Die Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz ist eine Kirche im Renaissance-Stil im Stadtteil Oltrarno. Berühmt ist sie für die Fresken in der Brancacci-Kapelle.

Kirchentag in Oltrarno, auf der Südseite von Florenz – so kann man das heutige Besichtigungsprogramm übertiteln. Man kommt ja aber auch an den vielen Kirchen in Florenz kaum vorbei. Und nicht immer sieht man es dem Kirchenbau von außen an, ob er im Inneren ‚uninteressant‘ ist, oder ob er kostbare Schätze hütet. Selbst klitzekleine Kirchen, wie wir sie auf unseren Landausflügen besucht haben, haben ihre Kostbarkeiten.

Vier Wochen in Florenz, in DER Kunststadt schlechthin – uns war klar, dass das kein Urlaub im Liegestuhl wird. Aber diese Form von Urlaub ist ja eh nicht unser Ding. Dieser Kirchenbesuch begann aber erstmal mit einem Dämpfer, nachdem wir zunächst den falschen Eingang gewählt haben. „Haben Sie ein Ticket?“ „Nein, braucht man das?“ Ja, braucht man, aber nur wenn man in die Brancacci-Kapelle will, die ihren separaten Eingang neben der Kirche hat. Auf Nachfrage, ob man denn noch ein Ticket kaufen könnte, kam die Antwort: nein, nur online und für heute und die nächsten Tage sind alle Termine schon ausgebucht. Uahhhh, zum ersten Mal nach einer Woche Besichtigungen wurden wir mit dem konfrontiert, was ich zuvor auf einigen Internetseiten gelesen habe: lange Wartezeiten. Wobei ich nicht den Eindruck hatte, dass die Stadt wahnsinnig überlaufen ist mit Touristen.

Klar gab es am Dom schonmal eine kleine Warteschlange, die sich dann aber doch recht zügig wieder minimiert hat. Einzig beim Besuch der Uffizien (in Kombination mit dem Pitti Palast und dem Boboli Garten) mussten wir eine Woche auf einen Termin warten. Naja, kein Einlass in die Kapelle, aber die Kirche war zur Besichtigung geöffnet, deshalb kommt jetzt mit zu

meiner Besichtigung der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

die mit der

Außenansicht der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

beginnt. Diese Ansicht erinnert mich sofort an die Basilika San Lorenzo, die ebenfalls ‚unvollendet‘ in ihrer Fassadengestaltung blieb. Aber die inneren Werte zählen ja. Leider hat es sich jemand zu dem Zeitpunkt, als ich die Kirche von außen von der Piazza del Carmine fotografieren wollte, direkt auf den Kirchenstufen gemütlich eingerichtet. Keine Chance ihn aus dem Bild zu bekommen, und schmückendes Beiwerk in Form von Menschen möchte ich auf meinen Fotos ja vermeiden. Da war es ausnahmsweise auf der Piazza menschenleer, und dann sowas 😏🤷‍♀️

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Klein sieht das Kirchenschiff von der Seite nicht gerade aus. Bevor es an die Innenbesichtigung geht, gibt es davor noch

ein bisschen Baugeschichte zur Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

Es war die Zeit, als sich in Florenz in den verschiedenen Stadtteilen die Ordensgemeinschaften niederließen. Hier waren es die Karmeliter, die 1268 ihr Kloster gegründet haben, natürlich mit einer Klosterkirche. Sie wurde der Schutzpatronin des Ordens geweiht – „Unserer lieben Frau auf dem Berge Karmel“ – wir sind in Italien, dann also „Santa Maria del Carmine“. Auf dem Berg Karmel im Heiligen Land fing nämlich alles mit dem Orden an.

1328 stand die erste Erweiterung des Ordenskomplexes an, um 1464 mit einem Kapitelsaal und dem Refektorium abermals erweitert zu werden. Es wurde auch in den Folgejahren gewerkelt, erweitert und renoviert, bis 1771 durch ein Brand fast die ganze Arbeit zunichte gemacht wurde. Das Innere der Kirche wurde nahezu vollständig zerstört, nur die berühmte Brancacci Kapelle und die Sakristei wurden wie durch ein Wunder nicht ein Raub der Flammen.

