Die ursprüngliche Kirche geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Heute ist die Chiesa Santi Michele e Gaetano (Kirche der Hl. Michael und Kajetan), oder auch kurz Chiesa San Gaetano, im Florentiner Stadtteil Santa Maria Novella eine der wichtigsten Barockkirchen in Florenz.

Der zweite Tag in Florenz diente immer noch dem Ziel ‚Überblick verschaffen‘ und dabei besichtigen was gerade auf dem Weg liegt. Vier Wochen in Florenz wollten ja schon geplant sein, und akribisch habe ich mich in den Wochen davor durch die Sehenswürdigkeiten von Florenz gewühlt, und unsere Rundgänge inklusive dem was wir sehen wollten zusammengestellt. Aber schon der erste Tag gestern hat mir da gehörig meine Arbeit durcheinander gepustet. Klar sah ich anhand mancher Grundrisse von Kirchen, dass die von ‚klein‘ weit entfernt sind. Dass wir uns aber locker knapp drei Stunden in der Kirche Santa Maria Novella aufhalten können, stand in meinen Reiseführern nicht dabei 😀

Jeder setzt ja die Prioritäten bei seinen Besuchen anders. Als ’normaler‘ Tourist würde ich vermutlich auch etwas schneller durchgehen. Mit Hintergrund auf meinen Reise- und Fotoblog und dem Ziel, Leser, die nicht nach Florenz kommen, sich aber für die Objekte interessieren einen Einblick zu geben, dauert es halt bei uns immer etwas länger 😀 Auch heute stand wieder eine Kirche auf dem Zettel und das Vorhaben, uns den Dombezirk näher anzuschauen.

In vielen Reiseführern, samt Internet, konnte ich lesen – stundenlanges Anstehen bis man in den Dom kommt. Möglichst die Karten im Voraus buchen …. usw. Das wollten wir uns vor Ort anschauen, und um es gleich vorweg zu nehmen: außer in die Uffizien haben wir keine Eintrittskarten im Voraus gebucht. Die Uffizien gab es als vergünstigtes Kombiticket mit dem Pitti Palast, hier hatten wir eine Woche Wartezeit zu unserem Besichtigungstermin. Vor dem Dom und der Medici-Kapelle standen wir nur sehr kurz, bis wir Einlass bekamen. Zwar gab es wirklich viele Touristen in Florenz, aber wir waren mit Mai doch noch lange nicht in der Hauptreisezeit. Vor allem haben wir die Stadt am Wochenende gemieden, da haben wir das Feld den Wochenendtouristen überlassen. Wie hier die Wartezeiten waren, kann ich euch deshalb leider nicht sagen.

Wir waren bereits auf dem Rückweg unserer Besichtigungen Richtung Bahnhof und S-Bahn, die uns zurück in unseren Vorort von Florenz und unserer Wohnung bringen sollte. Rein zufällig entdeckte ich bei einem Blick zurück diese Kirche. ‚Nicht noch eine‘ – ich sah den Gedanken meinem Mann förmlich an, aber die Fassade der Kirche war doch eher ungewöhnlich gegenüber den anderen Florentiner Kirchen, so dass er meinem bittenden Blick doch nachgab. Kommt mit zu

meiner Besichtigung der Kirche (Chiesa) Santi Michele e Gaetano im Stadtteil Santa Maria Novella in Florenz

die mit meinem üblichen Blick auf die

Außenansicht der Kirche Santi Michele e Gaetano in Florenz

beginnt. Dieses Aussehen bekam die Kirche aber erst mit ihrem Neubau ab 1648 und hob sich damit doch ziemlich zu den anderen Kirchenfassaden in Florenz ab. Über drei Kirchentüren finden sich links und rechts die Statuen von San Gaetano (Hl. Kajetan) und des Hl. Andreas Avellino. In der Mitte sitzen die Symbole der Hoffnung und Armut neben dem Wappen der Theatiner. Diesem Orden wurde die Kirche 1592 übergeben.

Wer sich an einem Kirchenbau beteiligt, egal ob ganz oder nur in der Fassade, der bekommt auch sein Wappen dort angebracht. Ich habe es noch nie bei allen unseren bisherigen Besichtigungen so auffällig gesehen – das Wappen der Familie de Medici, das gleich mehrfach dort angebracht wurde, wo sie als Wohltäter auftauchen. Auch hier an der Fassade sieht man das Wappen ganz oben, die Kugeln im Wappenschild.

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Mein üblicher Blick nach Betreten einer Kirche gilt immer erst dem Gesamten.

Die Innenansicht der Kirche San Gaetano in Florenz

ohne lange auf freien Blick warten zu müssen, war dem verdankt, dass wir die einzigen Besucher in der Kirche waren. Und mir war da schon klar, so mal schnell rein, gucken und wieder raus klappt hier nicht.

