir mussten keinen Zoll entrichten, aber einem Blick auf das Brückenhäuschen kann man sich nicht entziehen.
Die Brücke fiel in den letzten Kriegstagen, wurde aber 1949 wieder im heutigen Aussehen aufgebaut.

Festes Schuhwerk wäre für Schwäbisch Hall empfohlen. In der Altstadt ist man nicht nur auf Kopfsteinpflaster unterwegs, es geht auch gerne bergauf in der kleinen Stadt. Meine Tochter meinte nach unserem Besuch in Hall (sie war schon mehrfach dort): Schnuggelige Stadt, aber überall geht es bergauf 😂 Naja, in dem engen Kochertal blieb ja nicht viel Platz, außer den Berg hoch.

Wir sind nach der Henkersbrücke rechts die kleine Anhöhe hoch zum

Weilertor

das 1330 entstanden und 1570 verstärkt wurde. Schönes Fleckchen …

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Unser Ziel war dann, ein paar Schritte zurück

die Johanniterkirche in der Weilervorstadt

die keine Kirche mehr im eigentlichen Sinne ist. Aus dem 12. Jahrhundert stammt die ursprünglich romanische Kirche, die ihren Namen vom Johanniterorden bekam, der gleich neben der Kirche auch ein Spital betrieben hat. Später ein Gasthaus „Ritter“ (Ritterbrücke? 🙂 ) und jetzt ein Kaufhaus. Der Johanniterorden hat seine Aufgaben in der Krankenpflege gesehen. Etwa um 1600 verließen sie aber die Stadt, die Kirche blieb aber noch für evangelische Gottesdienste. Noch – denn nach der Säkalusierung erwarb 1816 die Stadt die Kirche, die fortan als Lagerraum und dann als städtische Turnhalle diente.

2004 bekam die Kirche einen neuen Eigentümer – die Würth-Gruppe, deren Name einem in Schwäbisch Hall noch öfter auffällt. 2008 wurden in der Johanniterkirche Ausstellungen für die Kunst des Mittelalters und der frühen Neuzeit eröffnet. Im Südwestfernsehen gibt es eine Sendung „Kunscht“ mit einem geflügelten Satz, den wir respektvoll vor solchen Objekten gerne anwenden ‚Isch des Kunscht, oder koa des weg?‘ (Wie das ‚fotogieren‘ bleiben halt solche Sätze hängen 🙂 )
NEIN, das kann nicht weg – die Skulpturen vor dem ehemaligen Gotteshaus haben Lust erzeugt, auch die Ausstellung im Inneren zu bewundern. Aber – an unserem Ausflugstag war leider geschlossen. Da es in Schwäbisch Hall noch die Kunsthalle Würth gibt, ist ein weiterer Besuch in Hall nicht ausgeschlossen.

Während wir jetzt, mit dem Blick auf kleine Details Richtung Katharinenvorstadt gehen, darf

ein bisschen Geschichte zum Stadtteil Katharinenvorstadt in Schwäbisch Hall

nicht fehlen. Schwäbisch Hall wurde größer, und so stand mit der Katharinenvorstadt im 14. Jahrhundert die dritte Stadterweiterung an. Am Ufer des Kochers konnte man sich nicht beliebig ausdehnen, also ging es den Hang hinauf. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde der Stadtbereich dann ummauert (am Weilertor gibt es noch Reste davon). Handwerker haben sich in diesem Stadtbereich angesiedelt. Man könnte sich vermutlich noch länger dort aufhalten, als wir es schon gemacht haben.

An allen Ecken und Enden gibt es herrliche Fotomotive. Kleine und große Fachwerkhäuser, eng und schäps aneinandergereiht – kleine Treppen nach oben – die Haller verstehen es vortrefflich, die begehrten Fotomotive liebevoll dekoriert in Szene zu setzen. Und ich glaube, sie sind auch stolz darauf, dass ‚die Auswärtigen‘ dies erkennen. Das hat mir ein ums andermal ein Haller gezeigt, der mich hat fotografieren sehen.

Zwei Hauptstraßen führen durch die Katharinenvorstadt – eine oben auf der Anhöhe (die haben wir ausgelassen, soll aber auch sehenswert sein), die andere führt unten am Kocher entlang,

die Mauerstraße in der Katharinenvorstadt

Mit einem offenen Blick entdeckt man das Denkmal von Johannes Brenz. Ab 1522 war der bedeutende lutherische Theologe als Prediger und Reformator an der Schwäbisch Haller St. Michael-Kirche. Auch dort wird ihm mit einem Grabmal geehrt.