1782 wurde die Kirche im Inneren im Rokoko-Stil wieder in der bisherigen Form eines Kreuzes aufgebaut. Die Fassade blieb allerdings ohne jegliche weitere Verzierungen. Ob dafür nun die Finanzmittel fehlten, oder ein Plan? Oder sogar ein ausführender Künstler? Keine Ahnung, auf jeden Fall blieb sie, so wie San Lorenzo, ganz einfach und schlicht stehen. 1954 wurde sie zur Basilika minor erhoben.

Ja, die Kirche macht von der Piazza aus keinen einladenden Eindruck. Vermutlich würde man sie unter ’nicht wichtig‘ ablegen, wenn man nicht gerade für einen Besuch der Kapelle Brancacci diesen Weg einschlägt. Aber – ich wiederhole mich da so oft – hinter einem unscheinbaren Äußeren verbirgt sich oft ein glänzender Kern.

Die Innenbesichtigung der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

zeigt im ersten Moment nur ein großes Kirchengebäude, dominiert von einer kleinen Baustelle im Langschiff. Trotzdem, wie immer in meinen Kirchenberichten, gibt es erstmal im gesamtem

die Innenansicht der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

die zeigt, dass sich tatsächlich nur wenige Besucher in das Kirchengebäude verirrt haben.

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Ich bleibe ja meist immer zuerst am Eingang einige Zeit stehen, um die Kirche auf mich wirken zu lassen. Aber auch um mir einen Gesamtüberblick zu verschaffen, was bei einigen Kirchen in Florenz auch dringend notwendig ist. Hier in der Kirche geht mein Blick aber zuerst an

die Decke in der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

Um es gleich vorweg zu nehmen, SO eine Kirchendecke habe ich bei unseren ganzen Kirchenbesichtigungen in Florenz nicht mehr gesehen. Diese Decke erinnert mich ganz stark an unsere Besichtigung von Schloss Troja in Prag, in der diese illusionistische Malerei im Kaisersaal zu sehen ist. Christi Himmelfahrt, und auch wenn die Malerei nicht die gesamte Kirchenlänge von 82 Meter betrifft, man meint, die Decke zieht sich über die ganze Kirche. Meine Emma und ich fahren bei solcher Pracht immer zur Höchstform auf 😀

Ich bin begeistert, und gespannt was mich noch erwartet.

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In der

Hauptchorkapelle in der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

hat auch die Orgel ihren Platz gefunden. Leider war ansonsten so gut wie nichts über die Ausstattung zu finden.

Die Fresken in der Chorkuppel von Santa Maria del Carmine

zeigen die Jungfrau Maria unter den Heiligen. Emma hat ein paar Szenen näher geholt.

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Mein Blick geht nach links, zur

Corsini-Kapelle in der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

die, so sagt man, die schönste Barockkapelle von ganz Florenz sein soll. Zwei Vorbesitzer hatte die Kapelle, bevor 1675 Mitglieder der Familie Corsini den Auftrag zum Bau oder Umbau der Kapelle gaben. So ab dem 12. Jahrhundert hat sich die Familie in Florenz niedergelassen. Wie so viele andere Kaufmannsfamilien aus Florenz machten sie ihr Vermögen mit Handel und ihrer Privatbank. Immer wieder lagen aber solche starken Familienverbunde im Clinch mit dem Medici-Clan, so auch die Familie Corsini. Mal war das Verhältnis entspannt, und mal angespannt. Mit ihrem Reichtum investierte die Familie in Grundstücke der Toskana, aber auch im Kirchenstaat. Und da blieb es nicht aus, dass die Päpste die Familie in Form eines Adelstitel entschädigten. Einer aus dem Hause Corsini, Lorenzo, wurde sogar 1730 als Clemens XII. Papst von Rom.