Ausführlich alles immer zu besichtigen, ist in den Florentiner Kirchen nicht immer gegeben. Ganz viele haben über den Mittag geschlossen, und selbst wenn sie dann geöffnet haben, heißt es nicht, uneingeschränkt zu besichtigen. Oft werden nämlich am Vormittag oder späten Nachmittag Gottesdienst gehalten. 

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Bedeutet: bitte Kirche verlassen, wenn man an diesem nicht teilnehmen möchte. Diese ‚Gefahr‘ war aber hier weit und breit nicht in Sicht. Bevor ich mir die Kirche aber im Detail anschaue, gibt es

ein bisschen Baugeschichte zur Kirche (Chiesa) San Michele e Gaetano in Florenz

Die geht vermutlich bis so um 850 zurück, als hier eine Kirche samt einem Kloster existiert haben soll. Die ersten sicheren Überlieferungen der Kirche, die dem Erzengel Michael und dem Hl. Kajetan v.Thiene geweiht ist, gehen ins Jahr 1055 zurück. Damals aber noch unter anderen Kirchennamen. Die Abtei Nonantola, ein Benediktinerorden, hatte die Kirche in Florenz unter ihren Fittichen. Geleitet wurde es von einem Prior und weltlichen Chorherren. 1286 erfuhr die Kirche eine erste Renovierung, was aber nicht die letzte bleiben sollte.

Zeitweise wurde die Kirche auch von den Mönchen von der Basilika San Miniato al Monte genutzt. Aber nur solange, bis die Kirche 1592 dem Theatrinerorden übergeben wurde.

Der Namenspatron der Kirche, Kajetan von Thiene

ist der Mitbegründer dieses Ordens und stammt aus einem venezianischen Grafengeschlecht. Er studierte zunächst Jura in Padua und wurde Geheimer Sekretär des Papstes. Als er da mitbekam, wie es im Klerus zuging, ließ er sich 1516 zum Priester weihen. Sein Ziel war es, damit eine Reform beim Klerus zu erreichen. Damit er nicht allein gegen diese Mißstände kämpfen musste, gründete er die Ordensgemeinschaft der Theatriner. Papst Clemens VII. (aus der Familie de Medici) bestätigte die Gründung, und er konnte seine Arbeit in Rom aufnehmen. Es war aber zu der Zeit durch die Sacco di Roma ziemlich unruhig in Rom, der Kirchenstaat wurde geplündert, und so mussten er und seine Ordensbrüder aus Rom fliehen.

Am 07. August 1547 verstarb er auf auf seinem Bußgewand auf dem Boden. 1629 wurde der Initiator der bedeutendsten Reformkraft in Italien selig, 1671 heilig gesprochen. Ich durfte auf der Karlsbrücke in Prag, wo er als große Statue steht, schon seine Bekanntschaft machen. Fortan hatte die Kirche also zwei Namenspatrone. Aber zum Erzengel Michael muss ich euch wohl nichts weiter erzählen.

wappen de medici kirche san gaetano florenz 4871Jetzt sollte eine neue, größere und schönere Kirche gebaut werden. Da die Theatriner Verbindungen zum Florentiner Adel hatten, war die Finanzierung der Kirche dank Spenden und Vermächtnissen kein Problem. Auch die Familie de Medici, denen ja Papst Clemens VII. angehörte sponserte den Kirchenbau zudem. Ihr seht es ja am Wappen an der Kirchenfassade und im Inneren der Kirche. Ziel der Adelsfamilien war es, mit ihren Spendengeldern die schönste Barockkirche von Florenz zu bauen. 1604 wurde der Grundstein dazu gelegt, und so rund 100 Jahre wurde gebaut und ausgestattet.

Ende August 1649 konnte der Kardinal die Kirche weihen, die Außenarbeiten wurden aber erst 1701 abgeschlossen. Als der Orden aufgehoben wurde, war es ab 1785 eine Pfarrkirche in Florenz. Aber eine wunderschöne …

Und die schau ich mir jetzt genauer an. Mein erster Blick geht zum

Hauptaltar in der Kirche San Gaetano in Florenz

der nach der Einweihung der Kirche 1649 noch eine Aufhübschung bekommen hat. Der Marmoraltar war eine Spende der Familie Corsi und natürlich dürfen dann auch deren Wappen an der Seite nicht fehlen. Ein bissle ehrenkäsig waren sie ja alle schon in Florenz 😉 1678 wurde die Kuppel mit einem Fresko geschmückt, das den Hl. Kajetan und den Erzengel Michael zeigt.