Wie ihr an meinen Fotos sehen könnt – ich liebe solche Sträßchen. Und noch mehr die Häuser und verwinkelten Ecken ….

Genau zwischen diesen zusammengebauten Häusern sind wir die vielen Treppen hoch in den höheren Teil des kleinen Stadtteils.

Es waren (auch später in der Altstadt auf der anderen Kocherseite) wenig Besucher unterwegs. Aber hier in die Katharinenvorstadt haben sich so gut wie keine Touristen verirrt. Auf den Treppen wurden wir von einem Ehepaar überholt, das zielstrebig zur Kunsthalle Würth abbog. Man begegnet der Würth-Gruppe (vor allem im Schwäbischen) an allen Ecken, ist Reinhold Würth doch einer der erfolgreichsten Unternehmer der Gegenwart. Schrauben? Nur von Würth! Die Firmengruppe hat auf dem ehemaligen Bereich der Löwenbräu Brauerei ein modernes Kunstmuseum eingerichtet. Wir haben Kunst heute jedoch außen vor gelassen und sind an der Kunsthalle vorbei zur

Katharinenkirche in der Katharinenvorstadt

Sie ist vermutlich die älteste Haller Kirche und ist der Hl. Katharina von Alexandrien gewidmet. Schon um 900 stand an dieser Stelle eine Kirche. Im Zuge der Besiedlung der Katharinenvorstadt entstand 1343 der hochgotische Chor. Das Langhaus bekam ein steileres Dach und größere Fenster. 1961 wurde der Innenraum umgestaltet und soll viele kleine Schätze beherbergen. Soll … denn für uns, und für noch zwei Mädels (die weiteren einzigen Touris), die sich auch die Kirche anschauen wollten, blieben die Türen verschlossen. Beim Blick auf die Öffnungszeiten war dann klar ersichtlich: Einlass nur Samstag und Sonntag von 13-17 Uhr (im Winter von 14-16 Uhr).

So musste uns heute der Blick von außen genügen. Übrigens führt an der Kirche der Jakobsweg vorbei. (Die Kirche bleibt auf unserem To-do Besichtigungszettel)

 

So wie wir nach oben zur Katharinenkirche gekommen sind, ging es auf anderem Weg genauso schön wieder nach unten. Kleine Gässchen, liebevoll dekoriert. An dem großen markanten roten Backsteinhaus kann man nicht vorbei gehen.

Das Sudhaus in Schwäbisch Hall

ist keine Burg oder so.  Nein, in diesem Haus wurde 90 Jahre lang Bier für die Haller Löwenbrauerei gebraut. Auch dieses denkmalgeschützte Gebäude gehört zur Würth-Gruppe und versorgt nicht nur die Besucher der gegenüber liegenden Kunsthalle mit Kullinarischem. Die Ausblicke von der Dachterrasse konnten wir nicht genießen, dafür gab es einen Blick von unten über die Dächer der Haller Altstadt.

Der Holzsteg war jetzt unsere Möglichkeit über den Kocher auf die Altstadtseite überzuwechseln.

Der Rote Steg, das Gerberhaus und der Gerberturm in Schwäbisch Hall

Der Steg wurde 1350 zum erstenmal erwähnt. Es war aber keine Möglichkeit für Fuhrwerke den Kocher zu überqueren. Wer hier durch das Tor durch die Stadtmauer auf das linke Kocherufer einfuhr, der musste die Mauerstraße entlangfahren und konnte erst auf der Henkersbrücke auf die andere Seite gelangen.

In diesem Bereich des Stadtteils lebten zu früherer Zeit die Gerber. So quasi die Randgruppe zu dieser Zeit, ihr Handwerk ging halt nunmal nicht ohne besondere Düfte ab, deshalb hatten sie direkt am Wasser und kurz vor den Stadttoren ihr Quartier. Bewunderswert ist wirklich, dass die ganzen Häuser denkmalgerecht saniert sind.

Bevor wir über den Steg hinüber Richtung Altstadt sind, musste natürlich ganz klar der Steg aufs Foto. Gar nicht so einfach – mal flitzte ein Fahrrad drüber, mal kam ein Passant von der anderen Seite her, mal wollte einer rüber. Ganz lieb fand ich, dass mehrfach diese Menschen neben mir warten wollten, damit ich den freien Steg fotografieren konnte. Das muss ja auch mal erwähnt werden, gell. Ich ließ sie dankend ihren Weg fortsetzen, wir hatten ja Zeit 🙂

Ihr kommt bestimmt mit über die Brücke, denn das was uns da gleich nach dem Roten Steg erwartet, ist super schön.

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