Den Auftrag zur Erstellung der Kapelle bekam Giovanni Battista Foggini, der ab 1687 als Hofbildhauer und Hofarchitekt für die Medici-Familie tätig war. Von ihm stammen die Reliefs in der Kapelle, die Szenen aus dem Leben des Hl. Andrea Corsini darstellen. Zu ihm später noch mehr. Zum Glück erlitt die Kapelle beim Brand 1771 keine größeren Schäden.

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Das Grabmal des Hl. Andrea Corsini in Santa Maria del Carmine

1318 trat er in das Noviziat des Karmeliterordens ein, nachdem er wohl seine Jugend gut ausgelebt hatte. Nachdem er von seinen Studien in Paris zurückkam, wurde er 1332 zum Prior des Klosters gewählt und wurde 1349 Bischof von Fiesole, dem kleinen Ort auf einem Hügel über Florenz. Da es im Klerus nicht immer so zuging wie es sollte, wurde er als päpstlicher Gesandter als Friedenstifter eingesetzt.

Aufopferungsvoll kümmerte er sich um die Armen und pflegte während der großen Pestepidemie die Kranken. Schon zu Lebzeiten, aber auch nach seinem Tod, wurden ihm zahlreiche Wunder zugesprochen. 1373 erkrankte er während der Christmette und verstarb am 6. Januar 1374.

Recht bald nach seinem Tod begann seine Verehrung, die dann 1440 zu seiner Seligsprechung führte. Urban VIII. sprach ihn dann 1629 heilig. Er ist in der Familienkapelle beigesetzt, und noch heute ist sein Leichnam unverwest.

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Die Reliefs in der Corsini-Kapelle in Santa Maria del Carmine

hab ich ja schon weiter oben beschrieben. Sie waren eines der frühesten Werke dieser Art in Florenz.

Auch

das Kuppelfresko in der Corsini-Kapelle

handelt vom Leben des Hl. Andrea Corsini. Es wurde 1682 von Luca Giordano bemalt. In so gut wie jeder Florentiner Kirche gibt es eine oder mehrere wunderschön bemalte Kuppeln zu bewundern. Im religiösen Kontext das Symbol des Aufstiegs vom irdischen Leben in das Himmelreich.

Grandios sind in dieser Kirche die Kuppeln mit ihren Fresken und den nahtlosen Übergängen von einem ins andere. Wir haben in den vier Wochen in Florenz wirklich viele Kirchen besichtigt, und abgesehen vom Dom, dem Baptisterium und der Medici-Kapelle habe ich tatsächlich in keiner Kirche so ein imposantes Deckengemälde-Ensemble gesehen.

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Glaubt jetzt aber nicht, das war’s jetzt. Es gibt ja noch die rechte Seite des Hauptaltars. Was links gilt, muss auch rechts mit den

Deckenfresken im Querschiff der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

fortgesetzt werden.

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Auf dieser Seite liegt die berühmte

Branacci-Kapelle bei der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

die wir an diesem Tag nicht besichtigen konnten. Als wir aber von der Kirche den Blick auf die Kapelle warfen, mit ihrem Gerüst ringsum, haben wir beschlossen, dass wir diesen Besichtigungspunkt von unserer Liste streichen. Warum? Zum einen standen noch richtig viele Punkte da drauf, und zum heutigen Tag ahnten wir noch nicht, dass wir auch da wegen der enormen Hitze einiges streichen würden. Zum anderen boten uns die Gerüste nicht den Fotoblick, den wir uns dort eigentlich gewünscht hätten.

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Klar, könnt man auch ohne fotografieren anschauen, aber das war ja nicht mein Ziel. Wir sind da schon etwas rigoros in unseren Entscheidungen, so auch bei unserem (gewollten) Besuch der Synagoge in Florenz. Fotografieren nicht erlaubt. Okay, das hätten wir ja gerade noch geschluckt, denn sie ist schon eine der bedeutendsten Synagogen in Italien. Die Unfreundlichkeit der Dame am Kassenschalter hat uns dann aber bewogen, dem Synagogenbesuch den Rücken zu kehren.