 

In dieser Kirche, wie auch in so vielen anderen von mir besichtigten Kirchen, ist wirklich jeder Fleck ausgenützt. Vor allem mit

Seitenkapellen in der Kirche Santi Michele e Gaetano (Hl. Michael und Kajetan) in Florenz

Alle kann ich nun wirklich nicht im Detail anschauen und fotografieren, obwohl sie ja wirklich wunderschön sind.

Vor allem auch die Kuppelfresken in den jeweiligen Kapellen sind sehenswert. Die Kirche ist in Form eines Kreuzes, vom Langschiff ohne Säulen gehen Seitenkapellen ab, im Querbalken sind weitere Kapellen. Insgesamt sind es acht (wenn ich mich nicht verzählt habe).

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Von ein paar Kapellen muss ich euch aber doch ein paar Details zeigen. Da sind die

Franceschi-Kapelle und Ardinghelli-Kapelle in der Kirche des Hl. Michael und Kajetan in Florenz

Ich hab euch ja weiter oben geschrieben, dass der Kirchenneubau von adeligen Familien gesponsert wurde. Gibt man Geld dazu, dann hat man auch das Recht auf eine Kapelle. Der Vater eines Theatiner-Mönchs, Baron Filippo Franceschi bekam diese Seitenkapelle. Als Altarbild gab er 1637 „Das Martyrium des Hl. Lorenz“ in Auftrag. 

Die Ardinghelli-Familie ist gleich nebenan und hat die Himmelfahrt Marias zum Thema. Es gibt unheimlich viel allein nur in einer Kapelle zu entdecken, da neben dem dominanten Altarbild auch beide Seitenwände mit Gemälden geschmückt sind. Von den Deckenfresken jeweils ganz zu Schweigen.

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Martelli-Kapelle in der Kirche San Gaetano

Keine Ahnung ob die Familie Martelli sich dachte, viele Heilige bringen mehr Seelenheil? Denn auf das Altarbild mussten Johannes der Täufer, der Hl. Andreas Avellino, der hl. Franziskus und Maria –

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und das in farbenfroher Ausführung. Leider kann ich euch dieses Altarbild nicht zeigen. Die Lichtverhältnisse waren teilweise so schlecht, dass ich dann nur ‚Spiegelbilder‘ bekam. Meine Empfehlung: eine Reise nach Florenz 😉

Geehrt werden in dieser Kapelle auch zwei Familienmitglieder, aber nur solche, die auch eng mit der Kirche verbunden waren. Für alle anderen musste die allgemeine Kapelle genügen. Das Deckenfresko zeigt, wie die Unbefleckte Maria vom Hl. Vater empfangen wird.

Die Rosso-Kapelle in der Kirche des Hl. Kajetan

ist dem Hl. Apostel Andreas geweiht. Das Altarbild, das ihn dargestellt hat, wurde durch die Madonna mit dem Kind ersetzt. So sehr ich auch gesucht habe, ich konnte nichts darüber finden, wer der Mönch in der Kapelle ist. Etwa der Namenspatron der Kirche? Wisst ihr es? Dann teilt es mir gerne per Kommentar oder per Mail mit.

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Noch schnell die letzten Blicke auf die Seitenkapellen …

bevor mein Blick zur

Orgel in der Kirche Santi Michele e Gaetano (Hl. Michael und Kajetan) in Florenz

hinaufwandert. 1933 fand hier eine Mascioni-Orgel ihren Platz.

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Mit diesem Blick lässt sich schon etwas ganz Besonderes erkennen –

die Apostel und Evangelisten in der Kirche der Hl. Michael und Kajetan (Chiesa Santi Michele und Gaetano) in Florenz

die als übergroße Marmorstatuen einen der wichtigsten florentinischen Zyklus dieser Art aus dem 17. Jahrhundert darstellen. Damit man sie auch zuordnen kann, zeigen Reliefs unter der Statue Episoden aus deren Leben. Ab 1640 begann der Reigen dort oben, bis dann so um 1700 alle 14 ihren Platz hatten. Vielleicht nicht alle, aber bestimmt einige werdet ihr sicher an ihren Attributen erkennen, oder?

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So, nach dieser letzten Besichtigung am heutigen Tag, war dann aber endgültig mein Aufnahmespeicher voll. Aber ich hätte mich wohl geärgert, diese wunderschöne Kirche auszulassen.

Jetzt hieß es nur noch – durch die kleinen Gässchen Richtung Bahnhof, eine Station mit der S-Bahn, um dann umzusteigen und mit dem Spätnachmittagstrubel im Bus heimzukommen.

So kommt ihr zur Chiesa Santi Michele e Gaetano (Kirche der Hl. Michael und Kajetan) in Florenz