Ein bisschen Baugeschichte zur Brancacci-Kapelle in Florenz

die 1386 im Auftrag von Pietro Branacci begonnen wurde. Erst sein Neffe, Felice Branacci, ein Seidenhändler, gab so nach 1423 den Auftrag die Wände der Kapelle zu bemalen. Arm war der Händler durch seinen Seidenhandel wahrlich nicht. Eine geschickte Heirat mit einer Strozzi-Tochter brachte ihn zur Politik. Es gab dann ja 1433 das Komplott einiger mächtigen Familien in Florenz, darunter auch die Familie Strozzi, die Familie de Medici zu stürzen und aus Florenz ins Exil zu schicken. Aber nicht lange, ein Jahr später kamen sie wieder zurück, übernahmen wieder das Ruder. Gut bekommen ist das auch Branacci nicht, er musste ins Exil und galt fortan als Feind der Repubik.

Der Maler Masaccio bekam 1424 den Auftrag, die Kapelle mit Szenen des Namenspatrons des Onkels und Stifter der Kapelle, dem Hl. Petrus, auszumalen. 1427 war auch der Maler Masolino an den Arbeiten beteiligt – fertig wurden sie aber nicht. 1485 beendete dann Fra Filippino Lippi den Auftrag und schuf in der Kapelle einen der bedeutendsten Freskenzyklen der Frührenaissance. Man kann es mit Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle gleichsetzen. Wie durch ein Wunder wurde diese Kapelle beim Brand der Kirche verschont. So einen Schatz kann man nur durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die von der Computerfirma Olivetti finanziert wurden, für die Nachwelt erhalten. Seit 1990 können die Fresken besichtigt werden.

Wenn ihr mehr über den Freskenzyklus erfahren möchtet, dann klickt einfach HIER für mehr Informationen. Sollten wir irgendwann wieder nach Florenz kommen, dann werden wir uns die Kapelle anschauen.

Ich bleib noch ein bisschen bei den

Kapellen im Querschiff in der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

Lasst sie einfach auf euch wirken. Wer sich die Kirche vor Ort anschauen möchte, es sind insgesamt noch vier Querschiff-Kapellen, hier seht ihr zwei davon.

Auf dem Weg zum Ausgang, schau ich mir die

Altarbilder im Kirchenschiff der Basilika Santa Maria del Carmine in Florenz

genauer an.

„Die Kreuzigung“ von Giorgio Vasari

entstand 1560. Ihm seid ihr in meinen Berichten beim Ponte Vecchio oder der Kirche di Santa Felicita bestimmt schon begegnet. Er war derjenige, der in Rekordzeit den Vasari-Korridor von dem Palazzo Vecchio zum Palazzo Pitti gebaut hat. Der Architekt, Maler und Schriftsteller läuft mir in Florenz noch mehrfach über den Weg.

„Die Geburt Christi“ von Francesco Gambaccini

entstand so um 1782. Leider habe ich über den Künstler überhaupt nichts gefunden.

„Der Hauptmann von Kafarnaum“ von Giovanni Maria Butteri

Von diesem Maler des italienischen Manierismus, finden sich in aller Welt seine Werke. Denn diese Bewegung war nicht nur auf Italien begrenzt. Im Stil dieser Kunstrichtung findet man übrigens in der Statuenhalle auf der Piazza Signoria „Die Entführung der Sabinerinnen“.

Den Hauptmann von Kafarnaum, der von Christus Heilung für seinen Knecht erfleht, kann man auch im Matthäus Evangelium nachlesen. „Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst; aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“  So soll er seinen Freunden, die er losgeschickt hat, aufgetragen haben, Jesus zu bitten, seinen Diener wieder gesund zu machen.

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Lasst die übrigen Altarbilder einfach wortlos auf euch wirken …

Ein letzter Blick in der Basilika, mit der Erkenntnis, man sollte sich von einem unscheinbaren Äußeren nicht leiten lassen.

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